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Prognosen zum weiteren Verlauf des Handelskriegs

Wie sich China strategisch gegen die USA positionieren dürfte!

Redaktion

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am

Von „Bullennörgler“

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“. Dieses schöne Zitat wird entweder dem Kabarettisten Karl Valentin, dem Schriftsteller Mark Twain oder dem Naturwissenschaftler Niels Bohr zugeschrieben.

Unabhängig vom Urheber mahnt es aber jeden nicht zu tief in die Glaskugel zu schauen, um sich nicht lächerlich zu machen. Ich werde mich aber im folgendem trotzdem aufs Glatteis begeben und versuchen, eine Prognose zum weiteren Verlauf des Handelskriegs abzugeben!

 

Trump überschreitet die rote Linie Chinas

Trotz großer Fortschritte, hat China immer noch mit einigen sehr gravierenden Problemen zu kämpfen, weshalb es bis zu dem Angriff auf Huawei ein durchgehend passives und deeskalierendes Verhalten an den Tag gelegt hat. Mit dem willkürlichen Angriff auf Huawei durch die US-Notstandsgesetze hat Trump aber eine entscheidende rote Linie Chinas überschritten.

Bemerkenswert daran ist, welch große Angst die USA vor diesem Unternehmen haben muss, wenn sie glaubt es nur noch mit solchen Geschützen bekämpfen zu können. Es ist schon fast unglaublich, dass Huawei erst vor 28 Jahren mit umgerechnet 5000 Euro Startkapital in einer südchinesischen Kleinstadt gegründet wurde und jetzt der mächtigste Telekommunikationskonzern der Welt ist. Schon jetzt hat Huawei mehr als 53 Milliarden Euro Jahresumsatz und 170 000 Mitarbeiter in 170 Ländern.

Wirklich interessant an Huawei ist auch, dass erstmals aus China ein Unternehmen kommt, dass ein ernsthaftes Gegenmodell zu dem Shareholder-Value getriebenen Unternehmensaktienansatz darstellt, da es nicht börsennotiert ist und überwiegend in Mitarbeiterbesitz von mehr als 80 000 Anteilseignern ist. Selbst der Gründer Ren Zhengfei hält nur noch ein Prozent.

Hier aber nun meine Prognosen zum weiteren Verlauf des Handelskriegs:

China wird bei Huawei keine Zugeständnisse machen und Schritt für Schritt Maßnahmen ergreifen, um den Handelskrieg weiter eskalieren zu lassen (z.B. Behinderung von Apple und anderen US-Unternehmen, Exportbeschränkungen von seltenen Erden, Verkauf von US-Staatsanleihen, Unterstützung von Venezuela, Ignorieren des Iran-Embargo durch massiven Import iranischen Öls, von China „genehmigte“ Raketenstarts von Nordkorea in Richtung USA, usw.).

China wird so lange mit solchen und ähnlichen Maßnahmen fortfahren, bis die US-Börsen verstanden haben, dass der Handelskrieg alles andere als einfach zu gewinnen ist und es zu einem panikartigen US-Abverkauf kommt mit ca. 10% und mehr Kursverlusten in wenigen Tagen.

Kurz danach wird Steven Mnuchin ganz schnell nach China reisen, um nach seiner Rückkehr in Washington zu „verkünden“, dass China große Schritte auf die USA zugegangen ist und man ganz kurz vor einer Einigung steht und deshalb die Maßnahmen gegen Huawei aufhebt.

 

 

Der angeblich „größte Deal aller Zeiten“

Nach wenigen Wochen weiterer Verhandlungen wird Trump den „größten Deal aller Zeiten verkünden“, in dem China sich im Wesentlichen zu Folgendem verpflichtet: Import von Agraprodukten, Gas, Erdöl und Boeings, um das Handelsdefizit drastisch zu reduzieren. Ansonsten wird sich strukturell nichts Gravierendes ändern. Die USA zementieren damit eine Position, die eigentlich sonst nur Entwicklungsländer einnehmen, da sie im Wesentlichen nur noch Agraprodukte und Rohstoffe nach China exportieren werden.

Trump wird aber trotzdem mit seiner unvergleichlichen Art über den „größten Deal aller Zeiten“ jubeln, um damit in den US-Wahlkampf zu ziehen und vielleicht auch gegen einen der extrem schwachen demokratischen Präsidentschaftskandidaten gewinnen. Für den weiteren Handelskrieg spielt es aber auch keine Rolle wer gewinnt!

 

Chinas Strategie: unabhängig machen von den USA

China legt währenddessen das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte der Chipindustrie auf und reduziert auch in allen anderen Bereichen das Risiko, in denen noch eine Abhängigkeit von den USA besteht.
Mit oder ohne Trump gehen jetzt die Monate bzw. Jahre einher ohne einen größeren offensichtlichen Handelskonflikt.

 

Bei der kommenden großen Krise wird China nicht mehr mit dem Westen in einem Boot sitzen!

Irgendwann kommt es aber aufgrund der unhaltbar gewordenen weltweiten Schuldensituation zu einer Systemkrise des Weltfinanzsystems, die schlimmer ist als die Krise von 2008 (siehe z.B. meine kleine Artikelserie zu „Manipulationsskandale als Kurstreiber der Aktienmärkte“, https://finanzmarktwelt.de/manipulationsskandale-als-kurstreiber-der-aktienmaerkte-teil-5-was-wird-passieren-und-was-soll-man-tun-125520/ ).

Im Unterschied zu 2008 sitzen dann China und der Westen nicht mehr im selben Boot, um in dieselbe Richtung zu steuern und das Finanzsystem zu stabilisieren. China rettet nicht noch einmal das System, in dem es ein riesiges Infrastrukturprogramm aufsetzt und die Welt mit chinesischer Liquidität flutet.

China wird sogar ganz im Gegenteil so viel Öl wie möglich in das in Flammen stehende Weltfinanzsystem kippen. Z.B. werden von heute auf morgen nur noch die allerwichtigsten Dinge von China importiert, US-Staatsanleihen werden im großen Stil verkauft und starke Allianzen mit Russland sowie mit asiatischen und afrikanischen Ländern gegen den Westen geschmiedet.

 

Die große Wohlstandvernichtung

Die Folge wird die vielleicht größte Wohlstandsvernichtung der Weltgeschichte sein, die zu sehr ernsthaften sozialen Unruhen im Westen führt, in denen der Euro aber auch der Dollar als Weltleitwährung in Frage stehen.
Auch in China gibt es eine riesige Wohlstandsvernichtung, die aber im Gegensatz zum Westen nicht zu sozialen Unruhen führt, da die Chinesen eine ganz andere Leidensfähigkeit haben (siehe dazu meinen Artikel „Über die fast endlose Leidensfähigkeit Chinas im Handelskrieg“).

China wird jetzt mit aller Kraft versuchen, seine Währung als Weltleitwährung zu etablieren und damit die Wachablösung als führende Wirtschaftsmacht der Welt einleiten …

Ich hoffe, es wird nicht so kommen, wie ich es hier skizziert habe – aber es ist eben auch nicht völlig ausgeschlossen. In jedem Fall wäre es wichtig für Deutschland, sich auf den Systemwettkampf mit China vorzubereiten, um Schaden und Leid einer solchen Krise zu minimieren. In meiner persönlichen Planung gehe ich aber nicht davon aus, dass wir in Deutschland so viel Weitsicht aufbringen.

 

Hinweis: der Autor („Bullennörgler“) ist Gast beim heutigen Live-Webinar „Handelskrieg, Weltwirtschaft – und die Finanzmärkte (morgen, 20.00Uhr)“, das Sie unter folgendem Link live mitverfolgen können:

https://www.youtube.com/watch?v=32PTnyLHCyY

 

 

Trump mit Liu He

 

 

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Denker

    28. Mai 2019 13:51 at 13:51

    So wird es geschehen…denn das ist der Plan.

  2. Avatar

    Macwoiferl

    28. Mai 2019 14:26 at 14:26

    Es fehlt noch der Hinweis auf GOLD als nötige Absicherung.
    GOLD wird eines Tages steigen. Ganz gewiss. Wer dann kein GOLD hat schaut in die Röhre.
    GOLD ist die einzige Waffe gegen den MEGA-CRASH.
    Der MEGA-CRASH wird kommen. Und er wird schlimmer als der Crash 2008.
    Ja, @Denker: das ist der Plan!
    Drum kauft alle GOLD jetzt.
    Denn die KRISE kommt.
    Irgendwann bestimmt.

  3. Avatar

    Altbär

    28. Mai 2019 15:58 at 15:58

    @ Macwoiferl , jetzt haben wir wieder einen Pseudobullen ertappt.
    Um 11:40 Uhr Fugmann-kritisches Bullengeheul,
    Um 14: 26 Uhr Crashprophet.
    Ich habe schon oft gedacht, dass sie gewisse Aussagen „ ironisch“ meinen. Sonst würde Ihnen @ Colombo
    sicher eine Therapie in den Dolomiten anbieten. ( Wie schon @ Marko)

  4. Avatar

    tm

    28. Mai 2019 16:04 at 16:04

    „China wird jetzt mit aller Kraft versuchen, seine Währung als Weltleitwährung zu etablieren und damit die Wachablösung als führende Wirtschaftsmacht der Welt einleiten …“

    Warum sieht man davon so wenig? China müsste nur die Kopplung an den USD (bzw. an den Korb) aufgeben und der CNY wäre international stark nachgefragt. Von den Beständen an US-Staatsanleihen hätte sich China auch schon längst problemlos trennen können, einfach indem keine neuen Anleihen mehr nachgekauft werden.

    Hinzu kommt noch, dass China stärker verschuldet ist als die USA, insofern bin ich skeptisch, dass China bzw. die kommunistische Partei solch eine skizzierte Wohlstandsvernichtung so einfach überstehen könnte.

    Bis zum Abschnitt über Chinas Strategie aber volle Zustimmung – genauso stelle ich mir das Handeln der Trump-Regierung vor. Wir alle können daher nur hoffen, dass dieser Spuk so schnell wie möglich ein Ende hat.

    • Avatar

      Bullennörgler

      29. Mai 2019 09:27 at 09:27

      In einem so kurzen Artikel ist es sehr schwierig die Betrachtungen der verschiedenen Zeitebenen darzustellen, weshalb ich glaube, dass du wie auch Wolfgang mich zum Teil falsch verstanden habt. Einen Versuch Chinas seine eigene Währung als Weltleitwährung zu etablieren wird erst in einigen Jahren/Monaten erfolgen, wenn meine spekulative Annahme, dass durch historisch einmalige Schräglagen (siehe z.B. meine Artikelserie „Manipulationsskandale als Kurstreiber der Aktienmärkte“) sich eine Weltwirtschaftskriese schlimmer als 2008 ereignet. Den konkreten Zeitpunkt und Auslöser kann dabei niemand vorhersehen.
      Meine These ist, dass China in einer in der Zukunft liegenden schweren Weltwirtschaftskrise es sehr stark eskalieren lässt, auch wenn es sich damit massiv selbst schädigt, um seinen Vorteil der größeren Leidensfähigkeit ausspielen zu können und als Sieger aus dieser Krise hervorgehen. Ob die skizzierte Wohlstandsvernichtung im Westen wie auch in China dann die kommunistische Partei überstehen wird ist natürlich alles andere als sicher. Meiner Einschätzung nach hat China aber bei so einer Wohlstandsvernichtung die besseren Karten, da die „Wohlstandsfallhöhe“ viel geringer und die Leidensfähigkeit viel höher ist als im Westen. Alles sehr spekulativ und hoffentlich wird es so auch nicht kommen, aber eben nicht ausgeschlossen. In verhältnismäßig normalen Zeiten wie jetzt, wird sich natürlich China nicht selbst den Stecker ziehen, sondern alles tun, um die Probleme am Immobilenmarkt, bei China 2025, der Seidenstraße oder bei den eigenen Zombiefirmen nicht eskalieren zu lassen.

  5. Avatar

    Prognosti

    28. Mai 2019 16:16 at 16:16

    @ tm , Bei einem Wirtschaftsrückgang wird nicht die Staatsverschuldung das Problem sein,
    sondern die Unternehmensverschuldung wird viele US- Firmen als Nacktbader enttarnen wenn der Wasserstand fällt.

  6. Avatar

    Warnsignal

    28. Mai 2019 16:31 at 16:31

    @tm: Und was dann? Ist der Handelskrieg der einzige Spuk? Und dann ist alles wieder gut? Woher kommt der nächste Mega-Impuls, der die überschuldete Weltwirtschaft noch ein halbes Jahr weiterbringt im jetzt schon längsten und künstlichsten aller Konjunkturzyklen? Ein schuldenfinanziertes 2 Bio. USD-Infrastrukturprogramm der USA, das die amerikanische Neuverschuldung vs. GDP dann endgültig in den zweistelligen Bereich katapultiert? Hurra, hurra, hurra!!!

  7. Avatar

    Bondkenner 007

    28. Mai 2019 18:31 at 18:31

    @ Warnsignal, gut gebrüllt Löwe ( Bär ). Nach 10 Jahren Ponzi – System vielleicht Ponzi-Plus
    Oder Ponzi hoch 2. Die nächste Rettungsaktion wird der Kauf von BBB Anleihen durch die FED
    sein.Es darf doch nicht sein, dass eine Wunderfirma wie Tesla über 9% Zinsen bezahlen muss.
    Tesla ist ja nur die Spitze des Eisberges, es gibt noch viele wertlose Einhörner und tausende aktien-
    Rückkauf- gepushte Firmen die im Eisberg unter Wasser versteckt sind.

  8. Avatar

    Prognosti

    29. Mai 2019 10:50 at 10:50

    @ Bullennörgler, ihre Argumente sind sehr gut nachvollziehbar, wie schon oft erwähnt,der sehr viel kleinere Aktienmarkt ,der übrigens schon recht korrigiert hat u.China nicht erschüttern kann.
    Zudem nehme ich an, dass in China sehr viele Firmen in Staatshänden sind u.darum weniger verletzlich.
    Es musste jedem durchschnittlich intelligenten Anleger klar sein, dass schuldengetriebenes Hochtreiben der Aktien, Anleihen u.Immobilien bei gleichzeitiger Umverteilung von unten nach oben nicht ewig dauern kann.
    Dann noch der Superturbo mit Rekordverschuldung der Unternehmen u.Aktienrückkäufe auf Rekordniveau.
    Die Chinesen müssen nur warten , der westliche Kapitalismus angeführt von den US- Finanz Generälen wird sich selber zerstören.
    Die Amis müssten wissen,dass heute nicht mehr in Kriegen die Weltherrschaft errungen wird, haben doch sie die UDSSR im Rüstungswettkampf soweit getrieben bis sie finanziell erledigt waren.

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York: Biden vs Trump – Wall Street in Wartestellung

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Amerikaner warten heute gespannt auf die heute Nacht um 3 Uhr deutscher Zeit stattfindende erste Debatte zwischen Donald Trump und Joe Biden.

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Dax: Die Stimmung geht weiter in den Keller – „Stockpicker Markt“

Stephan Heibel

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„…doch ich kann der aktuellen Stimmungslage nicht entnehmen, ob wir vor der Wiederaufnahme der Rallye noch einen Rücksetzer verkraften müssen, oder nicht“, schrieb ich am 22. September – letzten Montag ging’s dann gen Süden bis auf 12.500 Punkte im DAX, letzten Freitag wurde diese wichtige Unterstützung nochmals nach unten durchbrochen. Aus charttechnischer Sicht kommen nun die 11.700 Punkte ins Visier.

Die zweite Coronawelle, Bilanzskandale, Geldwäsche der Deutschen Bank, unfairer Management Buy-Out bei Rocket Internet, Wahlkampf in den USA und mahnende Worte des US-Notenbankchefs waren dann doch zu viel für die seit Monaten verwöhnten Anleger. Letzte Woche setzten dann Verkäufe ein und es entwickelte sich eine Abwärtsspirale, die noch immer im Gang ist.

Unser Stimmungsindikator ist von -0,1 auf -3,8 eingebrochen, Niedergeschlagenheit macht sich auf dem Parkett breit. Es gibt nun wohl doch zu viele Anleger, die ihre Buchgewinne nicht rechtzeitig realisiert haben und nun zuschauen müssen, wie der unverhofft erzielte Reichtum dahin schmilzt.

Das nagt am Selbstwertgefühl, Verunsicherung macht sich zusätzlich breit (von -1,5 in der Vorwoche auf nun -5,3). Damit haben wir zwar noch nicht die Extremwerte vom März erreicht, aber seit März war die Verunsicherung nicht mehr so groß.

Mit fallenden Kursen kommt Trotz auf: Die Erwartung an den DAX für die kommenden Monate steigt an. Während 30% der Umfrageteilnehmer für den DAX in drei Monaten höhere Kurse erwarten, gehen nur 18% von tieferen Kursen aus. Das Bullenlager hat sich gefüllt.

Und entsprechend ist auch die Investitionsbereitschaft auf +2 gestiegen, das Kaufinteresse wächst bei rückläufigen Kursen.

Auch das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist in die Höhe geschnellt. Der Wert von 3 zeigt an, dass sich deutlich mehr Anleger für steigende Kurse positioniert haben, als Absicherungsgeschäfte gegen fallende Kurse getätigt wurden.

Ganz anders haben die Profis agiert, die sich über die Eurex absichern: Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2 gesprungen und zeigt somit an, dass institutionelle Anleger viele Put-Absicherungen gekauft haben.

In den USA zeigte das Put/Call-Verhältnis der CBOE bis vor kurzem noch einen extremen Überhang von optimistisch eingestellten Call-Käufern an. Dieser Wert geht nun zurück, die Call-Käufe lassen langsam nach.

US-Fondsmanager hatten in den Ausverkauf der US-Märkte Anfang September hinein ihre Investitionsquote drastisch verkleinert und bleiben auch diese Woche bei mageren 55%.

Unter den US-Privatanlegern dominieren nun ganz klar wieder die Bären mit einem Bulle/Bär-Verhältnis von -21%.

Technisch ist der S&P 500 neutral einzustufen, wenn wir dem Angst und Gier Indikator glauben.

Dax Stimmung: die Interpretation

Wichtige Unterstützungen im DAX bei zunächst 13.000 Punkten und dann noch 12.500 Punkten wurden unterschritten, dennoch springt der Optimismus unter vielen Anlegern, insbesondere in Deutschland, reflexartig an. Das ist zwar grundsätzlich und langfristig betrachtet richtig, doch kann es lange dauern, bis sich der Mut auszahlt, wenn man schon zu früh einsteigt.

Die Investitionsbereitschaft, um den Ausverkauf zu stoppen, ist vorhanden. Doch zu viel Optimismus ist nicht gut für ein Ende einer Korrektur. Korrekturen enden in der Regel in Panik, doch davon sind wir weit entfernt.

Unsere Disziplin gebietet uns, in stark fallende Kurse hinein den einen oder anderen Kauf zu tätigen, denn den Boden treffen wir ohnehin nie. Doch ich würde die Cashreserven nicht zu schnell einsetzen, da die Stimmungsindikatoren noch keine Extremwerte erreicht haben.

Zur Erinnerung: Die Sentiment-Analyse hat ihre Probleme, Hochpunkte am Ende einer Rallye zu definieren. Die Stärke der Sentiment-Analyse liegt jedoch in der Bestimmung des Tiefs: Panik lässt sich gut erkennen, doch die Panik haben wir noch nicht.

Wie der Blick auf die 160 DAX-Unternehmen zeigt, erfolgte der Ausverkauf auch nicht thematisch oder branchenorientiert, sondern trifft aus allen Branchen einzelne Vertreter. So wie schon seit Wochen am Aktienmarkt die Rotation vorherrscht, bei der schwache Aktien verkauft und starke eingesammelt werden, so traf der Ausverkauf nun sowohl die schwachen als auch die überbewerteten Corona-Gewinner besonders hart, während günstige Aktien, deren Unternehmen relativ gut durch die Corona-Krise segeln, glimpflich davon kommen.

Wir befinden uns in einem Stockpicker Markt, einem Markt, in dem man Einzelwerte auswählen muss. Was sich über Wochen abzeichnete, erfährt in diesen Tagen eine Beschleunigung und dürfte, wenn wir uns an die Sentiment-Theorie halten, erst noch schlimmer werden, bevor es endet.

Die regelmäßige Teilnahme an der animusX Investoren Umfrage ist unter https://www.animusx.de/ möglich. Bei aktiver Beteiligung an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.

 

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Die Stimmung geneüber dem Dax geht in den Keller - aber die Investitionsbereitschaft wächst

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Aktienmärkte: Ist es wirklich möglich, den Markt richtig zu timen?

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Ist es wirklich möglich, die Aktienmärkte richtig gut zu timen? Das Thema ist so alt wie die Börse: Wie gelingt es mir den Markt zu schlagen, durch geschickte Aktienauswahl, durch überragende Analysefähigkeiten- und Hilfsmittel, durch beste Marktinformationen oder durch ein gutes Bauchgefühl? Dass dies für die allermeisten Anleger und Fondsmanager auf Dauer nicht möglich ist, zeigen viele Statistiken, die nicht so gerne herumgereicht werden. Selbst Nobelpreisträger in Wirtschaftswissenschaften oder Wirtschaftsprofessoren sind teilweise grottenschlechte Kurzeitinvestoren, der Markt mit seinem Rückkoppelungssystem macht es unendlich schwer, ihn zu schlagen. Wie wir auch gerade wieder in der aktuellen Entwicklung sehen können.

Aktienmärkte: Die gerne verschwiegene Langzeitbilanz

Wenn man genau hinsieht, findet man die Statistiken, die aufzeigen, wie schwierig es is,t zum Beispiel den Leitindex der Welt, den S&P 500, über einen längeren Zeitraum, zum Beispiel über 15 Jahre, zu schlagen. Das gelingt nur wenigen – und selbst der größte Investor alive, Warren Buffett, hat in den letzten Jahren so seine Schwierigkeiten am Markt dranzubleiben.

So gilt vermutlich nach wie vor der Spruch des legendären Fondsmanagers von Fidelity, der das Timingproblem der Aktienmärkte auf den Punkt brachte:

„Anleger haben mit der Vorbereitung auf oder dem Antizipieren von Marktkorrekturen viel mehr Geld verloren als in den Marktkorrekturen selbst.”

Betrachten wir hier nur einen Chart von advisorperspective, der die Korrekturen der Aktienmärkte in ihrer Tiefe und ihrem zeitlichen Verlauf während des letzten Zyklus seit der Finanzkrise aufzeigt:

Aktienmärkte, Timing und Korrekturen

Es gab in der Zeit seit der Finanzkrise 19 Phasen im S&P 500, in denen der Markt über fünf Prozent korrigiert hat und nur einen Bärenmarkt (Corona 2020), zweimal blieb man nur wenige Zehntel über der Eintrittsschwelle. Jedes Mal sprang die Federal Reserve ein, um ein weiteres Durchsacken der Aktienmärkte nach unten zu verhindern. Deshalb habe ich vor ein paar Tagen geschrieben, dass es unsinnig wäre zu glauben, dass die Notenbank gerade in der jetzigen brenzligen Situation am US-Arbeitsmarkt in Attentismus verfallen würde und einen Einbruch der Aktienmärkte mit all seinen Konsequenzen für den US-Konsum ohne Intervention zuließe. Irgendwann kommt natürlich der Moment, wo dies nichts mehr hilft.

Aber ein Weiteres ist aus diesem Chart zu lesen. Es gab gar nicht so viele richtige Einbrüche der Aktienmärkte – der Notenbank und der Alternativlosigkeit geschuldet – und vor allem wurden diese Korrekturen zumeist in sehr kurzer Zeit wieder ausgebügelt. Was ein Timing am Markt wieder einmal sehr schwierig gemacht hat.

Zu dieser Thematik des Timings gibt es auch eine interessante Untersuchung eines Fondsmanagers von HQ Trust, Sven Lehmann. Dieser hat berechnet, dass es in den letzten 14.524 Handelstagen beim Dax (entsprechend 55 Jahre) um sechs Prozent per annum nach oben ging. Diese Performance wurde an nur 55 Handelstagen erzielt –  wer da nicht investiert war, hätte eine Null-Performance erreicht. Natürlich könnte man sagen, wenn man die 55 schlechtesten Tage ausgelassen hätte, dann…..! Aber dies wäre das umgekehrte Glücksspiel.

Was uns nicht davon abhält, es immer wieder zu versuchen.

Die aktuelle Korrektur

Dass eine Korrektur der Aktienmärkte im Herbst ansteht, konnte so ziemlich jeder erkennen, der die Exponentialfunktion gewisser Charts betrachtet hat – Apple, Tesla, Nasdaq und Co. Die Frage war „nur“, wann diese genau einsetzen wird, wie tief sie ausfallen wird und natürlich wann man wieder einsteigen sollte. Ähnliches hatten wir schon im Rekordeinbruch vom Februar/März erlebt, als die großen Indizes binnen eines guten Monats eine Korrektur in Rekordgeschwindigkeit vollzogen hatten. Einige Geldverwalter hatten blitzschnell die brisante Lage erkannt und waren sukzessive aus dem Markt ausgestiegen, viele Anleger aus Sachzwängen. Aber wann wieder einsteigen, angesichts einer Nachrichtenlage, die unser limbisches System aktiviert, welches unentwegt mit emotionalen Attacken Alarm schlägt?

Wie lautete ein Spruch, den ich vor Kurzem in diesem Zusammenhang gelesen habe? „Wer behauptet zu Höchstkursen ausgestiegen zu sein und dann zu Tiefstkursen wieder zurück in den Markt, ist entweder ein Lügner oder der Teufel“. Natürlich gibt es auch Zufallstreffer, aber das ist wiederum eine andere Geschichte.

Fazit

Es geht weiter im Kampf um die Deutungshoheit an den Märkten – der Einzelne gegen Millionen von Marktteilnehmern, die nicht auf die Gegenwart blicken, sondern zu antizipieren versuchen, was Wirtschaft und Aktienmärkte in sechs bis neun Monaten machen werden (Daytrader ausgenommen). Die unbekannte Zukunft: Was macht das Rennen um die Präsidentschaft, was der Covid-19-Impfstoff oder sogar eine beginnende Herdenimmunisierung, wie sie aus manchen Metropolen in Ansätzen gemeldet wird? Was die Gelddruckorgien? Kommt es zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen und einer leichten Rückkehr der Inflation?

Führt 2021 ausgerechnet eine Wirtschaftserholung zu einem Einbruch der Aktienmärkte, weil dann das Geld in der Wirtschaft gebraucht wird? Alles Fragen, für die keiner derzeit eine Antwort parat hat. Aber deshalb funktioniert Börse (und nicht das Market Timing), denn ansonsten wäre das System Börse von einem Moment auf den anderen tot..

 

Wie gut funktioniert Timing für die Aktienmärkte wirklich?

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