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Olaf Scholz: „Großer“ Aktionsplan nach Wirecard Debakel – maue Nummer, teilweise ein Witz

Claudio Kummerfeld

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Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Justizministerin Lambrecht haben gestern ihren „großen Aktionsplan“ vorgestellt, wie die Bundesregierung Desaster wie bei Wirecard zukünftig verhindern will. Olaf Scholz, Peter Altmaier und Co spielten nach der Insolvenz von Wirecard das Spiel mit dem Namen „Was für ein Debakel, aber mein Resort hat keine Fehler gemacht“. Der Aktionsplan läuft unter der Headline „Bi­lanz­be­trug be­kämp­fen und Kon­trol­le der Fi­nanz­märk­te stär­ken“, und beinhaltet zahlreiche Maßnahmen (hier die Gesamtübersicht). Die BaFin (zur Behörde hier ein Kommentar von uns aus Juli) spielt in diesem Aktionsplan eine wichtige Rolle.

Wir haben uns das mal näher angeschaut. Bei vielen Punkten denkt sich der normale Bürger und Beobachter, dass es sich doch eigentlich um Selbstverständlichkeiten handelt, die jetzt erst nachgeholt werden sollen. So soll die BaFin zum Beispiel mehr Durchgriffsrechte bei Prüfungen erhalten. Dabei hätte man doch bisher eh schon angenommen, dass die BaFin als die große, zentrale Aufsichtsbehörde in Deutschland umfassende Prüfungs- und Durchgriffsrechte haben müsste?

Bilanzkontrolle

Die Durchgriffsrechte der BaFin gegenüber den betroffenen Unternehmen soll gestärkt werden. Künftig sollen alle Anlass- und Verdachtsprüfungen in die alleinige Zuständigkeit der BaFin fallen. Die Verdachts- und Anlassprüfungen der BaFin werden von den betroffenen Unternehmen finanziert. Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungsprüfung (DPR) wird zwar weiterhin für Stichproben- bzw. Routineprüfungen verantwortlich sein. Die BaFin bekommt jedoch umfangreiche Auskunftsrechte gegenüber der DPR und die DPR muss die BaFin regelmäßig unterrichten. Unser Kommentar: Die BaFin kann auch noch so viele neue Kontrollrechte erhalten.

Wichtig ist aber eher die Frage, ob der Chef dieser Behörde, Felix Hufeld, nach seinen passiven, lustlosen und zurückweisenden Äußerungen der letzten Monate überhaupt die richtige Führungsperson ist für eine Behörde, die doch spätestens ab jetzt knallhart durchgreifen soll. Denn wenn der Chef so einer extrem wichtigen Behörde eher ein passives Verhalten an den Tag legt, welches auf seine Untergebenen abstrahlt, wie soll dann diese Behörde als scharfer Aufpasser für die Finanzbranche fungieren? Zumal es Gerüchte gibt, dass die BaFin generell Probleme bei der Personalsuche haben soll. Was nützen also schärfere Vorschriften, wenn vielleicht viel zu wenig Personal da ist, welches die Prüfungen vornehmen soll?

Der große Witz von Olaf Scholz

Und nun kommt ein echter Hammer. Ein echter Kracher. Der Wirtschaftsprüfer EY ist im Rahmen des Wirecard-Skandals (Insolvenz Ende Juni) in ein verdammt schlechtes Licht geraten (hier die aktuelle Lage). Und die ganze Prüfungsbranche ebenfalls. Deswegen hat man sich auch diesen Sektor „vorgenommen“. Und siehe da, das Maßnahmenpaket besagt, dass eine Rotationspflicht für Wirtschaftsprüfungsunternehmen eingeführt werden soll. Und, wie oft soll gewechselt werden? Alle zwei oder drei Jahre? Nein, nach 10 Jahren soll ein Wechsel stattfinden müssen. Kein Witz. Nach 10 Jahren. Denkt man mal an Wirecard: Für ihr Betrugsgerüst brauchten die Münchner wohl deutlich weniger als 10 Jahre Zeit. Ein echter Witz, das für so eine lange Zeit kein Wechsel notwendig sein soll.

Und noch etwas: Die Bereiche Prüfung und Beratung soll bei Wirtschaftsprüfungsunternehmen getrennt werden. Ein wichtiger Punkt. Ein weitreichendes Verbot der gleichzeitigen Prüfung und Beratung von Unternehmen soll finanzielle und andere Interessenkonflikte vermeiden, so das Bundesfinanzministerium im aktuellen Papier. Dazu darf von unserer Seite aus angemerkt werden: Wer sich im politischen Berlin ein wenig auskennt, der weiß: Gerade diese Trennung zwischen Prüfung und Beratung sollte schon vor Jahren umgesetzt werden. Aber offenbar dank massivem Einsatz von Lobbyisten in Berlin wurde dies bisher verhindert. Und nun, erst nach solchen Skandalen wie Wirecard, kommt da wirklich etwas in Gange. Aber ob die Lobbyisten auch dieses Mal wieder ihre Finger im Spiel haben? Denn im Papier von Olaf Scholz ist die Rede von einem Zitat „weitreichenden Verbot“ der gleichzeitigen Prüfung und Beratung. Also kein Komplettverbot? Warum nicht?

Und bei der Haftung der Wirtschaftsprüfer will man ein wenig nachlegen. Um die Qualität der Abschlussprüfungen zu erhöhen, soll die zivilrechtliche Haftung von Wirtschaftsprüfungsunternehmen verschärft werden. Künftig sollen Abschlussprüfer auch in Fällen grober Fahrlässigkeit unbeschränkt haften. Die Haftungshöchstgrenze bei leicht fahrlässigem Verhalten soll von derzeit maximal 4 Millionen auf künftig 20 Millionen Euro angehoben werden.

Zockerei bei der BaFin

Im Zuge des Wirecard-Skandals kam ans Licht, dass zahlreiche BaFin-Mitarbeiter offenbar jede Menge Zeit haben kräftig an der Börse zu zocken. Eigentlich wäre man als geneigter Beobachter eh davon ausgegangen, dass es ein internes Verbot hierfür schon längst geben würde. Aber nein. Jetzt soll den Beschäftigten der BaFin der private Handel mit Finanzinstrumenten weitgehend untersagt werden, um etwaige Zweifel an der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit der BaFin auszuräumen. Der private Handel von BaFin-Beschäftigten beispielsweise mit Aktien von DAX-Unternehmen oder von Banken aus der EU wäre damit tabu. Für Geschäfte mit allen anderen Finanzinstrumente besteht weiterhin eine Anzeigepflicht.

Gold-Skandale

Jüngst gab es Skandale um dubiose Geldanlagemodelle im Zusammenhang mit Gold (siehe beispielsweise hier). Sogar Verzinsungen wurden angeboten, wobei man sich fragt, wie ein Vermögensverwalter aus Gold Zinserträge für seine Anleger erwirtschaften will. Wohl auch deswegen hat man in den beiden Ministerien im aktuellen Aktionsplan das Thema Geldanlage in Gold gleich mit einbezogen. Denn auch für Edelmetall- und Goldanlagen soll für Anleger künftig ein umfassender Prospekt erstellt werden müssen. Geschäftsmodelle, bei denen Edelmetalle angelegt und mit einer Verzinsung nach Ende der Laufzeit ausgekehrt werden, sind künftig als Vermögensanlage einzustufen. Somit unterfallen sie der Prospektpflicht und anderen anlegeschützenden Vorschriften. Die BaFin kann damit auch unlautere Praktiken effektiver unterbinden, so die Aussage des Aktionsplans. Aber wie die Realität zeigt, wartet die BaFin doch oft solange, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Fazit

Einige andere Punkte des Aktionsplans besprechen wir an dieser Stelle nicht, da wir sie für zu belanglos halten. Ach, was soll´s … hier nur ganz kurz: Zum Beispiel soll Geldwäsche von nun an noch effektiver bekämpft werden. Herje, wie oft hat man solche Floskeln schon gehört? Dass Deutschland in Sachen Geldwäschebekämpfung Millionen Kilometer entfernt ist von dem, was zum Beispiel in Italien geleistet wird, ist in Berlin wohl noch nicht als Info angekommen. Alles in allem kann man sagen, dass hier und da ein paar Verbesserungen im Aktionsplan von Olaf Scholz und Christine Lambrecht vorkommen. Aber es wirkt doch eher halbherzig und zu allgemein formuliert. Hingen zu viele Lobbyisten seinem Staatssekretär Herrn Kukies (ehemalig Goldman Sachs-Banker) im Nacken bei der Erstellung des Aktionsplans?

Olaf Scholz
Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Foto: Olaf Kosinsky CC BY-SA 3.0 de

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Zinskosten: So gigantisch sind die Ersparnisse für Kreditnehmer im Langzeitvergleich

Claudio Kummerfeld

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Dass Kreditnehmer in einem jahrelangen Umfeld immer weiter fallenden Zinsen die großen Gewinner sind, das ist kein Geheimnis. Aber es ist mal interessant zu sehen, wie viel Zinsen ein Häuslebauer vor 20 Jahren gezahlt hat, im Vergleich zu einem heutigen Abschluss, bei selber Kreditsumme und Tilgungshöhe. Die Interhyp AG hat aktuell einen Vergleich veröffentlicht, der die tatsächliche Dimension aufzeigt, wie viel Geld man heutzutage spart.

Hat man im Jahr 2000 abgeschlossen, entstanden bei einer Darlehenssumme für einen Immobilienkredit über 300.000 Euro und 2 Prozent Tilgung in 10 Jahren insgesamt 172.000 Euro an Zinskosten. Damals lagen die Zinsen bei 6,5 Prozent. Mit heute nur noch 0,8 Prozent hat man gerade mal noch 22.000 Euro Zinskosten! Das lohnt sich natürlich besonders für Häuslebauer, weil die Darlehenssummen hier so hoch sind, so möchten wir anmerken – aber die Sache hat einen Haken. Wo man als Kreditnehmer für Häuschen oder Eigentumswohnung extrem stark bei den Zinskosten spart, da zahlt man auf der anderen Seite drauf bei den in den letzten Jahren explodierten Immobilienpreisen.

Sicherlich sind die aktuellen Informationen der Interhyp AG auch eine schlecht versteckte Eigenwerbung, aber sei es drum. Die Experten sagen, auszugsweise im Wortlaut:

Auch wenn vielerorts die gestiegenen Immobilienpreise höhere Darlehenssummen erfordern, bleiben die Raten für viele Menschen leistbar. Der Zinsvorteil ermöglicht in vielen Fällen eine höhere Tilgung als früher. Die Expertin rät Eigenheimbesitzern, die Sparchancen für ihre Anschlussfinanzierung zu nutzen und sich schneller zu entschulden. Bauherren und Käufer sollten die Finanzierung wohlüberlegt angehen. Wichtig sei, bei der Finanzierung einen möglichen Zinsanstieg in Zukunft einzukalkulieren und mit langen Zinsbindungen und hohen Tilgungen vorzusorgen.

Hier auszugsweise weitere Aussagen von Interhyp. Zitat:

Im März 2020 sind die Zinsen auf ein neues Allzeittief von rund 0,7 Prozent im Mittel gefallen und auch jetzt liegen sie nur knapp darüber, berichtet Interhyp. Zum Teil sind sogar Bestzinsen von unter 0,5 Prozent möglich. Die Monatsrate für einen Musterkredit über 300.000 Euro (0,8 Prozent) beträgt im Herbst 2020 bei einer zweiprozentigen Anfangstilgung nur noch 700 Euro. Die Zinskosten über 10 Jahre liegen dafür heute nur bei 22.000 Euro – einem Bruchteil der Kosten bei Abschluss im Jahr 2000.

Rat der Experten: Sparchancen für schnelle Entschuldung nutzen

Um die Zinsersparnis zu verdeutlichen, hat Interhyp in der Beispielrechnung immer mit der gleichen Anfangstilgung gerechnet. Der Rat der Finanzierungsexperten ist jedoch, heute eine höhere Tilgung zu wählen. Das sei möglich mit Raten, die nicht wesentlich über denen früherer Jahre liegen. Mirjam Mohr: „Unsere Daten zeigen, dass Kreditnehmer ihre Entschuldung im Blick behalten. Die anfängliche Tilgung bei Bauherren und Käufern ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von unter zwei im Mittel auf über drei Prozent gestiegen. Bei der Anschlussfinanzierung ist sie sogar von unter drei Prozent auf rund sechs Prozent gestiegen.“ Viel sparen im Vergleich zu früher könnten vor allem Eigenheimbesitzer mit Bedarf für eine Anschlussfinanzierung. Bauherren und Käufer sollten mit Blick auf hohe Kaufpreise und Darlehenssummen auf Sicherheit achten, zum Beispiel, indem sie günstige Zinsen mit langen Zinsbindungen festschreiben oder viel tilgen. „Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich das Zinsniveau über die Jahre deutlich ändern kann“, sagt Mirjam Mohr.

Grafik zeigt im Langfristvergleich sehr stark gesunkene Zinskosten

Chart zeigt langfristig extrem stark sinkende Zinsen

Grafiken und Daten: Quelle Interhyp

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Von

Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

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