Folgen Sie uns

Allgemein

Offiziell: Karstadt und Kaufhof verschmelzen – Zäsur für Einzelhandel und Innenstädte

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Karstadt und Kaufhof waren die beiden großen noch übrig gebliebenen Kaufhaus-Ketten in Deutschland. Oft sind die Standorte in den Innenstädten ganz nah beieinander gelegen in Fußgängerzonen. Das wird jetzt zum Problem, weil die Fusion von Karstadt und Kaufhof nun offiziell verkündet wurde. Vorangetrieben hat diese Fusion der umtriebige österreichische Eigentümer von Karstadt Rene Benko mit seiner Signa Holding.

Er hat schon lange versucht Kaufhof vom kanadischen Mutterunternehmen Hudson Bay loszueisen. Die Kanadier sind derart in einer eigenen Schieflage, dass sie dem Deal nun zugestimmt haben. Benko kann damit in Zeiten von Amazon, Zalando und Co Einzelhandels-Überkapazitäten in deutschen Innenstädten abbauen, Kosten sparen, und sich in der jeweiligen Stadt den jeweils besseren Gebäude-Standort aussuchen, der dann langfristig erhalten bleiben soll. Wenn in einzelnen Städten eines der beiden Kaufhäuser dicht gemacht wird, kann das auch eine Chance sein, dass sich Umsätze auf Konkurrenten verlagern, die dann unverhofft Mehreinnahmen erzielen.

Soll in einer bestimmten Stadt das Karstadt-Haus bestehen bleiben oder der Standort von Kaufhof? Oder beide? Welche Immobilie hat weniger Sanierungsbedarf, welche kommt bei den Kunden in Sachen Einkaufserlebnis besser an? Und nicht zuletzt sind da die Mitarbeiter. Laut „SZ“ könten bei Kaufhof gut 5000 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Das setzt natürlich alle verbleibenden Mitarbeiter in beiden Häusern unter Druck, ja keine Gehaltsforderungen zu stellen. So kann man wunderbar die Gehälter auf tiefem Niveau belassen.

Insgesamt haben beide Unternehmen zusammen (jetzt noch) 243 Standorte und 32.000 Mitarbeiter. Beide Zahlen dürften spürbar schrumpfen. Benko als Mann im Hintergrund genießt den Ruf, umtriebig und aktiv alles rauszuholen, was drin ist. Also: Immobilien versilbern, Gehälter unten lassen, Mitarbeiter kündigen, Kosten senken, Doppelfunktionen streichen uvm? Auf jeden Fall dürften in „unrentablen“ Innenstädten Doppelstandorte wegfallen, und somit große Ladenflächen zu Brachflächen werden. Die genauen Details des Deals sind finanztechnisch etwas komplizierter. Aber die offizielle Mitteilung von Benko´s Signa Holding ist doch noch recht verständlich. Hier im Wortlaut:

Die Galeria Kaufhof GmbH und die Karstadt Warenhaus GmbH, zwei traditionsreiche Namen des deutschen Einzelhandels, schließen sich zu einem starken Unternehmen zusammen. Strategisches Ziel ist es, das Einzelhandelsgeschäft zukunftsfähig zu machen und im digitalen Zeitalter einen der führenden Omnichannel-Anbieter entstehen zu lassen. Von effizienteren Prozessen, einem noch breiteren Warenangebot und neuen Formaten im stationären Einzelhandel bis hin zu leistungsfähigen Online-Plattformen bietet der Zusammenschluss zahlreiche Chancen.

„FUSION UNTER GLEICHEN“

Zum neuen gemeinsamen Unternehmen von SIGNA und HBC gehören die Galeria Kaufhof GmbH, die Karstadt Warenhaus GmbH, das gesamte Einzelhandelsgeschäft von HBC Europe (Saks OFF 5TH, Galeria Inno in Belgien, Hudson‘s Bay in den Niederlanden) sowie auch Karstadt Sports und der gesamte Lebensmittel- und Gastronomiebereich beider Unternehmen (Dinea, Galeria Gourmet, Karstadt Feinkost, Le Buffet). Es verfügt über 243 etablierte Standorte in Innenstadtlagen Europas und beschäftigt insgesamt 32.000 Mitarbeiter. SIGNA Retail wird 50,01 Prozent der Anteile an der Holdinggesellschaft halten und HBC 49,99 Prozent. Das neu entstehende Handelsunternehmen wird von Karstadt-CEO und SIGNA Retail Geschäftsführer Dr. Stephan Fanderl geleitet. Zu seinem Team gehören Führungskräfte von Galeria Kaufhof und Karstadt.

Zudem werden die E-Commerce-Plattformen galeria-kaufhof.de, saks-off-5th.de, inno.be, hudsonsbay.nl, dinea.de, karstadt.de, karstadt-restaurant.de, karstadt-reisen.de, hood.de, kisura.de und karstadtsports.de zusammengeführt. Diese kombinierte Online-Präsenz bietet eine starke Plattform für zukünftiges Wachstum im E-Commerce-Segment.

Im Rahmen der Partnerschaft erwirbt die SIGNA Prime Selection AG 50 Prozent am europäischen Immobilienbestand von HBC. Zu diesem Immobilienportfolio gehören zukünftig 39 Immobilien aus einem bestehenden Joint Venture von HBC in Europa sowie 18 weitere Immobilien, die sich bislang im Eigentum von Galeria Kaufhof befinden. HBC wird weiterhin 50 Prozent der Immobilien halten. Der Kaufhof-Standort in Köln und das Carsch-Haus in Düsseldorf werden zu 100 Prozent von der SIGNA Prime Selection AG übernommen. Die daraus erzielten Erlöse werden in das operative Geschäft investiert und zur Rückführung der Verbindlichkeiten verwendet.

Die entsprechenden Verträge zwischen HBC und SIGNA wurden bereits unterschrieben (Signing). Der Vollzug der Transaktion (Closing) steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden.

Helena Foulkes, CEO von HBC: „Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit SIGNA und sind zuversichtlich für die Zukunft. Diese Partnerschaft ist eine kluge und strategisch sinnvolle Entscheidung. Sie schafft für beide Unternehmen die Voraussetzungen, das Geschäft zu stärken und die Herausforderungen im deutschen Einzelhandel zu meistern. Wir glauben, dass es die beste Lösung für Kunden, HBC, unsere Mitarbeiter und die Stadtzentren ist, in denen wir tätig sind. Gemeinsam werden wir uns darauf konzentrieren, die Möglichkeiten im Markt zu nutzen sowie unsere Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und sie an die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden anzupassen.“

Dr. Stephan Fanderl, CEO von Karstadt Warenhaus und Geschäftsführer von SIGNA Retail: „Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit HBC. Durch dieses Gemeinschaftsunternehmen haben zwei Traditionsunternehmen eine ideale Lösung gefunden, um sich im stark umkämpften deutschen und europäischen Einzelhandelsmarkt erfolgreich zu positionieren. Jetzt beginnt eine Phase, die von harter Arbeit, großen betrieblichen Herausforderungen und fordernden Marktveränderungen geprägt ist. Gemeinsam können wir nun die Möglichkeiten der Digitalisierung und die Stärken des Einzelhandels in Innenstadtlagen besser nutzen als jemals zuvor. In Zukunft werden unsere gemeinsamen Warenhäuser für 80 Prozent der städtischen Kunden in unmittelbarer Umgebung erreichbar sein und mehr als 20 Millionen Kunden über unsere Loyalitätsprogramme ansprechen.“


Der Gewinner im Hintergrund: Rene Benko. Foto: Atrm (CC BY-SA 3.0)

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

weiterlesen

Allgemein

Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

weiterlesen

Allgemein

Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen