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Peking senkt Zinsen – warum erst jetzt?

Von Markus Fugmann

Heute endlich hat sich die chinesische Notenbank bewegt und senkt den Leitzins (der 1-jährige Ausleihesatz) um 0,25% auf nun 4,6%, die Mindestreserveanforderungen für Banken um 0,5%. Dieser Schritt war eigentlich schon am Wochenende erwartet worden – und das hätte dem Shanghai Composite einen 2-Tagesverlust von 16% erspart. Das ist alles nicht sehr schlau gewesen, möchte man meinen.

Damit hat nun China seit November bereits fünf Mal die Zinsen gesenkt – der Abschwung aber ist damit nicht wirklich gebremst worden. Zur Begründung des Schrittes heisst es seitens der chinesischen Notenbank:

„Economic growth still faces downwards pressure. It’s still arduous to adjust
and stabilize growth, adjust the economic structure and promote reform, improve
livelihoods and prevent risk (..) The global markets have recently also
seen relatively big volatility which requires more flexible use of monetary
policy tools to provide a good monetary and financial environment for the
economic structural adjustment and to stabilize healthy economic development.“

Im Subtext heisst das: durch die Abwertung des Yuan ist es zu erhöhter globaler Volatilität gekommen, und um hier entegegen zu steuern, müsse man eben dem System Liquidität zuführen.

Die westlichen Märkte haben das erwartungsgemäß euphorisch aufgenommen – aber der erste Schwung ist bereits verraucht, der Dax nähert sich wieder der 10.000er-Marke von oben. In einer ersten Reaktion hat die Bank HSBC schon gesagt: der Schritt ist zu klein, um die Wirtschaft Chinas wirklich stimulieren, da müsse noch mehr kommen (HSBC erwartet daher weitere Senkungen zeitnah).

Die Futures in China springen nach oben, aber vor wenigen Minuten hat die CFFX die Margins für den Future auf den CSI300 erhöht (der CSI300 vereint die wichtigsten Aktien der Märkte Shanghai und Shenzhen). Man tritt also wieder etwas auf die Bremse, und es sind diese gemixten Signale, die die Märkte letztendlich verunsichern.

Fazit: die chinesische Notenbank hat die Kontrolle verloren, unter anderem weil ihr timing miserabel ist – ihr fehlt die Markterfahrung. Der heutige Schritt ist ein Zeichen ihrer Schwäche, nicht ihrer Stärke. Es würde nicht wundern, wenn das die Märkte bald begreifen..



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1 Kommentar

  1. Oder man könnte andersherum vermuten, dass absichtlich ein Selloff in der umsatzarmen Urlaubszeit provoziert werden sollte…

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