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Porsche-Börsengang: 75 Milliarden Gesamtwert – Erlös 9,4 Milliarden Euro

Porsche legt einen erfolgreichen Börsengang hin mit einem Gesamtwert von 75 Milliarden Euro. Hier dazu die Details.

Endlich mal wieder ein bedeutender Börsengang für den Finanzplatz Deutschland! Heute sorgt Porsche für Furore an der Börse in Frankfurt. Auch die Daten von Tradegate zeigen: Bei den Privatanlegern ist die Aktie heute Vormittag sehr stark nachgefragt! Die Porsche AG legte nach ihrem furiosen Börsendebüt im frühen Handel zu, nachdem der Mutterkonzern Volkswagen AG den endgültigen Preis für die Vorzugsaktien der Sportwagenschmiede an der Obergrenze festgesetzt und damit den heftigen Marktverwerfungen die Stirn geboten hatte, so berichtet es aktuell Bloomberg. Die Vorzugsaktien des Zuffenhausener Herstellers stiegen um bis zu 2,8% auf 84,82 Euro, nachdem sie VW für 82,50 Euro pro Stück verkauft hatte, was einem Börsenwert von 75 Milliarden Euro für die Kultmarke entspricht. Die Notierung brachte einen Erlös von 9,4 Milliarden Euro, der höchste Betrag seit mehr als einem Jahrzehnt.

Porsche-Börsengang mutiger Schritt

“Für Porsche geht heute ein großer Traum in Erfüllung”, sagte Volkswagen-Vorstandschef Oliver Blume in einer Erklärung. “Mit der größeren Eigenständigkeit sind wir in einer sehr guten Position, um unsere ehrgeizigen Ziele in den kommenden Jahren umzusetzen.” Die Notierung des 911-Herstellers ist laut Bloomberg ein mutiger Schritt an die Börse, die in diesem Jahr Neuemissionen überwiegend verschlossen blieb, da die Energiekrise, steigende Zinsen und Rekordinflation potenzielle Emittenten abschreckte. VW will über den Verkauf Mittel für seine Elektrifizierung beschaffen, und die Investoren erhalten als Draufgabe die emotional aufgeladene Beteiligung an einer Firmenlegende. Das Drehbuch ähnelt der Trennung von Ferrari von der Konzernmutter Fiat im Jahr 2015.

Sportwagen von Porsche

“Wenn man einen Börsengang in einem so schwierigen Markt durchziehen kann, beweist das die Attraktivität des Unternehmens”, erklärte Analyst Philippe Houchois von Jefferies. Er verweist auf den hohen Bekanntheitsgrad von Porsche und den Umstand, dass der Hersteller kein Kapital aufnehmen müsse. Volkswagen-Vorzüge fielen nach dem Handelsstart um bis zu 6,2%, während die Porsche Automobil Holding SE, die Beteiligungsgesellschaft der Familie Porsche-Piëch, um bis zu 9,2% nachgab.

Bis August haben Unternehmen bei Börsengängen in diesem Jahr weniger als 10 Milliarden Dollar aufbringen können, 83% weniger als im Vorjahrezeitraum, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht. Der Börsengang von Porsche wird der größte in Europa seit dem des Bergbauunternehmens Glencore in London im Jahr 2011 sein, der fast 10 Milliarden Dollar einspielte.

Komplexe Struktur

Mit dem Aktienpreis erreicht Porsche eine Bewertung, die nicht weit von der gesamten Marktkapitalisierung von VW entfernt ist – obwohl der Konzern auch noch Marken wie Audi, Škoda, Seat und VW selbst umfasst. Allerdings hat der Börsengang auch Kritik an seiner komplexen Struktur angefacht. VW hat das Aktienkapital von Porsche zu gleichen Teilen in stimmberechtigte Stämme und stimmrechtslose Vorzüge aufgeteilt und selbst 75% von beiden behalten. Nur 12,5% des gesamten Kapitals – ausschließlich Vorzugsaktien – gehen an die Börse, wobei ein Großteil an vier Ankerinvestoren geht: Die Staatsfonds von Katar und Norwegen, T. Rowe Price und ADQ übernehmen bis zu 3,7 Milliarden Euro.

Die anderen 12,5% der verkauften Aktien gehen an den größten VW-Aktionär, die Milliardärsfamilien Porsche und Piëch. Deren Beteiligungsgesellschaft Porsche Automobil Holding SE gehören bereits 53% der stimmberechtigten VW-Aktien, und sie kaufen nun 25% plus eine Aktie der Porsche-Stämme für 10,1 Milliarden Euro, einen kleinen Aufschlag auf den Preis der Vorzugsaktien. Die Porsche SE wird die Übernahme überwiegend mit Fremdkapital in Höhe von 7,9 Milliarden Euro finanzieren. Neben der Eigentümerstruktur ist auch das Management für einige Investoren ein Problem. Porsche-Chef Oliver Blume wurde kürzlich in Personalunion auch zum Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen ernannt.

Geschäftsziele

Porsche strebt in diesem Jahr einen Umsatz von bis zu 39 Milliarden Euro an. Die Umsatzrendite soll bis zu 18% erreichen, was zwei Prozentpunkte mehr wären als im vergangenen Jahr. Langfristig soll die Rendite auf über 20% steigen. Bernstein rechnet in einer Analyse mit einer Porsche-Marktkapitalisierung von 80 Milliarden Euro und hat ausgeführt, das Unternehmen läge damit knapp unterhalb des Luxussektors aber am oberen Ende der Automobilhersteller.

“Im Vergleich zu den Luxusunternehmen weist Porsche immer noch eine höhere Volatilität des Gewinnwachstums und des Margenprofils auf”, schrieb Daniel Roeska, Analyst für europäische Automobilwerte. “Porsche hat die Volumina nur durch neue Formate signifikant erhöht, und das ist in den kommenden Jahren nicht wahrscheinlich.”

FMW/Bloomberg



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