Allgemein

Paul Krugman: „Kampf den Zombies“ – alle Republikaner sind Radikale

Wie der Trumpismus seine politischen Gegner geistig mitkorrumpiert hat

Paul Krugman, Nobelpreis-Laureat und lange Zeit Hochschullehrer für Economics in Princeton, ist seit 2000 als Kolumnist für die New York Times tätig. 2020 erschien sein Buch „Kampf den Zombies“, das einen Auszug seiner journalistischen Tätigkeit der Jahre 2004–19 bietet. Der Band umfasst insgesamt 528 Seiten, gegliedert in 18 Kapitel. Gut ein Drittel behandelt die Finanzkrise von 2008. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Obamacare.
Für jedes Kapitel hat Krugman eigens eine knappe Einleitung verfasst. Diese Textpassagen, alles in allem ca. 55 Seiten, sind abgesehen von Danksagung und Einleitung das inhaltlich Neue an diesem Buch. Der Verdacht geht nicht fehl, es im Grunde mit einem reinen Marketing-Erzeugnis eines amerikanischen Verlags zu tun zu haben, um mit Paul Krugman (auf dem Zenit seines Einflusses) noch einmal kräftig die Kassen klingeln zu lassen. Natürlich ist das Vorgehen legitim. Derlei Manöver beinhaltet das knallharte Verlegergeschäft heute allemal (und manches mehr).

Gleichwohl beinhaltet der Titel fraglos auch ein Herzensanliegen von Krugman selbst. In der Einleitung betont der Autor, „Der gute Kampf“ brauche öffentliche Intellektuelle wie ihn, welche die Forschung verstehen und respektieren, aber gleichzeitig bereit sind, sich ins politische Getümmel zu stürzen . Und das tut Krugman denn auch mit Verve.

Paul Krugman: Wirtschaft als Nahkampf

Krugman hat den Zombie-Ideen den Kampf angesagt. Zombie-Ideen sind für ihn Ideen, die durch die Gegend schlurfen und einfach nicht totzukriegen sind. Etwa die verbreitete Ansicht, es führe zu Inflation, wenn die Federal Reserve jede Menge Staatsanleihen ankaufe. Oder dass Steuersenkungen (auch für Spitzenverdiener) die Wirtschaft stimulieren würden. Letzteres ist für Krugman nebenbei bemerkt der Ober-Zombie (Seite 273). Krugman identifiziert noch jede Menge anderer Zombie-Ansichten im poltischen Amerika von heute. Der Gegner hinter all diesen untoten Ideen ist schnell benannt: Es sind die Konservativen, die republikanische Partei, und zwar seit Reagan, Bush junior und vor allem Trump. Auf sie alle prügelt Krugman der Kolumnist im Folgenden kräftig ein.

Harte Bandagen

Harte Bandagen sind in der politischen Arena erlaubt. Krugmans Darstellung lässt in dieser Hinsicht keine Wünsche offen: Der Autor ist kampfeslustig, nie zimperlich. Seine Sprache ist knapp und direkt, im guten Sinne polemisch (an Heine, Börne oder Tucholsky reicht der Autor jedoch nicht heran). Krugman will geistreich sein, und ist es mitunter. Er scheut sich nicht davor, den Clown zu geben („Trau dich: sei auch mal albern“ – Letzteres ist vielleicht eher ein Prä als ein Manko).

Doch das Fazit – nach einigen Stunden der Lektüre – fällt deprimierend aus: Letztlich bietet „Kampf den Zombies“ bestenfalls unterhaltsames Infotainment. Das ist die große Schwäche dieses Bandes: Anstatt seine Kontrahenten intellektuell zu stellen, stempelt er sie als Idioten ab. Krugman mag damit auf den Applaus seiner Leserschaft schielen, die derlei möglicherweise nachfragt und inhaltlich nicht mehr erwartet. Aber indem der Autor sich auf diese Weise intellektuell herunterregelt, enttäuscht er alle, die ein wenig mehr Tiefgang von ihm erwartet hätten.

Alle Republikaner sind Radikale

Für Krugman sind alle Republikaner Radikale. Gemäßigte sieht er nur noch auf Seiten der Demokraten (Seite 376). Könnte es sein, dass der radikale Trumpismus seine politischen Gegner geistig mitkorrumpiert hat? Die besorgniserregenden Verheerungen des geistigen Klimas in den USA lassen sich bei Krugman allenthalben nachlesen. Man möchte dem Autor im Grunde zurufen, derlei brandlastförderndes Stroh nicht weiter zu dreschen und seine wissenschaftliche Reputation als Nobelpreisträger nicht weiter zu beschädigen. Doch dafür ist Krugman inzwischen viel zu sehr Gladiator in der politischen Arena seines Landes. Und er scheint eitel genug zu sein, diese Rolle zu genießen.
Krugman wirft an einer Stelle der Poltischen Praxis in den USA Eindimensionalität vor. „Kampf den Zombies“ ist der beste Beweis dafür, dass er mit dieser These richtig liegen dürfte.

Paul Krugman, Kampf den Zombies. Warum manche Ideen aus Politik und Wirtschaft nicht totzukriegen sind. Plassen Verlag Kulmbach 2021. 528 Seiten, EUR 29,90
(Originalausgabe: Arguing with Zombies: Economics, Politics, and the Fight for a better Future. WW. Norton & Company. New York (N.Y.) 2020)

 

Paul Krugman und der Trumpismus

Paul Krugman. Foto: Prolineserver (talk) GFDL 1.2



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Wer sich mit den tollen intellektuellen Leistungen von Herrn Krugmann mal aus einer objektiveren Perspektive beschäftigen möchte, kann dies durch Lesen des Buches „Antifragilität“ tun. Das ist nicht nur gut zu lesen, sondern auch auf hohem Argumentationsniveau.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage