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Problem für den Ölpreis? Das erste OPEC-Mitglied kündigt den Deal für die Fördermengenkürzung

Seit Kurzem fördert Saudi-Arabien mehr Öl, als man es offiziell zugesagt hatte. Im Rahmen der Fördermengenkürzung der OPEC hatte man zugesagt nicht mehr als 10,058 Millionen Barrels pro Tag zu...

FMW-Redaktion

Seit Kurzem fördert Saudi-Arabien mehr Öl, als man es offiziell zugesagt hatte. Im Rahmen der Fördermengenkürzung der OPEC hatte man zugesagt nicht mehr als 10,058 Millionen Barrels pro Tag zu produzieren, liegt aber jüngst bei 10,07 Millionen Barrels. Das war schon ein fatales Signal für den Markt, dass sich selbst der Musterknabe und eigentliche Anführer der OPEC nicht mehr an den Deal hält.

Noch fataler ist heute aber der offizielle Austritt des OPEC-Mitglieds Ecuador aus der Vereinbarung zur Fördermengenkürzung. Ecuador hatte Ende letztes Jahr wie alle anderen OPEC-Mitglieder auch eine maximale Fördermenge zugesagt, die man nicht überschreiten werde. Man wollte seine Fördermenge von 548.000 auf 522.000 Barrels pro Tag reduzieren, also um 26.000 Barrels. Das schaffte man in den letzten Monaten nie, sondern kürzte um 16.000 Barrels pro Tag. Aber immerhin, besser als gar nichts.

Nun die offizielle Ansage vom Öl-Minister Ecuadors Carlos Perez. Man könne sich nicht länger an seine Kürzungszusagen im Zusammenhang mit dem OPEC-Deal halten. Die ökonomische Situation im Land ließe das nicht zu, und der Staat habe immense finanzielle Probleme. Nun muss man auf die Pumpe drücken. Auch wenn der Preis fällt: Wenn man seine Förderung extrem ausweitet, hätte man unterm Strich wohl deutlich mehr Geld in der Kasse.

Niemand weiß genau, wie hoch der Schuldenstand im kleinen südamerikanischen Land ist. Es scheine eine Art Chaos in der Verwaltung zu herrschen. Laut Perez produzieren der staatliche Förderer sowie private Ölgesellschaften insgesamt in Ecuador derzeit pro Tag 545.000 Barrels Öl. Damit liegt man aktuell nur 3.000 Barrels unter dem Stand von Ende 2016.

Klar ist: Nach dieser Ansage wird Ecuador kräftig die Förderung ausweiten! Für die ganze Fördermengenkürzung der OPEC wird es unwesentlich sein, ob Ecuador nun 400.000, 600.000 oder 700.000 Barrels pro Tag fördert. Dafür ist die Menge zu klein. Tausendmal schlimmer ist aber das Signal, das von dieser Verkündung ausgeht. Denn damit hat das erste OPEC-Mitglied den Kürzungsdeal offiziell verlassen! Dazu kommen noch die OPEC-Mitglieder Nigeria und Libyen, die dem Deal zwar zugestimmt haben – ihnen wurde aber im Rahmen dieses Deals zugesagt ihre Fördermenge sogar erhöhen zu können so viel sie wollen.

Denn Ende 2016 war allen klar, dass die beiden jeden Dollar an Öleinnahmen brauchen, und daher mehr fördern müssen. Also billigte man ihnen diese Ausnahmeregel im Rahmen des Deals zu. Nun wird also ein drittes Mitglied mehr fördern. Wann folgt Venezuela, dass völlig am Ende ist? Und was ist mit Ländern wie dem Irak, wo man eh jeden Cent benötigt? Der Kürzungsdeal der OEPC steht kurz davor sich in Luft aufzulösen. Warum vor Kurzem die Saudis ihre eigene Maximal-Zusage überschritten, bleibt ein Rätsel. Diese Überschreitung war ein Signal an alle anderen, auch einfach mehr zu fördern.

Und jetzt dieses verheerende Signal als Ecuador. Das kann wahrscheinlich eine steigende Fördermenge nach sich ziehen, was Druck auf den Ölpreis ausüben sollte. Der WTI-Ölpreis ist von gestern bis heute früh nur gut 0,60 Dollar auf 46 Dollar gefallen. Noch also scheint der Markt an eine begrenzte Auswirkung auf die anderen OPEC-Mitglieder zu glauben.


Hier die Übersichts-Tafel vom 30. November 2016, welches OPEC-Land wie viel reduzieren wollte.



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