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Platin sendet erstes Hausse-Signal

Gestern konnte der Preis für Platin um über vier Prozent zulegen und überwand den mittelfristigen Abwärtstrend. Heute Morgen geht die Rallye bei dem ehemals teuersten Edelmetall der Welt weiter – aus diesen Gründen:

Platin – der Nachzügler

Das Umfeld für Edelmetalle ist aktuell recht günstig: Aggressive Geldpolitik, Handelsunsicherheiten, Währungskrieg und Negativzinsen haben die Preise für Gold und Silber in diesem Jahr bereits zweistellig steigen lassen – Gold in vielen Währungen sogar auf neue Allzeithöchststände. Auch der Preis des Schwestermetalls Palladium befindet sich in der Nähe absoluter Rekordpreise.

Doch anders als Gold und Silber hat Platin als Währungsalternative, sicherer Hafen oder Reservewährung keine wahrnehmbare Relevanz – noch!

Platin ist ein Rohstoff aus der Nebengruppe der Nickelmetalle und wird hauptsächlich als Schmuckmetall, in der Medizintechnik und v. a. in der Automobilindustrie (Zündkerzen und Katalysatoren) verwendet. Damit wird auch klar, dass die Nachfrage von der konjunkturellen Seite momentan keine Unterstützung bietet. Die Verwendung in Katalysatoren, der größte Einsatzbereich von Platin, war von 2016 bis 2018 um neun Prozent rückläufig (Rückgang von 3,34 Mio. Unzen auf 3,05 Mio. Unzen) und spiegelt die Misere der Automobilindustrie sowie des Dieselskandals wider. Platin wurde zudem sukzessive durch das Schwestermetall Palladium substituiert, dass im Jahr 2009 noch sechsmal günstiger war.

Die Schmucknachfrage stagniert. Die Industrienachfrage konnte zwar von 2016 bis 2018 um 0,52 Mio. Unzen zulegen, völlig kollabiert ist in diesem Zeitraum hingegen die Investmentnachfrage von 0,86 Mio. Unzen im Jahr 2016 auf nur noch 0,09 Mio. Unzen im Jahr 2018 (-86 Prozent). Das Angebot aus Minen und Recycling hat sich in diesem Zeitraum leicht um 0,3 Mio. Unzen erhöht.

Dieses ungünstige Angebot-Nachfrage-Verhältnis spiegelt sich auch im Kursverlauf in den letzten Jahren wider (Preis pro Unze in US-Dollar):

Platin ist relativ preiswert

In den letzten zehn Jahren hat sich das Preisverhältnis zwischen den Schwestermetallen Platin und Palladium von 6:1 auf 0,6:1 völlig umgekehrt und mittlerweile gilt Platin wieder als günstige Rohstoffalternative zum sehr teuren Palladium. Dies birgt die Chance einer Umkehrung des Substitutionstrends. In der chemischen Industrie ist dieser Trend bereits zu beobachten. In der Automobilindustrie ist die Umstellung der Produktion hingegen zeit- und kostenintensiver aber dennoch nur eine Frage der Zeit.

Preisverhältnis von Platin zu Palladium:

Angebotsüberhang mutiert zum Defizit

Diese Tatsache scheinen mittlerweile auch die Investoren bemerkt zu haben und greifen seit Jahresbeginn massiv bei Anlagen in physisches Platin zu. Gemäß den letzten verfügbaren Daten des World Platinum Investment Council schnellten die Metallkäufe der Platin-ETFs von 89k Unzen im Gesamtjahr 2018 auf sage und schreibe 690k Unzen im ersten Quartal 2019 nach oben, wohlgemerkt in nur einem Quartal. Diese Menge übertrifft sogar die Gesamtnachfrage der ETFs aus dem Jahr 2016 in Höhe von 620k Unzen (2017: 361k Unzen, 2018: 89k Unzen).

Damit mutieren die Angebotsüberhänge aus den Jahren 2017 (176k Unzen) und 2018 (498k Unzen) zu einem deutlichen Defizit in Höhe von 550k Unzen allein im Auftaktquartal dieses Jahres.

Der Zentralbank-Joker

Im Zuge der Novelle von Basel III hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ = Zentralbank der Zentralbanken) entschieden, ab 1. Januar 2022 erstmals die Aufnahme von Platin in die Eigenkapitalausstattung von Zentralbanken zur Abdeckung von Bilanzrisiken zu gestatten.

Damit könnte Platin neben Gold im Rahmen des Aufbaus von Risikovorsorgepaketen, sogenannten Buckets, in den Genuss nicht zu unterschätzender Zusatznachfrage als Reservewährung gelangen. Die Tatsache, dass nun auch Platin seinen Status als Geldmetall erneuern kann, wird auch den Investoren und Spekulanten nicht entgehen und diese werden bereits im Vorfeld des in Krafttretens der Basel III Novelle die höhere Nachfrage nach Platin in den Kursen antizipieren und einpreisen.

Fazit

Schließt sich die Lücke zwischen Platin, Palladium und Gold weiter, stehen dem weißgrauen Edelmetall noch einige Hausse-Schübe bevor. Dies ist natürlich keine Anlageempfehlung. Für Edelmetallinvestoren bietet sich aber generell unter Chance/Risiko Aspekten eine Diversifizierung zwischen Gold, Silber, Palladium und Platin an, siehe auch die Musterallokation zum Cantillon-Portfolio.

Der Preis für Platin könnte bald steigen

Von Alchemist-hp (talk) (www.pse-mendelejew.de) – Eigenes Werk, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9579015



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