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Offizielle Arbeitslosenquote 5,5% – alles bestens, bis auf die Herkunft der neuen Stellen

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich derzeit so, wie man es sich als Arbeitsmarkt-Experte nicht besser wünschen könnte. Die offizielle (!) Arbeitslosenquote sinkt von Februar auf März von 5,7% auf 5,5%. Das sind 88.000 Arbeitslose wenige...

FMW-Redaktion

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich derzeit so, wie man es sich als Arbeitsmarkt-Experte nicht besser wünschen könnte. Die offizielle (!) Arbeitslosenquote sinkt von Februar auf März von 5,7% auf 5,5%. 2,458 Millionen Menschen sind damit offiziell als arbeitslos klassifiziert. Das sind 88.000 Arbeitslose weniger als im Vormonat, was einen stärkeren Rückgang darstellt als sonst in dieser Jahreszeit üblich.

Zitat Bundesagentur für Arbeit:

Die deutsche Konjunktur befindet sich in der Hochphase des Aufschwungs, der von einer guten welt- und binnenwirtschaftlichen Entwicklung getragen wird. Die aktuellen Konjunkturindikatoren liegen nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau, gaben aber zuletzt nach. Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst weiter kräftig, und die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bleibt auf hohem Niveau. Im März verringern sich Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung stärker als jahreszeitlich üblich, so dass erneut deutliche saisonbereinigte Abnahmen zu verzeichnen sind. Auch die Vorjahreswerte werden in erheblichem Umfang unterschritten.

Auch die sonstigen Daten laufen bestens. Die Zahl der offenen Arbeitsstellen steigt weiter sprunghaft an, und das von Monat zu Monat. Von Januar über Februar bis März stieg ihre Zahl von 736.231 auf 764.247 bis jetzt auf 778.158. Die tatsächliche Zahl der offenen Stellen liegt bei weit über 1 Million, weil die hier genannten Zahlen nur die offenen Stellen beinhaltet, die von Arbeitgebern aktiv an die Arbeitsagenturen gemeldet werden.

Tatsächliche Arbeitslosenquote bei 7,6%

Auch die Zahl der „Unterbeschäftigten“, welche die wahre Zahl der Arbeitslosen darstellt, sinkt weiter von Januar bis März von 3,51 auf 3,44 Millionen. Die tatsächliche Arbeitslosenquote liegt daher bei 7,6%, und nicht bei 5,5%. Die Differenz besteht aus tatsächlich Arbeitslosen, die gerade krank sind, die über 58 Jahre alt sind, oder die in „Weiterbildungsmaßnahmen“ der Arbeitsagenturen geparkt sind. Solange man in diese drei Kategorien fällt, zählt man trotz Arbeitslosigkeit in den Augen von Arbeitsagentur und Arbeitsministerium nämlich nicht als arbeitslos im Sinne der Statistik, obwohl man Leistungen als Arbeitsloser bezieht. Denn man stehe dem Arbeitsmarkt ja nicht unmittelbar zur Verfügung. Das man trotzdem arbeitslos ist… egal.

Warum die „Erwerbslosenquote“ bei 3,5% liegt, und die „Arbeitslosenquote“ bei 5,5%, haben wir vorhin näher beschrieben. Klicken Sie für die Erläuterung bitte hier.

Große Trends

Wie man in der folgenden Grafik sieht: Die Trends bei den sozialversicherungspflichtigen neuer Stellen, Arbeitslosigkeit und tatsächlicher Arbeitslosigkeit verlaufen langfristig alle stetig in die richtige Richtung.

Arbeitslosenquote Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Neue Stellen

Die Herkunft neuer Stellen sollte (wir weisen öfters darauf hin) immer mehr Anlass zur Sorge geben. Das Verarbeitende Gewerbe, wo letztlich gut bezahlte und volkswirtschaftlich extrem wichtige Tätigkeiten ausgeführt werden, schafft nur einen sehr kleinen Teil der neu geschaffenen Stellen. Der überwiegende Teil stammt aus Dienstleistungsberufen mit schlechter oder sehr schlechter Entlohnung.

Flüchtlinge im Arbeitsmarkt

Wie auch bei den bisher hier lebenden Arbeitslosen betreibt die Bundesagentur für Arbeit die selbe „statistische Schummelei“ (oder darf man es auch Betrug nennen?) auch bei den Flüchtlingen. Der überwiegende Teil der arbeitslosen Flüchtlinge („Unterbeschäftigung“) wird nicht als arbeitslos ausgewiesen, sondern ist derzeit in Integrationskursen (etc) geparkt. Somit erscheint nur ein kleiner Bruchteil der tatsächlich arbeitslosen Flüchtlinge in der Statistik. Würde man sie mit als arbeitslos ausweisen, würden die Arbeitslosenquote steigen. Zitat Bundesagentur für Arbeit:

Seit Juni 2016 wird die bisherige Berichterstattung über Staatsangehörige aus den wichtigsten Asylherkunftsländern ergänzt um die Berichterstattung über Personen im Kontext Fluchtmigration. Als solche Personen werden Asylbewerber, anerkannte Schutzberechtigte und geduldete Ausländer gezählt. Danach waren im März 2018 in Deutschland 177.000 geflüchtete Menschen in der Arbeitslosigkeit registriert. Die Unterbeschäftigung für diese Personen wird im März auf 405.000 geschätzt.13 Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl der Arbeitslosen um 1.000 oder 0,4 Prozent verringert und die der Personen in der Unterbeschäftigung geschätzt um 3.000 oder 1 Prozent zugenommen.



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1 Kommentar

  1. Die minus 12 % der letzten Zeile sind viel interessanter.

    Das sind tausende stellen in einer nicht (mehr) allzugrossen Branche .

    Ein sehr stiller Umbruch

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