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Provisionsverbot in Niederlanden und UK erfolgreich – ein Horror f├╝r die deutsche Finanzindustrie

Viele Verbraucher ahnen es, aber der aktuelle Zustand f├╝hlt sich dennoch gut und bequem an. Ein Kunde geht zu einer Bank und bekommt dort irgendein Finanzprodukt verkauft (Beratung). Seien es Fonds, Riester-Rente, Versicherungen etc. Die Geb├╝hren sind in der…

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am

FMW-Redaktion

Viele Verbraucher ahnen es, aber der aktuelle Zustand f├╝hlt sich dennoch gut und bequem an. Ein Kunde geht zu einer Bank und bekommt dort irgendein Finanzprodukt verkauft (Beratung). Seien es Fonds, Riester-Rente, Versicherungen etc. Die Geb├╝hren sind in der Regel in die Produkte inkludiert, also nicht oder nur sehr schwer f├╝r den Kunden erkennbar. Die Kunden ahnen es irgendwie, dass sie viel Geld zahlen, k├Ânnen es aber wunderbar verdr├Ąngen. Was ich nicht sehe, schmerzt auch nicht!

Gro├čbritannien hat die in Produkte inkludierte Provisionen schon abgeschafft, die Niederlande ebenfalls. Eine jetzt ver├Âffentlichte Information vom deutschen „Verbraucherzentrale-Bundesverband“ (vzbv) legt nahe, dass das Verbot von Provisionen neben UK auch in den Niederlanden ein Erfolgsmodell ist. Kunden zahlen f├╝r die Beratung ein gesondertes Honorar f├╝r die Beratung. Daf├╝r wissen sie, dass in den Produkten keine versteckten Kosten mehr eingebaut sind, die in der Regel viel h├Âher gewesen w├Ąren als das offen gelegte und separat gezahlte Honorar.

Aber gerade f├╝r den deutschen Michel ist es bequem m├Âglichst nicht offen auf all die Geb├╝hren hingewiesen zu werden, die man derzeit zahlt. Deswegen gibt es auch keine „Anleger-Revolte“, um die Idee der Briten und Holl├Ąnder zu kopieren. Eine Abschaffung von Provisionen w├Ąren der Horror f├╝r die deutsche Finanzindustrie. Denn man verdient mehr als gut mit „nicht so wirklich offen sichtbaren Geb├╝hren“. Wir machen uns da aber keine Illusionen: Die Finanz-Lobby in Deutschland ist verdammt stark (ganz ohne Verschw├Ârungstheorie).

Bei SPD und vor allem CDU/CSU (oben drauf noch FDP) gibt es genug Parlamentarier, die im Sinne von Banken, Versicherungen und Riester-Vertrieben so ein Provisionsverbot verhindern w├╝rden.┬áHier laut vzbv die die Resultate in den Niederlanden durch das dortige Provisionsverbot nach vier Jahren Inkrafttreten der Ver├Ąnderungen:

Anfang dieses Jahres wurden zwei Studien im Auftrag des niederl├Ąndischen Finanzministeriums zum Thema ver├Âffentlicht. Kernergebnis: Niederl├Ąndische Verbraucher profitieren von h├Âherer Beratungsqualit├Ąt und besseren Produkten. Die Ergebnisse spiegeln die in Gro├čbritannien gemachten Erfahrungen und untermauern
die Forderung des vzbv, den Provisionsvertrieb von Finanzanlagen auch in Deutschland zu verbieten.

ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNGEN

Die Beratungsqualit├Ąt ist in Folge der Reform gestiegen. In den Berichten hei├čt es
sinngem├Ą├č:

– Wer sich heute in den Niederlanden beraten l├Ąsst, erh├Ąlt kompetentere und neutrale Expertise gegen├╝ber der Zeit vor der Reform.
– Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, sind vom Markt verschwunden. Die vorher f├╝r den Vertrieb verwendeten Provisionen k├Ânnen nun Verbrauchern zugutekommen.
– Die Finanzindustrie in den Niederlanden best├Ątigt, dass im Zuge der Reform die Beratungsqualit├Ąt gestiegen ist.
– Die Mehrheit der Finanzberater spricht sich gegen eine R├╝ckkehr zum Provisionssystem aus.
– Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass neue Zahlungsmodelle n├Âtig sind, um Verbrauchern die Finanzierung der vorab zu zahlenden Beratungskosten zu erleichtern.
– 90 Prozent der Verbraucher ist nicht klar, dass sich die Beratungsleistung durch das Provisionsverbot ver├Ąndert hat. Vertrauen, dass durch den Provisionsvertrieb verspielt wurde, ist daher nur langsam wieder aufzubauen.
– Nur zwei Prozent aller Verbraucher sehen in der direkten Bezahlung von Finanzberatung eine H├╝rde, diese in Anspruch zu nehmen.

FAZIT

Um Fehlanreize in der Finanzberatung zu verringern, wurde in den Niederlanden der Provisionsvertrieb von Finanzanlage- und anderen Finanzprodukten seit 2013 verboten. Nach den ersten Ergebnissen zur Wirkung des Provisionsverbots l├Ąsst sich eine positive Bilanz ziehen:

– Niederl├Ąndische Verbraucher profitieren von h├Âherer Beratungsqualit├Ąt und von besseren Produkten, da Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, vom Markt verschwunden sind.
– Die H├Âhe der Honorare von Finanzberatern ist f├╝r Verbraucher kaum eineH├╝rde, diese in Anspruch zu nehmen.
– Gleichzeitig geht aus den Berichten hervor, dass es sinnvoll ist flexible Bezahlformen, wie Ratenzahlungen, einzuf├╝hren.
– Dass die Finanzberatung durch das Provisionsverbot vertrauensw├╝rdiger wird, sollte besser kommuniziert werden.

Und dazu noch die Meinung des vzbv, was in Deutschland getan werden sollte:

Guten Beispielen folgen

Laut niederl├Ąndischen Beh├Ârden profitieren Verbraucher seit dem Provisionsverbot von h├Âherer Beratungsqualit├Ąt und besseren Produkten. Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, seien vom Markt verschwunden. Finanzberatern w├╝rde seither auch wieder ein gr├Â├čeres Vertrauen entgegengebracht werden.

ÔÇ×Die Niederlande und Gro├čbritannien haben das Problem schon vor Jahren erkannt und deshalb Provisionen bei der Anlageberatung verboten. Die Politik in Deutschland muss diesen guten Beispielen endlich folgen und Provisionen ebenfalls verbietenÔÇť, so Mohn.

Kostenlos kann teuer werden

In Deutschland finanzieren sich die meisten Berater ├╝ber Provisionen. F├╝r Kunden sind diese Beratungen nur vordergr├╝ndig kostenlos. Tats├Ąchlich zahlen sie die Beratung dabei indirekt ├╝ber h├Âhere Produktkosten. Bei unabh├Ąngiger Beratung zahlen Kunden hingegen ein Honorar an ihre Berater. Daf├╝r fallen ├╝blicherweise die Produktkosten im Falle eines Abschlusses geringer aus. ÔÇ×Wenn Provisionen wegfallen, sind die Fehlanreize deutlich geringer. Das stellt die Unabh├Ąngigkeit der Berater sicher und steigert automatisch die Beratungsqualit├ĄtÔÇť, so Mohn.


Beispielfoto einer „Bankberatung“. Foto: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

7 Kommentare

7 Comments

  1. TomB

    5. Februar 2018 14:43 at 14:43

    Das w├Ąre doch mal eine Reglung f├╝r die EU die regeln ja sonst auch alles.

  2. Fibo813

    5. Februar 2018 16:37 at 16:37

    Das klingt vern├╝nftig und „seri├Âser“. Und genauso m├╝sste die Immo Makler-Geb├╝hr dem Ver-k├Ąufer aufgedr├╝ckt werden. Dann w├Ąren vielen geholfen und der Abzock-Irrsinn h├Ątte ein Ende.

    • Marian Montag

      6. Februar 2018 14:03 at 14:03

      Nicht immer gleich herumtrampeln und aufschreien, sondern erst einmal nachdenken. Zur Abzocke geh├Âren immer mindestens zwei Parteien. Eine welche abzockt und eine welche sich abzocken l├Ąsst. Etwas mehr Bildung und Informationen in unseren System w├Ąren da wohl hilfreicher.

    • Michael

      6. Februar 2018 14:57 at 14:57

      Das fairste w├Ąre das Bestellerprinzip, wer den Makler beauftragt, bezahlt ihn auch. So ist das in allen anderen Gesch├Ąftsbereichen auch, die Diskussion verstehe ich nicht wirklich.

  3. Feedback

    5. Februar 2018 20:35 at 20:35

    H├Ârt sich immer super an, aber auf dem deutschen Markt durchf├╝hrbar?

    Kritik am Artikel:
    Den Leuten sind die Kosten nicht bekannt?
    Mit MiFID II wurde die Kostentransparenz erh├Âht. Stichwort ex-ante-Simulation. Dem Kunden m├╝ssen in ÔéČ und % die Kosten aufgezeigt werden. Sogar akkumuliert f├╝r z.B. 5 Jahre Haltedauer.

    1. Wird es bei Honorarberatung g├╝nstiger f├╝r die Kunden?
    Jein. F├╝r Wohlhabende ja, f├╝r „Kleinanleger“ m.M. nicht.
    Zus├Ątzlich nimmt der Wettbewerb ab. Warum?

    Aktuelle Situation: Als Kleinanleger gehe ich wenn ich das will zur Bank B, Sparkasse S oder zu den Genossen G. Jede Beratung ist kostenlos und erst beim Kauf des Produkts zahle ich den Ausgabeaufschlag, Provision etc. Zuwendung wie es so sch├Ân hei├čt (fr├╝herer ┬ž31d-WpHG sieht bereits ein Zuwendungsverbot vor mit den Ausnahmen: Offenlegung der Kosten und Verwendung der Zuwendung f├╝r die Beratungsverbesserung, m.W. jetzt ┬ž70-Wphg neu)

    Gehen wir von 2500ÔéČ aus, mit Zuwendung 5% = 125ÔéČ f├╝r die Bank. Hat der Kunde nur eine Beratung mit 1 Stunde ist dies ein ordentlicher Stundenlohn. Hat der Kunde 3 Banken befragt schaut es anders aus.
    Reicherer Kunde mit 25000ÔéČ und 5% = 1250ÔéČ (super Stundenlohn)

    gleiche Situation mit Honorarberatung:
    lt. Internet so zwischen 90 und 250ÔéČ also gehen wir mal von 100ÔéČ aus.
    Somit Kosten f├╝r den Kleinanleger von 300ÔéČ
    Der „reichere“ Kunde zahlt ebenfalls 300ÔéČ
    Sogar wenn ich die doppelte Zeit beim „Reicheren“ ansetze fallen „nur“ 600ÔéČ an.

    Wer kommt jetzt wohl besser weg?
    Mich wundert es nicht, warum man diesen Weg vorantreiben will. Die reicheren sollen einfach reicher werden und die Kleinanleger, die evtl. grad mal freie Mittel von 50ÔéČ f├╝r einen Sparplan haben, sollen sich doch gef├Ąlligst von Wertpapieren fern halten und mit 0,05% aufs Sparbuch (wenns die ├╝berhaupt noch gibt) zufrieden geben. Inflationsausgleich brauchen ja auch nur die die sich Konsumg├╝ter auch leisten k├Ânnen oder?

    Erg├Ąnzung:
    ruhig mal auf Seiten der Honorarberater gehen und schauen bei wievielen man denn ├╝berhaupt den Stundensatz sieht.

    Bei einem Fonds egal welcher Gesellschaft sind die Ausgabeaufschl├Ąge jederzeit abrufbar.

    Ich h├Ątte pers├Ânlich jetzt kein Problem mit der Honorarberatung ­čśë

    Nur ist es f├╝r den Gro├čteil der Deutschen der richtige Weg?

    Vieleicht habe ich etwas ├╝bersehen aber aktuell seh ich keinen Vorteil f├╝r viele Anleger.

  4. Pfennigfuchser

    6. Februar 2018 14:57 at 14:57

    H├Ârt mir nur mit diesen Wunschtr├Ąumen der Verbrauchersch├╝tzer auf.
    Wenn ich fr├╝her einen VL-Fondssparplan gemacht habe, dann habe ich mein Angebot mit dem Berater besprochen, musste ich 2-3 Unterschriften leisten und alles war erledigt.
    Letztens bin ich erst nach 2 Stunden wieder herausgekommen, weil eine endlose Flut von Papieren erstellt, besprochen und unterschrieben werden mussten – die alle gesetzlich gefordert sind und vor unverst├Ąndlichem Beamtendeutsch nur so strotzen.
    Der Bankberater konnte dann auch nicht mehr alle Formulare erl├Ąutern sondern hat nur noch gezeigt, wo unterschrieben werden muss. Wenn ich dann noch f├╝r diese 2 Stunden ein Honorar ├╝ber 200 ÔéČ (vermutlich noch zuz├╝glich Mehrwertsteuer) zahlen soll, dann lass‘ ich es lieber gleich sein.
    Die Honorarberatung ist doch nur f├╝r reiche Kunden und vermutlich den Mehrwertsteuertopf sinnvoll und geeignet. Da frage ich mich, was die Verbrauchersch├╝tzer damit bezwecken.

  5. Gixxer

    7. Februar 2018 20:17 at 20:17

    Zuerst mal vorneweg:
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Provisionsverbot in Deutschland kommt. Dazu sind die etablierten Parteien zu sehr „geschmiert“ von der Finanzlobby. Etliche, wenn nicht sogar alle dieser Betriebe, sei es die Deutsche Verm├Âgensberatung, MLP, AWD oder was auch immer, spenden den Parteien Unsummen (ganz gro├č vorne dabei vor allem die CDU und FDP). Von den Bereichen, die von diesen Betrieben gesponsert werden ganz zu schweigen. Ich kann mich zB noch an die Kappe von Schumi damals erinnern mit der DVAG-Aufschrift drauf.

    Des Weiteren m├Âchte ich hinzuf├╝gen, dass ich es auch so sehe, dass in aller erster Linie mehr f├╝r die Bildung der Leute auf diesem Gebiet getan werden sollte, dann br├Ąuchte man in den wenigsten F├Ąllen ├╝berhaupt einen Berater. Aktien oder Fonds kann man dann alleine ordern, auch ohne einen Honorarberater, der einem sagt, wo und wie man das machen kann. Es geht mir hier nicht darum welche Aktien oder Fonds man kaufen soll, nur das Wissen um die Bedingungen, wie so was ├╝berhaupt geht. Das man zB ein Depot brauch, etc.
    Aber auch dies wird nicht passieren, denn wenn die Leute Bescheid w├╝ssten, w├╝rden gewisse Anbieter ja nichts mehr verdienen und k├Ânnten dann auch nicht so viel spenden (s.o.).

    @Feedback: Zu ihren Ausf├╝hrungen m├Âchte ich eigentlich nur so viel sagen, dass die Problematik der Provisionsberatung doch in einer evtl. Falschberatung aufgrund der Provision liegt. Ich denke, hier geht es nicht darum, wie spare ich den Ausgabeaufschlag oder wie spare ich ein paar Geb├╝hren. Das schlimme ist doch eher, wenn man zB monatlich etwas ansparen will und bekommt dann anstatt zB einer Fondsanlage eine Rentenversicherung verkauft, weil hiermit mehr Provision zu verdienen ist oder aber wenn einer 80-j├Ąhrigen Frau ein geschlossener Schiffsfond mit mehreren Jahren Laufzeit aufgeschwatzt wird.
    Um diese Dinge geht es meines Erachtens in erster Linie und diese Falschberatung w├╝rde bei einer Honorarberatung deutlich gemindert.

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Allgemein

„├ähnlich wie 1937“

Ver├Âffentlicht

am

Sind wir kurz vor einer Weltwirtschaftskrise? Einer der wichtigsten Hedgefondsmanager ist Ray Dalio. Sein Fonds Bridgewater verwaltet 150 Milliarden Dollar, und man h├Ârt ihm zu. So sagt er aktuell, dass man derzeit in einer Phase sei, die dem Jahr 1937 sehr ├Ąhnlich sei. Die Zinsen seien niedrig, die Bewertungen hoch – und die Notenbanken w├╝rden aktuell ihre Geldpolitik zu ├Ąndern (Zinsen rauf und Gelddrucken zur├╝ckfahren).

Daher sehe er Parallelen zu den Zeiten der Gro├čen Rezession gegen Ende der 30er-Jahre, so sagte er es zu „Business Insider“. In zwei Jahren beginne die Zeit, ├╝ber die er sich jetzt Sorgen mache. Die Fed werde dann erneut die Geldmenge erh├Âhen und mehr Geld drucken um das Defizit der USA zu finanzieren. Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen werde sehr gering sein. Der US-Dollar werde ziemlich schwach sein und gut 30% abwerten.

Also gibt Dalio den USA noch gut zwei Jahr Zeit. Die neue Krise werde noch schwerwiegender sein als die Finanzkrise im Jahr 2008. Es werde eher eine Dollar-Krise als eine Schulden-Krise sein, so Dalio. Und es werde eine Politik- und Sozial-Krise geben, die zu gr├Â├čeren innenpolitischen Verwerfungen in den USA f├╝hren werde als im Jahr 2008.

Dazu unser kleiner Kommentar: Naja… eher eine Dollar-Krise als Schulden-Krise? Die Amerikaner sind jetzt h├Âher verschuldet als im Jahr 2008. Von daher werden auch die Schulden ein massives Problem werden! Aber so viel zu unserer Meinung. Die Finanzkrise des Jahres 2008 habe laut Dalio bereits die Weltwirtschaftskrise zwischen den Jahren 1929-1932 widergespiegelt. Und jetzt befinden wir uns also im Jahr 1937, und warten auf 1939?

Ray Dalio
Ray Dalio. Foto: Grameen America – https://vimeo.com/247028348 (CC BY 3.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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Allgemein

T├╝rkei: Kein Bankenrettungsfonds, daf├╝r schw├Ąchere Wachstumsaussichten und sparsames Haushalten

Ver├Âffentlicht

am

Ist Berat Albayrak, Pr├Ąsident Erdogans Schwiegersohn und j├╝ngst von ihm neu eingesetzter Finanzminister, f├╝r die T├╝rkei ein kleiner Lichtblick in Sachen Vernunft und Seriosit├Ąt? Das k├Ânnte man doch glatt annehmen, wenn man seine heutigen Aussagen h├Ârt. Da war n├Ąmlich nichts zu h├Âren vom Vertrauen auf Allah, von gro├čen Pl├Ąnen oder von Verschw├Ârungen des Auslands gegen die T├╝rkei.

Aber zun├Ąchst einmal die schlechte Nachricht. Anders als in den letzten Tagen vermutet hat Albayrak heute keine staatlich inszenierte Bankenrettung verk├╝ndet. Konkrete Ger├╝chte lauteten so, dass der t├╝rkische Staat vorhabe ├╝ber ein Sondervehikel (Bad Bank?) den einheimischen Banken faule Kredite abzunehmen, um so den Finanzsektor des Landes zu stabilisieren. Dazu hie├č es heute nur, dass die t├╝rkischen Banken nun einem Stresstest unterzogen werden sollen (ÔÇťHealth Assessment StudiesÔÇŁ), um die Qualit├Ąt ihrer Verm├Âgenswerte (der ausgegebenen Kredite) zu „identifizieren“. Nach diesem Test k├Ânne man als Staat weitere Schritte einleiten, falls notwendig, so die Worte von Albayrak. Also kann die Bad Bank durch den t├╝rkischen Staat immer noch kommen – aber kurzfristig wohl erst mal nicht.

Offenbar will Albayrak eine Strategie der Transparenz fahren und keine hochtrabenden unrealistischen Ziele hinaus posaunen. Nach einem Wirtschaftswachstum von 7,4% in der T├╝rkei im letzten Jahr soll es laut seiner heutigen Aussage f├╝r 2018 nur ein Plus von 3,8% werden – das ist sehr wenig f├╝r die T├╝rkei. 2019 soll es bei 2,3% liegen. Dann w├Ąre man auf dem geringsten Wachstumswert seit 2010 angekommen. Viel n├╝tzen tut das Wachstum den meisten Menschen nicht, weil die Inflation von knapp 20% alles weg frisst, was an Einkommenszuw├Ąchsen dank BIP-Anstieg entsteht. Mit seiner aktuellen 3,8%-Prognose geht es drastisch nach unten nach vorigen Prognosen von 5,5% f├╝r 2018. Dass es ganz aktuell in der T├╝rkei drastische Verwerfungen gibt, zeigen auch die Autoverk├Ąufe. Die Neuzulassungen im August sind um 53% geringer ausgefallen als im August 2017.

Auch hat Albayrak heute die staatliche Ausgabensituation angesprochen. Man plane keine weiteren Ausgabensch├╝be, sondern wolle die staatlichen Ausgaben beschr├Ąnken. Damit will man wohl auch die ├Âkonomischen W├╝nsche ausl├Ąndischer Beobachter befriedigen, wo man ausufernde Staatsschulden nat├╝rlich nicht gerne sieht. So will Albayrak noch nicht begonnene Leuchtturmprojekte nicht mehr realisieren. Sie galten in den letzten Jahren als gro├če Wachstumstreiber der t├╝rkischen Binnenwirtschaft, wie der gigantische neue Gro├čflughafen in Istanbul.

Das Inflationsziel der T├╝rkei f├╝r das Gesamtjahr 2018 sei nun bei 20,8% (aktuell knapp unter 20%), und f├╝r 2019 sehe man sie bei 15,9%. Das klingt doch alles schon mal realistischer und seri├Âser als beim gro├čen Vater Erdogan. Die T├╝rkische Lira (im Chart Euro vs Lira seit 10. September) zeigt sich seit Tagen uneinheitlich. Der kleine positive Impuls f├╝r die Lira durch die Zinsanhebung vom 13. September war bereits verpufft. Jetzt ist wichtig, dass Erdogan mal eine lange Zeit gar nichts sagt, damit Ruhe einkehren kann.

Euro vs Lira

Berat Albayrak - T├╝rkei Finanzminister
Berat Albayrak. Foto: President.az / Wikipedia (CC BY 4.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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Sojabohnen-Importe der EU aus den USA explodieren – genialer PR-Gag von Juncker?

Ver├Âffentlicht

am

Ist Jean-Claude Juncker ein genialer PR-Stratege? Aber von Anfang an. Wie die EU-Kommission heute vermeldet, sind die Sojabohnen-Importe der EU aus den USA regelrecht explodiert. Diese Meldung d├╝rfte Donald Trump br├╝hwarm gegen├╝ber seiner l├Ąndlichen W├Ąhler-Klientel promoten. Sie verliert dank des Handelskriegs gro├čvolumig Absatzm├Ąrkte in China, und ist somit heilfroh, dass ihr Pr├Ąsident als Ausgleich die EU als zunehmenden Absatzmarkt herbeigezaubert hat.

So hatten es Jean-Claude Juncker und Donald Trump am 25. Juli diesen Jahres medienwirksam gro├č angek├╝ndigt. Die EU werde die Sojabohnen-Importe aus den USA massiv ausweiten, um den USA in Sachen Ungleichgewicht im Au├čenhandel entgegenzukommen. F├╝r Trump war das gegen├╝ber den US-Landwirten wie ein Sechser im Lotto. Und jetzt kann er in der Tat liefern. Vergleicht man die Sojabohnen-Importe der EU von Juli-September 2018 mit Juli-September 2017, dann haben sie um 133% zugenommen. Ein Wahnsinn, was der Donald da f├╝r seine W├Ąhler erreicht hat, nicht wahr?

Falsch! Diese Info ist n├Ąmlich nur eine optische T├Ąuschung. Auch wenn die Zahlen selbst stimmen m├Âgen – der Anstieg der Importe begann ja schon lange vor dem Treffen zwischen Juncker und Trump. Juncker wird sich die Importzahlen der EU aus den USA vor dem Treffen angesehen haben. Dort wird er die eh schon vorhandene gigantische Steigerung gesehen haben. So konnte er Trump enorme Zuw├Ąchse versprechen, die aber schon l├Ąngst von der Privatwirtschaft in Europa selbst herbeigef├╝hrt worden waren!

Der Vergleichswert der heutigen Jubelmeldung der Kommission liegt im Jahr 2017, also lange vor dem Juncker-Trump-Treffen. Es ist also statistisch v├Âllig sinnfrei, wenn man diese aktuelle tolle Steigerung als Erfolg des Treffens der beiden verkauften will. Aber die Meldung der Kommission macht doch stark den Eindruck, als wolle man Trump damit schmeicheln nach dem Motto „schau her Donald, wir haben Wort gehalten“.

Und in der Tat, die Meldung k├Ânnte die gew├╝nschte Wirkung erzielen. Trump k├Ânnte in seiner einfachen Art die +133% als gro├če Zahl in die Kameras verk├╝nden, und als seinen Erfolg verkaufen – obwohl die Steigerung bereits vor dem Treffen der beiden erzielt wurde. Sollte Juncker im vollen Wissen dieser schon vorhandenen enormen Steigerung das Versprechen an Trump gemacht haben am 25. Juli, dann w├Ąre er aus jetziger Sicht ein verdammt guter PR-Mann!

├ťbrigens: Der US-Anteil an Sojabohnen-Importen in den EU ist gegen├╝ber 2017 von 25% auf 52% gestiegen. Den Preis bezahlen vor allem zwei Exporteure, n├Ąmlich Brasilien und Paraguay. Sie haben massiv Marktanteile in der EU verloren. Aber keine Angst – jetzt kommt der Lacher an der Geschichte. Die Chinesen springen als Ersatz-K├Ąufer in S├╝damerika ein – denn die Regierung in Peking hat ja US-Sojabohnen mit Strafz├Âllen unrentabel gemacht, womit die s├╝damerikanischen Sojabohnen erst interessant wurden f├╝r die Chinesen. So haben sich lediglich die globalen Liefer-Str├Âme verschoben. Hier mehr Detailinfos von der EU-Kommission im Wortlaut:

Landwirtschaftskommissar Phil Hogan erkl├Ąrte dazu: ÔÇ×Ich begr├╝├če die j├╝ngsten Handelszahlen, die zeigen, dass den Versprechen der Pr├Ąsidenten Juncker und Trump, den Handel zu intensivieren, Taten folgen, insbesondere in Bezug auf Sojabohnen. Dieses Ergebnis wurde m├Âglich durch unsere langj├Ąhrigen Handelsbeziehungen und zeigt, dass durch eine diese Beziehungen ausbauende Zusammenarbeit sehr viel erreicht werden kann.ÔÇť

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Einfuhren von Sojabohnen aus den USA in die EU in den vergangenen Wochen kontinuierlich zugenommen haben:

Im Vergleich zu den ersten 12 Wochen des Wirtschaftsjahres 2017 (Juli bis Mitte September) stiegen die EU-Einfuhren von Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten um 133 % auf 1 473 749 Tonnen.Zum Zeitpunkt der ersten Meldung am 1. August 2018, die sich auf die ersten f├╝nf Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres erstreckte, beliefen sich die Einfuhren auf 360 000 Tonnen, was einer Steigerung gegen├╝ber dem Vorjahr um 280 % entspricht.

Der Anteil der USA an den Gesamteinfuhren von Sojabohnen in die EU betr├Ągt heute 52 %, gegen├╝ber 25 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit liegen die USA an erster Stelle vor Brasilien (40 %), dem zweiten Hauptlieferanten der EU, Kanada (2,3 %), Paraguay (2,3 %) und Uruguay (1,7 %).
Hintergrund

Die EU f├╝hrt derzeit j├Ąhrlich rund 14 Millionen Tonnen Sojabohnen als Proteinquelle f├╝r Tiere (H├╝hner, Schweine und Rinder) sowie f├╝r die Sojamilcherzeugung ein. Sojabohnen aus den USA sind dank ihrer konkurrenzf├Ąhigen Preise f├╝r europ├Ąische Importeure und Verwender sehr attraktiv f├╝r den Einsatz als Tierfutter.

Die Daten des heute ver├Âffentlichten Berichts zu Sojabohnen stammen von der Beobachtungsstelle f├╝r Ackerkulturen, die die Europ├Ąische Kommission im Juli 2017 ins Leben gerufen hat, um im Interesse der Transparenz Marktdaten und kurzfristige Analysen zu verbreiten.

Sojabohnen-Importe der EU

Die folgende Grafik zeigt, dass der Anstieg der US-Ausfuhren von Sojabohnen Richtung EU stetig gesteigert wurde von 2017 bis 2018, und nicht sprunghaft ab dem 25. Juli 2018.

Sojabohnen

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