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Pfund gefangen im Fegefeuer des Parlaments-Chaos – hier der aktuellste Stand der Dinge

Schon seit zwei Tagen läuft im britischen Pfund jetzt der Trade mit dem Namen „lasst uns Boris Johnson blockieren“ (unsere Wortschöpfung). Denn es geht darum aus Sicht vieler Parlamentarier einen harten Brexit zu verhindern, den Johnson womöglich anstrebt, ohne es ganz offen zuzugeben. Das britische Pfund ist gegen den US-Dollar seit Dienstag vom Tief bei 1,1958 (es sah schon richtig gruselig aus) bis jetzt gestiegen auf 1,2217.

Pfund Gefangener des Parlaments-Chaos

Jetzt zum aktuellsten Sachstand (der ändert sich ja ständig bei dem Chaos in London). Boris Johnson hatte nicht nur einen Parlamentarier an die Liberaldemokraten verloren, und somit seine Mehrheit eingebüßt. Nein, es wurden danach auch 21 Abgeordnete aus der Tory-Fraktion ausgeschlossen, die sich nicht stumpf dem Kurs von Boris Johnson fügen wollten. Somit hat Johnson im Parlament nun das totale Chaos ausgelöst, und die Abgeordneten mehrheitlich gegen sich aufgebracht.

Das House of Commons hat ein Gesetz verabschiedet, welches den harten Brexit blockieren soll. Konkret zwingt es den Premier bei der EU eine dreimonatige Verlängerung der Brexit-First (Austritt Ende Januar statt Ende Oktober) zu beantragen, wenn der Premier mit der EU bis zum 19. Oktober keinen Austrittsvertrag ausgehandelt haben sollte. Nun bestand die Angst, dass Boris Johnson als Premier dieses Gesetz durch Verfahrenstricks nicht durchlassen würde. Aber wie unter anderem der „Guardian“ meldet, gab es heute früh eine Einigung. Die Regierung hat zugesagt dieses neue Gesetz nicht zu blockieren. Somit wird es voraussichtlich noch vor dem Start der Parlamentspause am 9. September (anberaumt durch Boris Johnson) wirksam werden.

Dass diese Gesetz wirklich in Kraft tritt, hat Oppositionsführer Jeremy Corbyn zur Bedingung dafür gemacht, dass er Mitte Oktober Neuwahlen zustimmt, die Boris Johnson durchführen will. Denn Johnson braucht eine 2/3-Mehrheit für die Ausrufung von Neuwahlen. Also: Es läuft wohl darauf hinaus, dass die Bürger in Großbritannien Mitte Oktober das Parlament neu wählen. Boris Johnson geht also wahrscheinlich „All In“. Volles Risiko. Gewinnen die Hardliner die Wahlen, kann er mit einer neuen Parlaments-Zusammensetzung seine Vorstellung eines Brexit zügig umsetzen.

Nun beginnt die große Wette im Pfund. Wie entscheiden die Wähler? Für Johnson? Das würde das Pfund schwächen. Man sieht es ja jetzt schon. Das Pfund ist seit zwei Tagen am Ansteigen, weil das Parlament es geschafft hat Johnson erst einmal zu blockieren. Verliert Johnson die Wahl, dürfte das Pfund sehr positiv reagieren. Im Chart sieht man GBPUSD seit 28. August. Aktuell geht es nicht weiter bergauf. Nun heißt es erst einmal auf kurze Sicht: Schauen, dass das Gesetz auch wirklich durchkommt, und Corbyn dem guten Boris seine Neuwahl genehmigt.

Pfund vs USD seit 28. August



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