Oracle hat gestern Abend seine Quartalszahlen gemeldet. Der Softwarekonzern ist wichtig als Anbieter von Rechenleistung im Bereich KI. Als Fazit kann man sagen: Die Börse hat die Zahlen nicht gut aufgenommen, denn die Aktie notiert über Nacht mit 10,8 % im Minus! Überraschend: Viele große KI-Aktien wie AMD, Intel, Nvidia, SK Hynix, Broadcom oder Micron notieren über Nacht im Zuge der Entwicklung der Futures leicht im Plus, lassen sich also nicht von Oracle runterziehen – anders als letzte Woche nach den Broadcom-Zahlen. Nachfolgend werfen wir einen Blick auf die Details.
Oracle: Wichtigste Details zu den Quartalszahlen
Im Vorjahresquartal lag der Umsatz bei Oracle bei 15,9 Milliarden Dollar, gestern Abend wurden 19,18 Milliarden Dollar gemeldet bei 19,09 Milliarden Dollar Erwartung. Nach 1,70 Dollar Gewinn pro Aktie im Vorjahresquartal wurden gestern 2,11 Dollar gemeldet, bei 1,97 Dollar Erwartung. Der Bereich Cloud legt beim Umsatz im Jahresvergleich um 47 % zu 9,91 Milliarden Dollar, bei 9,99 Milliarden Erwartung. Cloud Infrastructure legte im Jahresvergleich auf 5,80 Milliarden Dollar Umsatz zu bei 5,72 Milliarden Dollar Erwartung. Der freie Cashflow bei Oracle wurde gestern Abend mit -1,87 Milliarden Dollar gemeldet bei -3,5 Milliarden Dollar Erwartung.
Wichtige Details
Die Investitionen (Capex), die weitgehend die Ausgaben für Rechenzentren widerspiegeln, beliefen sich im Zeitraum bis zum 31. Mai auf etwa 16,5 Milliarden US-Dollar, womit sich die jährliche Gesamtsumme auf 55,7 Milliarden US-Dollar belief – höher als Oracles Prognose von 50 Milliarden US-Dollar, so Bloomberg News über Details aus dem Quartalsbericht.
Das Unternehmen rechnet im laufenden Geschäftsjahr, das im Mai 2027 endet, mit Nettoinvestitionen in Höhe von etwa 70 Milliarden US-Dollar, sagte Finanzchefin Hilary Maxson während einer Telefonkonferenz nach der Veröffentlichung der Ergebnisse. Die ausgewiesene Zahl werde aufgrund von Vorauszahlungen für bestimmte Komponenten um 20 bis 25 Milliarden US-Dollar höher ausfallen, erklärte sie.
Um den Kapitalbedarf zu decken, gab das Unternehmen bekannt, dass es im gerade zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 43 Milliarden US-Dollar an Fremdkapital und 5 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital aufgenommen habe. Im Geschäftsjahr 2027 plant das Unternehmen, weitere 40 Milliarden US-Dollar an Eigen- und Fremdkapital aufzunehmen, darunter 20 Milliarden US-Dollar im Rahmen eines bereits angekündigten Programms, bei dem von Zeit zu Zeit Aktien zu Marktpreisen verkauft werden sollen.
Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen, ein Maß für Auftragseingänge, beliefen sich zum Quartalsende auf 638 Milliarden US-Dollar, verglichen mit einer durchschnittlichen Schätzung von 589,5 Milliarden US-Dollar. Oracle erklärte, dass der Großteil der neuen Auftragseingänge auf groß angelegte KI-Verträge entfiel, bei denen der Kunde die für die Arbeit benötigten teuren Server im Voraus bezahlte. „Dies reduziert den Kapitalbedarf, den Oracle für den Ausbau unserer KI-Rechenzentren aufbringen muss, erheblich“, so das Unternehmen.
Ausblick
Prognose für das 1. Quartal des Geschäftsjahres 2027 (das aktuell laufende Quartal): Der Gesamtumsatz wird voraussichtlich um 27 % bis 29 % steigen, so schrieb es Oracle in seiner Quartalsmeldung. Der Gesamtumsatz im Cloud-Bereich wird voraussichtlich um 57 % bis 63 % und in US-Dollar um 58 % bis 64 % steigen. Der Non-GAAP-Gewinn pro Aktie wird voraussichtlich um 16 % bis 19 % steigen und bei 1,71 bis 1,75 US-Dollar auf Basis konstanter Wechselkurse liegen sowie um 17 % bis 20 % steigen und bei 1,72 bis 1,76 US-Dollar liegen. Für das Geschäftsjahr 2027 bestätigt Oracle seine bisherige Umsatzprognose von insgesamt 90 Milliarden US-Dollar und erhöhet seine Non-GAAP-Gewinnprognose pro Aktie auf 8,05 US-Dollar, was einem Wachstum von 18 % entspricht, bereinigt um die einmaligen Ereignisse des Verkaufs unseres Ampere-Chip-Geschäfts und der Bloom Energy-Optionsscheine im Geschäftsjahr 2026.
Fazit
Der minimal geringer als erwartet gemeldete Cloud-Umsatz sowie die höheren Investitionsausgaben dürften die Stimmung der Anleger nachbörslich belastet haben. Insgesamt wächst das KI-Geschäft bei Oracle dennoch kräftig. Die Erwartungshaltung mag auch zu hoch gewesen sein. Schon solche minimalen Enttäuschungen bringen einen Kursverlust von 10 %.
FMW/Bloomberg
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