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OPEC und Russland einigen sich auf höhere Fördermenge – warum der Ölpreis dennoch steigt

Am Freitag hatte die OPEC bereits beschlossen bis zu 1 Million Barrels pro Tag mehr Öl zu fördern (wir berichteten). Am Samstag haben sich OPEC und Russland dann geeinigt, wie schon vorher bei der Fördermengenkürzung auch dieses Mal gemeinsam zu handeln. Saudi-Arabien will schon zügig ab 1. Juli anfangen mehr zu fördern, und Russland wird sich wohl auch nicht zwei Mal bitten lassen.

OPEC und Russland zurück auf 100% Fördermengenkürzung

Schon am Freitag hatte man (clever man ist) nicht davon gesprochen die Fördermenge zu erhöhen. Nein, die bisherigen Kürzungen seien eben zu 152% kräftig übererfüllt worden, und man bringe das Niveau runter auf 100%. Dies entspreche ca 1 Million Barrels mehr Rohöl pro Tag. Den selben Trick wandte man auch am Samstag an beim Treffen mit den Nicht-OPEC-Ländern (vor allem Russland). Auch hier erwähnt man, dass alle beteiligten Staaten bei den Kürzungen eine Übererfüllung von insgesamt 147% hätten, und diese ab 1. Juli zurück auf 100% bringen wollen. Hier diese Aussage im Wortlaut:

Recalling the DOC reached on 10 December 2016; and noting that countries participating in the DOC have exceeded the required level of conformity that had reached 147% in May 2018. Accordingly, the 4th OPEC and non-OPEC Ministerial Meeting hereby decided that countries will strive to adhere to the overall conformity level, voluntarily adjusted to 100%, as of 1 July 2018 for the remaining duration of the DOC and for the JMMC to monitor the overall conformity level and report back to the OPEC and non-OPEC Ministerial Meeting.

Warum der Ölpreis dennoch steigt

Russland ist also mit an Bord. Offiziell sinkt die Förderung irgendwo grob geschätzt um die 1 Million Barrels. Beispielsweise der irakische Energieminister erwähnte bereits nach dem OPEC-Meeting, dass die Steigerung wohl effektiv nur bei 770.000 Barrels pro Tag liegen werde, weil nicht alle Länder in der Lage seien mehr zu fördern: Unsere Idee: Dann wird Russland eben diese Lücke bis rauf zu 1 Million schließen. Russland wollte ohnehin schon seit einiger Zeit mehr Öl auf den Markt bringen. Und die Saudis hatten jüngst verkündet, freie Kapazitäten von 2 Millionen Barrels pro Tag zu haben.

Aber warum ist der Ölpreis seit Freitag Mittag sogar noch gestiegen? Er müsste doch eigentlich fallen, jetzt wo definitiv klar ist, dass mehr Fördermenge auf den Markt strömt, und das schon ab nächster Woche? Nun, Saudis und vor allem Russland hatten noch letzte Woche von einer Steigerung um 1,5 Million Barrels pro Tag gesprochen – und dann wurden es nur 1 Million Barrels.

Da zeigt sich der Markt etwas enttäuscht, weil die Termin-Trader eben eine größere Steigerung der Fördermenge in die Preise eingebaut hatten (fallende Kurse). WTI-Öl notiert mit 68,38 Dollar gut 1 Dollar höher als Freitag vor der OPEC-Entscheidung. Brent-Öl notiert mit 74,25 Dollar unter dem Strich genau da, wo es Freitag vor dem Meeting war. Vielleicht fallen die Preise, wenn klar wird, dass OPEC und Russland zusammen mehr als nur 1 Million Barrels pro Tag auf den Markt werfen? Übrigens: Man erwähnte am Wochenende auch, dass man seine Entscheidungen nicht durch Twitter beeinflussen lasse – eine Anspielung auf einen Tweet von Donald Trump, dass das Kartell die Fördermenge erhöhen müsse, damit es günstige Benzinpreise gibt.

OPEC-Partner Russland: Energieminister Alexander Novak
Der russische Energieminister Alexander Novak. Foto: OPEC



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