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Die Energie-Lage in unserem Nachbarland Polen vor dem Winter – Öl-Leck an Druschba-Pipeline aus Russland

Ein Land und sein Versuch, den Winter zu überstehen..

Winter Polen Öl Druschba

Der polnische Betreiber PERN informierte jüngst über ein Leck an der Ölpipeline Druschba aus Russland: Die Ursache sei unklar, aber ein Anschlag Medienberichten zufolge nicht wahrscheinlich – Polen sorgt sich angesichts der angespannten aktuellen Lage wie andere Länder in Europa um eine sichere Energieversorgung. Öl- und Gaslieferungen per Pipeline und Schiff sowie ein Multienergiekonzern nach Vorlbild der italienischen Eni sollen die nötige Grundlage schaffen, um für den kommenden Winter gerüstet zu sein und Energiewendeaufgaben zu lösen.

Ölleck bei Druschba: Keine Auswirkungen in Polen

Das Öl trete an einem der zwei Stränge des westlichen Abschnitts der Druschba-Pipeline etwa 70 Kilometer von Płock entfernt aus und liege in einem Maisfeld, berichteten polnische Medien. Es handele sich um die Hauptroute, auf der Rohöl nach Deutschland gelangt. „Die Ursachen des Vorfalls sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt“, teilte PERN am 12. Oktober mit.

Der beschädigte Leistungsstrang sei sofort abgestellt worden. Der zweite Strang der Druschba-Pipeline funktioniere normal. Andere Bestandteile von der PERN-Infrastruktur, darunter der pommersche Abschnitt, der Rohöl in Tankschiffen nach Polen und dann auch nach Deutschland transportiert, arbeiteten ebenfalls im Standardmodus. PERN ist eigenen Angaben nach kontinuierlich mit den deutschen Partnern, hier vor allem die Raffinerie Schwedt in Kontakt, die Rohöl über die Druschba-Pipeline erhalten. Polnische Raffinerien erhielten weiterhin Rohöl wie nominiert. Die Situation habe auch keine Auswirkungen auf den Zugang zu Kraftstoff für polnische Fahrzeugbesitzer.

Polen: Orlen als Multienergiekonzern

Inhaber und Betreiber von Raffinerien und Tankstellen in Polen ist die Polnische Ölgesellschaft PKN Orlen, die aktuell kurz vor dem Abschluss der Fusion mit Polens Öl- und Gasgesellschaft PGNiG steht. Im Juli 2020 schloss Orlen mit dem Ministerium für Staatsvermögen zur Schaffung eines Multienergiekonzerns mit der PGNiG eine Absichtserklärung. Zuvor hatte der Öl- und Kraftstoffversorger 2020 seinen Anteil am Kraftwerksbetreiber Energa auf 85 Prozent erhöht und brachte Anfang August den Zusammenschluss mit der Lotusgruppe zum Abschluss.

Ende September winkten die Orlen-Aktionäre die Fusion mit der PGNIG durch. Ende Juli hatten sich die Unternehmensvorstände auf einen dementsprechenden Fusionsplan verständigt. Unter dem Dach des Multienergiekonzerns sollen wie beim italienischen Vorbild Eni alle Upstream-Aktiva von Öl und Gas, die Erzeugungskapazitäten von Strom und Wärme, Erneuerbare Energien bis hin zur Elektromobilität und Energiedienstleistungen gebündelt sein. 52 Prozent sind als Staatsanteil eingeplant, 13 Prozent für Aktionäre der PGNiG und der Rest für Aktionäre von Orlen vorgesehen.

Gas aus Norwegen

„Wir bündeln unsere Kräfte in einer äußerst schwierigen Zeit für die globalen Brennstoff- und Energiemärkte“, sagte Iwona Waksmundzka-Olejniczak, Vorstandsvorsitzende der PGNiG, zum positiven Votum der Aktionäre zur Fusion am 10. Oktober. Die starken Schwankungen auf den Rohstoffmärkten und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Energiewende machten konsequente und mutige Entscheidungen nötig. Die Konsolidierung der Unternehmen soll für eine dynamische Entwicklung sorgen, die Wirtschaft stärken und zur sicheren Energieversorgung in Polen beitragen. Die Integration aller in- und ausländischen Upstream-Aktivitäten im neuen Energiekonzern soll für Produktionssteigerung und einen leichteren Erwerb potenzieller Lagerstätten sorgen.

Um russische Gaslieferungen auszugleichen, ging Anfang Oktober die neue Gasleitung Baltic Pipe in Betrieb, die das polnische Festland über die Ostsee und Dänemark an norwegischen Off-Shore-Vorkommen anschließt. Sie zweigt in der Nordsee von der Gasleitung Europipe II ab, die wiederum Deutschland mit Gas von norwegischen Gasfeldern versorgt. Möglichst viel Gas will die PGNIG selbst fördern und hat dazu eine Reihe von Lieferverträgen geschlossen. Die Baltic Pipe ist in beide Richtungen nutzbar und kann im Jahr 10 Milliarden Kubikmeter Gas nach Polen und 3 Milliarden Kubikmeter Gas nach Dänemark transportieren. Dass Erdgas in Polen eine wichtige Rolle zukommt, um den hohen Anteil von Braun- und Steinkohle im Energiemix des Landes zu reduzieren, ist angesichts der aktuellen Lage eine schwere Hypothek. Beide Unternehmen wollen daher den Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreiben. Offshore-Wind- und Wasserstoffprojekte stehen dabei auf der Agenda.

Polen setzt auf Transport mit Pipeline und Tanker

Mit diversifizierte Lieferoptionen kann Polen schon jetzt punkten und das in Sachen Öl und Gas. Die Druschba-Ölpipeline aus Russland quert Polen von Osten nach Westen. Der östliche Abschnitt von der belorussischen Grenze bis zum Tanklager Miszewko Strzałkowskie bei Płock kann 50 Millionen Tonnen Öl im Jahr durchleiten. Von dort aus können in Richtung Westen bis zum Tanklager Schwedt 27 Millionen Tonnen Öl im Jahr transportiert werden.

Richtung Norden ist die sogenannte pommersche Gasleitung in Betrieb. Sie ist in beide Richtungen nutzbar und auf Transporte von der Küste ins Inland ausgelegt. Damit sichert PERN den Öltransport von See über den Danziger Hafen (Naftoport). Auf der Route von Gdańsk nach Płock beträgt die jährliche Transportkapazität etwa 30 Millionen Tonnen Rohöl, während die Pipeline in der entgegengesetzten Richtung eine Kapazität von etwa 27 Millionen Tonnen pro Jahr aufweist.

Eine Flexibilisierung der Bezüge bedeutet auch das Importterminal für Verflüssigtes Erdgas LNG in Swinemünde an der Ostseeküste. Für Polen sind es Meilensteine, die Abhängigkeit von russischen Pipelinelieferungen hinter sich zu lassen. Zugleich sind nicht alle Fragen zur Wintervorsorge geklärt. Das Leck an der Druschba-Pipeline ist Medienberichten zufolge indes kein Anschlag und reiht sich nicht in die Sabotageakte an den Gasleitungen Nord Stream 1 und 2 ein.

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