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Pleitestaaten wie Puerto Rico machen (irgendwie) weiter…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Ja, Puerto Rico ist kein richtiger Staat. Aber irgendwie ist Puerto Rico auch kein richtiger Teil der USA. Als Zwitter ist die 3,5 Mio Einwohner-Insel gefangen zwischen dem Status „Staat“ und „Teil der USA“, weder das eine, noch das andere. Das hat Vor- und Nachteile. Die Ukraine, ebenfalls mit einem Zahlungsausfall gegenüber Russland, ist de facto in der Staatspleite, was seitens der globalen Kapitalmarktgemeinde bisher ignoriert wird. Puerto Rico versucht sich klammheimlich durchzuschleichen, bis endlich die Rettung aus Washington kommt.

Puerto Rico Padilla
Alejandro Javier García Padilla, Gouverneur und damit de facto Regierungschef von Puerto Rico. Foto: United Satates Department of Labor / Wikipedia (CC BY 2.0)

So verkündete vorgestern das Parlament des mit den USA verbundenen Inselstaates ein Schuldenmoratorium. Gouverneur Padillo kann nach diesem Beschluss in Eigenregie entscheiden, ob und wie Zahlungen an Gläubiger (insgesamt mehr als 70 Milliarden Dollar Schulden) ausgesetzt werden, oder sogar ganz ausbleiben. Damit ist die Insel mehr denn je, jetzt aber für jeden Beobachter unzweideutig in der Staatspleite. Gut nur, dass die Insel kein richtiger Staat ist? Dann entfällt das Wort Staatspleite?

So richtig scheint das niemand wahrhaben zu wollen, weil alle davon ausgehen, dass die kleine Insel so oder so irgendwann von der Bundesregierung in Washington rausgehauen wird. Die Hoffnung liegt auf Präsident Obama, der auf seine alten Tage hin in Geberlaune ist. Problematisch ist da nur der US-Kongress, der seit Monaten der Insel unter dem Druck von Lobbyisten einen Zugang zum offiziellen US-Insolvenzrecht für Kommunen verweigert. Dann würden nämlich Hedgefonds, die in Puerto Rico-Anleihen engagiert sind, verdammt viel Geld verlieren.

Durch die aktuell verkündete Erlaubnis für ihren Gouverneur Schulden in Eigenregie nicht zahlen zu müssen, erleben die Kurse von Puerto Rico-Anleihen aktuell die kräftigsten Einbrüche seit Juni 2015, wo die Überschuldung der Insel dazu führte, dass man offiziell verkündete man könne erst mal nicht mehr zahlen. Seitdem hatte man sich von Rückzahlungstermin zu Rückzahlungstermin durchgehangelt. Über allem schwebt auch jetzt noch die Hoffnung: Washington wird uns retten!

Das jetzt verkündete Moratorium ist laut Parlament von Puerto Rico notwendig, da man sonst Feuerwehrleute, Lehrer, Polizisten etc nicht mehr bezahlen kann. Die Insel hat noch viel stärker als Griechenland ein Problem mit der nicht vorhandenen Wirtschaft und mit massiver Abwanderung der Bevölkerung auf das US-Festland – denn immerhin aufenthaltstechnisch gehört Puerto Rico zum US-Territorium. Die Bürger brauchen also nur ins Flugzeug zu steigen und können irgendwo in den USA wohnen. Wie Griechenland bleibt der Insel eigentlich nur eine kräftige Entschuldung oder die dauerhafte Stützung durch Rettungsgelder von außen.

Im US-Kongress werden derzeit Vorschläge diskutiert, dass Puerto Rico sich vielleicht doch restrukturieren darf, aber unter strenger Aufsicht von US-Behörden. Auch hier wieder eine Parallele zum Fall EU/Griechenland. Man traut dem Schuldner nicht, deswegen sollen eigene Kontrolleure checken, ob wirklich alles unternommen wird um erstens Strukturreformen durchzuführen, und zweitens ob auch wirklich alles verwertet wird um Schulden zurückzuzahlen. Die Insel ist ein wirklicher Sonderfall, da niemand so richtig weiß, wie er hier verfahren soll. Es sind Schulden außerhalb der US-Jurisdiktion. Aber trotzdem ist die Insel zollmäßig in die USA eingebunden.

Von Staatspleite oder endgültigem Zahlungsausfall redet wohl niemand gerne in diesem Fall, weil irgendwie Schuldner und Gläubiger hoffen, dass irgendwann und irgendwie doch Rettung aus Washington kommt. Der Krimi geht weiter.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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