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Portugal: Scharfer Abverkauf – jetzt abhängig von einer einzigen Ratingagentur

FMW-Redaktion

In Portugal sorgen politische Turbulenzen für einen scharfen Abverkauf an den Märkten: gestern verlor der portugiesische Leitindex (PSI 20) gut 4%, heute geht die Talfahrt unvermindert weiter:

PSI

Seit dem 4. November hat der Aktienmarkt des Landes knapp 10% verloren, weil derzeit die politische Lage extrem unsicher ist. Der amtierende Ministerpräsident Pedro Passos Coelho versucht derzeit vergeblich, eine Regierung zu bilden – dürfte aber damit absehbar scheitern. Vielmehr könnte schon heute eine Koalition zwischen Sozialisten und Linken die bestehende Regierung stürzen – mit Hilfe der Euroskeptiker im portugiesischen Parlament. Sollte dann die linke Koalition an die Macht kommen, droht ein ähnliches Hick-Hack mit der EU wie im Falle Griechenlands, da auch in Portugal die linken Parteien die Austeritäts-Politik der Troika ablehnen.

Aber auch von anderer Seite droht Ungemach. Alle Ratingagenturen mit einer Ausnahme stufen die Staatsanleihen Portugals nicht mehr als „investment grade“ ein – die Ausnahme ist die bei weitem unbedeutendste aller großen Ratingagenturen, nämlich DBRS aus Kanada. Und weil DBRS die Anleihen Portugals noch als „investment grade“ einstuft, kann die EZB im Rahmen ihres QE die Staatsanleihen des Landes kaufen. Das aber wäre – sollte DBRS sein Rating nach unten schrauben und damit Portugals Anleihen als „non investment grade“ einstufen – für die EZB dann praktisch nicht mehr möglich. Und sollte es so kommen – am Freitag wird DBRS eine neue Einstufung Portugals bekannt geben – wäre Portugal in bester Gesellschaft mit Griechenland, dessen Anleihen die EZB im Rahmen des QE nicht kauft (eben aufgrund der negativen Rating-Einstufungen). Die Anleiherenditen Portugals hatten gestern auf diese Gefahr reagiert und waren um 18 Basispunkte (0,18%) gestiegen – am Anleihemarkt ist das eine sehr große Bewegung. Das Zitterspiel geht jetzt also erst einmal weiter – in Sachen Regierungsbildung, aber auch wegen der Unsicherheit der Rating-Einstufung durch DBRS..



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