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Märkte

Ölpreis zu hoch? Markt ignoriert jüngste negativen Daten

Claudio Kummerfeld

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am

Eine Öl-Pumpe

Der Ölpreis notiert aktuell bei 46,37 Dollar (WTI-Öl). Im Chart sehen wir den Kursverlauf der letzten zehn Tage. Ist dieses Preisniveau viel zu hoch? Dazu müssen wir uns zwei Faktoren anschauen, einen aus der letzten Woche, und einen von gestern. Und man sollte sich fragen, warum der Ölpreis trotz dieser Faktoren so stabil geblieben ist. Ganz aktuell kommt nach der EZB-Entscheidung von 13:45 Uhr und der PK von 14:30 Uhr noch hinzu, dass der Euro aufwertet, und der US-Dollar somit verliert. Dies pusht den Ölpreis noch ein wenig mehr nach oben.

OPEC erhöht Fördermenge

Wir berichteten letzte Woche ausführlich. OPEC und externe Partner einigten sich darauf ab Januar pro Tag 500.000 Barrels Öl mehr zu fördern. Eigentlich eine Katastrophe für den Ölpreis. Aber er fiel Ende letzte Woche überhaupt nicht. Daraus konnte man schlussfolgern, dass die Masse der Marktteilnehmer eher erleichtert zu sein schien, dass die Gesamtgruppe, die man als OPEC+ bezeichnet, nicht noch mehr Öl fördern wird. In der Realität dürften einzelne Teilnehmerländer dieser Gruppe wohl mal wieder mangels Disziplin mehr Öl fördern als vereinbart, wodurch in der Praxis wohl mehr Steigerung der Födermenge entsteht als +500.000 Barrels pro Tag. Aber der Ölpreis zeigte letzte Woche eine Beruhigung, die zeigte: Man war wohl erst einmal froh, dass man noch halbwegs gut weggekommen war mit diesem bisschen Fördermengenanstieg.

Öl-Lagerbestände können Ölpreis nur ganz kurz beeindrucken

Dann gab es gestern dieses Erdbeben. Die Erwartungen lagen bei -1,4 Millionen Barrels wöchentliche Veränderung in den Öl-Lagerbeständen in den USA. Aber nein, die staatliche Energie-Agentur vermeldete  gestern Nachmittag einen Anstieg der Bestände von 15,2 Millionen Barrels (wir berichteten). Was für ein gigantischer Zuwachs, der den Ölmarkt völlig unerwartet traf. Dies bedeutet entweder eine deutlich geringere Öl-Nachfrage in den USA, deutlich zu viel Angebot, oder beides gleichzeitig. Auf jeden Fall ist das keine gute Nachricht für die Bullen, die auf einen steigenden Ölpreis hoffen.

Der WTI-Ölpreis reagierte gestern Nachmittag sofort mit einem Preissturz von 46 Dollar auf 44,94 Dollar. Aber dann, nur wenige Minuten später, erholte sich der Markt sehr schnell, und der Ölpreis notierte wieder bei 46 Dollar. Bis jetzt konnte er dieses Niveau sogar leicht ausbauen, auf wie gesagt aktuell 46,37 Dollar.

Eugen Weinberg von der Commerzbank, Deutschlands womöglich renommiertester Rohstoff-Experte, kommentiert in seiner heutigen Öl-Analyse den gestern erstaunlicherweise nicht gefallenen Ölpreis nach dem dramatisch großen Anstieg der Öl-Lager, mit der Headline „Teflon-Ölpreis“. Damit will er zum Ausdruck bringen, dass der Ölmarkt diese schlechten Nachrichten einfach ignoriert und den Ölpreis nicht fallen lassen will. Eugen Weinberg geht im Detail auf die wirklich negativen Lagerdaten aus den USA ein. So seien auch die Zahlen für die Ölprodukte enttäuschend gewesen. Denn auch die Benzin- und Destillatevorräte stiegen um 4,2 Mio. bzw. 5,2 Mio. Barrels. Die US-Benzinnachfrage fiel dabei auf 7,6 Mio. Barrel täglich, den niedrigsten Stand seit dem Lockdown Anfang Juni. Sie lag damit 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Alles eigentlich keine guten Nachrichten im Sinne eines robusten Ölpreises.

Der Markt ist frohen Mutes

Aber warum will der Ölpreis denn nicht fallen? Dies darf erklärt werden mit einer offenbar kräftigen Euphorie, die auch den Aktienmarkt seit einigen Tagen pusht. Vorgestern wurde in Großbritannien zum ersten Mal gegen Corona geimpft. In Kürze werden viele andere Länder folgen, davon darf man ausgehen. Nun glaubt der Markt offenkundig an eine relativ schnelle konjunkturelle Erholung. Und man scheint sich (wohl zu Recht) auf die weitere Gelddruck-Unterstützung von Fed und EZB zu verlassen. Und wie man heute ja sieht, die EZB druckt weitere 500 Milliarden Euro, und kauft damit Anleihen.

Chart zeigt Ölpreis im Verlauf der letzten zehn Tage

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Aktien

Aktien: Blase? Manches spricht wohl eher dagegen!

Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Warum fallen die Börsen nicht bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“?

Wolfgang Müller

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am

Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Derzeit wundern sich viele über die Langlebigkeit der Euphorie an den Märkten bei bestimmten Aktien: bei den ständig zitierten Mode-Aktien, ob im Elektromobil- oder im Wasserstoffbereich, oder bei Pennystocks, die teilweise jenseits von Gut und Böse notieren. Aber auch über unglaubliche Stories bei den wiederentdeckten aus dem Bereich Aktien . Dort ist nicht alles „Dreck“, der nach oben gespült wird. Es gibt hierfür sogar fundamentale Zusammenhänge. Unabhängig von einer bevorstehenden Korrektur, die aufgrund der Hemmungslosigkeit von bestimmten Anlegerkreisen, immer wahrscheinlicher wird.

Aktien und die Mutter aller Kursanstiege

„We are in a bubble, but it’s a rational bubble“, so der sehr geschätzte Pimco-Berater Mohamed-El-Erian kürzlich in einem Interview. Was meint er damit?

Natürlich den großen Einsatz der Notenbanken, der alte Relationen bei Gewinn- und Umsatzdaten von Aktien und Indizes relativiert, deshalb ist es stets etwas verwunderlich, warum man alte Daten als Vergleichsmaßstab für Übertreibungen heranzieht.

Was bereits seit vielen Jahren die Aktienmärkte unterstützt, ist die Marginalisierung der Anlageklasse Anleihen, wie an diesem Chart ersichtlich, der eine Korrelation zwischen Bilanzausweitung der Notenbanken und dem Welt-Aktienindex aufzeigt.

Aktien - eine Blase? Die Bilanzen der Notenbanken

Die Branchenrotation

Als man im Spätsommer 2020 erkannt hat, dass es in absehbarer Zeit eine medizinische Lösung für die Covid-19 Pandemie geben könnte, ist eine Gattung von Aktien angesprungen, die besonders unter den Wirtschaftseinbrüchen gelitten hat und bereits schon ein Jahrzehnt die Wachstumsaktien underperformt – der Sektor der Small Caps. Klar ist der Nebenwerte-Index Russell 2000 sehr schnell gestiegen und manche Branchen wie der Energiesektor haben kleine Fahnenstangen ausgebildet – aber ist das eine Bubble? Wenn man sich die langfristige Performance betrachtet? Ich habe bereits im Herbst in einigen Artikeln darüber berichtet, dass es langfristig immer zu einem Ausgleich zwischen den Großen und den Kleinen und zwischen Value und Growth gekommen ist. Mit Small Caps meine ich natürlich nicht die vielen Pennystocks, die von Neo-Zockern derzeit „gehypt“ werden. Auch diese scheinbare Erfolgsgeschichte wird ein Ende haben. Hier sieht man die großen Zyklen der Auf- und Abschwünge.

Aktien in einer Blase? Small Caps

Zu Zeiten von Corona ein 42-Jahrestief, getrieben durch den Hype um die GAFAM-Titel. Die Small Caps befanden sich vor ein paar Monaten noch auf einem 20-Jahrestief und es ist nicht alles „Dirt“, der nach oben gespült wird.

Value gegen Growth

Wie bereits erwähnt, gibt es seit Jahrzehnten einen Zweikampf zwischen den Wachstums- und den langweiligen Aktien aus dem Bereich Value, bei denen es immer wieder zu einem Ausgleich in der Performance gekommen ist. Was liegt also näher, als dass der technogielastige Nasdaq-Index nach seinen 1100 Prozent Performance seit 2009 sich eine Zeitlang schlechter entwickeln wird, als die Aktien aus dem Bereich Value? Dafür dürften schon allein die Regulationen unter der neuen Regierung Biden sorgen. Deshalb wird die Breite der Kursanstiege zunehmen, weil die Big Seven mit ihren 27 Prozent Marktanteil an Dominanz verlieren könnten. Hier ein langfristiger Chart, der das Auf- und Ab zwischen den Anlageklassen dokumentiert.

Die Vergleiche zwischen Energie- und Finanztiteln und dem S&P 500 und zwischen Gesundheit, Konsumgüterherstellern, Versorgern und dem Leitindex.

Die Entwicklung der Aktien Zykliker und defensive Aktien

Fazit

Warum fallen die Börsen nicht „Stante Pede“ bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“? Zum einen, weil die oben beschriebene Branchenrotation läuft und weil die Märkte Corona abgehakt haben und aufgrund des zeitlichen Vorlaufs schon auf den Herbst blicken. Unabhängig von den jederzeit möglichen Korrekturen, aufgrund der vielen Anleger, die glauben an den Börsen einen „Free Lunch“ zu bekommen. Bei dem Irrsinn am Optionsmarkt mit kleinen Titeln, die immer wieder „Gamma-Squeezes“ auslösen. Deshalb kann jederzeit ein Washout einsetzen, die Volatilität steigen.

Vergessen wir aber bei all der Zockerei mit den kleinen Aktien nicht. Alle 2000 Werte im Russell zusammen besitzen nicht einmal ein Zehntel der Marktkapitalisierung des Aktienmarktes in den USA. Allein eine Enttäuschung bei einem FAANG-Wert in dieser Berichtssaison wird größere Marktreaktionen zeitigen, wie ein Wert GameStop, auch wenn er auf absurde 10 Milliarden Dollar gepusht wird, es ist nicht einmal ein halbes Prozent von Apple. Die große Gefahr lauert im Nasdaq.

Der Verlauf der Corona-Krise, Beispiel USA: Die Coronainfektionen haben bereits offiziell die schreckliche Zahl von 26 Millionen Bürger (7,7 Prozent der Bevölkerung erreicht). Nimmt man die Dunkelziffer in moderater Form hinzu, dürfte man schon bei 100 Millionen Menschen angelangt sein. Aber wie viele Menschen wurden schon in wenigen Wochen geimpft? Über 22 Millionen und es werden in Kürze mehr als eine Million pro Tag sein, wenn AstraZeneca, Johnson&Johnson, CureVac, Novavax, Inovio, Sanofi und viele andere auch noch auf den Markt drängen (nach BioNTech und Moderna). Die Zahl der Impfstoffprojekte beträgt aktuell 186, 60 davon sind in klinischen Studien. Da scheint das Vorhaben der USA die eigene Bevölkerung bis in den Spätsommer immunisiert zu haben, gar nicht so abwegig zu sein. Nicht so sehr in der EU, die sich beim Ordern der Impfdosen über den Tisch hat ziehen lassen (America und Money First). Darauf blicken die Märkte – aber was das mit Kapitalmarktzinsen, Inflation und Firmenpleiten zu diesem Zeitpunkt macht, das ist das Thema des Herbstes und kann auch heute nicht von den Börsen beurteilt werden.

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Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Finanznews

Aktien: Attacke auf die Wall Street! Videoausblick

Was gestern mit Aktien wie Gamestop passiert ist, kann man durchaus als geplante Attacke auf die Wall Street bezeichnen! Eine junge Generation vor schmerzhaften Erfahrungen..

Markus Fugmann

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Was gestern mit Aktien wie Gamestop passiert ist, kann man durchaus als geplante Attacke auf die Wall Street bezeichnen! Da hat sich über die Plattform Reddit ein Flash Mob verabredet mit dem Ziel, jene Aktien nach oben zu pushen, die von einigen Hedgefunds an der Wall Street stark geshortet worden sind. Die Folge: einer dieser Hedgefunds, Melvin Capital, musste offenkundig durch eine Geldspritze von 2,7 Milliarden Dollar vor dem Kollaps bewahrt werden. Wir erleben derzeit eine Euphorie vor allem bei jener Generation, die weder das Platzen der Dotcom-Blase noch die Finanzkrise an der Börse mitgemacht hat. Diese Generation wird bald schmerzhaftes Lehrgeld bezahlen!

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