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Allgemein

Offiziell: 35 Prozent weniger Insolvenzen im November – zwei Gründe

Claudio Kummerfeld

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Die Zahl der Insolvenzen ist rückläufig

Im November gab es 35 Prozent weniger Insolvenzen bei Unternehmen als im November 2019. Dies hat das Statistische Bundesamt soeben als vorläufige Angabe veröffentlicht. Im Vergleich zu Oktober 2020 ist es ein Anstieg um 5 Prozent. Wie kann das sein? So dramatisch weniger Insolvenzen als noch letztes Jahr? Die Zahl hätte doch eigentlich längst explodieren müssen?

Zwei Gründe für deutlich weniger Insolvenzen

Wie in den Vormonaten gelten auch im November hierfür zwei Erklärungen. Erstens ist die Insolvenzantragspflicht weiterhin ausgesetzt für überschuldete, aber noch nicht zahlungsunfähige Unternehmen (bis Jahresende, Bundesregierung hat gerade Verlängerung bis Ende Januar beschlossen). Viele Unternehmen, die längst kaputt sind, hoffen aufgrund diese Regelung wohl weiter auf ein Wunder. Aber man darf annehmen, dass diese Aussetzung auch im Februar und den Folgemonaten weiter verlängert wird? Und der zweite Grund, warum die Zahl der Insolvenzen noch nicht explodiert, soll ein bürokratischer sein. Denn laut Aussage der Statistiker gilt die Insolvenzantragspflicht zwar seit dem 1. Oktober 2020 wieder für zahlungsunfähige Unternehmen.

Dies mache sich aber unter anderem aufgrund der Bearbeitungszeit der Gerichte noch nicht in den Zahlen der eröffneten Verfahren bemerkbar. Die im Oktober und November beantragten Verfahren werden voraussichtlich erst in den kommenden Monaten eröffnet und fließen dann in die Statistik ein. Also, da könnte eine immense Lawine an Insolvenzen rollen in 2021. Hier drucken wir weitere interessante Detailaussagen der Statistiker aus der heutigen Meldung im Wortlaut ab, unter anderem Zahlen für den großen Zeitraum Januar-September im Jahresvergleich. Auch hier geht die Zahl der Insolvenzen deutlich zurück:

Von Januar bis September 2020 meldeten die deutschen Amtsgerichte 12 491 Unternehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 13,1 % weniger als im entsprechenden Zeitraum 2019. Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelt sich somit bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen vom 1. März bis zum 30. September 2020 ausgesetzt wurde. Dagegen bleibt die Antragspflicht für überschuldete Unternehmen weiterhin zunächst bis Jahresende ausgesetzt. Insgesamt wurden von März bis September 15,8 % weniger Unternehmensinsolvenzen beantragt als im gleichen Zeitraum 2019.

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es in den ersten neun Monaten 2020 im Wirtschaftsbereich Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) mit 2 020 Fällen (Januar bis September 2019: 2 475). Unternehmen des Baugewerbes stellten 1 987 Insolvenzanträge (Januar bis September 2019: 2 386). Im Gastgewerbe wurden 1 405 (Januar bis September 2019: 1 688) Insolvenzanträge gemeldet. Rückläufige Zahlen verzeichnen auch alle übrigen Branchen.

Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen von Januar bis September 2020 beliefen sich auf 39,3 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatten sie noch bei 15,5 Milliarden Euro gelegen. Dieser Anstieg der Forderungen bei gleichzeitigem Rückgang der Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass von Januar bis September 2020 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als in den ersten neun Monaten 2019.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Insolvenzer

    18. Dezember 2020 10:15 at 10:15

    Da sieht man, dass ein schwerfälliger Büroapparat auch Vorteile hat. Die Lawine wird kommen !
    In der Natur sprengt man die Lawinen bevor sie zu gross werden, in der Wirtschaft bremst man sie bis es knallt.

  2. Avatar

    hunni63

    18. Dezember 2020 16:50 at 16:50

    Ich denke das wird alles bis nach der Bundestagswahl geschoben,dann haben unsere korrupten politiker alle wieder ihr Pöstchen.

  3. Avatar

    Nostramarkus

    18. Dezember 2020 22:25 at 22:25

    Lieber Herr Kummerfeld,

    trotz all Ihrer monate- und jahrelangen sehnsüchtigen Wünsche und Prophezeiungen hinsichtlich einer Pleitewelle, trotz all Ihrer Langzeit-Revisionen und kümmerlichen Erklärungsversuche, der deutsche Mittelstand will und will einfach nicht in Konkurs gehen.

    Im Frühjahr sollten wir noch auf den Sommer warten, im Sommer sollten wir noch bis in der Herbst warten, Anfang Herbst dann bis in den Winterbeginn. Dort erst bis November, dann bis Dezember. Jetzt warten wir bis Ende Januar 2021, danach bis zum Frühjahr, dann bis Sommer oder Herbst 2021.

    „Also, da könnte eine immense Lawine an Insolvenzen rollen in 2021.“
    Das haben Sie auch für 2020 ebenso medienwirksam bereits in Aussicht gestellt und mehr als jämmerlich dabei versagt. „Könnte“ natürlich, „wird“ aber nicht.

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Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

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Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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