Folgen Sie uns

Märkte

Platin sendet erstes Hausse-Signal

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Gestern konnte der Preis für Platin um über vier Prozent zulegen und überwand den mittelfristigen Abwärtstrend. Heute Morgen geht die Rallye bei dem ehemals teuersten Edelmetall der Welt weiter – aus diesen Gründen:

Platin – der Nachzügler

Das Umfeld für Edelmetalle ist aktuell recht günstig: Aggressive Geldpolitik, Handelsunsicherheiten, Währungskrieg und Negativzinsen haben die Preise für Gold und Silber in diesem Jahr bereits zweistellig steigen lassen – Gold in vielen Währungen sogar auf neue Allzeithöchststände. Auch der Preis des Schwestermetalls Palladium befindet sich in der Nähe absoluter Rekordpreise.

Doch anders als Gold und Silber hat Platin als Währungsalternative, sicherer Hafen oder Reservewährung keine wahrnehmbare Relevanz – noch!

Platin ist ein Rohstoff aus der Nebengruppe der Nickelmetalle und wird hauptsächlich als Schmuckmetall, in der Medizintechnik und v. a. in der Automobilindustrie (Zündkerzen und Katalysatoren) verwendet. Damit wird auch klar, dass die Nachfrage von der konjunkturellen Seite momentan keine Unterstützung bietet. Die Verwendung in Katalysatoren, der größte Einsatzbereich von Platin, war von 2016 bis 2018 um neun Prozent rückläufig (Rückgang von 3,34 Mio. Unzen auf 3,05 Mio. Unzen) und spiegelt die Misere der Automobilindustrie sowie des Dieselskandals wider. Platin wurde zudem sukzessive durch das Schwestermetall Palladium substituiert, dass im Jahr 2009 noch sechsmal günstiger war.

Die Schmucknachfrage stagniert. Die Industrienachfrage konnte zwar von 2016 bis 2018 um 0,52 Mio. Unzen zulegen, völlig kollabiert ist in diesem Zeitraum hingegen die Investmentnachfrage von 0,86 Mio. Unzen im Jahr 2016 auf nur noch 0,09 Mio. Unzen im Jahr 2018 (-86 Prozent). Das Angebot aus Minen und Recycling hat sich in diesem Zeitraum leicht um 0,3 Mio. Unzen erhöht.

Dieses ungünstige Angebot-Nachfrage-Verhältnis spiegelt sich auch im Kursverlauf in den letzten Jahren wider (Preis pro Unze in US-Dollar):

Platin ist relativ preiswert

In den letzten zehn Jahren hat sich das Preisverhältnis zwischen den Schwestermetallen Platin und Palladium von 6:1 auf 0,6:1 völlig umgekehrt und mittlerweile gilt Platin wieder als günstige Rohstoffalternative zum sehr teuren Palladium. Dies birgt die Chance einer Umkehrung des Substitutionstrends. In der chemischen Industrie ist dieser Trend bereits zu beobachten. In der Automobilindustrie ist die Umstellung der Produktion hingegen zeit- und kostenintensiver aber dennoch nur eine Frage der Zeit.

Preisverhältnis von Platin zu Palladium:

Angebotsüberhang mutiert zum Defizit

Diese Tatsache scheinen mittlerweile auch die Investoren bemerkt zu haben und greifen seit Jahresbeginn massiv bei Anlagen in physisches Platin zu. Gemäß den letzten verfügbaren Daten des World Platinum Investment Council schnellten die Metallkäufe der Platin-ETFs von 89k Unzen im Gesamtjahr 2018 auf sage und schreibe 690k Unzen im ersten Quartal 2019 nach oben, wohlgemerkt in nur einem Quartal. Diese Menge übertrifft sogar die Gesamtnachfrage der ETFs aus dem Jahr 2016 in Höhe von 620k Unzen (2017: 361k Unzen, 2018: 89k Unzen).

Damit mutieren die Angebotsüberhänge aus den Jahren 2017 (176k Unzen) und 2018 (498k Unzen) zu einem deutlichen Defizit in Höhe von 550k Unzen allein im Auftaktquartal dieses Jahres.

Der Zentralbank-Joker

Im Zuge der Novelle von Basel III hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ = Zentralbank der Zentralbanken) entschieden, ab 1. Januar 2022 erstmals die Aufnahme von Platin in die Eigenkapitalausstattung von Zentralbanken zur Abdeckung von Bilanzrisiken zu gestatten.

Damit könnte Platin neben Gold im Rahmen des Aufbaus von Risikovorsorgepaketen, sogenannten Buckets, in den Genuss nicht zu unterschätzender Zusatznachfrage als Reservewährung gelangen. Die Tatsache, dass nun auch Platin seinen Status als Geldmetall erneuern kann, wird auch den Investoren und Spekulanten nicht entgehen und diese werden bereits im Vorfeld des in Krafttretens der Basel III Novelle die höhere Nachfrage nach Platin in den Kursen antizipieren und einpreisen.

Fazit

Schließt sich die Lücke zwischen Platin, Palladium und Gold weiter, stehen dem weißgrauen Edelmetall noch einige Hausse-Schübe bevor. Dies ist natürlich keine Anlageempfehlung. Für Edelmetallinvestoren bietet sich aber generell unter Chance/Risiko Aspekten eine Diversifizierung zwischen Gold, Silber, Palladium und Platin an, siehe auch die Musterallokation zum Cantillon-Portfolio.

Der Preis für Platin könnte bald steigen

Von Alchemist-hp (talk) (www.pse-mendelejew.de) – Eigenes Werk, FAL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9579015

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Peter Damaske

    26. November 2020 09:45 at 09:45

    Platin

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Dax: Sentimentanalyse sieht deutschen Leitindex gedeckelt

Der Dax kommt nicht über die Marke von 14.000 Punkten. Gemäß der aktuellen Sentimentanalyse könnte diese Zone als „Deckel“ fungieren..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Der deutsche Leitindex DAX ist ein sehr volatiler Index, mit großen Einbrüchen, aber auch rasanten Anstiegen. Andererseits läuft er oft lange Zeit quer, so dass ihm manche Marktbeobachter als langweilig titulieren. Trotz weiterer Anstiege in den USA schwankt er derzeit unterhalb der Marke von 14.000 Punkten. Gemäß der aktuellen Sentimentanalyse könnte diese Marke als Deckel fungieren.

Dax – die Rally seit Ende Oktober

Dax-Investoren brauchen starke Nerven. Im Coronajahr fiel der Leitindex im Februar/März binnen 35 Tagen um 40 Prozent von 13.795 auf 8255 Punkte intraday (deutlich mehr als die US-Indizes), um sich bis zum 8. Juni, also in zehn Wochen wieder bis auf 12.913 Punkte zu erholen – inmitten des schwärzesten Quartals seit Dekaden. Dann eine monatelange Schaukelbewegung und der Einbruch im Oktober von 13.150 auf 11.555 Punkte. Während einige schon die Jahresendrally abgeschrieben hatten, sprang der volatile Index infolge des Wahlergebnisses und der Impfstoffrally binnen Monatsfrist auf 13.455 Punkte. Während alle den November mit den historischen US-Daten als außergewöhnlich verglichen hatten, war der Dax dennoch stärker gestiegen, um dann wiederum einige Wochen nicht von der Stelle zu kommen und nicht an sein Allzeithoch zu gelangen.

Nach dem Jahreswechsel kam dann der Sprung bis auf 14.132 Punkte und seither verschnauft der Index unterhalb der runden Marke. Starke Anstiege und eine zugrundeliegende Euphorie werden häufig mit scharfen Korrekturen abgebaut, oder mit längeren Querbewegungen. Die Sentimentanalyse scheint das letztere Szenario anzudeuten.

Die Kaufbereitschaft lässt nach

Das Window Dressing zum Jahresende und die Santa Claus Rally (die letzten fünf und die ersten zwei Tage eines Jahres) haben wunderbar funktioniert. In den USA kam noch einmal ein Schnaps oben drauf, das bedeutet, dass man für die reibungslose Amtsübergabe an den Börsen noch einmal applaudiert hatte. War auch klar, dass ein Ereignis (Randale), auf das man sich fast 14 Tage vorbereiten konnte, kaum große Schäden anrichten könnte. Durch die Präsenz von 15.000 Nationalgardisten, der Polizei, dem FBI, der CIA und anderen Nachrichtendiensten und mittels aller Einsatzmittel, die man seit dem 11. September weiterentwickelt hatte: Gesichtserkennung, Schleppnetzfahndung, Überwachung von Mobilfunk, Auswertung von Seiten der sozialen Medien, V-Leute, die Sicherheitsmaßnahmen waren gigantisch. Washington war am 20. Januar der sicherste Ort.

Die großen Adressen kamen vorher noch einmal billiger in den Markt. Beim Dax könnte das die Marke von 13.700 Punkten gewesen sein (vor dem Wochenende mit 13.672 Punkten), wie es die Sentimentanalysen von Joachim Goldberg (Goldberg&Goldberg) und Stephan Heibel (Handelsblatt) ergeben haben. Es sei jetzt zu wenig Kaufbereitschaft vorhanden und spätestens beim letzten Allzeithoch um die 14.150 Punkte müsse man mit Abgabedruck rechnen, ein Deckel für die Kursentwicklung sei beim Dax auszumachen.

Die gestrige Sitzung der Europäischen Zentralbank war ein Non-Event. Es ging um die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone und um den Instrumentenkasten der EZB, der noch voll gefüllt sei. Man stelle sich die Marktreaktionen vor, hätte daran Madame Lagarde Zweifel aufkommen lassen!

Fazit

Auch wenn die Sentimentanalyse für Trader den ein oder anderen Hinweis für die Entwicklung des DAX gibt, sollten zwei Dinge nicht außer Acht gelassen werden. Der deutsche Leitindex ist mehrheitlich in ausländischen Händen. Wenn die Angelsachsen einen Feiertag nehmen, schläft der Umsatz in Frankfurt schon zur Mittagszeit ein. Und wenn die US-Börsen wegen der vielfach beschriebenen Überhitzungszeichen (Russell 2000, Margin Debts, Put/Call-Ratio) doch einmal korrigieren sollten, hilft das Sentiment der deutsche Anleger wenig.

Die Wall Street gibt den Takt vor und so unglaublich es auch klingen mag, selbst die „Irrational Excuberance“ der neuen Anlegerklasse der RobinHoodies. Der US-Präsident hat voller Elan bereits am ersten Tag begonnen Entscheidungen zu fällen. Das große Thema Stimulus ist nun wohl schon eingepreist, einige Wall Street-unfreundliche Umorientierungen nicht. Der marktbreite S&P 500 ist seit seinem Novembertief von 3269 Punkten nun schon auf 3855 Punkte gestiegen – ein Plus von 17,9 Prozent. Wie hoch war der Anstieg im ganzen Jahr 2020? 16,26 Prozent, eine Korrektur liegt in der Luft, der Anlass dafür ist wie immer unbekannt, auch wenn die potentiellen Auslöser dafür schon so oft benannt wurden.

Ist beim Dax der Deckel drauf?

weiterlesen

Gold/Silber

Goldpreis-Verlauf unter Joe Biden – das ist keine einfache Thematik

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Gold mit US-Dollar und Adler

Wenn ein Unternehmen seine Quartalszahlen deutlich besser als erwartet veröffentlicht, dann ist die Lage einfach und klar. Der Aktienkurs sollte steigen. Und im Goldpreis? Da wird die Lage mit Sicht auf mehrere Wochen und Monate etwas schwieriger. Joe Biden ist jetzt neuer US-Präsident. Und nun steht das gewaltige 1,9 Billionen Dollar schwere Stimulus-Paket an. Wird es verabschiedet werden, und was sind die Auswirkungen auf den Goldpreis?

Carsten Fritsch von der Commerzbank wies am Mittwoch in einem Kommentar darauf hin, dass die Verabschiedung dieses gigantischen Konjunkturpakets die erste große Aufgabe von Joe Biden sein werde. Zwar würden die Demokraten nach dem Sieg bei den Senats-Stichwahlen in Georgia über eine knappe Mehrheit in beiden Kongresskammern verfügen. Einfach werde der Genehmigungsprozess dennoch nicht. Von daher bleibe abzuwarten, wie lange es dauert, bis das Paket unterschriftsreif auf dem Schreibtisch des neuen Präsidenten liegt. Gold dürfte laut Carsten Fritsch von dieser Unsicherheit profitieren. Nach Inkrafttreten dürfte die Wirtschaft in den USA dank des massiven Impulses spürbar anziehen, was den US-Dollar aufwerten lassen und den Goldpreis damit belasten könnte.

Goldpreis im größeren Bild mit guten Aussichten?

Das ist das kurzfristige Szenario für die Aussicht auf Tage und Wochen. Und danach, wenn man auf das große Gesamtbild blickt? Gold ist doch der Fluchthafen, wenn die angeblich große Inflationswelle kommt? Ja, dieses Szenario sollte im größeren Bild nie vergessen werden. Die Notenbanken drucken immer mehr Geld, die Staaten verschulden sich immer mehr. Nicht eine Hyperinflation, sondern „nur“ ein deutlich spürbares Anziehen der Inflation könnte den Goldpreis wieder anfachen als Fluchthafen. Die Fed hat Ende letzten Jahres schon klar gemacht, dass sie zur Stützung der Konjunktur eine möglicherweise anziehende Inflation erst einmal nicht bremsen würde mit höheren Zinsen. Dies wäre womöglich die Chance für Gold-Trader auf höhere Kurse zu setzen.

Blickt man ganz aktuell auf den Goldpreis, dann hat er diese Woche zulegen können. Unter 1.830 Dollar am Montag gestartet, ging es bis gestern rauf auf das Hoch bei 1.874 Dollar. Aktuell kann man sich mit 1.862 Dollar auf erhöhtem Niveau halten. Im Chart sehen wir seit Montag den steigenden Goldpreis gegen den fallenden US-Dollar (Dollar-Index blau). Gestern hatten wir schon den nicht einfach zu erklärenden Goldpreis-Anstieg in dieser Woche besprochen. Derzeit ist die Lage nicht ganz so klar wie üblich. Die Biden-Wahl bringt viel in Bewegung.

Chart zeigt Goldpreis-Anstieg seit Montag gegen fallenden US-Dollar

weiterlesen

Bitcoin

Bitcoin als Warnsignal für die Aktienmärkte? Videoausblick

Sind die Kurtsverluste bei Bitcoin eine Art Warnsignal für die Aktienmärkte, dass die Party zumindest kurzfristig erst einmal vorbei ist?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Sind die Kurtsverluste bei Bitcoin eine Art Warnsignal für die Aktienmärkte, dass die Party zumindest kurzfristig erst einmal vorbei ist? Bitcoin ist ja eben nicht ein Hedge, sondern vielmehr ein Liebling der Retail-Investoren – und verhält sich damit faktisch wie zyklische Aktien. Daher ist es auch kein Zufall, dass Bitcoin im März 2020 in der ersten Corona-Welle ebenso wie die Aktienmärkte deutlich gefallen ist. Die Aktienmärkte zeigen derzeit ein ähnliches Muster wie 2020: Tech steigt, aber die Marktbreite fehlt wieder – das war bis zur Impfstoff-Meldung am 09.November 2020 das dominante Muster gewesen. Die Luft nach oben scheint dünner zu werden, ohnehin ist die Beste aller Welten lämngst eingepreist, da darf also nichts schief gehen..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage