Europa

Portugal: Firmenpleiten nehmen dramatisch zu!

Man hört derzeit ja wenig von der Eurokrise, dagegen ist das Thema "Flüchtlinge" in aller Munde. Aber in Portugal braut sich etwas zusammen..

FMW-Redaktion

Man hört derzeit ja wenig von der Eurokrise, dagegen ist das Thema „Flüchtlinge“ in aller Munde. Aber gleichwohl sind die Probleme vor allem der Euro-Peripehrie ja nicht weg, ganz im Gegenteil: Spanien vor erneuten Neuwahlen und absehbar unregierbar, Italien mit einer ausgeprägten Banken-Krise, von Griechenland braucht man gar nicht erst zu sprechen. Aber auch in Portugal geht der dramatische Abschwung der Wirtschaft weiter, sichtbar in der massiv gestiegenen Zahl von Firmenpleiten in diesem Jahr.

So liegt die Zahl der Firmenpleiten in Portugal in den ersten acht Monaten des Jahres bei 2474 Firmen – das ist ein Anstieg von 49,5% oder 819 Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum! Ursache der Pleiten ist vor allem die Schwäche bei den Exporten – es sind daher vorwiegend Export-Firmen, die in die Pleite gerutscht sind. Laut Angaben des Statistikamts Portugals (Instituto Nacional de Estatistica) hat sich vor allem zwischen April und Juli die Wirtschaft deutlich abegkühlt, einhergehend mit einem Einbruch des Verbrauchervertrauens. Im Juli sind die Exporte im Vergleich zum Vormonat um -2,3% gefallen, zum Vorjahresmonat um -3,9%.

Dabei war der Exportsektor in Portugal lange Zeit eigentlich recht solide – nun trifft der Einbruch also jene Firmen, die zuvor noch besser aufgestellt waren als andere Sektoren in dem 10 Millionen-Land. Das gesunkene Vertrauen der Portugiesen in die wirtschaftliche Entwicklung schlägt sich dabei auch in einem Rückgang der Firmen-Neugründungen nieder, die in den ersten acht Monaten um 3,5% geringer ausgefallen sind als im Vorjahr.

Gleichzeitig steigt auch die Verschuldung des Landes unter der neuen Linksregierung weiter – derzeit hat Portugal eine Verschuldung von 131% des BIP, Tendenz klar weiter steigend. In 2015 hatte Portugal ein Haushaltsloch von 4,4% und damit deutlich über dem Grenzwert von 3% – das hat die EU-Kommission auf den Plan gerufen, die die Regierung zu verstärkten Spar-Maßnahmen aufgefordert und ein Defizit-Verfahren eingeleitet hatte – jedoch auf eine eigentlich in den Regularien zwingend vorgeschriebe Geld-Strafe verzichtete, aus Angst vor einem weiteren Schüren der antieuropäischen Stimmung in der Bevölkerung.

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Portugals Regierungschef António Costa
Foto: Manuelvbotelho, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Nun aber will Brüssel offenkundig statt einer Geldstrafe die EU-Fördermittel für das Land kürzen oder ganz aussetzen – gestern veröffentlichte daher der portugiesische Finanzminister Mario Centeno einen Brief an die Europa-Abgeordneten, in dem er vor einem solchen Schritt warnte: würde man die Mittel kürzen, hätte das, so Centeno, deutlich schlimmere Folgen als eine Geldstrafe, da ein solcher Schritt direkt auf Wachstum, Investitionen und die öffentlichen Finanzen des Landes durchschlagen würde.



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1 Kommentar

  1. EU, EURO und Subventionen sind eben ein Cocktail mit Nebenwirkungen. Wer sich damit verführen lässt, bekommt erst einen dicken Kater und schließlich Kreislaufversagen.

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