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Oracles Moment der Wahrheit Oracle-Zahlen: Entscheidender Prüfstein für den KI-Boom

Oracle-Logo auf dem Display an der NYSE. Foto: Bloomberg

Neben der Zinsentscheidung der Fed steht mit den Quartalszahlen von Oracle ein weiteres wichtiges und impulsgebendes Event für die Aktienmärkte auf der Agenda. Die Anleger blicken gespannt darauf, ob der Softwarekonzern trotz wachsender Sorgen rund um massive KI-Ausgaben und eine steigende Verschuldung überzeugen kann. Denn die Quartalszahlen von Oracle haben in den vergangenen Monaten erheblich an Bedeutung gewonnen – nicht zuletzt, weil der Konzern im Zentrum des globalen KI-Investitionsbooms steht und seine Zukunft maßgeblich von hohen Ausgaben und zunehmenden Risiken geprägt ist. Kann das Unternehmen den Balanceakt zwischen aggressivem Wachstum und finanzieller Belastbarkeit meistern?

Oracle: Druck durch Verschuldung

Vor nur drei Monaten sorgte ein beeindruckender Ausblick auf die zukünftigen Quartalszahlen von Oracle für den stärksten Kurssprung seit drei Jahrzehnten. Doch inzwischen hat sich das Bild deutlich eingetrübt. Die Aktie ist seit dem Rekordhoch vom 10. September um 33 Prozent eingebrochen, da sich rund um den gesamten KI-Sektor Skepsis breitmacht. Hohe Kapitalausgaben und teils zirkuläre Geschäftsmodelle nähren die Zweifel – und schüren zunehmend Sorgen vor einer möglichen KI-Blase, so ein Bericht von Bloomberg.

Portfolio-Manager Jed Ellerbroek warnt: „Sie dehnen ihre Bilanz so weit wie möglich aus, ihr Free Cashflow ist negativ und ihre Bilanz ist hoch verschuldet. Ihr Hals streckt sich weit heraus.“ Besonders beunruhigend ist, dass die Kosten zur Absicherung von Oracles Schulden gegen einen Zahlungsausfall zuletzt auf den höchsten Stand seit März 2009 gestiegen sind. Für viele Analysten überlagert dieses Risiko jede positive Nachricht, die die kommenden Quartalszahlen liefern könnten.

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Gabelli-Analyst Ryuta Makino formuliert es noch deutlicher: „Es wird nicht so sehr um die Wachstumsrate gehen, sondern um die Wahrnehmung, wie sie dahin kommen. Wie finanzieren sie das alles?“ Er verweist darauf, dass Oracle in den nächsten Jahren während des Ausbaus seiner Rechenzentren voraussichtlich negativ beim Free Cashflow bleiben wird – ein Punkt, der viele Fragezeichen aufwirft.

Oracle-Aktie vor Prüfstein: Quartalzahlen als Nagelprobe für den KI-Boom
Die wilde Fahrt der Oracle-Aktie

Wachstum ja – aber um welchen Preis?

Trotz aller Skepsis erwartet die Wall Street, dass der Auftragsbestand im zweiten Fiskalquartal erneut kräftig steigt. Die Remaining Performance Obligations (RPO) sollen Bloomberg-Daten zufolge rund 520 Milliarden US-Dollar erreichen – ein Anstieg von mehr als 400 Prozent zum Vorjahr und potenziell weiter wachsend.

Doch selbst gute Quartalszahlen könnten laut Silvant-CIO Michael Sansoterra wenig an der Lage ändern: „Ich weiß nicht, ob die Ergebnisse das Bild verändern. Ich vermute, das Quartal wird gut sein, und ich vermute, der Ausblick wird gut sein.“ Dennoch bleibe das zentrale Thema, wie Oracle sein Wachstum finanziert und wie stabil das Fundament dafür tatsächlich sei.

Analystenschätzungen sehen ein Plus von 11 Prozent beim bereinigten Gewinn pro Aktie sowie ein Umsatzwachstum von 15 Prozent. Gleichzeitig fällt die erwartete Bruttomarge von 71 auf 69 Prozent. Besonders markant ist der Sprung bei den Investitionsausgaben: 8,2 Milliarden US-Dollar gegenüber weniger als 4 Milliarden im Vorjahresquartal. Der Free Cashflow wiederum soll von +2,7 Milliarden auf –5,9 Milliarden US-Dollar kippen – ein deutlicher Hinweis auf die enorme finanzielle Belastung des KI-Ausbaus bei Oracle.

Abhängigkeit von OpenAI sorgt für Nervosität

Im Fokus der Analysten steht außerdem der milliardenschwere Cloud-Deal mit OpenAI. Fragen zur Kundenkonzentration und zur Diversifizierung der Einnahmen werden auf dem Earnings Call mit Sicherheit dominieren. Schließlich hängt ein erheblicher Teil von Oracles KI-Strategie an einem einzigen, derzeit selbst instabilen Partner.

Michael O’Rourke von Jonestrading äußert deutliche Sorgen: „Ich hielt es immer für gefährlich, dass das Unternehmen erhebliche Schulden aufnimmt und gleichzeitig seine Zukunft an ein Startup bindet. Jetzt, da OpenAI unter Beschuss steht, hat sich das Risiko noch weiter erhöht.“ Oracle-Management müsse zwingend einen Plan B präsentieren, falls OpenAI ins Straucheln gerate.

Hohe Bewertung erschwert Neueinstiege

Unabhängig vom Ausgang der Quartalszahlen erwarten Optionshändler deutliche Kursbewegungen – ein Plus oder Minus von etwa 10 Prozent ist eingepreist. Zwar hat die Aktie im Dezember bereits rund 10 Prozent zugelegt, doch die Bewertung bleibt anspruchsvoll: Oracle handelt aktuell zum 30-Fachen der erwarteten Gewinne der kommenden zwölf Monate und liegt damit deutlich über dem eigenen Zehnjahresdurchschnitt von 17 sowie dem Nasdaq-100-Multiple von 26.

Viele Investoren bleiben daher zurückhaltend. Sansoterra bringt es auf den Punkt: „Wenn wir eine Margenverbesserung sehen würden, die nicht nur Gerede, sondern tatsächliche Umsetzung wäre, wären wir interessierter. Aber das haben wir noch nicht gesehen. Und wir machen keine Hoffnungstrades.“

FMW/Bloomberg



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