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Lieferketten reißen europaweit Polen schließt Grenze: Züge von China nach Europa stehen still

Ukraine-Krieg trifft jetzt auch Chinas Unternehmen

Mit der Schließung der Grenze Polen–Belarus steht der zentrale Zugkorridor zwischen China und Europa still – mit massiven Folgen für Handel und Industrie.

Polen schließt Grenze: Züge von China nach Europa stehen still

Die Grenzschliessung zwischen Belarus, die eigentlich nur während des russisch-belarussischen Manövers „Zapad-2025“ (Westen-2025) gelten sollte, wird nun unbegrenzt fortgesetzt. Betroffen ist damit der wichtigste Landkorridor zwischen China und der Europäischen Union. Am Übergang bei Małaszewicze, wo jährlich Waren im Wert von fast 30 Milliarden US-Dollar abgefertigt werden, steht der Verkehr still. Normalerweise passieren hier täglich 80 bis 90 Güterzüge, ein Drittel davon mit Fracht aus China. Nun stauen sich Züge auf belarussischer Seite, Abstellgleise sind nahezu ausgelastet. Der zentrale Korridor der Belt and Road Initiative ist damit unterbrochen.

Polen blockiert wichtige Transitroute nach Europa

Die Bahnverbindung zwischen China und Europa, der China-Europe Railway Express (CRE) hat sich in den vergangenen Jahren als feste Größe etabliert. Container mit Elektronik, Maschinen, Batterien und Textilien fahren von Chongqing, Yiwu oder Xi’an nach Duisburg, Hamburg oder Tilburg. Die Laufzeit liegt bei 12 bis 15 Tagen und ist damit deutlich kürzer als auf See, wenn auch teurer. Für sensible Produkte wie Chemikalien und Pharmawaren war die Schiene deshalb erste Wahl. Im letzten Jahr passierten über 745.000 Container die Grenze, fast 85 Prozent mehr als im Vorjahr.

Mit der Blockade entfällt die Route, über die 90 Prozent des Landverkehrs zwischen China und der EU laufen. Eine Umleitung über Litauen oder Lettland sind begrenzt, ihre Kapazitäten reichen für höchstens ein Fünftel der Mengen. Die Alternative Seeweg dauert länger und bringt zusätzliche Kosten mit sich.

Lieferengpässe bedrohen Europas Werke

Die Blockade betrifft nicht nur Importe aus China, sondern auch Lieferungen in die Gegenrichtung. Europäische und deutsche Konzerne wie BMW und Bayer haben Werke in China, die Teile, Vorprodukte und Fertigwaren auf der Schiene nach Europa transportieren.

BMW produziert in Shenyang Fahrzeuge für den chinesischen Markt und verschickt von dort Komponenten nach Europa. Die Bahn war der bevorzugte Weg, um Motoren, Batterien und Elektronik in einem engen Zeitfenster an die Montagewerke in München oder Regensburg zu liefern. Seit der Schließung bleiben diese Züge in Belarus stehen. Die europäische Automobilbranche verliert dadurch schätzungsweise bis zu 200 Millionen Euro im Monat. Zulieferer wie Bosch und Continental sind ebenso betroffen, weil Sensoren und Getriebeteile nicht rechtzeitig eintreffen.

Bayer nutzt die Route für Chemie- und Pharmaprodukte. Zwischenstoffe für Pflanzenschutzmittel oder Wirkstoffe aus Shanghai und Qingdao gingen bislang per Bahn nach Leverkusen oder Dormagen. Gerade bei temperaturabhängiger Fracht war dies der praktikabelste Weg. Nun bleiben auch diese Lieferungen liegen. Für Bayers Agrarsparte bedeutet Verzögerungen und höhere Kosten.

Seit der russischen Invasion in der Ukraine haben viele deutsche Unternehmen versucht, ihre Transportwege zu diversifizieren. Russland wurde als Transitland gemieden, der Süd-Korridor über die Türkei gewann an Bedeutung, ebenso die Seefracht. BMW verlagerte einen Teil seiner Exporte auf Schiffe, Bayer baute Kapazitäten in Singapur aus.
Doch die Umstellung blieb begrenzt. Die Schiene über Belarus war trotz höherer Kosten schneller und zuverlässiger. Infrastruktur, modernisiert mit chinesischen Investitionen, war auf große Mengen ausgelegt. Mit der Sperrung zeigt sich die Abhängigkeit: Litauen und Lettland sind überlastet, der Seeweg ist langsamer. Deutsche Unternehmen zahlen den Preis für den Engpass bei Brest und Małaszewicze.

Mit Chinas Hilfe gegen Belarus und Russland

Polen setzt mit der Schließung nicht nur ein Zeichen gegen Minsk und Moskau. Die Regierung unter Karol Nawrocki nutzt die Lage auch, um Peking stärker in die Pflicht zu nehmen. China ist wichtigster Handelspartner von Belarus und hat Milliarden in Infrastruktur wie den Great Stone Industrial Park bei Minsk investiert. Ohne funktionierende Transitroute verliert China den direkten Zugang zum europäischen Markt.

Der Besuch von Außenminister Wang Yi in Warschau in der letzten Woche, der erste seit 2019, zeigt die Brisanz. Polen machte deutlich, dass die Grenze nur dann wieder geöffnet wird, wenn Belarus seine Provokationen beendet. Von China erwartet Warschau, dass es diesen Druck weiterträgt. Offiziell äußerte Peking lediglich „Bedenken“. Hinter den Kulissen soll es jedoch auf Minsk eingewirkt haben, zumindest zeitweise Korridore freizugeben.

Die Blockade trifft nicht nur Großkonzerne. Logistiker in Polen, die vom Umschlag der China-Züge leben, sprechen von drohender Kurzarbeit. Rund 10.000 Arbeitsplätze hängen an Terminals und Speditionen im Grenzgebiet. Auch kleinere Händler, die günstige Importe aus China beziehen, melden Umsatzeinbußen.

Lieferketten reißen europaweit

Für die EU bedeutet der Ausfall steigende Kosten im Außenhandel. Nach Schätzungen der Kommission entstehen durch Verzögerungen und Umleitungen täglich 50 bis 100 Millionen Euro.

Die Grenzschließung zwischen Polen und Belarus ist aus wirtschaftlicher Sicht weit mehr als ein regionales Problem. Sie blockiert den zentralen Korridor zwischen China und Europa und unterbricht Lieferketten auf beiden Seiten. Polens Führung zwingt Peking, Stellung zu beziehen.

China sieht sich mit einer unbequemen Realität konfrontiert, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und die daraus folgenden Spannungen zwischen Moskau und der EU auch chinesische Unternehmen treffen. Europa hat für China ein zentraler Absatzmarkt im Zuge des Zollstreits mit den USA an Wichtigkeit gewonnen. Daher und mit der sich weiter abschwächenden Konjunktur in China wächst der Druck auf Peking, nicht nur Belarus, sondern auch Russland in die Verantwortung zu nehmen und die Eskalation zu begrenzen.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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11 Kommentare

  1. Ein weiterer Rückschritt bei der Globalisierung.

    1. Gerade kam die Meldung: Die Grenze ist wieder offen.

  2. Daher auch das eigene Land first. Möglichst wenig Importe. Ist das vielleicht doch nicht so dumm?
    Ansonsten ist Europa aber immer noch nach allen Seiten offen. Ein Zauberwort genügt.

  3. Ich bin immer wieder erstaunt wie viele weitere Möglichkeiten es noch gibt um Russland zu sanktionieren und unter Druck zu setzen. Jedesmal kommt es mir vor, als ob „man“ das volle Potenzial gar nicht nutzen möchte und somit den Krieg weiterhin „erlaubt“, um eigene Interessen zu schützen. Ich wäre vermutlich ein schlechter Händler und würde den kurzen Schmerz bevorzugen. Maximalsanktionen sofort. Auf alles. Kein Gas, kein Geld, kein Transit, kein gar nix. Aber ich hätte auch mein Armee nicht vergammeln lassen…

    1. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich selbst ins Knie zu schießen.

      1. Selbstschädigendes Verhalten tritt sehr häufig bei Pubertierenden auf, anscheinend auch bei vermeintlich erwachsenen Politikern.

      2. Dieser Bericht sagt nicht ganz die Wahrheit.
        China verschifft seine Waren von St. Petersburg nach Europa.
        Ja die sind nicht dumm und Polen schießt sich selbst ins Knie.
        Hier sieht man das Russland und China alles im Griff haben.

        1. @Deutscher

          Ein russischer Propagandist redet von „Wahrheit“. Lustiger wird’s heute nicht mehr. Aropos Wahrheit: Hast du nicht vergessen zu erwähnen, dass seitdem dein Herr und Meister in die Ukraine einmarschiert ist, die Route Leningrad – Mukran wieder geschlossen ist?
          Ach ja: Der Artikel handelt ausdrücklich nur von der Route über Belarus und erwähnt auch nicht die südliche Route über die Türkei. Nur leider ist die auch nicht so leistungsfähig.

  4. da werden u.a auch die polen wohl bald mit weiteren drohnen/cyberangriffen/überflügen o.ä. rechnen dürfen.

    im hintergrund eskaliert medial unterdrückt der handels-/zollkrieg us/nato/eu mit rus/cny.

  5. tja, vielleicht ist langfristig der vermeintlich günstige Weg des Outcourcings doch nicht der Günstigste… Habe da wenig Mitleid.

  6. Es ist fanzienierend, wie die EU keine Gelegenheit auslässt, sich wirtschaftlich zu schwächen.

    …Über 90 Prozent des Handels zwischen China und Europa wird auf dem Seeweg abgewickelt, da er die kostengünstigste Transportmethode ist. Nur ein kleiner Teil, etwa vier Prozent, wird per Bahn transportiert, was einem Wert von rund 25 Milliarden Euro entspricht…

    https://www.google.com/search?q=wie+viel+Prozent+der+China+Handels+mit+Europa+geht+auf+dem+Seeweg&gs_ivs=1

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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