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P-Konto – ein menschenwürdiges Leben trotz Überschuldung

Zu beachten ist, dass mit dem Einrichten eines P-Kontos ihre Kreditwürdigkeit durch einen Negativeintrag bei der Schufa de facto abhandenkommt. Sofern keine zeitnahe Tilgung der Forderungen möglich ist, bleibt dieser Eintrag drei Jahre bestehen und macht es praktisch unmöglich, Darlehen aufzunehmen oder bestimmte Vertragsarten abzuschließen, die einer Schufa-Auskunft bedürfen.

Mehr Geld durch P-Konto Bescheinigung

Die monatliche Freigrenze für das verfügbare Einkommen kann signifikant auf bis zu 3.613,08 Euro pro Monat erhöht werden. Dafür ist zusätzlich zur Einrichtung eines P-Kontos die Einreichung einer sogenannten P-Konto-Bescheinigung bei der kontoführenden Bank nötig. Diese Bescheinigung erhält man, wenn man zum Beispiel unterhaltspflichtige Personen finanziell unterstützen oder mit minderjährigen Kindern zusammenwohnt. In diesem Fall steigt die Freigrenze sofort um mehrere Hundert Euro an. Die Bescheinigung stellt Ihnen ein Rechtsanwalt, die Bundesagentur für Arbeit, Amtsgerichte oder eine Schuldnerberatungsstelle aus. Die aktuelle Tabelle zu den Freigrenzen kann man hier einsehen.

Da der Staat möchte, dass die Schulden schnellstmöglich getilgt werden, gibt es noch eine Sonderregelung: Je nach Anzahl der unterhaltspflichtigen Personen sinkt der pfändbare Betrag bei dem in der Tabelle ausgewiesenen Maximaleinkommen von 3.619,99 Euro pro Monat auf nur noch 99,94 Euro ab. So kann man trotz Kontopfändung relativ hohe Nettogehälter oder leistungsabhängige Einkommen, wie z. B. Provisionen, nahezu abzugsfrei vereinnahmen.

Die Banken sind nicht begeistert über das P-Konto

Für die Banken bedeutet das P-Konto erheblichen manuellen und technischen Mehraufwand. Durch variierende Zahlungseingänge muss gemäß der aktuellen Freigrenzen-Tabelle der verfügbare Betrag für jedes P-Konto monatlich neu angepasst werden. Nicht ausgeschöpfte Freigrenzen werden zudem in den Folgemonat über gerollt. Auch die Antragsflut muss händisch bearbeitet werden, da diese nach wie vor ausschließlich mittels physischer Formulare möglich ist. Die Banken dürfen ihre dadurch entstehenden Mehrkosten weder dem Gläubiger noch dem Schuldner in Rechnung stellen. Daher ist es verständlich, dass gerade die neue Generation der sogenannten Neo-Banken oder Direktbanken sehr unglücklich mit dieser Gesetzgebung ist. Vor allem die auf wenig Personal ausgerichteten und nahezu voll digitalisierten Handybanken empfinden dass P-Konto als anachronistisch, oder wie eine Mitarbeiterin einer großen Berliner Handy-Bank es so treffend aus ihrer Sicht formulierte: „P-Accounts are Bull***t“.

Fazit

Für die Betroffenen ist das P-Konto eine Möglichkeit, ihre Existenz zu sichern. Durch die dynamischen Freigrenzen wird zudem ein Leistungsanreiz zur Erzielung höherer Einkommen gegeben. So können die Schulden im besten Falle sogar schneller zurückgezahlt werden. Das gilt vor allem für Selbständige und Freiberufler, die auf ein funktionierendes Geschäftskonto angewiesen sind. Für die Banken bedeutet das P-Konto hingegen einen zusätzlichen Kostenblock, der auf Kontoführungsgebühren und Sollzinsen umgelegt werden muss. Dennoch ist das P-Konto gesamtgesellschaftlich begrüßenswert und trägt eventuell sogar zu etwas mehr unternehmerischer Risikoaffinität bei jungen Menschen bei.

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