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Preisexplosion und gestörte Lieferketten – wo das Geld geblieben ist – ein Beispiel

Containerschiff von Hapag-Lloyd auf der Elbe

Preisexplosion und gestörte Lieferketten – es war aus wirtschaftlicher Sicht eines der Hauptthemen des letzten Jahres. Als Spätfolgen der Coronakrise waren die Lieferketten kaputt, Produktion in Asien fiel aus. Und als dann dank Nachholeffekten die Abnehmer in Europa und den USA massiv Produkte aus Asien nachfragten, wurden die Kapazitäten überlastet, es kam zur Preisexplosion, gerade beim Transport. Aber wo ist das ganze Geld geblieben, wer hat daran verdient? Oder zahlen einfach alle höhere Preise, und es ist nur eine endlos lange Kette, wo niemand einen Vorteil hat? Doch, ein Beispiel möchte ich da nennen – und es ist ganz nah.

Die größte deutsche Reederei Hapag-Lloyd aus Hamburg hat nämlich gestern ihren testierten Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2021 veröffentlicht. Daraus geht hervor: Die Umsätze haben sich gegenüber 2020 fast verdoppelt von 12,8 auf 22,3 Milliarden Euro, und das bei einer gleich hohen Transportmenge von 11,87 TTEU nach 11,84 TTEU in 2020. Grund: Die durchschnittliche Frachtrate hat sich fast verdoppelt von 1.115 Dollar pro TEU auf 2.003 Dollar pro TEU! Resultat: Der Gewinn explodiert regelrecht von 935 Millionen Euro in 2020 auf 9,1 Milliarden Euro in 2021!

Treiber dieser positiven Geschäftsentwicklung – so sagt es Hapag-Lloyd selbst – waren im Wesentlichen deutlich höhere Frachtraten infolge sehr starker Nachfrage nach Exportgütern aus Asien. „Wir blicken auf ein außergewöhnlich erfolgreiches Jahr zurück, in dem wir massiv in moderne Schiffe und neue Container investiert haben. Darüber hinaus haben wir unsere Finanz- und Vermögenslage deutlich gestärkt. Leider sind aber auch die Transportaufwendungen deutlich gestiegen, vor allem aufgrund der Engpässe in den globalen Lieferketten“, sagte Rolf Habben Jansen, Vorstandsvorsitzender der Hapag-Lloyd AG.

Auch hat die Reederei im letzten Jahr dank der glänzenden Zahlen die Nettoverschuldung vollständig abgebaut. Per Jahresultimo lag die Liquidität bei 7,7 Milliarden Euro. Damit überstieg diese Zahl die Höhe der Finanzschulden deutlich, sodass Hapag-Lloyd zum Bilanzstichtag über eine Nettoliquidität von etwa 2,2 Milliarden Euro verfügte. Genehmigt die Hauptversammlung die angedachte Dividendenausschüttung, dann wird die Stadt Hamburg als großer Miteigentümer (13,9 Prozent) von Hapag-Lloyd voraussichtlich eine Ausschüttung für 2021 in Höhe von satten 850 Millionen Euro erhalten. Es ist schon verwunderlich, wo dann letztlich die Erträge aus solchen Preisexplosionen (in diesem Fall die Frachtraten für Schiffscontainer) letztlich landen. Noch mehr Geld fließt aber aufgrund der Aktionärsstruktur der Reederei an CSAV in Chile und den HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne (beide zu 30 Prozent beteiligt).



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2 Kommentare

  1. Klaus Michael Kühne der auch sonst schon mit Kühne und Nagel fett am Transport Gap mitverdient. Mit der kleinen Ausnahme der Stadt Hamburg, ist es schlussendlich also auch einfach eine Umverteilung, bezahlen werden es die Konsumenten und zwar vom ALG Bezieher bis hin zum Multi Mrd, fliessen tut es nur zum Multi Mrd. alle diese Krisen haben zur Folge das mehr Umverteilung von ganz unten nach ganz oben stattfindet, was schlussendlich früher oder später den sozialen Frieden gefährend wird.

  2. So ist das Spiel…es gibt eben nur im Himmel ein faires System….sagen zumindest die Gläubigen..😂😅

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