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Plattformkapitalismus: Über Uber, Facebook, Alibaba und Airbnb

FMW-Redakion

Ach, die schöne neue Welt ist doch so schön und so neu! Vor allem die großen Sieger des Internets machen unser Leben leichter und angenehmer, oder?

Es gibt ja sehr interssante Entwicklungen: so hat das weltgrößte Taxi-Unternehmen Uber keine eigenen Fahrzeuge, das wohl wichtigste Medien-Unternehmen Facebook keine eigenen Inhalte, der wertvollste Einzelhändler der Welt, Alibaba, keine eigene Lagerhaltung, und der größte Unterkunft-Vermittler Airbnb keine eigenen Immobilien:

https://twitter.com/YoungmeMoon/status/586170644204630016

Was bedeutet das? Im Grunde geht es bei all diesen Unternehmen ums Teilen – Unterkünfte, Meinungen, Taxis etc. Das Teilen wiederum ist eine urmenschliche Eigenschaft, und der Kapitalismus hat es nun geschafft, aus dieser Eigenschaft erfolgreich Kapital zu schlagen. Wie Hans-Harald Welzer in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit“ formuliert, geht es um die „Monetarisierung jener Sozialverhältnisse, die bislang durch die Sozialform Beziehung und nicht durch die Beziehungsform Geld strukturiert war“.

Daher zeichne sich dieser „Plattformkapitalismus“ dadurch aus, „dass er soziale Praktiken monetarisiert, selbst aber kaum Arbeitsplätze schafft und durch die Förderung der Privatisierung von Dienstleistungen auch für Minderungen von Steuereinnnahmen sorgt, von ethischen Fragen (..) ganz abgesehen“.

Das Geschäftsprinzip dieser Firmen basiert dabei auf Dingen und Dienstleistungen, die andere herstellen, nicht die Unternehmen selbst. Daher sagt Welzer:

„Was eigentlich unternimmt dieser Typ Unternehmen? Das klassische unternehmerische Risiko ist hier ebenso abgeschafft wie gesicherte Beschäftigungsverhältnisse, übrig bleibt ein ein rein parasitäter Suchoperator, der die ohnehin vorhandenen Gegebenheiten danach durchmustert, wo sich etwas monetarisieren lässt, das bislang keine Sache des Geldes war.“

Das ist doch mal ein Ansatz für eigenes Nachdenken über die Weihnachtszeit, ob uns die neuen Unternehmen wirklich so viel freier und glücklicher machen wie vor allem das Silicon Valley behauptet, das natürlich nur unser Bestes im Sinn hat, oder? Faktisch wird uns die Privatsphäre zunehmend geraubt – aus kontrolliertem Raubbau könnte man sagen..

Irgendwie könnte man daher auf den Gedanken kommen, dass da etwas nicht stimmt in der Welt. Schon für unsere Kinder dürfte das Wort „Privatspähre“ wohl schon ein Fremdwort sein. Schöne neue Welt im Sinnne Mark Zuckerbergs – und nicht zu dessen finanziellen Schaden..

Also sammelt sich immer mehr Geld bei immer wenigen Menschen wie Zuckerberg..

geld
Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)



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3 Kommentare

  1. Das Unbehagen kann ich nachvollziehen. Aber vielleicht hilft ja schon eine andere Rechtsform? Wie wäre es mit der Genossenschaft oder dem Verein? Dann bleiben die Gewinne (so denn überhaupt gewollt) innerhalb der Gemeinschaft. Und auch die Vermarktung der Daten (was ich persönlich als ein k.o. Kriterium für die Nutzung dieser Dienste ansehe), unterbliebe.
    Euch schöne Feiertage.

    1. Ich,rückständiger Opa,hatte schon mal gefragt:Was stellt Facebook eigentlich her?,bzw.durch was erfährt es seinen enormen Wert?Vernünftige,nachvollziehbare Antworten habe ich damals nicht erhalten!Aber,wie gesagt:Wer fühlt sich heute schon gemüssigt,einem rückständigen Opa zu antworten!

  2. cooler beitrag und hinweis !
    die welt sie rutscht von einer diktatur in die nächste. jedesmal wird den naiven lemmingen ein freiheitsgedanke offerriert, der genau das gegnteil manifestiert und durchsetzt. feudalismus, hegemonie, absolutismus, kapitalismus in sich auch. faschismus, stalinismus, linker utopischer, in teilen radikaler kommunismus und heute??? für mich in evidenter weise oft ein gefühltes konglomerat aus den letzt genannten. die digitale diktatur ist nur eine logische weiterentwicklung. die menschen werden immer brutaler fremdgesteuert und umzingelt, glauben aber (hirn) frei dabei zu sein. „…also ich kann ja meine app mal nicht benutzen äätsch…“ vernunftbegabt war der mensch wohl nie !

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