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Druck auf Tech und Krypto wächst Privatanleger nervös: Warum die Aktienmärkte zu kippen drohen

Privatanleger nervös: Warum die Aktienmärkte zu kippen drohen
Grafik: ChatGPT

Die Aktienmärkte wirken trotz der jüngsten Kursschwankungen auf den ersten Blick stabil – doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Während die großen US-Indizes nahezu unverändert blieben, gerieten Tech-Aktien, Krypto-Werte und die bevorzugten Trades vieler Privatanleger massiv unter Druck. Besonders Bitcoin, Momentum-Favoriten und KI-getriebene Marktbewegungen sorgten für Turbulenzen. Die Frage lautet nun: Droht eine Belastungsprobe, die die Stimmung an den Aktienmärkten nachhaltig kippen könnte?

Aktienmärkte: Spekulative Bereiche brechen ein

Obwohl die großen Aktienmärkte rund um S&P 500 und Dow Jones nahezu unverändert die Handelswoche beendeten, zeichnete sich in den spekulativen Segmenten ein völlig anderes Bild ab. Dort kam es zu abrupten Wendungen, nervösen Positionierungen und zunehmenden Belastungszeichen bei jenen Trades, die Privatanleger in diesem Jahr besonders stark favorisiert hatten. Laut einem Bericht von Bloomberg sind es die fehlenden Konjunkturdaten sowie Erschütterungen in KI-sensitiven Positionen, die die ohnehin fragile Stimmung zusätzlich belasten.

Besonders betroffen war der erfahrene Day Trader Kris McDonnell, der bereits mehrere große Marktzyklen – darunter Finanzkrise und Dotcom-Blase – überstanden hat. Am Donnerstag verlor er fast 30.000 US-Dollar, nachdem er auf die falsche Seite bei abrupten Kursrückgängen von Tesla und Sterling Infrastructure geraten war. „Ich wurde verbrannt“, erklärte McConnell. Die extremen KI-getriebenen Kursbewegungen hätten selbst vorsichtige konträre Strategien zu Fall gebracht. „Ich habe genug Schmerz erlitten, also bin ich raus.“

Die zentrale Frage lautet nun: Wie viel zusätzliche Volatilität können Privatanleger überhaupt noch verkraften, wenn die Aktienmärkte zwar weiterhin in der Nähe ihrer Rekordstände verharren, gleichzeitig jedoch deutlich heftigere Schwankungen zeigen? Am Donnerstag gab der S&P 500 um mehr als 1 % nach – bereits der dritte Rückgang dieser Größenordnung innerhalb von zwei Wochen. Bemerkenswert ist dabei, dass es in den Wochen zuvor keinen einzigen Kursausschlag dieser Art gegeben hatte, was die angespannte Gemengelage an den Aktienmärkten umso eindrücklicher sichtbar macht.

Aktienmärkte: Privatanleger unter Druck - Bitcoin und KI-Aktien wanken
Privatanleger mit unterdurchschnittlicher Performance

Bitcoin und Tech-Aktien verlieren

Der jüngste Ausverkauf konzentrierte sich besonders auf riskantere Bereiche. Ein von Goldman Sachs zusammengestellter Korb von Aktien, die bei Privatanlegern besonders beliebt sind, fiel allein im November um 10 % – der schlechteste Monat seit 2022. Auch ein Index der sieben großen Tech-Giganten, den Magnificent Seven, befindet ich seit Wochen in einem Abwärtstrend. Ein ETF, der sogenannte Meme-Aktien abbildet, verlor sogar ein Viertel seines Werts.

Parallel dazu erlebte der Kryptomarkt einen massiven Einbruch: Bitcoin fiel erstmals seit sieben Monaten unter 95.000 US-Dollar und weitete seinen Rückgang auf rund 25 % vom Allzeithoch bei rund 126.000 USD aus. Zugleich rückte der lange Zeit gefeierte, hochverschuldete Hebelansatz von Michael Saylors Strategy zunehmend in die Kritik.

Für Amy Wu Silverman von RBC Capital Markets liegt das Problem darin, dass der Glaube an ein ständiges Aufwärtsdriften der Aktienmärkte bröckelt – insbesondere in jenen Aktien, die vielen Privatanlegern zuvor große Gewinne eingebracht hatten. „Dieses Szenario dreht selbst erfahrenen Tradern den Magen um“, warnte sie. Jeder weitere Abverkauf schrumpfe das Vermögen der Retail-Investoren „mit jedem Robinhood-Refresh“.

Krypto und KI unter Druck - Bitcoin setzt Abwärtstrend fort
Bitcoin verliert mehr als 20 Prozent vom jüngsten Allzeithoch

Kurzzeitige Erholung und bröckelnde Resilienz

Zwar vollzogen die Aktienmärkte kurz vor dem Wochenende noch einen Rebound. Der S&P 500 erholte sich vor Börsenschluss und schaffte es damit fast noch in die Gewinnzone. Bei Fidelity griffen Privatanleger entschlossen zu: Besonders Nvidia, Tesla und Palantir standen auf den Einkaufslisten – obwohl die drei Tech-Schwergewichte zusammen fast 300 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung verloren hatten.

Aber an anderer Stelle brechen die Widerstandskräfte: Die Kryptomärkte bleiben seit dem Flash Crash vom 10. Oktober angeschlagen. Bitcoin setzte seinen Abwärtstrend fort, verlor am Freitag bis zu 5 % und vergrößerte den Gesamtverlust des Kryptomarktes auf über 1 Billion Dollar. An der Börse gehörten ETFs, die mit Saylors Strategy-Imperium verbunden sind, zu den größten Verlierern des Monats. Zwölf der 16 Fonds verzeichneten im November zweistellige Verluste, darunter drei gehebelte Fonds, die um mehr als 40 Prozent fielen.

Auch die Beteiligung der Privatanleger am Aktienhandel sinkt spürbar. Laut Barclays Equity Euphoria Index kam es innerhalb eines Monats zu einem „signifikanten Rückgang“. Am Donnerstag flossen nur 652 Millionen US-Dollar in US-Aktien – ein Wert im unteren Viertel der vergangenen zwölf Monate.

Wohlstandseffekt schwindet

Der Ausverkauf bei Tech-Aktien, Kryptowährungen und Bitcoin am Donnerstag führte zu der heftigsten Tagesabwertung der US-Aktienindizes seit einem Monat. Die Erwartungen an schnelle Zinssenkungen nahmen ab; die Wahrscheinlichkeit einer Senkung im Dezember liegt inzwischen bei nur 44 % – vor wenigen Wochen war diese noch fest eingeplant.

Laut Charlie McElligott von Nomura bedeutet dies vor allem eines: „November war ein riesiger negativer Wohlstandseffekt, besonders in den bei Retail-Investoren so beliebten Momentum-Aktien.“ Schrumpfende Portfolios könnten die Stimmung und in der Folge Konsum und Ausgaben belasten – eine Entwicklung, die sowohl Privatanleger als auch die Aktienmärkte und riskante Anlagen wie Bitcoin empfindlich treffen könnte.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Umso mehr die Aktienmärkte unter Druck kommen… umso heftiger werden die Forderungen der Spekulanten werden…die Zinsen zu senken.. ..

    Schon jetzt fordern Blackrock und Co schnellstmöglich Zinssenkungen auf breiter Front…

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