Allgemein

Panama Papers: Heute wird es interessant in Island (VIDEO)

FMW-Redaktion

Es war die Sensation gestern Abend. Die Panama Papers werden in den nächsten Wochen und Monaten die Weltgemeinschaft beschäftigen. Ein gigantisches Datenleck einer Kanzlei aus Panama spülte eine riesige Datenmenge zur Süddeutschen Zeitung, und von da aus zwecks Auswertung zu Journalisten verteilt über den ganzen Globus. Es geht hierbei noch nicht um Steuerhinterziehung oder Geldwäsche, sondern erst mal nur darum, wer in Panama Gelder versteckte oder seine Eigentümerschaft an Firmen verschleicherte. Der Fall Island und seines amtierenden Premierministers ist (Stand heute) der interessanteste Fall, vor allem weil hierzu ein Video-Interview von Sigmundur Davíð Gunnlaugsson vorliegt.

Panama Papers Island Sigmundur Davíð Gunnlaugsson
Islands amtierender Premierminister Sigmundur Davíð Gunnlaugsson. Foto: Frankie Fouganthin / Wikipedia (CC-BY-SA 4.0)

Ein Reporterteam hatte den amtierenden isländischen Ministerpräsidenten Sigmundur Davíð Gunnlaugsson zwecks eines Interviews getroffen, wo es (vordergründig) darum gehen sollte wie Island die Finanzkrise bewältigen konnte. Während des Interviews rückten die Journalisten dann den wahren Grund für das Interview heraus und fingen mit der noch harmlosen Frage an, was er denn davon halte, wenn Firmen in Steuerparadiesen eröffnet werden. Danach folgte die Frage, ob er die Firma „Wintris“ kenne. Ab da folgt von ihm nur noch zitterndes Gestammel, weil er versucht eine Antwort zu produzieren, die unverbindlich ist, und auch keine Lüge darstellt.

Denn in dem Augenblick, wo er diesen Namen hörte, muss ihm sofort klar gewesen sein, dass er ertappt wurde. Der Hintergrund: Laut den „Panama Papers“ war Gunnlaugsson selbst Eigentümer der auf den Britischen Jungferninseln geführten Firma Wintris, die wiederum ein millionenschwerer Gläubiger gegenüber den kaputten isländischen Banken war. Er hatte am 31. Dezember 2009 die Firma auf seine Frau überschrieben für 1 US-Dollar, obwohl diese mit ihren Forderungen gegenüber isländischen Banken quasi Millionenwerte verkörperte.

Gunnlauggsson machte sich während der isländischen Bankenkrise u.a. dafür stark britische Einlagen bei kaputten isländischen Banken nicht durch den isländischen Staat garantieren zu lassen, was in Volksentscheiden befürwortet wurde. Erst 2013 wurde er Premierminister, aber er sagt durch seine vorige Politik bzgl. der heimischen Banken sei das Wintris-Vermögen sogar geschmälert worden, weil er damals dafür eingetreten sei, dass Anleihegläubiger gegenüber Spareinlagen schlechter gestellt worden seien. Und seine Wintris hatte keine Spareinlagen, sondern hielt Anleihen dieser Banken. Es ist Stand heute nicht abzuschätzen, ob oder in wie fern er sich einen finanziellen Vorteil verschaffte. Vielleicht waren ihm seine Beteiligungen über eine versteckte Offshore-Firma später einfach nur peinlich, und er verschwieg sie deswegen dauerhaft? Möglich, alles noch unklar, alles noch Spekulation.

Wie auch immer: Ein hochinteressanter Fall und eine Konstellation, die für Manipulationen Tür und Tor öffnet. Die isländische Opposition will schon heute einen Antrag für Neuwahlen in das Parlament einbringen. Es ist kaum vorstellbar, dass Gunnlaugsson im Amt zu halten ist. Gibt es  heute schon einen Rücktritt? Hier zwei Videos von dem Interview. Das erste in Kurzversion, das zweite ausführlicher.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

8 Kommentare

  1. Nur ein peripherer aber sehr interessanter Aspekt der Affäre, den ich als Lehrer für unbedingt für eine Unterrichtstunde verwenden würde:
    Man lese sich zuerst den Artikel in der Süddeutschen – http://panamapapers.sueddeutsche.de/articles/56effdd72f17ab0f205e6387/ durch.
    Dann z. B. den Artikel in der FAZ – http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/panama-papers-wir-wurden-gehackt-das-ist-ein-verbrechen-14159401.html .
    „Putin“ wird noch nicht einmal erwähnt.

    Aber jetzt kommt DER SPIEGEL mit Panama Papers: „DATENLECK ENTHÜLLT OFFSHORE-DEALS REICHER PUTIN-FREUNDE“ – http://www.spiegel.de/politik/ausland/panama-papers-datenleck-enthuellt-offshore-deals-reicher-putin-freunde-a-1085244.html und flugs wird aus der ganzen Geschichte ein Hetzartikel gegen „Putin“.
    Auch N-TV kam gestern, Sonntag, mit der Schlagzeile raus: „RIESIGER DATENSATZ BELASTET PUTIN: „PANAMA-PAPIERE“ DECKEN GEHEIM-GELDER AUF“ – http://www.n-tv.de/politik/Panama-Papiere-decken-Geheim-Gelder-auf-article17379436.html . Im neuen Artikel bei N-TV von heute morgen ist dann „Putin“ im Artikel wieder völlig verschwunden: „ENTHÜLLUNGEN DURCH „PANAMA PAPERS“: STAATSANWALTSCHAFT LEITET ERMITTLUNGEN EIN – http://www.n-tv.de/politik/Staatsanwaltschaft-leitet-Ermittlungen-ein-article17380306.html .

    Ein Lehrstück über die deutsche LÜGENPRESSE!

    1. An welcher Schule sollte so ein Lehrer denn bitte unterrichten? Nehmen Sie das Wort Lügenpresse nur in den Mund und schon bekommen Sie ein Disziplinarverfahren. An deutschen Schulen darf nur gelehrt, ja nur gedacht, werden, was politisch korrekt ist. Sonst folgen Mobbing oder andere Folterinstrumente, um den Lehrbetrieb sauber von Querulanten zu halten. Selbst wer es sich schon traut nicht in den Chor über den unmenschlichen Diktator und Despoten Putin einzustimmen oder ihn gar als rechtmäßig legitimierten Präsidenten betitelt, macht sich bereits verdächtig.

  2. Haha super soviel dazu „wir muessen das Bargeld abschaffen um Kriminalitaet zu bekaempfen“
    Weil die Jungs bestimmt jeden Monat da mit Ihrem Geldkoefferchen ruebergeflogen sind :-)

  3. Herrlich dein Kommentar herzlichen Dank aus der sauberen Schweiz, du hast den Nagel mitten auf den Kopf getroffen :-)

  4. Ist doch mal wieder lustig, welchen „Spin“ das Ganze bekommt. Da wird mal investigativ gearbeitet und gleich wird wieder sehr vordergründig Propaganda gegen die Ungeliebten des Systems daraus. Leider kann unsere Presse nicht mehr anders.

  5. Jawohl,es wird dann mal die alte Schallplatte herrausgeholt.Wir werden mal wieder brutalst und Schonungslos aufgeklären ohne Rücksicht und Ansehen der Person.Und wie?Natürlich mit aller härte.
    Ich lach mir schon mal einen weg.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage