Märkte

OPEC-Monatsbericht: Saudis mit deutlichem Plus als Vorbereitung für die Kürzungen?

In Sachen OPEC überschattet natürlich die am Freitag verkündete Fördermengenkürzung (-800.000 Barrels zuzüglich -400.000 von Partnern) den jetzt ganz frisch veröffentlichten Monatsbericht der OPEC. Dennoch lohnt aktuell ein Blick auf die Fördermengenangaben der Mitgliedsländer zu Ende November. In der folgenden Grafik finden Sie die aktuelle Übersicht.

Im oberen Teil finden Sie die Angaben basierend auf Daten Dritter. Im unteren Teil finden Sie die Angaben der OPEC-Mitgliedsstaaten selbst. Diese sind wie immer unvollständig, und man schenkt wie immer eher den externen Beobachtern Vertrauen für die Veröffentlichung der offiziellen Zahl. So habe sich die Fördermenge des Kartells von Oktober auf November um 11.000 Barrels pro Tag reduziert – also fast gar nicht.

Diese Reduzierung entstand aber nur dank der US-Sanktionen gegen den Iran, die immer stärker ihre Wirkung entfalten. So ging die Produktion im Iran alleine im letzten Monat um 380.000 Barrels pro Tag zurück. Im gleichen Zeitraum hat Saudi-Arabien seine Fördermenge um 377.000 Barrels erhöht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Denn die Saudis wollen binnen zwei Monaten nun fast in Eigenregie die 800.000 Barrels pro Tag-Senkung der OPEC durchführen.

Ist es ein ähnliches Prinzip wie bei Kleidung in Geschäften, wo die Preise vermeintlich nochmal schnell erhöht werden, damit man sie im Schlussverkauf optisch „stark reduziert“ anbieten kann? Die Saudis haben allein in den letzten drei Monaten ihre Fördermenge um 500.000 Barrels pro Tag erhöht, wie die Statistik es in der Grafik anzeigt. Dass man würde Mengen kürzen müssen beim OPEC-Treffen im Wien am 6. Dezember, das war schon vor Monaten offensichtlich.

Haben die Saudis also vorher kräftig erhöht, um nun als guter Samariter in Sachen Ölpreis gut dazustehen? (schaut her, wir senken unsere Fördermenge, wir opfern uns für höhere Ölpreise). War es so? Es ist natürlich nicht zu beweisen! Venezuela ist eine Tragödie. Das Land fällt mit seiner Förderung immer weiter in den Keller, weil man pleite ist, die Öl-Arbeiter nicht bezahlen kann, keine technische Ausrüstung für Reparaturen oder neue Fördergebiete hat usw. So verliert man von Oktober auf November weitere 52.000 Barrels pro Tag. 2016 förderte man noch 2,15 Millionen Barrels pro Tag, und jetzt sind es nur noch 1,14.

Der rot markierte Bereich im unteren Teil der Grafik zeigt, wie stark die eigenen Angaben der Förderländer von den Angaben externer Beobachter abweichen. Und wie immer ist es mehr als nur merkwürdig, dass die OPEC-Zentrale den Externen mehr vertraut als den Angaben der eigenen Mitglieder. Bei den aktuellen Aussichten für die globale Öl-Nachfrage hat sich im Vergleich zum Vormonat nichts geändert. Auch auf der Angebotsseite sind die Veränderungen in den Erwartungen nur minimal.

Die aktuellsten OPEC-Daten für die OECD-Lager bei Rohöl zeigen einen Anstieg um 7,6 Millionen Barrels. Damit steigen sie den vierten Monat in Folge auf 2,883 Milliarden Barrels. Man sieht: Die Menge musste gekürzt werden! Man liegt damit auch 22,5 Millionen Barrels über dem Fünfjahresdurchschnitt.

OPEC Monatsbericht



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage