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Petrobras: Wer hat eigentlich NICHT die Hand aufgehalten?

Von Claudio Kummerfeld

Verfolgt man das immer bizarrer werdende Schauspiel um den größten Ölkozern Südamerikas, die brasilianische Petrobras, wäre es am Einfachsten die Frage zu stellen: Wer hat eigentlich NICHT die Hand aufgehalten? Die Antwort wäre zum Totlachen, wäre das Thema nicht so ernst.

Seit Monaten weitet sich der Korruptionsskandal um Petrobras immer weiter aus. Staatsanwälte erheben gegen dutzende Personen Anklage – die Präsidenten beider Parlamentskammern, diverse Abgeordnete von Regierungslager und Opposition, Beamte, Regierungsmitarbeiter, Angehörige der Partei von Präsidentin Roussef, irgendwie scheinen (fast) alle die Hand aufgehalten zu haben. Für Bauvorhaben von Petrobras wurden Schmiergelder in gigantischen Summen gezahlt. Allein die Schweizer Finanzbehörden haben 400 Millionen US-Dollar, die mutmaßlich aus Geldwäsche im Zusammenhang mit dem Petrobras-Skandal herrühren, eingefroren. Mehr als 300 Konten in der Schweiz sollen betroffen sein. Laut der „Neuen Züricher Zeitung“ haben die Schweizer Behörden letzte Woche 120 von den 400 Millionen Dollar nach Brasilien zurück überwiesen. Laut „Schweizer Handelszeitung“ sollen auch über Offshore-Konten der Deutschen Bank Millionen-Summen geflossen sein.

Wer hat anscheinend als Einziger in Brasilien von all dem nichts mitbekommen? Die Person, die von 2003 bis 2010 im Aufsichtsrat von Petrobras saß: die heutige Staatspräsidentin Roussef selbst. Wie gesagt… man könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre. „Selbstverständlich“ gilt auch für Frau Roussef die Unschuldsvermutung. Solange man ihr nichts nachweist, waren eben alle um sie herum schuldig, alle ihre Untergebenen, nur sie nicht.

Der Aktienkurs von Petrobras fristet weiterhin sein trauriges Dasein. Im September 2014 noch bei 20 US-Dollar, notiert die Aktie aktuell bei 5,87 Dollar.



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