Folgen Sie uns

Märkte

Palladium: Kaufpanik und explodierende Leihraten

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Beispielbild für Metalle

Das sich verschärfende Angebotsdefizit bei Palladium lässt die Notierungen des Industriemetalls weiter explodieren. Allein in den letzten 12 Monaten stieg der Preis um über 80 Prozent an.

Palladium schießt über 2.000 Dollar pro Unze hinaus

Am 6. Januar dieses Jahres durchbrach der Kurs für eine Unze Palladium (31,1 Gramm) die Schallmauer von 2.000 US-Dollar. Seitdem ist der Preis um weitere 500 US-Dollar angestiegen und bildet eine klassische Fahnenstange aus. Der vor allem für die Automobilindustrie essenzielle Rohstoff ist damit aktuell so teuer wie nie zuvor und teurer als die drei anderen Hauptedelmetalle jemals zuvor (Platin, Gold und Silber).

Palladium Chartverlauf seit dem Jahr 2000

Der Palladiummarkt befindet sich bereits seit acht Jahren in einem Angebotsdefizit. Für den letzten Schub bei den Preisen sorgten gleich mehrere Ursachen, die das Angebot weiter verknappten, bei gleichzeitig zunehmender Nachfrage. Der fahnenstangenartige Anstieg ist also zumindest kurzfristig das Ergebnis fundamentaler Faktoren. Die Situation am Terminmarkt zeigt hingegen keinerlei spekulative Exzesse. Im Gegenteil hat sich das Exposure der Großspekulanten (rote Linie im verlinkten Chart) seit Anfang Oktober sogar zurückgebildet.

Angebotsdefizit und zunehmende Kaufpanik bei Palladium

Trotz einer Flaute der weltweiten Automobilindustrie ist die Nachfrage nach Palladium in diesem Sektor zuletzt weiter angestiegen. Das Angebot durch die Minen in Südafrika und Russland war zuletzt hingegen weiter rückläufig. Hauptursachen dafür sind die politische Unsicherheit in den Produktionsländern, Infrastruktur- und Kostenprobleme in Südafrika (hohes Streikrisiko), ausgedehnte Buschbrände, die die Förderung und den Transport in dem afrikanischen Land behindern sowie anhaltende Probleme mit der Stromversorgung durch den staatlichen Energieversorger Eskom. Allein im November 2019 lag die Produktion der sogenannten PGM-Metalle, zu denen auch Palladium gehört, in Südafrika um 13,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Weltweit gibt es nur sehr wenige Palladium produzierende Regionen und nur wenige bekannte wirtschaftlich ausbeutbare Erzkörper. Russland und Südafrika sind mit zusammen ca. 80 Prozent Produktionsanteil die größten Förderregionen der Welt. Die geringe Anzahl an Explorationsprojekten in diesen beiden Ländern trug ebenfalls zum wachsenden Angebotsdefizit bei. Da Palladium hauptsächlich als Nebenprodukt gefördert wird, ist das Angebot relativ preisunelastisch.

Auf der anderen Seite boomt die Nachfrage nach Palladium wegen der verschärften Emissionsgesetzte für Fahrzeuge in Indien, China, den USA und Europa. Anders als Platin, das hauptsächlich in Dieselkatalysatoren Anwendung findet, wird Palladium in der Automobilindustrie für Benziner benötigt. Bei Fahrzeugen mit Otto-Motoren ist das Metall wichtiger Bestandteil des Drei-Wege-Katalysators, der die Abgasemissionen reduziert. Der zuletzt exponentielle Anstieg des Palladiumpreises scheint auch die Folge von Panikkäufen der Industrie zu sein. Ein Indiz dafür sind die parallel zu den Preisen stark angestiegenen Zinsen für die Metallleihe. Alles weist also auf eine physische Knappheit des Rohstoffs hin. Dies ist auch eine Folge von kaum vorhandenen Lagerbeständen, sodass Lieferengpässe nicht abgepuffert werden können. Diese Gemengelage hat zuletzt auch Investoren angelockt und die mit physischem Metall gedeckten ETFs zu Nettokäufern am Markt werden lassen.

Substitution durch Platin benötigt Zeit

Zwar ist es möglich, Palladium in Auto-Katalysatoren durch Platin zu ersetzen, dieser Prozess erfordert jedoch eine Umstellung der Produktion und eine Neuzertifizierung der Katalysatoren und der Fahrzeuge. Dieser Prozess kann mehrere Jahre in Anspruch nehmen, weshalb sich der Markt kurzfristig nicht durch den Austausch von Palladium durch Platin entspannen kann. Außerdem haben Otto-Motoren eine niedrigere Verbrennungstemperatur als die den Kraftstoff stark komprimierenden Dieselaggregate. Da Palladium chemisch deutlich reaktionsfreudiger ist als Platin, ist die Umstellung auf das aktuell gut 1.200 US-Dollar pro Unze billigere Platin auch technisch im Hinblick auf die katalytische Effizienz eine Herausforderung für die Automobil-Zulieferer.

Fazit

Da es aktuell keine Aussicht auf eine Entspannung bei der Versorgungslage gibt und auf der anderen Seite die Nachfrage weiter ansteigt, hat der Preis von Palladium sogar noch Luft nach oben. Gleichwohl ist ein Aufspringen auf diesen sehr volatilen Trend hochriskant. Perspektivisch wird Palladium durch das aktuell deutlich preiswertere Platin substituiert werden können. Der Preis des günstigeren Metalls der Platin-Metall-Gruppe hat bereits darauf reagiert und ist, wie bereits zu erwarten war, mittlerweile wieder vierstellig. Langfristig spricht der Trend der Elektrifizierung der Automobile aber eher für Silber, das als ultimativer elektrischer Leiter das zukunftsträchtigere Metall in Bezug auf die E-Automobilität ist (siehe Video).

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

SAP meldet Quartalszahlen – Aktie fällt dramatisch! Übertrieben? Kaufchance?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Frau arbeitet an Schreibtisch in Büro

SAP hat heute seine Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 6,53 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 6,79). Der Gewinn nach Steuern liegt bei 1,65 Milliarden Euro (Vorjahresquartal 1,26 Milliarden Euro).

Während die Finanzdaten des letzten Quartals halbwegs ok sind, scheint die Börse regelrecht geschockt zu sein von einem anderen Aspekt der Veröffentlichung von SAP. Denn die Aktie verliert heute dramatische 20 Prozent, wegen der Aussichten für das laufende Gesamtjahr 2020. Umsatz- und Gewinnerwartungen werden nur ganz leicht nach unten revidiert, aufgrund der zweiten Corona-Welle und den damit einhergehenden neuen Restriktionen, die sich auch auf Unternehmen und ihre Aufträge auswirken. Und dafür gleich 20 Prozent Bestrafung im Aktienkurs? Ist das nicht zu viel? Hier könnten sich die Anleger mal überlegen, ob das eine Kaufchance für die Aktie ist (das ist keine Kaufempfehlung unsererseits, sondern nur ein Gedankenspiel).

SAP auszugsweise im Zitat zur Gesamtjahresaussicht:

Der bisherige, am 8. April 2020 veröffentlichte Ausblick der SAP für das Gesamtjahr 2020 spiegelte die bestmögliche Schätzung der SAP hinsichtlich des Zeitpunkts und der Geschwindigkeit einer Erholung von der Corona-Krise wider. Dieser Ausblick
ging davon aus, dass die Länder ihre Wirtschaft hochfahren und die Einschränkungen für die Bevölkerung gelockert würden,
sodass sich die Nachfrage im dritten und vierten Quartal allmählich verbessert.

Auch wenn weiterhin ein stabiles Interesse an den Digitalisierungslösungen der SAP besteht, da Kunden widerstandsfähiger
und agiler aus der Krise hervorgehen möchten, wurde kürzlich in manchen Regionen das öffentliche und wirtschaftliche Leben erneut eingeschränkt, und die Belebung der Nachfrage fiel verhaltener aus als erwartet. Des Weiteren geht die SAP aus
denselben Gründen nicht mehr davon aus, dass sich die SAP-Concur-Erlöse aus Geschäftsreisen in den verbleibenden Monaten des Jahres 2020 deutlich erholen werden.

Die SAP aktualisiert deshalb ihren Ausblick für das Gesamtjahr 2020 und erwartet nun, dass:

• die Clouderlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 8,0 Mrd. € und 8,2 Mrd. € liegen werden (zuvor
zwischen 8,3 Mrd. € und 8,7 Mrd. €).
• die Cloud- und Softwareerlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 23,1 Mrd. € und 23,6 Mrd. € liegen werden (zuvor zwischen 23,4 Mrd. € und 24,0 Mrd. €).
• die Umsatzerlöse (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 27,2 Mrd. € und 27,8 Mrd. € liegen werden
(zuvor zwischen 27,8 Mrd. € und 28,5 Mrd. €).
• das Betriebsergebnis (Non-IFRS, währungsbereinigt) in einer Spanne zwischen 8,1 Mrd. € und 8,5 Mrd. € liegen wird (zuvor zwischen 8,1 Mrd. € und 8,7 Mrd. €).

CEO-Kommentar im Wortlaut:

Aufgrund der Corona-Krise befinden sich unsere Kunden an einem Wendepunkt. Für Unternehmen ist der Umstieg in die Cloud, verbunden mit einer echten Neuausrichtung ihres Geschäfts, unerlässlich geworden. Denn nur so können sie widerstandsfähiger werden und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie gestärkt aus der Krise hervorgehen können. Gemeinsam mit unseren Kunden und Partnern werden wir Innovationen entwickeln und Unternehmen neue Möglichkeiten für die Abwicklung von Geschäftsprozessen in einer digitalen Welt bieten. Die SAP wird ihr Wachstum in der Cloud auf über 22 Mrd. € im Jahr 2025 steigern und den Anteil der besser planbaren Umsätze auf etwa 85 % ausbauen.“

Details der Quartalszahlen von SAP

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Corona und SAP

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Corona-Anstiege in den USA und Europa sind heute ein Thema. Aber auch die aktuelle Revision der Aussichten von SAP sind in New York aktuell Thema.

weiterlesen

Aktien

Tesla krempelt die Autoindustrie um – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

Tesla hat gerade den fünften Quartalsgewinn in Folge gemeldet. Während die Gewinne in der Vergangenheit vor allem den Erlösen aus dem Zertifikatehandel zu verdanken waren, erwirtschaftet Tesla mittlerweile auch im operativen Geschäft einen Überschuss. Der Elektropionier straft damit die Kritiker Lügen.

Bisher musste sich Tesla die Kritik gefallen lassen, dass der Autobauer zwar die Mobilität revolutioniert, jedoch unprofitabel arbeitet. Tatsächlich fielen in der Aufbauphase des Unternehmens horrende Verluste an, die manchen Beobachter auf einen baldigen Untergang von Tesla wetten ließ. Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewendet. Tesla ist der höchstbewertete Autobauer der Welt.

Tesla treibt eine ganze Branche vor sich her

Die Zeit des klassischen Verbrennungsmotors ist vorbei. Tesla präsentiert sich als Vorreiter einer neuen Zeit. Sicher ist, dass die Automobilbranche vor einer beispiellosen Transformation steht. Tesla hat die technische Entwicklung maßgeblich vorangetrieben und beim Elektromotor und der Batterietechnik mittlerweile einen Vorsprung von mehreren Jahren vor der Konkurrenz. Deshalb pumpen die Anleger viel Geld in Tesla.

Ob sich der Vorsprung verteidigen lässt, ist allerdings noch lange nicht ausgemacht. Klar ist jedoch schon jetzt, dass einige etablierte Konzerne auf der Strecke bleiben werden, wenn sie sich nicht schnell genug anpassen. Gleichzeitig kann aber auch einer der alteingesessenen Autohersteller durch seine enormen Finanzreserven plötzlich zum Marktführer im E-Auto-Segment werden. Entsprechende Strategien gibt es mittlerweile nicht nur bei den Volumenherstellern wie Volkswagen oder Renault, sondern auch im Luxussegment bei Daimler und BMW.

Der Elektromotor ist nicht das einzige Erfolgsgeheimnis von Tesla

Tesla hat nicht nur bei der Entwicklung des Antriebs für seine Fahrzeuge Neuland betreten. Die gesamte Organisation des Unternehmens stellt die Branche auf den Kopf. Es ist verrückt, dass dies die meisten Analysten übersehen.

Üblicherweise ist die Autoindustrie sehr stark von Zulieferbetrieben abhängig. Die Produktion der Einzelteile ist auf der ganzen Welt verteilt. Im Autowerk eines klassischen Konzerns wie BMW, Volkswagen oder Daimler werden die Teile, die aus aller…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen