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Maßnahme von G7 und EU Ölpreisdeckel gegen Russland bei 70 Dollar? Chinesen warten ab

Chinesische Einkäufer setzen Käufe von russischem Öl aus. Der Ölpreisdeckel des Westens gegen Russland könnte bei 70 Dollar liegen.

Öl-Tanker auf hoher See

Russland hat seit Wochen immer wieder klar gemacht, dass man sein Öl nicht an Länder verkaufen wird, die einen sogenannten Ölpreisdeckel einführen für Öl, das aus Russland stammt. Noch ist dieser Deckel nicht eingeführt, aber G7 und EU stehen kurz davor. Nun gibt es Berichte über konkrete Zahlen. Und siehe da, offenbar wetten chinesische Importeure darauf, dass sie Rabatt auf russische Öl-Lieferungen erhalten könnten, und zwar wegen dieser bevorstehenden westlichen Sanktionsmaßnahme.

Expertenkommentar zum bevorstehenden Ölpreisdeckel

Die Experten der Saxo Bank verweisen heute in ihrem aktuellen Marktkommentar auf diesen bevorstehenden Ölpreisdeckel gegen Öl aus Russland. Sie schreiben: „Das Wall Street Journal berichtet, dass sich die westlichen Länder auf eine Obergrenze für den russischen Ölpreis von 60 $ pro Barrel einigen werden. Für Öl, das nach dem 5. Dezember verladen wird, könnte der Preis jedoch bis zu 70 $ pro Barrel betragen. Die Sanktionen, die die G7, die EU und Australien festlegen werden, verbieten die Erbringung von Seeverkehrsdiensten für russisches Öl, sofern der Preis nicht unter der Obergrenze liegt. Ziel ist es die Erdöleinnahmen für die russische Kriegsmaschinerie zu verringern und gleichzeitig die Versorgung der Weltmärkte mit russischem Öl aufrechtzuerhalten, und Preisspitzen zu verhindern. Russisches Urals-Rohöl wird bereits mit einem Abschlag von etwa 25 Dollar gegenüber Brent gehandelt, so dass die Auswirkungen auf Russlands Einnahmen bei den derzeitigen internationalen Preisen begrenzt wären.“

Einkäufer in China hoffen offenbar auf Rabatte

Interessant ist die aktuelle Reaktion einiger chinesischer Einkäufer. Sie hoffen offenbar mit Blick auf diesen bevorstehenden Ölpreisdeckel gegen Russland günstiger an Öl zu kommen. Bloomberg berichtet aktuell: Chinas Rohöl-Einkäufer haben ihre Käufe von russischem Öl ausgesetzt, da sie die Einzelheiten einer von den USA eingeführten Preisobergrenze abwarten, um zu sehen, ob diese einen besseren Preis bietet. Mehrere Ladungen russisches ESPO-Rohöl für die Verladung im Dezember bleiben unverkauft, und Verkäufer und chinesische Käufer zögern, Geschäfte abzuschließen, bevor mehr Klarheit über die genaue Höhe der Preisobergrenze besteht, so Händler, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Weitere Einzelheiten zu dieser Maßnahme werden in Kürze erwartet.

Die Preisobergrenze soll zusammen mit den Sanktionen der Europäischen Union gegen russisches Rohöl am 5. Dezember in Kraft treten, wobei diejenigen, die sich an die Maßnahme halten, Zugang zu Versicherungs-, Bank- und Schifffahrtsdiensten des Blocks erhalten. Dieser Ölpreisdeckel soll dafür sorgen, dass weiterhin Rohöl von Russland fließt, um einen globalen Versorgungsschock zu verhindern, aber die Einnahmen des Kremls zu schmälern, der in der Ukraine Krieg führt.

Russland hat jedoch bekräftigt, dass es nicht an Länder verkaufen wird, die die Obergrenze einhalten. Stattdessen werde Moskau die Lieferungen an „marktorientierte Partner“ umleiten oder die Produktion reduzieren, so der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Novak. ESPO ist bei Chinas unabhängigen Raffinerien aufgrund der hohen Dieselausbeute und der kurzen Transportwege beliebt. Händler sagten, dass viele Marktteilnehmer offen dafür sind, auf die Preisobergrenze zu verweisen – auch wenn sie sie nicht offiziell unterstützen – vorausgesetzt, das Niveau weicht nicht zu sehr von den aktuellen Preisen ab.

Sollte die Preisobergrenze jedoch zu niedrig angesetzt werden, muss die Partei, die für den Versand und die Versicherung verantwortlich ist – je nach Vertragsbedingungen der Verkäufer oder der Käufer -, möglicherweise Dienstleistungen von Anbietern außerhalb der EU in Anspruch nehmen, was den Prozess verkompliziert und die Wirtschaftlichkeit des Geschäfts drastisch verändert.

Die EU hat vorgeschlagen eine 45-tägige Übergangsfrist für die Einführung des Preislimits einzuführen und sich damit einer Klausel anzuschließen, die zuvor von den USA und Großbritannien angekündigt worden war, wie aus einem von Bloomberg eingesehenen Dokument hervorgeht. Außerdem hat die EU wichtige Bestimmungen für den Schiffsverkehr abgeschwächt. Für Mittwoch ist ein Treffen von Diplomaten angesetzt, um die Preisobergrenze zu besprechen.

Erschwerend für die Käufer kommt hinzu, dass die Banken, die Rohölkäufe finanzieren, wegen der drohenden Sanktionen und der steigenden Frachtraten vorsichtig sind. Dienstleister wägen ab, ob sie von den EU-Sanktionen betroffen sind und wie sie am besten mit den Beschränkungen umgehen, wenn diese in weniger als zwei Wochen in Kraft treten. China und Indien sind zu wichtigen Absatzmärkten für russisches Rohöl geworden, nachdem die meisten anderen Abnehmer den OPEC+-Produzenten nach dessen Einmarsch in der Ukraine gemieden haben.

FMW/Bloomberg/Saxo Bank



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4 Kommentare

  1. Möglicherweise Dienstleistungen außerhalb der EU annehmen, halte ich für das kleinere Übel, im Zusammenhang damit, daß es hierbei in erster Linie darum gehen sollte, daß Russland weiter Öl an China liefert.

    1. Damit verschlechtern wir unsere Wettbewerbssituation mit China noch weiter, jetzt kaufen wir kein Öl mehr von Russland wegen dem Embargo und sorgen dafür das China das Öl noch billiger bekommt, ob das uns weiterhilft ich habe meine Zweifel

  2. Antwort von Michael Paulu am 03.12.22 um 09.34 Uhr und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

    1. ich liebe es 😂😂. “ demokratisch zur kenntnis genommen“

      in der heutigen zeit nicht selbstberständlich ?
      vg md

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