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Oil Freeze ab 30. November? Welch Wunder, dem Iran ist das egal

FMW-Redaktion

Wie die OPEC-Staaten Ende September in Algerien vereinbarten, will die OPEC auf ihrer ordentlichen Sitzung oder kurz danach damit anfangen, dass „ein Gremium“ mit den einzelnen Mitgliedsstaaten bespricht, wer bei welcher Fördermenge einfriert oder sogar auf welche Menge absenkt. Also eine extrem wacklige oder besser gesagt fast unmögliche Sache, aber der Markt hat dieses Placebo geschluckt. In Algier wurde breits angedeutet, dass es Ausnahmen geben könne. Und so meldet sich aktuell der Iran zu Wort.

Energieminister Zangeneh ließ heute verlauten der Iran werde von Ende September bis Ende März 2017 seine Produktion von 3,8 auf 4 Millionen Barrels pro Tag erhöhen. Der iranische Öl-Sektor brauche noch 200 Milliarden Dollar an Investitionen, und zwar nicht nur bei der Öl-Förderung, sondern auch im petrochemischen Sektor. Der Iran wolle auch zum Benzin-Exporteur werden, und nicht nur Rohöl-Exporteur bleiben. Hunderttausende neue Arbeitsplätze könnten so entstehen.

Mal ehrlich: Redet so jemand, der kurz davor steht mit dem Hochfahren seiner Öl-Fördermenge aufzuhören? Von 3,8 auf 4, und zack, dann ist Schluss? Wohl kaum. Aber Zangeneh hat auch in den letzten 12 Monaten nie ein Geheimnis aus seiner Sichtweise gemacht, und diese auch nie geändert. Aktuell ist man dabei kräftig Richtung 3,9 Millionen Barrels pro Tag zu erhöhen, so kann man aktuelle Äußerungen verstehen, die der Chef der National Iranian Oil Corp Ali Kardor von sich gegeben hat. Andere iranische Offizielle nennen aktuell das Ziel von mindestens 4,09 Millionen Barrels als Niveau von vor den Sanktionen.

Auch gibt es noch weitere Anzeichen, dass der Iran nicht bei 4 und auch nicht bei 4,09 Millionen Barrels pro Tag stehen bleibt. Stand heute lautet die butterweiche Sprachregelung der OPEC ja so, dass erst ab dem 30. November überhaupt darüber gesprochen wird, wer wo einfriert. Kardor meint dazu, dass die (bisherige) OPEC-Methode zur Ermittlung der öffentlich genannten Fördermengen nicht geeignet sei, um nach Gesprächen zwischen OPEC und Iran die iranische Fördermenge festzulegen. Denn (lustigerweise?) verweist die OPEC selbst darauf, dass sie sich bei der Ermittlung der eigenen Fördermenge nicht auf die Angaben der Mitglieder verlässt, sondern auf die Schätzungen von unabhängigen Journalisten und Finanzanalysten.

Also, der Iran schafft sich hier schon mal ein wenig „Interpretationsspielraum“, um vielleicht ein paar hunderttausend Barrels mehr Luft nach oben zu haben bei den Verhandlungen über die Einfrierung? Wo wird der Iran denn nun stoppen? 4,3 oder 4,5 oder noch mehr? Wir bleiben dabei: Wir sehen die ganze Einfrierungs-Veranstaltung eher als Marketing-Gag, wie schon im April in Doha. Aber wie der Ölpreis auch heute zeigt, ist es halt wie mit einem Placebo – solange alle daran glauben, dass er wirkt, wirkt er auch! Ach ja… die Positionierung am Future-Markt für WTI ist so eindeutig Long wie seit zwei Jahren nicht mehr!



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1 Kommentar

  1. Aus sicheren Quellen kann ich Ihnen sagen. 6 Millionen Barrel sind mittelfristig und 10 Millionen Barrel langfristig das Ziel.

    Wer will sich dem entgegenstellen?

    Dabei sind für den Iran Preise von 30$ pro Barrel völlig in Ordnung, denn der iranische Haushalt ist wegen den 10 jährigen Sanktionen auf Sparflamme und daran hat sich nicht viel geändert. Iran hat die Luft dafür, die Saudis werden Pleite gehen und Aufstände drohen. Möchte mir gar nicht ausmalen was passiert wenn der schiitische Osten Saudi Arabiens in Revolten unter geht und die Ölproduktion still steht.

    Tja! Wer den Wind sät … oder besser gesagt … Wer einen Wirtschaftskrieg beginnt den er sicher nicht gewinnen kann …. der wird daran ersticken.

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