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Offiziell nur noch 2,45 Mio Arbeitslose + 1 Mio Phantom-Arbeitslose – mal wieder auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung

FMW-Redaktion

Same Procedure as every month. Jeden Monat aufs neue hört man dieses Jahr den Vergleich, dass die jeweilige Monatszahl bei der Höhe der Arbeitslosigkeit so niedrig ist wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. So auch im September mit nur 2,45 Millionen Arbeitslosen (offiziell zumindest). Arbeitslose älter als 58 Jahre, kranke Arbeitslose, Arbeitslose die in Maßnahmen versteckt werden etc, kommen da noch oben drauf mit stets ca 1 Million Personen. So kommen wir im September auf fast 3,4 Millionen tatsächliche Arbeitslose in Deutschland.

Irgendwie wiederholen wir uns ständig. Obwohl heute sogar SPON in seiner Berichterstattung weiter hinten im Text erwähnt, dass mit den offiziellen Zahlen etwas nicht stimmt, will die Bundesagentur für Arbeit (also letztlich das Arbeitsministerium) diese unsägliche Täuschung der Öffentlichkeit nicht abschaffen. Nein, die 1 Millionen Langzeitarbeitslosen bleiben versteckt als offiziell „Unterbeschäftigt“, obwohl sie arbeitslos sind. Auch wenn Sie viellleicht einfschlafen mögen, weil wir dieses Thema seit zwei Jahren jeden Monat aufs Neue erwähnen – wir machen weiter!

Natürlich sollte man bei all dem Gejammer unsererseits nicht verschweigen, dass die Tendenz natürlich gut ist, nämlich ein weiterer Abbau der Arbeitslosigkeit von 159.000 in 12 Monaten auf jetzt offiziell (!) 5,5%, obwohl wir tatsächlich eher um die 8% herum liegen. Aus der oberen Grafik geht hervor, dass die Zahl der offenen Stellen (aktiv von Arbeitgebern bei der Agentur gemeldet) von August bis September um weitere 8.000 auf 773.105 gestiegen ist. Also brummt die Konjunktur weiter. Daher wird es immer erstaunlicher, dass (wie schon so oft erwähnt) die Langzeitarbeitslosen (ähhh oft als „Unterbeschäftigte“ bezeichnet) einfach nicht im ersten Arbeitsmarkt unterzubringen sind.

Hier noch die aktuellste Grafik zu der Schaffung neuer Stellen nach Branche für den Monat Juli (Zahlen stets zwei Monate verzögert). Auf Jahresbasis sieht man hier gut, dass der überwiegende Teil des Job-Booms auf eher schlecht oder sehr schlecht bezahlte Dienstleistungssjobs entfällt. Der einzige Sektor, der nach wie vor Stellen abbaut statt neue zu schaffen, ist die Finanzbranche (ganz am Ende der Grafik). Also Finger weg von Bewerbungen bei Banken und Versicherungen – das hat keine Zukunft!

Wer mehr dazu wissen will, wo die Flüchtlinge aus 2015 und 2016 statistisch gesehen abbleiben, hier im Wortlaut aus der heutigen Veröffentlichung der Bundesagentur für Arbeit. Dabei schreibt man unter anderem, dass „ein hoher Einsatz von Integrationskursen und Fördermaßnahmen“ den Zuwachs
der Arbeitslosigkeit bei Flüchtlingen in Grenzen gehalten hat.

Auswirkungen der Migration auf den deutschen Arbeitsmarkt

Die Ausweitung des Arbeitskräfteangebots infolge der europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit und der Fluchtmigration hat Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. 12 So ist im Vorjahresvergleich einerseits die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Personen aus den wichtigsten Zuwanderungsländern13 im Juli um 289.000 oder 15 Prozent gestiegen, während andererseits die Zahl der Arbeitslosen aus diesen Ländern im September um 21.000 oder 5 Prozent zugenommen hat. Auch dann, wenn die Integration von Zuwanderern schnell gelingt, wird es wegen saisonaler, struktureller oder betrieblicher Gründe immer einen gewissen Umfang von Arbeitslosigkeit geben, der sich bei zuwanderungsbedingt steigendem Arbeitskräfteangebot entsprechend erhöht (Angebotseffekt).

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Arbeitsmarktintegration insbesondere von Flüchtlingen nach den Erfahrungen der Vergangenheit mehrere Jahre braucht. Ihre Arbeitslosmeldung ist ein erster Schritt in einem Integrationsprozess, der aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse und formalen Qualifikationen längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Entsprechend ist zu beobachten, dass die Arbeitslosigkeit von Personen aus den wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern im September im Vorjahresvergleich um 28.000 oder 16 Prozent gestiegen ist. Ein hoher Einsatz von Integrationskursen und Fördermaßnahmen hat den Zuwachs der Arbeitslosigkeit in Grenzen gehalten. Entsprechend fiel die Unterbeschäftigung, die den Einsatz dieser Maßnahmen berücksichtigt, geschätzt um 94.000 oder 27 Prozent größer aus als vor einem Jahr.

Zugleich ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Staatsangehörigen aus den wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern im Juli um 61.000 oder 58 Prozent gestiegen. Seit Juni 2016 wird die bisherige Berichterstattung über Staatsangehörige aus den wichtigsten Asylherkunftsländern
ergänzt um die Berichterstattung über Personen im Kontext Fluchtmigration bzw. Geflüchtete oder
Flüchtlinge. Als Personen im Kontext Fluchtmigration werden Asylbewerber, anerkannte Schutzberechtigte und geduldete Ausländer gezählt. Danach waren im September 2017 in Deutschland 189.000 geflüchtete Menschen in der Arbeitslosigkeit registriert. Die Unterbeschäftigung für diese Personen wird im September auf 418.000 geschätzt.14 Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Arbeitslosen um 32.000 oder 20 Prozent und die der Personen in der Unterbeschäftigung geschätzt um 99.000 oder 31 Prozent zugenommen.



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