Märkte

Warum ein Preisschock bei Gas und Öl droht

Wladimir Putin

Laut aktuellen Berichten schätzt US-Präsident Biden die Gefahr eines russischen Einmarsches in die Ukraine als „sehr hoch“ ein – schon in den kommenden Tagen könne es dazu kommen. Aber hatten die USA nicht erst am letzten Wochenende gewarnt, dass Russland vorgestern angreifen sollte? Daraus wurde nichts, und jetzt sehen wir diese erneute Warnung seitens der USA. Kommt es zum Russland-Ukraine-Krieg, oder nicht? Wir wissen es ja auch nicht! Aber was bei einem Angriff folgen könnte, ist aus wirtschaftlicher Sicht teilweise vorhersehbar. Und das hätte dann Auswirkungen auf die Bereiche Öl und Gas, und damit auch auf unser aller Heizkostenabrechnung, auf Benzinpreise an der Tankstelle, und weiter steigende Preise für alltägliche Produkte aller Art. Denn steigende Brennstoffpreise verteuern die Warenproduktion, den Transport usw.

Top-Ökonom warnt vor Preisschock bei Öl und Gas

Heute warnt mit Clemens Fuest, dem Chef des ifo-Instituts in München, einer der Top-Ökonomen Deutschlands vor einem „Preisschock“ bei Öl und Gas, wenn es zu einem Einmarsch Russlands in die Ukraine kommt. Selbst wenn die Gaslieferungen nicht eingeschränkt würden, käme es zu einem Preisschock, jedenfalls vorübergehend, so seine Aussage. Dies träfe private Haushalte und Industrie in Deutschland gleichermaßen. Bislang erwarten man eine Inflationsrate in Deutschland von 4 Prozent für 2022. Sollte ein Krieg ausbrechen, könnte sie noch höher ausfallen.

Russland hätte mehr zu verlieren

Clemens Fuest verweist auf die gegenseitige Abhängigkeit von Russland und Europa. Wir als Abnehmer würden russisches Öl und Gas benötigen – aber Russland sei umgekehrt auch auf unser Geld angewiesen, das wir für die Lieferungen überweisen. Ein Lieferstopp ist seiner Meinung nach unwahrscheinlich, weil Russland auch künftig noch Gas nach Europa verkaufen wolle. Sonst würde die EU künftig woanders Gas beziehen, zum Beispiel Flüssiggas aus Schiffen. Dafür Infrastruktur in Deutschland auszubauen, sei auf jeden Fall sinnvoll. Kurzfristig könnten jedoch Versorgungsengpässe eintreten. FMW-Anmerkung: Ja, genau das ist wohl der wichtigste Faktor, der aus wirtschaftlicher Sicht gegen Lieferunterbrechungen nach Europa spricht. Würde Russland Öl und Gas als Gegen-Sanktionswaffe einsetzen, wäre das Vertrauen in Europa in die Verlässlichkeit russischer Energielieferungen dahin, und die EU würde (vermutlich) massiv umsteuern auf deutlich erhöhte Flüssiggas-Lieferungen aus den USA, Katar etc.

Russlands Volkswirtschaft ist laut Aussage von Clemens Fuest jenseits des Energiemarktes für sich genommen nicht so bedeutsam. Denn das russische Bruttoinlandsprodukt entspreche der kombinierten Wirtschaftsleistung von Belgien und den Niederlanden. Außerdem seien die Wirtschaftsbeziehungen schon wegen der bestehenden Sanktionen eingeschränkt. Die wegen der Besetzung der Krim verhängten Sanktionen verringern die deutsche Wirtschaftsleistung pro Jahr um rund 5 Milliarden Euro. Das sind 0,16 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Der Schaden für Russland ist größer – er beträgt 1,2 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung. Würden weitere Sanktionen verhängt, könnten diese die deutsche Wirtschaft zusätzlich belasten, aber die russische Wirtschaft noch deutlich stärker, so die Aussage des ifo-Instituts.

Laut Clemens Fuest ist ein Einbruch der Konsumnachfrage in Deutschland durch die Ukraine-Krise eher unwahrscheinlich. Derzeit sei Omikron der Bremsfaktor. Aber die privaten Haushalte in Deutschland hätten erhebliche Ersparnisse gebildet, die sie gern ausgeben würden, trotz höherer Energiepreise.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Ohne Rohstoff = Zoff

    Clemens Fuest scheint ein vernünftiger Mensch zu sein, auffallend ist trotzdem,dass Leute dieser Institute einen Hang zum Schönreden haben. Auch H.W. Sinn redet seit der Pensionierung offener als vorher.( Fuest war doch kürzlich auch noch ein Transitory trotz Dr.Dr.)
    Dass Russland mehr leiden würde als DE glaube ich nicht. Ein Preisschock würde die exportabhängigen Länder stärker treffen.Die heute nicht verkaufte Energie und Rohstoffe werden später nur noch mehr wert sein.
    Das kleinere BIP der Russen können sie temporär verkraften, sie haben sogar Zinsen erhöht und hätten noch Möglichkeiten zum Pushen.Russland als Agrarland mit Rohstoffen und Energie ist praktisch Selbsversorger und für die nähere Zukunft gut aufgestellt, zudem haben sie die Chinesen als Freund, im Gegensatz zur EU und den USA.
    De und die EU , die total von Rohstoffen und Energie aus dem Ausland ( von den Gegnern) abhängig sind sollten sich nicht länger von der absteigenden Macht USA knechten lassen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage