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Offshore-Windpark-Auktion erstmals ohne Gebot – ohne staatliche Subvention nichts los

Erstmals gab es für eine Offshore-Windpark-Auktion in Deutschland kein Gebot. Denn erstmals gab es vom Staat auch keine Subvention.

Windfarm vor der britischen Küste
Windfarm vor der britischen Küste. Foto: Carlos Jasso/Bloomberg

Erneuerbare Energien sind ohne Subvention nicht gefragt? Heute jedenfalls ist dieser Fall eingetreten. Erstmals ist eine Auktion für einen Offshore-Windpark  in Deutschland ohne Gebot geblieben. Und erstmals gab es für so eine Auktion auch keine staatliche Subvention! Ein erstaunlicher Zufall.

Offshore-Windpark ohne Gebot – Verband äußert sich

Der Branchenverband BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) schreibt dazu aktuell mit Bezug auf die Bundesnetzagentur, dass in der diesjährigen August-Ausschreibung für Windenergieanlagen auf See keine Gebote für die zentral voruntersuchten Flächen N-10.1 und N-10.2 mit Ausschreibungsvolumen von 2.000 MW bzw. 500 MW und geplanten Inbetriebnahmen in den Jahren 2031 und 2030 abgegeben wurden. Die Ausschreibung war ohne die Möglichkeit auf EEG-Förderung durchgeführt worden.

Dazu sagt der BDEW (auszugsweise), das erstmalige Ausbleiben von Geboten in einer Offshore-Wind-Ausschreibungsrunde sowie das bereits stark gesunkene Interesse an der Juni-Ausschreibung 2025 würden zeigen, dass die Risiken für Offshore-Windpark-Entwickler in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben. Gründe dafür seien unter anderem gestiegene Projekt- und Kapitalkosten in Folge von geopolitischen Spannungen und Lieferkettenengpässen sowie zunehmend schwer prognostizierbaren Preis- und Mengenrisiken im Strommarkt. Zudem führe die bisher geplante hohe Bebauungsdichte dazu, dass die Voll-Laststunden auf den nun ausgeschriebenen Flächen durch Verschattungseffekte signifikant reduziert werden. Diese Herausforderungen erfordern laut BDEW dringend eine umfassende Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) sowie des weiteren offshore-relevanten Rechtsrahmens.

Bundesverband Windenergie

Der Bundesverband Windenergie Offshore (BWO) sagt dazu aktuell, dass für Offshore-Windflächen mit einer Kapazität von 2,5 Gigawatt kein Investor ein Gebot eingereicht habe, sei ein alarmierendes Signal – der Verband fordert die Bundesregierung zu einer grundlegenden Reform des Auktionsdesigns auf.

Dass sich bei dieser Auktion kein einziges Unternehmen beteiligt hat, ist laut BWO ein Scheitern mit Ansage. Die Branche warnt seit Jahren davor, den Unternehmen zu viele Risiken aufzubürden. Doch die gesetzlichen Vorgaben würden den Rahmenbedingungen für Investitionen in Offshore-Windprojekte in Deutschland nicht mehr Rechnung tragen. Das geltende Auktionsdesign zwinge Entwickler, nicht von ihnen beeinflussbare Risiken ohne jegliche Absicherung zu tragen.

Das Ergebnis sei ein klares Signal: Der deutsche Offshore-Wind-Markt ist laut BWO für Investoren derzeit nicht interessant. Die Bundesregierung verpasse damit die Chance auf signifikante Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland und Europa. Wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen, werde die Branche bis 2045 mehr als 200 Milliarden Euro in den Offshore-Wind-Ausbau investieren. Dafür brauche es dringend eine Kurskorrektur beim Auktionsdesign und eine systematische Beseitigung der Engpässe, etwa beim Hafenausbau und der Modernisierung der Seehäfen, so der BWO.

Bloomberg-Einordnung

Eine Offshore-Windauktion in Deutschland endete ohne ein einziges Gebot, was zeigt, dass Verträge ohne Subventionen bei Investoren nicht gefragt sind, so die aktuelle Einordnung von Bloomberg. Weiter wird berichtet: Die Bundesnetzagentur erhielt keine Gebote für zwei Gebiete in der Nordsee, teilte die deutsche Offshore-Windgruppe BWO heute in einer Erklärung mit.

Die gescheiterte Auktion ist der jüngste Rückschlag für die Offshore-Windenergie in Europa, deren Wachstumsaussichten in den letzten Jahren durch stark steigende Kosten drastisch verschlechtert wurden. Da Entwickler Rentabilität vor Wachstum priorisieren, müssen Regierungen zunehmend Subventionen bereitstellen, um Investitionen anzukurbeln.

Dies ist eine Kehrtwende gegenüber den letzten Jahren, als Offshore-Windparkentwickler in der Nordsee bereit waren, auch ohne staatliche Unterstützung zu investieren, darunter auch in Deutschland. Vor zwei Jahren vereinbarten BP und TotalEnergies, Milliarden Euro für die Rechte zur Entwicklung großer Projekte zu zahlen. Heute zieht sich BP jedoch aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien zurück, um sich auf sein profitables Geschäft mit fossilen Brennstoffen zu konzentrieren, während Total eine strategische Überprüfung seines Offshore-Windgeschäfts in Deutschland durchführt.

Bei einer früheren Offshore-Auktion im Juni war bereits ein Rückgang der Bieter zu verzeichnen. Ähnlich düster sieht es für die Solarenergie aus, wo die Investoren aufgrund sinkender Strompreise und damit sinkender Gewinnmargen immer weniger Interesse an nicht subventionierten Solarparks haben. Diese Entwicklungen gefährden das Ziel des Landes, die Kapazitäten für erneuerbare Energien auszubauen.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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18 Kommentare

  1. Wenn nicht genug „Schmerzensgeld“ bezahlt wird, wird wohl kaum mehr ein Investor in Deutschland in die Industrie investieren.
    Das liegt auch nicht speziell an dieser Branche.
    Selbst Milliarden an „Schmerzensgeld“ reichen oft in anderen Branchen auch nicht aus.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. „den Unternehmen zu viele Risiken aufzubürden“

    Ich würde eher sagen, dass eine solche Investition sich nicht rechnet. Der Analyse im Artikel stimme ich zu. Aktuell sollte man neue Windparks im Meer nur bauen, wenn man einen Vertrag für die Abnahme des Windstroms hat. Bei Elektrolyseuren geht auch nichts, genau wie bei potentiellen Kunden von grünem Wasserstoff. Die gehen eher ins Ausland, wo sie weiterhin Erdgas verbrauchen können. Abstimmen mit den Füßen nennt sich das. Ich bin sicher die von den Grünen erpressten 100 Milliarden werden die Situation wieder ändern. Oder Klingbein schafft es diese Milliarden irgendwie für die Rente umzuwidmen. Kreativ ist er ja.

    PS: Das Geld von Habeck für Wasserstoff-Rohre durch die halbe Republik ist schon ausgegeben. Zum Glück hatte er noch keine Verträge für Wassertoff-ready Gaskraftwerke unterschrieben gehabt, ehe Scholz alles runter spülte.

    1. Die Ausschreibung vom Juni ergab nicht nur keine Garantievergütung, die Gebote waren sog. „Null-Cent-Angebote“, im Rahmen der Ausschreibung verpflichtet sich Total Energies, die den Zuschlag bekamen, zur Zahlung von 180 Millionen Euro an die Bundesregierung im Jahr 2026 – zweckgebunden für Maßnahmen zum Meeresschutz und zur Förderung nachhaltiger Fischerei. Zusätzlich entrichtet das Unternehmen über einen Zeitraum von 20 Jahren ein jährlicher Beitrag von 8,1 Millionen Euro an den zuständigen Übertragungsnetzbetreiber.

      Auf den aktuellen Flächen waren die Bedingungen einfach nicht gut genug. Das mit den Verschattungen durch andere Anlagen wurde ja schon hier genannt.

      Um was es bei Offshore schon längern nicht mehr geht, sind Einspeisevergütungen.

  3. Die Anlagen in diesen beiden Flächen sollen wohl zu dicht stehen, was zu weniger Effizienz / Volllaststunden führt. Also weniger Erträge. Da sind Investoren natürlich weniger oder wie hier nicht bereit, Geld zu investieren. Wer weiß, ob noch genug verdient werden kann.

    Die interessante Frage ist auch, warum dort die Anlagen dichter stehen sollen. Da wird ja wohl auch vorher mal aufgefallen sein, dass die Vollaststunden dann geringer sein werden und Geld verdienen somit schwieriger. Warum hat man das trotzdem so gemacht? Einfach mal versuchen, ob trotzdem jemand investiert?

  4. Da ist FMW wieder in der Spur… regneratives Energienbashing… gab ja erst einen interessanten Artikel von Doi Ennoson über China und deren Investitionen, ist wohl durchgerutscht :-)
    Als ob jemand irgendwo ein Kernkraftwerk baut und dafür dann in die Haftung gehen würde. Selten so gelacht…
    https://www.base.bund.de/shareddocs/faktencheck/base/de/atomstrom-alternative-energiequellen-kosten.html
    NEIN! DOCH! OHH

    1. @Littlejoe, es geht nicht um Haftung, sondern um Subventionen, damit überhaupt erst gebaut wird! Ud in anderen Ländern werden AKWs gebaut!

      1. @Fugmann
        Die AKWs werden auch nur gebaut, weil sie massiv subventioniert werden.

        1. entscheidend ist, dass sie Grundlastfähig sind, im Gegensatz zu Wind und Sonne – es wird auch nicht überall subventioniert..

          1. Ja zu Energieformen, welche Grundlastfähig sind.

          2. Herr @Fugmann, nennen Sie mir bitte ein einziges AKW Projekt welches rein privatwirtschaftlich finanziert wird – ohne Abnahmegarantien, weitere direkte/indirekte Subventionen, Haftung durch Betreiber etc. – Sie werden keines auch nur in Absatz finden.

          3. Das Argument, erneuerbare Energien seien nicht grundlastfähig, ist veraltet. Moderne Energiesysteme in Deutschland setzen auf Flexibilität: Wind, Solar, Biomasse und Geothermie arbeiten zusammen. Batteriespeicher, Power-to-X, intelligente Netze und Netzausbau gleichen Schwankungen aus. Fossile Brennstoffe sind nur noch flexible Backup-Lösungen. Mit etwa 60 % des Stroms aus Erneuerbaren liefern diese de facto die Basisversorgung!

            Wo genau werden den AKW’s nicht in irgeindeiner Weise subventionert? Das Bundesumweltministerium wendet mehr als 50% seines Haushaltes für kernkraftbezogene Ausagaben aus – dabei haben wir noch nicht mal welche…

          4. Was soll das sein „grundlastfähig“?
            Gemeint ist doch gesicherte Leistung, die mit der alten „Grundlast“ genau gar nix zu tun hat. Auch wenn der Begriff oft verwendet wird. Inhaltlich ist das unsinnig.
            Wenn man in diesen Begrifflichkeiten bliebe, bräuchte man „spitzenlastfähigkeit“.

      2. Ich bin gebürtig aus Neuwied, Rheinland-Pfalz/von Bonn ca. 1 Stunde mit dem Auto. Das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich wurde wegen des Standortes gerichtlich untersagt. Das Gericht untersagte nicht die Energieform Kernkraft an sich.

      3. Da ist sie wieder, die nukleare Grammatik-Regel: Immer im Präsens und immer im Plural 😂
        Überall um uns herum werden AKWs gebaut…
        https://www.kulturjoker.de/wp-content/uploads/2024/07/Europa-Alle-um-uns-herum-bauen-AKW-1536×1360.jpg

      4. „Ud in anderen Ländern werden AKWs gebaut!“

        Ja. Allen voran in China (knapp 40 % aller konkreten Planungen lt. Statista). Da deckt Strom aus Kernkraftwerken ca 5 % des Strombedarfs. Strom – nicht Gesamtenergie. An diesem Wert wird sich auch nicht viel ändern. Der Zubau von WKA und PV ist deutlich höher. In ihrem Bericht „Renewables 2024“ prognostiziert die Internationale Energieagentur einen Zubau von 5500 Gigawatt an Erneuerbare-Energien-Anlagen bis 2030, davon 80 Prozent Photovoltaik. China hat daran den größten Anteil, die steilste Wachstumskurve wird in Indien erwartet. Der Nettozubau (also abzgl. Abschaltungen) an Kernkraftwerken ist dabei im homöopathischen Bereich. Auch wenn die Zahl der Volllaststunden bei thermischen Kraftwerke deutlich höher ist als insbesondere bei der PV in Mitteleuropa, ist das Mißverhältnis für die Kernkraftwerke enorm.

        AKW sind ja auch das Letzte (siehe anderen Beitrag) was man bei zunehmend volatiler Erzeugung benötigt. Darum geht es doch bei der Diskussion um Gaskraftwerke hierzulande – gesicherte Leistung für nur wenige hundert Stunden im Jahr (die sog. Residuallast).

        Was Sie auch sehr gerne ignorieren (ich sehe ihre Beitrag regelmäßig) ist die Möglichkeit der lokalen/regionalen Energieorganisation aus Erzeugung, Verteilung und effizienten Nutzung (z.B. KWK, Sektorenkopplung usw.). Die gibt es bei Kernkraftwerken (oder großen Kohleblöcken) einfach nicht. Und da liegt wohl auch ein Teil der Motivation für Großkraftwerke und begleitenden Strukturen. Das Geschäftsmodell von Energiekonzernen funktioniert bei lokaler/regionaler Organisation einfach nicht.
        Follow the money.

  5. Wind und Sonne wird in Deutschland stark stark subventioniert. Durch den Verbraucher und den Staat.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut
      Das Bundesumweltministerium wendet mehr als 50% seines Haushaltes für kernkraftbezogene Ausagaben aus – dabei haben wir noch nicht mal welche…

    2. Wind und Sonne werden nirgends subventioniert. Die liefern einfach so.
      Was sie vermutlich meinen, sind die Hilfen bei Aufbau der Kapazitäten, vor allem Produktionskapazitäten.
      Ja, da sind viele Länder in Vorleistung gegangen, Deutschland durch das EEG ganz besonders.
      Und siehe da, die Kosten bei der Erzeugung von Strom aus Wind und vor allem bei der Photovoltaik sind drastisch gefallen. Also geradezu lehrbuchhaft.
      Locke Anbieter an, diese steigern die Produktion, verbessern Produkte und Verfahren, die Kosten sinken, die Nachfrage steigt, es steigen mehr Anbieter ein, es entsteht ein Käufermarkt usw. usw.

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