Folgen Sie uns

Asien

OPEC-Oil Freeze: Der Deal, der gar keiner ist! (mit OPEC-Original-Text)

Der angesehene Fondsmanager John Kilduff warnte gestern vor einem großen Bluff, mit dem die OPEC versuchen könnte die Hoffnung auf einen Oil Freeze auf die November-Sitzung zu verlagern. Und in der Tat, dieser Bluff…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Die Medienlandschaft egal wo man hinschaut, verkündet heute die freudige Nachricht, dass sich die OPEC endlich auf eine Einfrierung der Fördermenge geeinigt hat. Wie toll, mag man meinen. Der angesehene Fondsmanager John Kilduff warnte gestern vor einem großen Bluff, mit dem die OPEC versuchen könnte die Hoffnung auf einen Oil Freeze auf die November-Sitzung zu verlagern. Und in der Tat, dieser Bluff ist der OPEC erstaunlich gut gelungen! Wir hatten gestern Abend bereits darüber berichtet, möchten an dieser Stelle aber nochmal einen „Nachruf“ auf diesen Bluff veröffentlichen!

Was hat die OPEC denn nun wirklich gesagt? (Originaltext am Ende dieses Artikels) Man wolle ein Produktionsziel von 32,5 bis 33 Millionen Barrels pro Tag anstreben! Hierzu werde man einen Arbeitskreis gründen (ohhh Gott, bitte nicht noch einer…). Der solle zwischen OPEC und Nicht OPEC-Mitgliedern klären, wie man Verfahren entwickeln kann, damit man im November zu einer Einigung kommt, dass der Ölmarkt ausbalanciert werden kann! (ganz am Ende fett markiert). Alles klar? Wie war das nochmal? Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis! Gut, hier wird er offiziell als „Komitee“ bezeichnet, ist aber letztlich das selbe!

Da wirkt die von diversen Medien propagierte Einfrierung schon mal ganz anders. Und es geht noch weiter: Russland ist gar nicht OPEC-Mitglied, war gestern gar nicht anwesend, und hat erst vor wenigen Tagen einen neuen Allzeitrekord seit der Sowjet-Zeit erreicht bei der Gesamt-Fördermenge. Die Saudis könnten im November einer Kürzung ihrer Förderung zustimmen. Aber das wäre aufgrund saisonaler Gründe wohl so oder so passiert – und außerdem fördert man derzeit auf Rekordniveau, dass in den letzten Monaten ständig angehoben wurde.

Nigeria und Libyen sollen wie man hört aufgrund ihrer Probleme Ausnahmen zugesprochen bekommen, dass sie ihre Mengen erhöhen dürfen. Und der Irak, der scheint gar nicht so sicher zu sein, ob er mit einer Einigung für November glücklich ist. Will man selbst wirklich kürzen, wo man doch auch gerade seine Produktion immer weiter hochfährt? Und ganz am Ende, wie wir gestern schon angemerkt hatten, hat noch niemand an die US-Fracker gedacht. Die sind nicht staatlich, sondern komplett privatwirtschaftlich organisiert. Das bedeutet de facto, dass sie gar nicht organisiert sind. Jede kleine Fracking-Bude entscheidet ganz alleine. Viele haben schon angekündigt bei steigenden Ölpreisen wieder die Fördermenge stark rauffahren zu wollen.

Damit würden sie die Einfrierungsbemühungen, die eh auf Rekordniveaus stattfinden, ins Lächerliche ziehen, und dafür sorgen, dass das Angebot über der Nachfrage bleibt. Fazit: Die Förderer außerhalb der OPEC sind noch überhaupt nicht im Boot. Sie wurden noch nicht mal angesprochen, ob sie mitmachen wollen. Noch schlimmer: Innerhalb der OPEC gibt es Ausnahmen, und es ist mehr als fraglich, ob der Irak (und auch der Iran?) wirklich mitmachen. Auch soll ja erst im November in Wien festgelegt werden, welches OPEC-Mitglied wie viel kürzt oder auf welchem Niveau genau einfriert. Bis 30. November kann da noch viel passieren. Und letztlich ist eine Einfrierung bei 32,5-33 Mio Barrels pro Tag eine Einfrierung auf Rekordniveau!

Wie John Kilduff sagte, ein Bluff, mit dem man sich rüber-retten will zum November-Meeting in Wien. So sehen wir es auch. Aber wie wir gestern schon sagten: Wunder geschehen immer wieder. Vielleicht geschieht am 30. November ein Wunder, alle Teilnehmer in Wien stimmten brav einer Kürzung oder Einfrierung zu, Russland stimmt auch zu, die Fracker in den USA erhöhen ihre Förderung nicht, und alles wird gut. Das wäre mal was. Dass es überhaupt eine Einigung gibt (ist es wirklich eine?), und dass es überhaupt eine gemeinsame Erklärung der OPEC gab, war beides schon mal ein kleines Wunder. Da sind sogar wir ein wenig positiv überrascht. Wie auch immer, der Ölmarkt lies sich erst einmal beeindrucken. WTI stieg nach Bekanntwerden einer Einigung bis heute Nacht um ziemlich genau einen Dollar – kein sensationeller Anstieg, aber besser als gar nichts für die Öl-Bullen!

opec-oil-freeze
Der WTI-Ölpreis seit gestern früh.

Hier die wichtige Passage der offiziellen OPEC-Erklärung ohne das überflüssige Palaver mit Dankesreden an die Gastgeber etc:


Based on the above observations and analysis, OPEC Member Countries have decided to conduct a serious and constructive dialogue with non-member producing countries, with the objective to stabilize the oil market and avoid the adverse impacts in the short- and medium-term.

The Conference concurs that there is firm and common ground that continuous collaborative efforts among producers, both within and outside OPEC, would help restore the balance and sustainability in the market.

At this juncture, it is foremost to reaffirm OPEC’s continued commitment to stable markets, for the mutual interests of producing nations, efficient and secure supplies to the consumers, with a fair return on invested capital for all producers.

The Conference, following the overall assessment of the global oil demand and supply balance presented by the OPEC Secretariat, noted that world oil demand remains robust, while the prospects of future supplies are being negatively impacted by deep cuts in investments and massive layoffs. The Conference, in particular, addressed the challenge of drawing down the excess stock levels in the coming quarters, and noted the drop in United States oil inventories seen in recent weeks.

The Conference opted for an OPEC-14 production target ranging between 32.5 and 33.0 mb/d, in order to accelerate the ongoing drawdown of the stock overhang and bring the rebalancing forward.

The Conference decided to establish a High Level Committee comprising representatives of Member Countries, supported by the OPEC Secretariat, to study and recommend the implementation of the production level of the Member Countries. Furthermore, the Committee shall develop a framework of high-level consultations between OPEC and non-OPEC oil-producing countries, including identifying risks and taking pro-active measures that would ensure a balanced oil market on a sustainable basis, to be considered at the November OPEC Conference.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    sascha

    29. September 2016 09:56 at 09:56

    Moin,
    natürlich ist das kein deal , aber wir brauchen diese lügen, leider, um nach vorne zu kommen und teilweise Gewinne zu zocken, die retour kutsche erfolgt später teilweise schon früher und dann?? EZB, FED , Quoten etc.. das ganze Finanzsystem ist auf Lügen aufgebaut, wir spielen, zocken und gehen in die Spielbank…seit NEUER MARKT gestartet wurde, LG Sascha

  2. Avatar

    Filip

    16. Oktober 2016 02:26 at 02:26

    Ist eh ein Witz. Vorherige Quote war 30,0 Mio… okay Indonesien (damit hat man endgültig bewiesen wie „bekloppt“ das ist, Indonesien trat 2008 ja erst aus weil es Netto-Importeur wurde, und das hat sich verschlimmert,

    aber die OPEC will wohl die ~1% Weltförderung bzw. diesen „Marktanteil“ Indonesiens, egal ob Export oder Indonesischer Markt, und der Gabun ist nach 22 Jahren Pause wieder dabei und löst Ecuador als regulär kleinsten Produzenten ab. Libyen steht derzeit schlecht als Ecuador dar, aber ohne Krieg usw. war Ecuador immer der mit Abstand kleinste Produzent zuletzt…. Gabun bringt 200.000 bis 250.000 Barrel.

    Russland hat die Mitgliedschaft abgelehnt… zum Glück…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Asien

Coronavirus beendet australischen Weltrekord des „ewigen“ Wachstums

Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Down Under erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt

Avatar

Veröffentlicht

am

Es war eigentlich schon im letzten Jahr absehbar, als der Hunger nach Rohstoffen in China abebbte: Ein unglaublicher Rekord wird zu Ende gehen, Australien erlebt nach fast 30 Jahren wieder einmal eine Schrumpfung seiner Wirtschaft – das Coronavirus aber erfasst alle Ecken dieser Welt.

Konjunkturwunder in Australien vor dem Coronavirus

Rezession, was ist das?  Das dürften sich viele Erwachsene in Australien in diesen Tagen denken, wenn das Land in den Strudel vieler Länder gerät, die ihre Konjunkturaussichten infolge des Coronavirus in ungeahnte Tiefen absenken. Denn selbst gestandene Dreißiger dürften sich nicht mehr an die ersten beiden Quartale des Jahres 1991 zurückerinnern, als es zuletzt eine wirtschaftliche Schrumpfung auf dem fünften Kontinent gab – und auch noch eine sehr milde. Australien hatte schon im Jahre 2017 den bisherigen Rekordhalter, die Niederlande, als Wachstumswunder abgelöst, die eine Phase von 103 Quartalen Wachstum geschafft hatten. Jetzt ist es das Coronavirus, das mit seinen Bekämpfungsmaßnahmen ein Wirtschaften im üblichen Sinn unmöglich macht.

Die kommende Rezession

Egal wie erfolgreich ein Land im Kampf gegen das Coronavirus auch vorankommt: Covid-19 verschont keine Volkswirtschaft. Deshalb sind die Prognosen des Internationalen Währungsfonds für das Ausmaß der Rezession für Australien gar nicht so viel besser als für Deutschland: 6,7 zu 7 Prozent. Anders als in der letzen Schrumpfung im Gefolge der Subprime-Krise, als das deutsche BIP um 5,7 Prozent abstürzte, währenddessen Australien sogar noch ein zweiprozentiges Wachstum generieren konnte. Dafür gibt es natürlich ein paar handfeste Gründe. Australien ist ein Rohstoff-Reservoir ohnegleichen und für China der große Lieferant in seinem jahrzehntelangen Giga-Wachstum gewesen.

Man konnte in allen Bereichen liefern: Energie, Kohle, Erze, Metalle, alles was China für seinen Bauboom benötigte. Demzufolge kamen die ersten Wachstumssorgen schon 2019 auf, als Chinas Wirtschaft Gang für Gang zurückschaltete. Der globale Lockdown wegen des Coronavirus brachte dann den Kollaps der Rohstoffmärkte. Australischen Statistiken zufolge gingen im letzen Jahr 34 Prozent der Exporte des Landes noch nach China, gefolgt an zweiter Stelle von Japan mit 16 Prozent.

Aber damit könnte der fünfte Kontinent schon wieder etwas vorzeitigen Auftrieb bekommen, schließlich ist man im Reich der Mitte schon heftig damit beschäftigt die Produktion wieder hochzufahren, zumindest in die Nähe vorheriger Produktionskennziffern.

Das Rohstoffland Australien befindet sich in seinen Hoffnungen auf höhere Rohstoffumsätze und -preise in bester Gesellschaft, insbesondere in der der Ölstaaten. Kein Wunder, wenn der weltweite Flugverkehr zu zwei Drittel lahmgelegt wurde, Ozeanriesen und Kreuzfahrtschiffe in den Häfen stehen und 1,3 Milliarden Kfz weniger bewegt werden.

Coronavirus bereits unter Kontrolle?

In Sachen Coronavirus blicken viele Länder auf Down Under, um die Hintergründe zu erfahren, warum Australien nicht nur so wenig Coronainfizierte zu verzeichnen hat, sondern auch einen enorm raschen Rückgang dieser Zahlen erreichen konnte. Hier die letzten Zahlen der John-Hopkins-Universität:

Australien:

Insgesamt 6738 Infizierte, 88 Tote, 5626 Genesene und nur noch 1024 aktive Fälle.

Die Zahl der täglichen neue Infektionen mit dem Coronavirus kann man hingegen schon an Händen abzählen. Wieso hat der G20-Staat die Corona-Pandemie bisher so gut in den Griff bekommen? Man reagierte ähnlich wie andere südostasiatische Staaten mit einer frühen Eindämmung der Infektionsausbreitung. Konsequent durchgeführte Quarantänemaßnahmen und natürlich die besondere Lage des Inselstaates haben zu dieser Situation beigetragen. Ein großer Unterschied zu der Vorgehensweise der großen Bruderstaaten USA und Großbritannien, die sehr zögerlich mit ihren Maßnahmen vorgingen.

Auch in punkto elektronischer Überwachung der mit dem Coronavirus Infizierten ist Australien vielen Ländern voraus. Am letzten Wochenende hat man als erster westlicher Staat eine Corona-Warn-App eingeführt. Anscheinend mit großem Erfolg, denn schon in den ersten Stunden sei die App mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden, so Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt.

In einem Land mit 26 Millionen Einwohnern aber einer Fläche von 7,7 Mio Quadratkilometern (Deutschland 357.000) könnte man sich da schon etwas aus dem Weg gehen.

Australiens bisherige Bilanz im Kampf gegen das Coronavirus:

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Australien

Die noch am Coronavirus Erkrankten in Australien

Fazit

Sollte es in Down Under mehr als zwei Quartale wirtschaftlich abwärts gehen, hat ein fast 30 Jahre währender Wachtumszyklus sein Ende gefunden. Wie ungewöhnlich lang diese Periode gewesen ist, zeigt die Statistik der typischen Konjunkturzyklen. Normalerweise dauern Wirtschaftsaufschwünge um die sechs bis zehn 10 Jahre.

Der gerade zu Ende gegangene Zyklus in den USA war der längste seiner Geschichte, verlängert durch eine opulente Steuerreform und der Hilfe der Notenbank auf knapp 11 Jahre.

Rezessionen hingegen sind sehr viel kurzlebiger, so etwa 1,5 Jahre im Durchschnitt, mit Ausnahme der großen Depression von 1929 bis 1933 in den USA, die 43 Monate lang gedauert hatte.

Auch Deutschland hatte bereits sieben Rezessionen seit den 1960-er-Jahren erleben müssen, die tiefste während der Finanzkrise 2008/2009 mit gut minus fünf Prozent. Aktuell wäre man wahrscheinlich heilfroh, wenn es 2020 durch das Coronavirus mit einem solchen Minus sein Bewenden hätte..

Wegen des Coronavirus endet in Australien eine Rekordzeit ohne Rezession

weiterlesen

Asien

Coronakrise: Vorteil China gegenüber den USA am Automarkt

Avatar

Veröffentlicht

am

Der Lockdown aufgrund der Coronakrise reißt riesige Löcher in die Staatsfinanzen der verschiedenen Volkswirtschaften  in der Welt, in die Bilanzen von vielen Unternehmen –  aber auch in die Budgets von Verbrauchern. Dabei ist der Konsum der ganz entscheidende Faktor in den Bruttoinlandsprodukten der Länder, nicht nur in den USA mit ihren aberwitzigen 70 Prozent, sondern auch in Deutschland (über 50 Prozent). Dabei kommt ein Produkt unter die Räder, von denen es in verschiedenen Modellen schon 1,3 Milliarden auf der Erde gibt – das Automobil. Ganz besonders betroffen sind die USA.

Vor der Coronakrise: Alles auf Pump

Klar werden auch in Deutschland Automobile geleast, auf Kredit gekauft, bestimmt über die Hälfte aller Neufahrzeuge. Nicht so wie in den 1970-ern, wo noch 70 Prozent der Privat-Pkw in bar bezahlt wurden. Damit kommt auf die deutsche Automobilindustrie in der Coronakrise ein zweifaches Problem zu: Erstens ein wochenlanger Produktionsausfall durch den Lockdown, auch infolge der Störung der Lieferketten. Fast noch schlimmer aber ist, zweitens,  die massive Verschlechterung der Solvenz vieler Leasing- und Kreditvertragskunden. So hat Daimler erst vorgestern bekanntgegeben, 400 Millionen Euro an Risikovorsorge für geplatzte Finanzierungungsverträge zurückstellen zu wollen. Der Autoverkauf läuft sehr stark über die Autobanken, die Automobilindustrie hat einen gewichtigen Anteil an der weltweiten privaten Schuldenwirtschaft.

Das Land der unbegrenzten Schulden

In den USA, wo die Beleihung von Kreditkarten zum Alltag gehört, wurde das Thema Autofahren auf Pump fast schon ins Exzessive getrieben. Man spart nicht auf ein eigenes Auto, sondern schließt einen Leasingvertrag ab, den man wiederum aus dem Gehaltskonto zu Monatsende abstottert. Aufgrund der niedrigen Zinsen hangelte man sich sogar immer höher in der Wagenklasse.

Da erkennt man sofort, aus welcher Richtung in Bälde ein richtiger Gegenwind wehen wird: Wie viele Amerikaner haben sich seit gut einem Monat arbeitslos gemeldet? Insgesamt über 26 Millionen US-Bürger! Fatalerweise standen viele von ihnen mit ihren Autokrediten schon Ende 2019 mit 1,3 Billionen Dollar in den Miesen, laut einem Bericht der US-Notenbank.

Diese Problematik gibt es natürlich auch in Deutschland, selbst die bayerische Nobelmarke BMW musste schon zu Zeiten der Finanzkrise zwei Milliarden Euro an Kreditausfällen abschreiben. Glücklicherweise gibt es noch den chinesischen Markt. Volkswagen hat trotz Coronakrise nicht nur alle seiner 23 Werke in China wieder in Betrieb genommen, das Land (war) mit 40 Prozent der Autoverkäufe auch der ganz große Treiber für den 11-Marken-Konzern.

Vorteil China in der Coronakrise

Bis vor Kurzem wollte man noch, auch auf Druck von Donald Trump, die Produktion von Kfz- und Autoteilen in den USA weiter erhöhen. Jetzt hört man die ersten Stimmen, die von Fernost als stärker zu präferierendem Ziel in der Zukunft sprechen. Hinzu kommt ein Vorteil, der in einer Schuldenkrise noch gewisse Vorteile besitzt: Der chinesische Markt hat schon einen über 20 Monate andauernden Schrumpfungsprozess hinter sich, nach einer enormen Phase der Überkapazitäten. Und noch eines zählt augenblicklich: Die Chinesen agieren noch wie die Deutschen im alten Jahrhundert – sie bezahlen ihre Vehikel zumeist bar, beziehungsweise nicht so sehr auf Kredit.

Die Coronakrise wird sich in den USA am stärksten auswirken

weiterlesen

Asien

Coronakrise: Warum China nicht mehr Wachstumsmotor sein wird!

China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern – und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Wirtschaftswelt blickt in der Coronakrise wieder einmal auf China: Die weltweite Pandemie um Covid-19 hat im Reich der Mitte ihren Anfang genommen und dort scheint man das Problem auch zuerst wieder in den Griff zu bekommen. Schon nach der Finanzkrise 2009 hatte China die globale Ökonomie mit riesigen Infrastrukturprogrammen wieder auf die Beine gebracht. Doch dieses Mal könnte es viel, viel schwieriger werden.

China, der stotternde Wachstumsmotor der Welt und die Coronakrise

In der heutigen Nacht wurden die Wachstumszahlen für das erste Quartal des Jahres 2020 veröffentlicht, das Virusquartal für die Volkswirtschaft China – und es wurde das schlechteste seit Jahrzehnten. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts betrug auf Jahresvergleich minus 6,8 Prozent, es war der erste Rückgang des Wirtschaftswachstums seit Beginn der offiziellen Quartalsveröffentlichungen im Jahr 1992. Die von Reuters befragten Analysten hatten mit minus 6,5 Prozent gerechnet. Doch auch im zweiten Quartal wird das Wachstum noch sehr bescheiden ausfallen, wie chinesische Volkswirte prognostizieren. Ein Hauptgrund dafür ist die stotternde Nachfrage aus dem Ausland wegen der Coronakrise. Chinas Industrie hat zwar die Produktion nach dem wochenlangen Shutdown wieder aufgenommen, aber man produziert sehr viel auf Lager, da die Nachfrage aus dem Ausland fehlt. Covid-19 hat die meisten Exportländer im Griff – und das ist der große Unterschied zur Finanzkrise und der raschen Erholung von damals – heute fehlen viele Kunden und damit die Nachfrage.

Chinas überragende Bedeutung für die Weltwirtschaft

Das Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern steht zwar nominal nur für etwa 16 Prozent des Weltsozialprodukts – aber für weitaus mehr, wenn man seinen Anteil am Wachstum der Welt betrachtet. Noch im letzten Jahr hatte dieser Anteil 46,3 Prozent am weltweiten Wirtschaftswachstum betragen, im Jahr 2012 sogar sagenhafte 76 Prozent, wie Daten des IWF zeigen. China hatte nach 2010 mit einem Stimulus von 500 Milliarden Dollar (dies entsprach 13 Prozent der Wirtschaftsleistung) die eigene Wirtschaft angekurbelt und der Welt zu einem Aufschwung aus der Krise verholfen. Dies wird – kurzfristig in der Coronakrise – und auch langfristig nicht mehr so möglich sein, zunächst einmal stehen große Teile der Weltökonomie still.

Chinas interne Probleme

Mit Spannung erwartete man aktuell auf Daten zur Arbeitslosigkeit, wobei man hierzu gleich einmal einwenden muss, dass es kaum eine Wirtschaftszahl eines großen Landes gibt, die so sehr von den Regierungsstellen beeinflusst wird. Über viele Jahre hinweg hatte diese Zahl fast eine Konstante um die 4 Prozent dargestellt. Im Februar musste selbst China einen Anstieg auf 6,2 Prozent vermelden, aktuell wurde heute Nacht ein Rückgang auf 5,9 Prozent verkündet.

Dies ist die offizielle Rate. Michael Pettis, ein Finanzprofessor an der Peking University, kommt auf andere Daten, denn China nimmt die 293 Millionen Wanderarbeiter, die einen großen Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung ausmachen, gar nicht erst in seine Statistik mit auf. Er schätzt, dass mindestens 10 Prozent dieser Arbeiter ihren Arbeitsplatz infolge der Auswirkungen der Coronakrise, vorrangig im Dienstleistungssektor, verloren haben. Seiner Meinung nach ist die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie von der chinesischen Regierung angegeben.

Damit kommen wir zum zweiten Problem für die chinesische Volkswirtschaft. Diese hohe Arbeitslosigkeit wird Folgen für den Konsum haben. Auch im Reich der Mitte könnte es massive Probleme mit der Verbrauchernachfrage geben. Wie in anderen Ländern auch, werden die Bürger dauerhaft mehr sparen und weniger ausgeben. Interessanterweise hat man auch in China bereits begonnen, Gutscheine (Helikoptergeld) an die Bevölkerung zu verschenken. Bei Nachforschungen über deren Verwendung wurde festgestellt, dass es vor allem Lebensmittel und Zigaretten waren, für das dieses Geld ausgegeben wurde. Nicht etwa für Autokäufe, die im Januar um 90 Prozent, im Februar um circa 80 Prozent und im März um 40 Prozent wegen der Coronakrise eingebrochen waren. Außerdem hat auch Chinas Wirtschaft ein Problem, welches in vielen Ländern Sorgen bereitet.

Auch das „Institute for International Finance“ schätzt die chinesische Gesamtverschuldung auf 310 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt. Ein Faktor, der künftige Stützungsmaßnahmen limitiert, wie etwa eine größere Bazooka.

Vor Kurzem hatte man in China noch versucht, die vielen faulen Kredite der staatseigenen Firmen zu reduzieren, um das Problem der Stabilität nicht ausufern zu lassen. Nach Ansicht von Finanzexperten könnte China mit weiteren großen Fiskalpaketen noch abwarten, bis sich die globalen Nachfragebedingungen für die Produktion verbessert haben. Außerdem braucht das Land für die Herstellung von Gütern aus der Elektronik- und Automobilbranche viele Vorleistungen aus anderen Teilen der Welt – und dort ist in der Coronakrise derzeit zumeist „Ebbe“ angesagt.

Fazit: China fällt in der Coronakrise als Wachstumsmotor aus

Auch in der Volksrepublik China scheint eine Phase großen Wirtschaftswachstums zu Ende zu gehen. Nach regelmäßigen jährlichen Wachstumsraten von über 10 Prozent bis vor zehn Jahren, war die Quote auch größenbedingt gefallen, auf zuletzt 6 Prozent vor der Coronakrise. Überbordende Investitionen in die heimische Infrastruktur mit einer horrenden Verschuldung hauptsächlich staatsseigener Firmen haben die zweitgrößte Wirtschaft der Welt schon vor der Pandemie belastet. Wie oben dargestellt, war China der große Treiber für das globale Wachstum. Doch jetzt hat China ein Doppelproblem: Verschuldung und Arbeitslosigkeit im Innern und als Exportland eine fehlende Nachfrage der durch die Coronakrise lahmgelegten Rest der Welt. Globalisierung mag keine (trumpschen) Handelskriege – und sie verträgt erst recht keine pandemische Entwicklung. Aus der jetzigen dramatischen Entwicklung eines globalen Lockdowns kommt man nur gemeinsam wieder heraus, dies wird auch in China schmerzlich zu spüren sein.

In der Coronakrise wird China als Wachstumsmotor ausfallen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen