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Märkte

Ölpreis zeigt Stärke! Saudis sind es leid, Putin im Fokus , Montag Meeting!

Claudio Kummerfeld

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Beispielbild einer Öl-Pumpe

Der Ölpreis zeigt heute Stärke! Oft ist es so, dass nach starken Anstiegen, die auf wackligen Füßen stehen, Stunden später oder am Folgetag ein Kurseinbruch erfolgt. Aber schaut man auf den folgenden Chart (Kursverlauf seit Anfang der Woche), dann kann sich der Ölpreis nach dem gigantischen Anstieg von gestern gut halten! Von 21,90 Dollar stieg WTI-Öl gestern schnell auf bis zu 27,27 Dollar in der Spitze. Aber das war nur ein ganz kurzer schneller Ausschlag. Wichtiger waren die Stunden danach und die Entwicklung über Nacht! Das erhöhte Niveau konnte gehalten werden. Das ist ein wichtiges Signal. Mit aktuell glatt 25 Dollar notiert der Markt noch 14,15 Prozent höher als gestern Nachmittag.

Trump-Tweet pushte den Ölpreis

Gestern berichteten wir über den Auslöser für diesen Mega-Push im Ölpreis. Donald Trump twitterte, dass er mit den Saudis gesprochen habe, die wiederum mit den Russen gesprochen hätten. Nun erwarte er eine Fördermengenkürzung von 10-15 Millionen Barrels pro Tag. Wow, rummms. Der Ölpreis explodierte schnell nach oben! Ob die Russen wirklich schon auf Linie sind für eine koordinierte Kürzung? Oder hat Donald Trump mal wieder weit übers Ziel hinaus geschossen? Schließlich ist er ein konstanter Lieferant von Fake News. Von daher sind seine Aussagen mit Vorsicht zu genießen!

Die Saudis sind es leid

Wichtig ist: Die letzten Jahre, wo es von Seiten der OPEC immer wieder Fördermengenkürzungen gab um den Ölpreis zu pushen, hielten sich einige Mitglieder nicht so wirklich an die Vereinbarungen. Die Saudis als größter OPEC-Partner und de facto Kartell-Anführer hatten dann mehrmals die eigene Fördermenge weiter gekürzt als notwendig, damit das Gesamtziel erreicht wird, nämlich eine Fördermengenkürzung, die auch am Markt spürbar ist. Nun weigerte sich Russland als externer OPEC-Partner jüngst, bei einer weiteren Kürzungsrunde mitzumachen. Erneut gab es die Möglichkeit, dass Saudi-Arabien in Eigenregie nun wieder mehr kürzt als notwendig. Aber nein, diesmal waren die Saudis es leid, immer selbst drauf zu zahlen. Nun sollen die anderen endlich mit ins Boot kommen. Mit der globalen Überflutung der Ölmärkte senden die Saudis ein brutales Signal an alle Öl-Förderländer, dass nun wirklich jeder aufgefordert ist seinen Teil beizutragen, damit weltweit die Fördermengen schrumpfen. So soll das Angebot runter schrumpfen, um sich der brutal geschrumpften Nachfrage zu nähern, die dank der Coronakrise weggeschmolzen ist.

Putin im Fokus um den Ölpreis zum Ansteigen zu bekommen

Man darf annehmen, dass die Saudis nicht nur von ihren OPEC-Partnern und Russland echte Kürzungen ihrer Fördermengen erwarten. Nein, man erwartet wohl auch, dass die USA mitmachen? Das wird aber schwierig, weil die Öl-Förderung in den USA in den Händen hunderter Privatunternehmen liegt. Darunter große Konzerne, aber auch mittelgroße und kleine Fracking-Buden in Texas, North Dakota etc. Da könnten höchstens Industrie-Verbände versuchen koordiniert eine freiwillige Kürzung dieser Unternehmen hinzubekommen. Wladimir Putin ist die entscheidende Figur in diesem Spiel, bei dem es darum geht den Ölpreis deutlich zum Steigen zu bekommen. Die Golfstaaten, Venezuela, die US-Fracker, alle ächzen unter dem viel zu niedrigen Ölpreis. Auch Russland verliert Geld, aber alle anderen sind darauf angewiesen, dass auch Russland mitmacht. Wird Putin von Trump ein Entgegenkommen verlangen? Aktuell hört man, dass die Russen auf eine Teilnahmer der Amerikaner an der Fördermengenkürzung bestehen könnten. Man wird sehen. Und wer soll wie viel kürzen, wenn es denn wirklich um Größenordnungen von 10-15 Millionen Barrels pro Tag geht? Das kann verdammt spannend werden!

Montag Meeting

Nach aktuellen Infos wird die OPEC am Montag ein Online-Meeting organisieren, bei dem auch externe Partner zugeschaltet werden sollen. Kann man dann schon eine global koordinierte Fördermengenkürzung vereinbaren? Das ist eine verdammt komplexe Aufgabe. Wer kontrolliert, dass auch wirklich alle mitmachen? Und wie will man die US-Fracker schnell zum Runterfahren ihrer Förderleistung bewegen? Gut möglich ist es, dass am Montag nach dem Meeting vielleicht erstmal nur eine Absichtserklärung verkündet wird, damit der Ölpreis nicht gleich wieder Richtung 20 Dollar rauscht. Ganz aktuell hört man von einer Kürzung von nur 6 Millionen Barrels pro Tag, die im Kreise der OPEC+ diskutiert werde!

Analystenmeinungen nach dem starken Ölpreis-Anstieg von gestern

Hier einige Analystenmeinungen von heute früh zum Thema Öl. Milan Cutkovic von Axitrader erwähnt auch die Ankündigung von US-Präsident Trump, dass sich Saudi-Arabien und Russland darauf einigen würden ihre Öl-Förderung um 10 bis 15 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Schon aber herrschen Zweifel, ob solch ein Deal zustande kommen werde, ohne dass die USA auch ihre Öl-Produktion reduzieren, so Cutkovic.

Jaspwer Lawler von der London Capital Group erwähnt aktuell die ungewöhnliche Art und Weise wie der US-Präsident die Nachricht verbreitete. Man könne nur vermuten, ob die Kürzung um 10 Millionen Barrel pro Tag stattfinde. Dies würde eine massive Kürzung um 10 Prozent der weltweiten Produktion bedeuten. Die Frage sei, um wie viel die Nachfrage aufgrund der Coronakrise gesunken ist. 50 Prozent? 10 Millionen Barrel seien wahrscheinlich immer noch nicht genug. Man werde sehen müssen, dass auch die US-Produzenten ihre Produktion reduzieren. Aber ein solches Abkommen wäre nach den amerikanischen Anti-Kartellvorschriften nicht zulässig. Es sei daher unklar, welche Kombination von Zuckerbrot und Peitsche bei den Russen und Saudis verwendet wurde. Es sei möglich, dass wir bald sehen könnten, dass einige US-Sanktionen gegen Russland aufgehoben werden, so spekuliert Jasper Lawler. Alles für den „guten Zweck“, nämlich den steigenden Ölpreis, möchten wir fragend hinterher werfen.

Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank sagt heute, dass es angesichts der sehr bedeutenden Zahl (10-15 Mio Kürzung) nicht verwunderlich wäre, wenn die Investoren von einer viel kleineren Aktion enttäuscht wären, wenn es überhaupt eine geben werde. Die gute Nachricht sei, dass die Saudis nun ein OPEC+-Notfalltreffen mit Russland einberufen haben. Auch wenn die Saudis Marktanteile gewinnen würden, würde die schrumpfende Größe des Gesamtkuchens die billigsten Ölproduzenten der Welt sicherlich dazu ermutigen, ein Abkommen über eine niedrigere Produktion abzuschließen, um den Ölpreis und damit seine Einnahmen zu verbessern. Nachdem Russland die dramatischen Folgen seines Vetos vom letzten Monat gesehen habe, habe es Interesse daran sich ebenfalls auf eine Kürzung zu einigen. Und die Intervention sollte mindestens 5 Millionen Barrels por Tag betragen, um zumindest dem Einbruch der eingebrochenen Nachfrage zu entsprechen, so Ipek Ozkardeskaya.

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Ölpreis Kursverlauf seit Montag

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    3. April 2020 10:45 at 10:45

    Jetzt noch einen Ölpreisschock nach oben und wir haben die Finanz-und Währungskrise.

  2. Avatar

    thinkSelf

    3. April 2020 11:03 at 11:03

    „Nachdem Russland die dramatischen Folgen seines Vetos vom letzten Monat gesehen habe, habe es Interesse daran sich ebenfalls auf eine Kürzung zu einigen.“

    Wieder ein schöner Satz, der zeigt das Banker echt von nix eine Ahnung haben.10 Millionen Barrel entsprechen der Fördermenge einer der großen drei.
    Die kleineren Produzenten brauchen alle dringend Kohle und werden die Förderung nicht kürzen. Die amerikanische Ölindustrie hat da auch kein Interesse, denn die Preissteigerungen müssten die Mengenreduktionen schon massiv überkompensieren damit das Sinn macht.

    Und Russland hat aktuell einen einzigartigen strategischen Hebel in die Hand bekommen. Und Putin wird den nutzen. Er wird die Ölförderung nur dann einschränken, wenn er dafür enorme politische Zugeständnisse bekommt. Die Russen sind Entbehrungen gewöhnt und halten das lange durch. Das können weder die USA noch die Saudis.

    • Avatar

      Scheer

      3. April 2020 15:23 at 15:23

      Endlich jemand der mitdenkt! Volle Zustimmung.
      Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen. Es liegt nicht im entferntesten Sinne der russischen Regierung eine schnelle Einigung zu erlangen. Der Grund liegt auf der Hand, eine schnelle Einigung würde den die Front „Ölpreiskrieg“ den amerikanern entnehmen und für eine wirtschaftliche Entspannung sorgen. Aber das ist doch gar nicht das Ziel des Russen. Der größte Schaden ist die Amerikaner im Glauben zu lassen das es zu einer Einigung kommt und nicht nur die Fracker in Mitleidenschaft zu ziehen sondern gleichzeitig die Gläubiger, sprich die Banken. Das gelingt nur wenn nur russische Glaubensbekenntnisse ausgesprochen werden.
      Das ganze wird sich nur dann ändern wenn die Möhre so groß ist, dass es sich für den Russen geopolitisch und nachhaltig wirtschaftlich lohnt.
      So weit sind die Amerikaner aber nicht, die haben den Schuss noch gar nicht gehört und denken nach wie vor das Zentrum der Welt zu sein – Das wird sich bitter rächen!

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Indizes

Aktienmärkte: Großbritanniens FTSE 100, vor einer Aufholjagd?

Wolfgang Müller

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am

Stehen die Aktienmärkte Großbritanniens, vor allem der FTSE 100, vor einer Aufholjagd? Knapp viereinhalb Jahre dauert das Gezerre um den EU-Austritt Großbritanniens schon, der Brexit, der mit dem Referendum vom 23. Juni 2016 eingeleitet wurde. Jetzt ist es nur noch ein Monat bis zum letzten Datum. Entsprechend gelitten haben die britischen Aktienmärkte, weil Anleger eine starke Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen auf der Insel erwarten. Eine Chance für ein Comeback international aufgestellter Titel?

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Aktienmärkte in Großbritannien: Die Einpreisung der Schwierigkeiten

Betrachtet man sich die Performance der Leitindizes verschiedener Länder, so kann man feststellen, dass die Investoren aufgrund des britischen Sonderweges einen kleinen Bogen um die Insel gemacht haben. Seit dem Referendum sahen die Entwicklungen der internationalen Aktienmärkte wie folgt aus (bis Ende November):

S&P 500 pus 73 Prozent
Dax plus 32 Prozent
CAC 40 plus 27 Prozent
FTSE 100 minus 14 Prozent

Auch die britische Währung hat unter dem Sonderweg stark gelitten, von 0,76 zum Euro auf aktuell 0,90 EUR/GBP.

Großbritanniens Schwäche ist auch ein relativ hohes Leistungsbilanzdefizit, also der Handel von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. 2019 lag dieses Defizit bei 4,0 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die britische Volkswirtschaft ist auf Kapitalzuflüsse aus dem Ausland angewiesen –  aber würde eine Abwertung des britischen Pfunds nicht auch Vorteile für die Exportwirtschaft generieren?

Gibt es ein Comeback britischer Aktien?

Die ersten Fondsmanager rechnen mit einem Aufschwung des britischen „Footsies“, denn britische Aktien haben im Vergleich zu den internationalen Märkten ein 50-Jahrestief erreicht. Es gibt viele Aktien, die in der Skepsis gegenüber der eigensinnigen Politik von Premier Boris Johnson über Gebühr verloren haben. Ob aus dem Pharmasektor – es gibt auch noch andere Werte als AstraZenecca -, dem Bankensektor (mit niedrigsten Kurs/Buchverhältnissen) oder aus dem Energiebereich, der an der Wall Street gerade so ein gewaltiges Comeback gefeiert hat. BP und Shell sind Energieriesen, die aber sehr von der Entwicklung des Ölpreises abhängen.

Für 2021 sind Fondsmanager der Hoffnung, dass die Bewertungslücke zu Europa wieder etwas geschlossen wird. Vor allem wenn es zu einem Handelsabkommen mit der EU kommen sollte. Außerdem darben derzeit viele britische Aktien im Sammelindex FTSE 100, die als Global Player ihre Gewinne außerhalb Großbritanniens einfahren. Mitgefangen, mitgehangen – aber wie schnell sich die Aktienmärkte umorientieren können, haben wir in letzter Zeit bei der Branchenrotation zwischen Growth und Value beobachten können. Auf der anderen Seite gilt es zu bedenken, dass Empfehlungen von Investmentbanken wie Morgan Stanley eigentlich nur bedeuten können: man hat schon einen Fuß in der Tür.

Fazit

Die Aktienmärkte und damit zahllose Investoren hatten Zeit genug, um die wirtschaftlichen Konsequenzen des britischen Sonderwegs in die Kursentwicklung einfließen zu lassen.

Was ist also, wenn es doch nicht so schlimm kommt, wie man es vorsorglich bedacht hat? Oder wenn es doch noch eine Lösung auf den letzten Drücker gibt? So oder so dürfte der 31. Dezember nicht mehr viel an großen negativen Überraschungen liefern, die Zeit bis zum Jahresende bleibt aber spannend. Beim Kampf um die Impfstoffzulassung, beim Fight um eine Jahresendrally für die Aktienmärkte – und um die Jahresperformance in der aktiven Fondsbranche und beim ersten Vortasten auf aussichtsreiche Investments für das Jahr 2021.

Die Aktienmärkte Großbritanniens: Potential für den FTSE 100 nach dem Brexit?

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Gold/Silber

Goldpreis steigt spürbar – warum man weiter vorsichtig sein sollte

Claudio Kummerfeld

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Mehrere Barren aus Gold

Der Goldpreis steigt nun den zweiten Tag in Folge spürbar an. Das ist ein gutes Zeichen für die Bullen. Aber es ist keine autarke Bewegung. Auch andere Preise von Edelmetallen steigen gleichzeitig. Es kann sein, dass (nun endlich?) der immer weiter fallende US-Dollar positiv auf die vorwiegend in US-Dollar gehandelten Edelmetalle durchgeschlagen ist in Form steigender Kurse. Also, kann der Gold-Bulle nun wieder einsteigen und auf absehbarer Zeit auf Kurse über 1.900 Dollar hoffen?

Goldpreis steigt, mehrere positive Signale

In den letzten Wochen war der Goldpreis übel abgestürzt um fast 200 Dollar, aufgrund zahlreicher positiver Corona-Impfstoff-Meldungen. Die bringen Hoffnung für eine besser laufende Konjunktur und somit gut laufende Aktienmärkte, was schlecht für den sicheren Hafen Gold ist. Gestern ging Markus Fugmann der Frage nach, ob der Abverkauf der letzten Wochen bei Gold als Vorbote für einen Crash an den Aktienmärkten anzusehen ist – mehr dazu hier. Aber zurück zur Aktualität. Der Goldpreis steigt seit seinem Tief am Montag bei 1.764 Dollar auf aktuell 1.824 Dollar. Damit hat er die Marke von 1.820 Dollar überschritten, und damit mehrere Verlaufshochs aus letzter Woche, aber auch die wichtige 200 Tage-Linie. Das sind gute Signale für die Gold-Bullen. Im Chart sieht man den Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen.

Blick auf die Geldflüsse bei Gold-ETF

Gestern sprachen wir bereits über die Wichtigkeit der Geldflüsse in und aus den Gold-ETF (Begriffserklärung hier). Immer mehr Profi- und Privatanleger stecken zunehmend mehr Geld in ETFs, sei es auf Indizes, Gold oder sonstige Anlageklassen. Die ganze letzte Woche liefen die Geldflüsse raus aus den ETFs. Wie die Experten der Commerzbank heute erwähnen, gab es auch gestern einen Abfluss aus Gold-ETF im Umfang von 9 Tonnen. Bevor es zu einer Trendwende im Goldpreis kommen könne, müsse es auch bei dem ETF-Geldfluss einen Trendwende geben. Und ja, so möchten wir anmerken. Neben dem US-Dollar werden auch diese ETF-Zuflüsse und Abflüsse für den Goldpreis immer wichtiger.

Nicht nur dass man als Bulle weiter auf einen Dreh bei den ETF-Geldflüssen warten sollte (dies ist keine Handelsempfehlung). Auch kann man den Anstieg der letzten 48 Stunden im Goldpreis immer noch als technische Reaktion in einem überverkauften Markt ansehen. Gestern erlebte der US-Dollar einen sehr klaren Absturz, der Dollar-Index (Währungskorb) fiel von 91,79 auf 91,11 Punkte heute Nacht. Bis jetzt ist er wieder auf 91,33 Punkte gestiegen. Dies half Gold wie gesagt beim Ansteigen. Ob der jüngste Anstieg im Goldpreis schon die große Kehrtwende darstellt, darauf sollte man noch nicht blind vertrauen!

Unsicherheiten in den USA

Donald Trump blockiert aktuell neue Stimulus-Pakete in den USA, was zu einer politischen Lähmung bis zur Amtsübergabe am 20. Januar führen könnte (mehr dazu hier). Dennoch gab es gestern einen Vorschlag aus beiden Parteien für ein neues Rettungspaket für die US-Konjunktur. Auch von der Fed hörte man Aussagen über die Dringlichkeit eines weiteren Konjunkturpakets. Die designierte US-Finanzministerin und ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen warnte vor einem sich selbst verstärkenden Abschwung in den USA. Zahlreiche politische Unsicherheiten lasten derzeit auf dem US-Dollar. Dies könnte die nächsten Tage positiv für den Goldpreis wirken. Also, die Hoffnung für die Gold-Bullen ist vorhanden, aber man muss jetzt noch schauen, ob sich die seit 48 Stunden laufende kleine Hausse verfestigt.

Chart zeigt Kursverlauf im Goldpreis in den letzten 30 Tagen

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Indizes

Aktienmärkte: Die Renaissance der Nebenwerte – dauerhaft?

Spätestens nach dem 9. November und der Pfizer-Impfstoff-Meldung haussieren mit den Nebenwerten die vorherigen Verlierer der Aktienmärkte!

Wolfgang Müller

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Spätestens nach dem 9. November und der Pfizer-Impfstoff-Meldung haussieren die vorherigen Verlierer der Aktienmärkte. Nun aber  ist er wieder öfters im Gespräch, der Russel 2000, der Sammelindex für die Nebenwerte in den USA. Er haussiert seit der großen Impfstoffhoffnung und konnte sein Hoch aus dem Herbst 2018 überwinden, weil sich natürlich viele sogenannte Value-Werte in ihm befinden. Eine etwas absonderliche Bezeichnung für zahlreiche Titel, die man auch unter dem Begriff „Zombies“ einordnen könnte, weil sie nur wegen der niedrigsten Zinskosten am Leben gehalten werden können. Doch welche Bedeutung hat der Nebenwerte-Index überhaupt für die Aktienmärkte der USA oder auch bei globalen Indizes?

Aktienmärkte: S&P 500, der große Wal

Betrachtet man sich den gesamten US-Aktienmarkt, so könnte man schon etwas in Schleudern geraten. Der US-Markt ist mit seinen über 40 Billionen Dollar Marktkapitalisierung unglaublich riesig, auch im Verhältnis zur Welt-Marktkapitalisierung, die in diesem Jahr bereits über 98 Billionen Dollar gestiegen ist. Dies schlägt sich natürlich auch in der Gewichtung des Weltindex MSCI World mit seinen 1650 Aktien nieder. Der US-Anteil liegt aktuell bei 66 Prozent. Wer den Weltindex kauft, kauft die USA, so könnte man es salopp formulieren. Und dabei in erster Linie das Dickschiff, den S&P 500. Dieser Leitindex ist der mit Abstand größte Aktienindex in der Welt und repräsentiert etwa 75 Prozent der US-Marktkapitalisierung. Hier beginnt das Verwirrspiel, denn die großen FANGMAN-Titel, also Amazon, Apple und Co, die bereits über 25 Prozent an Gewicht im Index bringen, sind teilweise zugleich auch in anderen Indizes vertreten. Aus diesem Umstand ergibt sich folgende Marktkapitalisierung der Aktienmärkte in den USA zum gestrigen Stand:

S&P 500: Marktkapitalisierung 27,34 Billionen Euro, umgerechnet 32,8 Billionen Dollar
Dow Jones: Marktkapitalisierung 7,92 Billionen Euro – 9,5 Billionen Dollar
Nasdaq: Marktkapitalisierung 12,96 Billionen Euro – 15,55 Billionen Dollar
Allein die Addition ergäbe schon über 52 Billionen Dollar.

Und was bleibt da für die Nebenwerte im Russel 2000? Dieser repräsentiert in etwa 10 Prozent der US-Marktkapitalisierung. Die aktuell höchste Gewichtung haben folgende Titel:

Novocure Ltd – Medizin&Geräte – 0,39 Prozent
Arrowhead Pharmaceutical – Biotec&Pharma – 0,33 Prozent
Haemonetics Corp – Medizintechnik&Geräte – 0,31 Prozent
Generac Holdings Inc – Elektrotechnik- und Elektroindustrie – 0,30 Prozent

Aktien, die hierzulande nicht besonders bekannt sein dürften. Der Russel 2000 stieg im November um etwa 20 Prozent und lief in eine Überhitzung hinein, die für manche Beobachter schon als sicheres Anzeichen für ein Korrektur gewertet wird.

Aber spielt das für das Börsengeschehen die große Rolle? Der Wechsel von Growth zu Value hat eher eine große Bedeutung im Dow Jones, der mit seinem Anstieg von 12 Prozent den großen S&P 500 abhängen konnte.

So war im November im US-Index Dow Jones der Flugzeugbauer Boeing der stärkste Gewinner, gefolgt von alten Industriewerten wie dem Ölkonzern Chevron, dem Mischkonzern Honeywell oder dem Chemiekonzern Dow. Stark auch die Dow Jones-Werte aus dem Bankensektor wie Goldman Sachs, JPMorgan oder auch der Kreditkartenanbieter American Express. Das waren im November die großen Profiteure, mit Zuwächsen zwischen knapp 50 Prozent bei Boeing und 22 Prozent bei Dow.

Hier eine Übersicht, die zeigt, wie die zyklischen Werte aus einer Rezession herauskommen.

Die Aktienmärkte und typische Rotationen

Der heiß gelaufene Russel 2000 dürfte auch im Falle einer Korrektur nicht die ganz große Rolle für die Aktienmärkte spielen.

Der Blick nach Deutschland

Auch hierzulande gibt es die Unterteilung der Aktienindizes nach der Unternehmensgröße. Stand am 1.12. 2020:

Dax: 1,22 Billionen Euro

MDax: 469 Milliarden Euro

TechDax: 383 Milliarden Euro

SDax: 116 Milliarden Euro

Hier sieht man, dass es auch in Deutschland das Thema Mehrfachl-Listung gibt, denn die Marktschwergewichte SAP und Deutsche Telekom sind sowohl im Dax als auch im TechDax enthalten, dessen Gewicht ohne diese beiden Werte bereits deutlich geringer wäre. Aber auch hierzulande gilt, dass sich eine Hausse der Nebenwerte nicht allzu sehr im Gesamtmarkt bemerkbar machen würde. Für Langfristanleger spielen die Nebenwerte-Segmente schon eine größere Rolle, denn diese sind seit der Finanzkrise etwa doppelt so stark gestiegen als der Dax. Viel flexibler als die Dickschiffe, aber umso sensibler bei einer Korrektur.

Fazit

Der gewaltige Anstieg des Nebenwerte-Index Russel 2000 im Monat November ist eindeutig seiner langen Underperformance geschuldet: Value in diesem Bereich lief eindeutig schlechter als die Techwerte, besonders im Coronajahr 2020. Aber, wie die Grafik gezeigt hat (siehe oben), erholen sich Value oder zyklischen Aktien ganz besonders, wenn ein Land aus der Rezession kommt – und dies dürfte auch in den USA nach der Bekämpfung der Pandemie der Fall sein. Ein Anstieg ist umso größer, desto stärker vorher der Abstieg gewesen ist. Wie immer aber gibt es allgemeines Staunen bei einer solch heftigen Wende. Der Index ist kurzfristig heißgelaufen, aber durch seine niedrige Gewichtung im Bereich der Aktienmärkte der USA würde eine Korrektur den Gesamtmarkt nicht so nach unten reißen – es wäre eher das psychologische Moment.

Ja, und was die schlechte Kreditwürdigkeit und das BBB-Anleiheproblem betrifft, da gibt es noch die Federal Reserve, den anderen großen Wal, aber im Anleihebecken.

Die Nebenwerte sind im November die großen Gewinner der Aktienmärkte

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