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Polit-Beben in New York: Kommt ein großer Linskrutsch der US-Demokraten?

Eine Kolumne aus New York von Herbert Bauernebel

Polit-Beben in New York: Millennial Alexandria Ocasio-Cortez stürzt Partei-Urgestein

 

Seit fast 20 Jahren war er im Repräsentanten-Haus einer der mächtigsten Demokraten, er galt als Nachfolger von Nancy Pelosi und möglicher neuer “Speaker”. Vielleicht nahm auch deshalb der New Yorker Abgeordnete Joe Crowley (56) die “Primaries” (Vorwahlen) nicht besonders ernst.

Ein schwerer Fehler. Prompt wurde er gestürzt von einer 28-Jährigen, links-liberalen, ehemaligen Helferin von Ikone Bernie Sanders: Alexandria Ocasio-Cortez, die Tochter einer Migrantin aus Puerto Rico und eines Vaters aus der Bronx, stürzte das Partei-Urgestein in einer der größten Polit-Sensationen seit Jahren.

Der Triumph des telegenen, neuen politischen Stars der Millennial-Generation ist Ausdruck einer linken Rebellion innerhalb der Demokraten, die die Partei vor eine Zerreißprobe stellen könnte – gerade als die “Dems” im November den Kongress und 2020 das Weiße Haus  zurückerobern wollen.

Mit dem politischen Beben in New York zeigt der Liberalen-Flügel Flagge: Die Aktivistin nennt sich selbst eine “demokratische Sozialistin”, wie ihr Mentor Bernie Sanders. Ihre Botschaft erinnert stark an den Tenor der Protestbewegung “Occupy Wall Street”: Sie prangert an, wie die mächtige Reichen-Kaste den Rest der Bevölkerung über den Tisch zieht. Ocasio-Cortez verlangt Krankenversicherungen für alle, freie Unis und die Auflösung der “Deportations-Behörde” ICE.

Erstaunlich auch: Sie schaffte den Sieg mit nur einem Zehntel des Millionen-Budgets ihres Kontrahenten, doch punktete mit einer cleveren Social-Media-Kampagne – darunter ein Kampagnenvideo mit dem Titel “The Courage to Change” (Der Mut zur Veränderung), das sich viral ausbreitete.

Ein Hauch von der alten “Obama-mania” ist jetzt spürbar.

Erfolgreich attackierte sie ihren Kontrahenten mit seinen Verbindungen zur Pharma-Industrie.

Bei den Demokraten löst der Sieg der jungen Außenseiterin einen neuen Richtungsstreit aus: Driftet die Partei nach links? Oder setzen sich doch die Zentristen durch?

Präsident Trump freute sich bereits diebisch über das “Chaos” bei den Demokraten. Er soll nicht zu früh feixen: Ocasio-Cortez ist das Gesicht einer an Macht gewinnenden Protestbewegung des multikulturellen Amerikas, die ihn aus dem Amt jagen könnten.

 

Herbert Bauernebel ist freier US-Korrespondent in New York seit 1999. Er leitet dazu das Info-Portal AmerikaReport.de mit Blogs, Analysen und News – von „Breaking News“ bis Politik-Aufregern, von Trends aus dem „Silicon Valley“ bis zur Wall Street. 



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7 Kommentare

  1. Schon erstaunlich was eine „Volksvertreterin“ eines LAndes so alles will. Erstaunlich in Anbetracht das sie in einem Land lebt das per definitionem pleite ist. Klingt wie die Populisten und „Möchte-gern-die-Welt-verändern“ Politiker bei uns in Europa.
    Und wenn man sich überlegt was für ein Chaos Obama angerichtet hat klingt „Obama-mania“ wie eine Drohung.

    Btw. IN Europa haben wir ja gesehen wie toll Sozialismus, national oder international gefärbt, funktioniert. Auch hier erstaunlich, wie man versucht Probleme mit Mitteln zu lösen die nicht funktionieren.
    Vielleicht sollte sie lieber fordern, dass die USA ihren Hegemonialanspruch aufgeben, den Petro-Dollar aufgeben, ihr Vetorecht im UN- Sicherheitsrat aufgeben, ihren Polizei- und Überwachungsstaat aufgeben, ihre Erpressungen anderer Staaten aufgeben, auf Regieme-Changes verzichten oder ganz einfach mal zur Abwechslung nicht über ihre Verhältnisse leben! „Die Reichen“ als die Bösen hinzustellen ist zwar legitim, da sie viel Unheil angerichtet haben. Doch ist das halt zu wenig, nur die halbe Wahrheit. JEDER Amerikaner hat in den letzten drei Generationen auf Kosten der ganzen Welt gelebt. DAS müssten die Amis mal begreifen. Und ändern. Zumindest wenn sie nicht furchtbar auf die Paperlatur fallen wollen.
    Allerdings ist es immer einfacher die Schuld bei den anderen zu suchen. MAn selbst ist schließlich ein HEiliger!
    Auf den Realitätsschock der Dame bin ich schon gespannt.

  2. Noch zum Punkt Sozialismus. Vielleicht ist das dann zukünbftig die dritte Version von Sozialismus, nach national und international nun demokratisch?
    Klingt auch wie eine Drohung!

  3. Daumen hoch Herr Fürst…
    da möchte wieder einmal ein roter Populist mit dem ewig gleichen „Gerechtigkeitsgeseier“ die dumpe Masse ködern. Ähm ja wie hier im noch „Deutschland“ die heilige SPD mit einer entfesselten links-grünen Verirrung, um schnell mal den Armutsbericht zu fälschen ! Voila…. Was eine rote Diktatur ist und war, haben mill. Menschen in „Friedenszeiten“ erleben dürften bzw. nicht erleben dürfen. (Mao, rote Kmer, Stalin und in Teilen der Ostblock usw.) Was der Schreiberling wohl mainstream devot mit multikulti Land zeichnet, ist eher die Bezeichnung einer kranken, mit stetigen rassen Konflikten konfrontierten, parallelgesellschaftlich, überlasteten Kolonie. Ein im armuts taumel absaufenden Land. Gott beschütze Europa und dieses noch-Land vor solchen Entwicklungen. Gott? ja weil die polit und Massenmedial verdummte Menge alles mit trägt…bis…ja bis….

  4. Tropensozialismus statt altem, weißem „Faschismus“. Ganz wunderbar, die USA kann man sich wirklich nicht ausdenken.

    „Erfolgreich attackierte sie ihren Kontrahenten mit seinen Verbindungen zur Pharma-Industrie“

    Klar, aber Keine Sorge, mit dem Erfolg bekommt sie auch noch die für sie passenden „Verbindungen“.

  5. Ah ja, mhm… Mal wieder ein echt oscarverdächtiger ;) Kommentar

    1. …vom oscar, wohlgemerkt…

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