„Politische Börsen haben kurze Beine“ – das ist ein altes Börsianer-Sprichwort. Das selbe gilt beim Blick auf die letzten Jahre auch für geopolitische Krisen und Kriege, gerade im Nahen Osten! Bundestagswahlen, Europa-Wahlen, Iran, Hisbollah, Libyen uvm – die Börsianer hat es nicht wirklich interessiert. Selbst der 11. September 2001 war an der Börse nur ein ganz kurzer Schock.
„Politische Börsen haben kurze Beine“ – Iran-Krieg ohne Wirkung auf Märkte?
Und wenn man zurückblick auf all die kleinen und auch größeren geopolitischen Krisen und Kriege im Nahen Osten – eine echte Auswirkung auf den globalen Kapitalmarkt gab es nicht. Nach ein paar Tagen oder Wochen war die Aufregung vorbei, auch Ölpreis-Anstiege haben sich schnell wieder gelegt. Denn es wurde immer wieder schnell klar: Es gibt doch keine Auswirkung auf die Versorgung der großen Verbraucherländer von Öl. Und auch sollten sich Anleger stets fragen: Hat dieser Konflikt – aktuell der Iran-Krieg – wirklich eine Auswirkung auf meine Aktien, auf meine ETF-Sparpläne? Werden Unternehmen in Asien, Europa oder Nordamerika wirklich davon betroffen sein? In der Regel lautet die Antwort NEIN. Daher hat sich das Sprichwort „Politische Börsen haben kurze Beine“ seit langer Zeit bewährt. Wer in die kurzzeitige Schwäche hinein kaufte, war langfristig der Gewinner. Erinnern Sie sich noch an die israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran im Juni 2025? Gewiss, das war ein weitaus kleinerer Krieg als dieses Mal. Aber der Blick auf die Charts der Aktienindizes zeigt: Es gab im Juni 2025 sehr kurz und begrenzt Kursrückgänge – danach ging es wieder bergauf, zurück in den „alten Trott“.
Öl-Krise in den 1970er-Jahren
Will man wirklich sehen, dass ein geopolitisches Ereignis Märkte und ganze Volkswirtschaften beeinflusst, muss man schon bis in die 1970er-Jahre zurückgehen. Damals gab es die große Öl-Krise. In westlichen Verbrauchsländern wurde das Öl tatsächlich knapp. Die Folge waren Rezessionen. 1973 drosselten die OPEC-Staaten absichtlich ihre Fördermengen als Folge des Jom-Kippur-Krieges – dies führte zu einer drastischen Verknappung des Ölangebots und zu einer drastischen Preiserhöhung. In Deutschland sah man in der Folge Inflation, Arbeitslosigkeit und sogar autofreie Sonntage.
Trump hat ein Tankstellen-Problem
Dass es diesmal so kommt wie in den 1970er-Jahren, ist äußerst unwahrscheinlich. Die Welt ist eine andere. Dieses Mal geht es gegen den Iran – und ein Großteil der Golfstaaten dürfte froh sein, wenn der Iran als dauerhafter Unruhestifter in der Region endlich ausfällt. Auch ist die Welt nicht mehr so stark abhängig vom Golf-Öl wie früher. Und da wäre noch ein Faktor: Donald Trump hat diesen Angriff gestartet – dabei hatte er doch seiner Wählerschaft versprochen, in keinen Krieg zu ziehen. Und jetzt dieser Iran-Angriff! Noch wichtiger aber dürfte sein: Trump versprach seinen Wählern sinkende Lebenshaltungskosten, also vor allem Lebensmittel und Treibstoff. Und jetzt sehen wir diesen heutigen Sprung im Ölpreis um gut 5 Dollar. Auch die Gaspreise springen heute hoch, weil Katar als Mega-Lieferant für den Weltmarkt blockiert wird.
Je länger der Krieg dauert, je länger der Iran die Straße von Hormus für Lieferungen von Öl und Gas sperrt, desto länger muss der Weltmarkt mit höheren Tankstellenpreisen leben. Diesen Faktor darf man nicht unterschätzen! Trumps Wähler wollen billiges Benzin. Und im November stehen die Zwischenwahlen in den USA an. Trump kann es sich nicht leisten, seine Wähler bei diesem zentralen Thema zu vergraulen. Also kann man mutmaßen, dass Trump dieses Thema im Zuge des Iran-Kriegs im Blick behält und aufpasst, dass die Sperrung der Straße von Hormus und die höheren Ölpreis nur eine kurzfristige Episode bleiben. Egal auf welche Weise – man kann vermuten, dass Trump keine dauerhafte Sperrung der Straße von Hormus sehen will.
Straße von Hormus und Houthis
Aber man muss erwähnen: Niemand kann irgendeine Vorhersage treffen, wie dieser Krieg verläuft. Ein längerfristiger Krieg, ein stures Regime in Teheran, eine längere Sperrung der Straße von Hormus – dies könnte den Ölpreis länger oben halten. Dies wäre so ziemlich der einzige gewichtiger Einflussfaktor, der westliche Aktienmärkte spürbar belasten könnte. Und die Houthis im Jemen? Kommen die Verbündeten des Iran wieder auf die Idee, den Suez-Kanal quasi zu blockieren mit Angriffen auf Schiffe im Roten Meer? Das könnte erneut den Welthandel beeinträchtigen.
Aber der Blick auf die letzten Jahrzehnte zeigt wie gesagt: „Politische Börsen haben kurze Beine“, und auch „Geopolitische Börsen haben kurze Beine“. Die Wahrscheinlichkeit ist doch recht hoch, dass sich die Märkte nach einer gewissen Zeit wieder erholen (Ölpreis runter, Aktien rauf). Der folgende Tweet zeigt historich, dass sich Aktienmärkte nach Krisen meistens schnell wieder erholen.
🇮🇷🔴 Die Lage im Iran eskaliert
👉🏼 Präsident Donald Trump sagt, die USA hätten umfangreiche Kampfhandlungen gegen den Iran begonnen. Ziel sei es, Bedrohungen durch das Regime auszuschalten.
👉🏼 Luftangriffe auf den Iran seien von Israel und den USA durchgeführt worden; dabei… pic.twitter.com/aQfIqrUA4W
— Mario Lochner (@mario_lochner) February 28, 2026
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Auf jedenfall gibt es ja US-Futures.
Kurzfristig kommen wieder die „Buy the Dip’ers“, aber es wird jetzt richtig eskalieren – nicht unbedingt kriegerisch, aber China und andere Kontrahenten werden den Iran bestimmt nicht den USA das Feld überlassen. Jetzt werden sie noch mehr die Karte der rüstungsrelevanten seltenen Erden / Metalle ziehen.
Trump / die USA hat sich hier überschätzt und wird sich unterordnen müssen.
Siehe auch hier Remote Viewing:
https://www.youtube.com/watch?v=SeH_2RNK8UQ&t=304s