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Provisionsverbot in Niederlanden und UK erfolgreich – ein Horror für die deutsche Finanzindustrie

Viele Verbraucher ahnen es, aber der aktuelle Zustand fühlt sich dennoch gut und bequem an. Ein Kunde geht zu einer Bank und bekommt dort irgendein Finanzprodukt verkauft (Beratung). Seien es Fonds, Riester-Rente, Versicherungen etc. Die Gebühren sind in der…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Viele Verbraucher ahnen es, aber der aktuelle Zustand fühlt sich dennoch gut und bequem an. Ein Kunde geht zu einer Bank und bekommt dort irgendein Finanzprodukt verkauft (Beratung). Seien es Fonds, Riester-Rente, Versicherungen etc. Die Gebühren sind in der Regel in die Produkte inkludiert, also nicht oder nur sehr schwer für den Kunden erkennbar. Die Kunden ahnen es irgendwie, dass sie viel Geld zahlen, können es aber wunderbar verdrängen. Was ich nicht sehe, schmerzt auch nicht!

Großbritannien hat die in Produkte inkludierte Provisionen schon abgeschafft, die Niederlande ebenfalls. Eine jetzt veröffentlichte Information vom deutschen „Verbraucherzentrale-Bundesverband“ (vzbv) legt nahe, dass das Verbot von Provisionen neben UK auch in den Niederlanden ein Erfolgsmodell ist. Kunden zahlen für die Beratung ein gesondertes Honorar für die Beratung. Dafür wissen sie, dass in den Produkten keine versteckten Kosten mehr eingebaut sind, die in der Regel viel höher gewesen wären als das offen gelegte und separat gezahlte Honorar.

Aber gerade für den deutschen Michel ist es bequem möglichst nicht offen auf all die Gebühren hingewiesen zu werden, die man derzeit zahlt. Deswegen gibt es auch keine „Anleger-Revolte“, um die Idee der Briten und Holländer zu kopieren. Eine Abschaffung von Provisionen wären der Horror für die deutsche Finanzindustrie. Denn man verdient mehr als gut mit „nicht so wirklich offen sichtbaren Gebühren“. Wir machen uns da aber keine Illusionen: Die Finanz-Lobby in Deutschland ist verdammt stark (ganz ohne Verschwörungstheorie).

Bei SPD und vor allem CDU/CSU (oben drauf noch FDP) gibt es genug Parlamentarier, die im Sinne von Banken, Versicherungen und Riester-Vertrieben so ein Provisionsverbot verhindern würden. Hier laut vzbv die die Resultate in den Niederlanden durch das dortige Provisionsverbot nach vier Jahren Inkrafttreten der Veränderungen:

Anfang dieses Jahres wurden zwei Studien im Auftrag des niederländischen Finanzministeriums zum Thema veröffentlicht. Kernergebnis: Niederländische Verbraucher profitieren von höherer Beratungsqualität und besseren Produkten. Die Ergebnisse spiegeln die in Großbritannien gemachten Erfahrungen und untermauern
die Forderung des vzbv, den Provisionsvertrieb von Finanzanlagen auch in Deutschland zu verbieten.

ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNGEN

Die Beratungsqualität ist in Folge der Reform gestiegen. In den Berichten heißt es
sinngemäß:

– Wer sich heute in den Niederlanden beraten lässt, erhält kompetentere und neutrale Expertise gegenüber der Zeit vor der Reform.
– Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, sind vom Markt verschwunden. Die vorher für den Vertrieb verwendeten Provisionen können nun Verbrauchern zugutekommen.
– Die Finanzindustrie in den Niederlanden bestätigt, dass im Zuge der Reform die Beratungsqualität gestiegen ist.
– Die Mehrheit der Finanzberater spricht sich gegen eine Rückkehr zum Provisionssystem aus.
– Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass neue Zahlungsmodelle nötig sind, um Verbrauchern die Finanzierung der vorab zu zahlenden Beratungskosten zu erleichtern.
– 90 Prozent der Verbraucher ist nicht klar, dass sich die Beratungsleistung durch das Provisionsverbot verändert hat. Vertrauen, dass durch den Provisionsvertrieb verspielt wurde, ist daher nur langsam wieder aufzubauen.
– Nur zwei Prozent aller Verbraucher sehen in der direkten Bezahlung von Finanzberatung eine Hürde, diese in Anspruch zu nehmen.

FAZIT

Um Fehlanreize in der Finanzberatung zu verringern, wurde in den Niederlanden der Provisionsvertrieb von Finanzanlage- und anderen Finanzprodukten seit 2013 verboten. Nach den ersten Ergebnissen zur Wirkung des Provisionsverbots lässt sich eine positive Bilanz ziehen:

– Niederländische Verbraucher profitieren von höherer Beratungsqualität und von besseren Produkten, da Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, vom Markt verschwunden sind.
– Die Höhe der Honorare von Finanzberatern ist für Verbraucher kaum eineHürde, diese in Anspruch zu nehmen.
– Gleichzeitig geht aus den Berichten hervor, dass es sinnvoll ist flexible Bezahlformen, wie Ratenzahlungen, einzuführen.
– Dass die Finanzberatung durch das Provisionsverbot vertrauenswürdiger wird, sollte besser kommuniziert werden.

Und dazu noch die Meinung des vzbv, was in Deutschland getan werden sollte:

Guten Beispielen folgen

Laut niederländischen Behörden profitieren Verbraucher seit dem Provisionsverbot von höherer Beratungsqualität und besseren Produkten. Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, seien vom Markt verschwunden. Finanzberatern würde seither auch wieder ein größeres Vertrauen entgegengebracht werden.

„Die Niederlande und Großbritannien haben das Problem schon vor Jahren erkannt und deshalb Provisionen bei der Anlageberatung verboten. Die Politik in Deutschland muss diesen guten Beispielen endlich folgen und Provisionen ebenfalls verbieten“, so Mohn.

Kostenlos kann teuer werden

In Deutschland finanzieren sich die meisten Berater über Provisionen. Für Kunden sind diese Beratungen nur vordergründig kostenlos. Tatsächlich zahlen sie die Beratung dabei indirekt über höhere Produktkosten. Bei unabhängiger Beratung zahlen Kunden hingegen ein Honorar an ihre Berater. Dafür fallen üblicherweise die Produktkosten im Falle eines Abschlusses geringer aus. „Wenn Provisionen wegfallen, sind die Fehlanreize deutlich geringer. Das stellt die Unabhängigkeit der Berater sicher und steigert automatisch die Beratungsqualität“, so Mohn.


Beispielfoto einer „Bankberatung“. Foto: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    TomB

    5. Februar 2018 14:43 at 14:43

    Das wäre doch mal eine Reglung für die EU die regeln ja sonst auch alles.

  2. Avatar

    Fibo813

    5. Februar 2018 16:37 at 16:37

    Das klingt vernünftig und „seriöser“. Und genauso müsste die Immo Makler-Gebühr dem Ver-käufer aufgedrückt werden. Dann wären vielen geholfen und der Abzock-Irrsinn hätte ein Ende.

    • Avatar

      Marian Montag

      6. Februar 2018 14:03 at 14:03

      Nicht immer gleich herumtrampeln und aufschreien, sondern erst einmal nachdenken. Zur Abzocke gehören immer mindestens zwei Parteien. Eine welche abzockt und eine welche sich abzocken lässt. Etwas mehr Bildung und Informationen in unseren System wären da wohl hilfreicher.

    • Avatar

      Michael

      6. Februar 2018 14:57 at 14:57

      Das fairste wäre das Bestellerprinzip, wer den Makler beauftragt, bezahlt ihn auch. So ist das in allen anderen Geschäftsbereichen auch, die Diskussion verstehe ich nicht wirklich.

  3. Avatar

    Feedback

    5. Februar 2018 20:35 at 20:35

    Hört sich immer super an, aber auf dem deutschen Markt durchführbar?

    Kritik am Artikel:
    Den Leuten sind die Kosten nicht bekannt?
    Mit MiFID II wurde die Kostentransparenz erhöht. Stichwort ex-ante-Simulation. Dem Kunden müssen in € und % die Kosten aufgezeigt werden. Sogar akkumuliert für z.B. 5 Jahre Haltedauer.

    1. Wird es bei Honorarberatung günstiger für die Kunden?
    Jein. Für Wohlhabende ja, für „Kleinanleger“ m.M. nicht.
    Zusätzlich nimmt der Wettbewerb ab. Warum?

    Aktuelle Situation: Als Kleinanleger gehe ich wenn ich das will zur Bank B, Sparkasse S oder zu den Genossen G. Jede Beratung ist kostenlos und erst beim Kauf des Produkts zahle ich den Ausgabeaufschlag, Provision etc. Zuwendung wie es so schön heißt (früherer §31d-WpHG sieht bereits ein Zuwendungsverbot vor mit den Ausnahmen: Offenlegung der Kosten und Verwendung der Zuwendung für die Beratungsverbesserung, m.W. jetzt §70-Wphg neu)

    Gehen wir von 2500€ aus, mit Zuwendung 5% = 125€ für die Bank. Hat der Kunde nur eine Beratung mit 1 Stunde ist dies ein ordentlicher Stundenlohn. Hat der Kunde 3 Banken befragt schaut es anders aus.
    Reicherer Kunde mit 25000€ und 5% = 1250€ (super Stundenlohn)

    gleiche Situation mit Honorarberatung:
    lt. Internet so zwischen 90 und 250€ also gehen wir mal von 100€ aus.
    Somit Kosten für den Kleinanleger von 300€
    Der „reichere“ Kunde zahlt ebenfalls 300€
    Sogar wenn ich die doppelte Zeit beim „Reicheren“ ansetze fallen „nur“ 600€ an.

    Wer kommt jetzt wohl besser weg?
    Mich wundert es nicht, warum man diesen Weg vorantreiben will. Die reicheren sollen einfach reicher werden und die Kleinanleger, die evtl. grad mal freie Mittel von 50€ für einen Sparplan haben, sollen sich doch gefälligst von Wertpapieren fern halten und mit 0,05% aufs Sparbuch (wenns die überhaupt noch gibt) zufrieden geben. Inflationsausgleich brauchen ja auch nur die die sich Konsumgüter auch leisten können oder?

    Ergänzung:
    ruhig mal auf Seiten der Honorarberater gehen und schauen bei wievielen man denn überhaupt den Stundensatz sieht.

    Bei einem Fonds egal welcher Gesellschaft sind die Ausgabeaufschläge jederzeit abrufbar.

    Ich hätte persönlich jetzt kein Problem mit der Honorarberatung ;-)

    Nur ist es für den Großteil der Deutschen der richtige Weg?

    Vieleicht habe ich etwas übersehen aber aktuell seh ich keinen Vorteil für viele Anleger.

  4. Avatar

    Pfennigfuchser

    6. Februar 2018 14:57 at 14:57

    Hört mir nur mit diesen Wunschträumen der Verbraucherschützer auf.
    Wenn ich früher einen VL-Fondssparplan gemacht habe, dann habe ich mein Angebot mit dem Berater besprochen, musste ich 2-3 Unterschriften leisten und alles war erledigt.
    Letztens bin ich erst nach 2 Stunden wieder herausgekommen, weil eine endlose Flut von Papieren erstellt, besprochen und unterschrieben werden mussten – die alle gesetzlich gefordert sind und vor unverständlichem Beamtendeutsch nur so strotzen.
    Der Bankberater konnte dann auch nicht mehr alle Formulare erläutern sondern hat nur noch gezeigt, wo unterschrieben werden muss. Wenn ich dann noch für diese 2 Stunden ein Honorar über 200 € (vermutlich noch zuzüglich Mehrwertsteuer) zahlen soll, dann lass‘ ich es lieber gleich sein.
    Die Honorarberatung ist doch nur für reiche Kunden und vermutlich den Mehrwertsteuertopf sinnvoll und geeignet. Da frage ich mich, was die Verbraucherschützer damit bezwecken.

  5. Avatar

    Gixxer

    7. Februar 2018 20:17 at 20:17

    Zuerst mal vorneweg:
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Provisionsverbot in Deutschland kommt. Dazu sind die etablierten Parteien zu sehr „geschmiert“ von der Finanzlobby. Etliche, wenn nicht sogar alle dieser Betriebe, sei es die Deutsche Vermögensberatung, MLP, AWD oder was auch immer, spenden den Parteien Unsummen (ganz groß vorne dabei vor allem die CDU und FDP). Von den Bereichen, die von diesen Betrieben gesponsert werden ganz zu schweigen. Ich kann mich zB noch an die Kappe von Schumi damals erinnern mit der DVAG-Aufschrift drauf.

    Des Weiteren möchte ich hinzufügen, dass ich es auch so sehe, dass in aller erster Linie mehr für die Bildung der Leute auf diesem Gebiet getan werden sollte, dann bräuchte man in den wenigsten Fällen überhaupt einen Berater. Aktien oder Fonds kann man dann alleine ordern, auch ohne einen Honorarberater, der einem sagt, wo und wie man das machen kann. Es geht mir hier nicht darum welche Aktien oder Fonds man kaufen soll, nur das Wissen um die Bedingungen, wie so was überhaupt geht. Das man zB ein Depot brauch, etc.
    Aber auch dies wird nicht passieren, denn wenn die Leute Bescheid wüssten, würden gewisse Anbieter ja nichts mehr verdienen und könnten dann auch nicht so viel spenden (s.o.).

    @Feedback: Zu ihren Ausführungen möchte ich eigentlich nur so viel sagen, dass die Problematik der Provisionsberatung doch in einer evtl. Falschberatung aufgrund der Provision liegt. Ich denke, hier geht es nicht darum, wie spare ich den Ausgabeaufschlag oder wie spare ich ein paar Gebühren. Das schlimme ist doch eher, wenn man zB monatlich etwas ansparen will und bekommt dann anstatt zB einer Fondsanlage eine Rentenversicherung verkauft, weil hiermit mehr Provision zu verdienen ist oder aber wenn einer 80-jährigen Frau ein geschlossener Schiffsfond mit mehreren Jahren Laufzeit aufgeschwatzt wird.
    Um diese Dinge geht es meines Erachtens in erster Linie und diese Falschberatung würde bei einer Honorarberatung deutlich gemindert.

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Donald Trump und die Deutsche Bank – hochinteressante Doku

Redaktion

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Von

Warum hat Donald Trump von der Deutschen Bank immer wieder Geld bekommen? Das ist vielleicht die interessanteste Frage, die in der folgenden Doku besprochen wird. US-Banken wollten Donald Trump offenbar kein Geld mehr leihen. Aber die Deutsche Bank tat es, und gab immer mehr Geld, für immer mehr Immobilienprojekte des heutigen US-Präsidenten. Und das, obwohl er vorher zahlreiche Projektpleiten hingelegt hatte. Gab es Sicherheiten aus Russland?

Die Doku beleuchtet im Detail die Beziehungen von Donald Trump nicht nur zur Deutschen Bank, sondern auch wie eng tatsächlich seine Verbindungen zu russischen Geschäftskreisen in New York und in Russland selbst waren. Bisher kam der Präsident selbst bei den Mueller-Ermittlungen in den USA ungeschoren davon. Der Schlüssel liegt wohl in den Geschäftsunterlagen der Deutschen Bank. Wer machte mit wem Geschäfte? Wer hat eventuell Geld gewaschen? Auffällig oft haben russische Käufer bei Trump-Projekten Wohnungen gekauft. Beispielhaft beleuchtet wird dieses Lizenz-System an einem Hochhaus in New York, für das er nur seinen Namen gab, und dafür 18 Prozent der Einnahmen kassierte.

Wusste Donald Trump, dass über seinen Namen und seine Projekte womöglich in gigantischem Umfang Geldwäsche zwielichtiger russischer Kreise abgewickelt wurde? Nachweisen lässt sich bis jetzt definitiv nichts, aber die Dokumentation der Geschäftsabläufe, wie es im folgenden Beitrag gezeigt wird, ist doch sehr aufschlussreich.

Donald Trump im Jahr 2020
Donald Trump

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Immobilienpreise steigen kräftig an – keine Spur von Corona!

Claudio Kummerfeld

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am

Hausbau

Bei Immobilien ist keinerlei Spur von der Coronakrise zu entdecken. Unfassbar. Die Immobilienpreise klettern weiter nach oben wie in den letzten Jahren auch. Im zweiten Quartal sind die Preise für Wohnimmobilien nämlich im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 6,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet. Die folgende Grafik zeigt den Häuserpreisindex seit dem Jahr 2015. Es ist keinerlei Einbruch erkennbar in den letzten beiden Quartalen. Nochmal… unfassbar, dass bei 10 Millionen Kurzarbeitern im Höhepunkt der Krise kein Einbruch der Immobilienpreise erkennbar war. Die Statistiker melden aktuell auch, dass die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2 Prozent gestiegen sind. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz Corona-Krise weiterhin sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Immobilienpreise klettern mitten in der Coronakrise immer weiter nach oben

Hier weitere Details von den Statistikern im Wortlaut:

Im 2. Quartal 2020 waren in den sieben größten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 6,5 % und Eigentumswohnungen 6,1 % teurer als im Vorjahresquartal. Damit setzte sich der Anstieg der Preise für Wohnimmobilien in Metropolen zwar fort, jedoch weiterhin mit einer abnehmenden Dynamik bei Wohnungen. Für Eigentumswohnungen hatte die Veränderungsrate zum Vorjahresquartal im 2. Quartal 2019 noch 7,9 % betragen, im 2. Quartal 2018 lag sie bei 11 %. In den anderen Großstädten ab 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern stiegen im 2. Quartal 2020 die Häuserpreise um 7,3 % und die Preise für Eigentumswohnungen um 8,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch in ländlichen Kreisen wurden Wohnimmobilien im Durchschnitt teurer. So erhöhten sich die Preise für Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen um 8,9 % und für Eigentumswohnungen um 5,9 %. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 4,8 %, Wohnungen verteuerten sich um 6,6 %.

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US-Wirtschaft: Warum es ohne KMUs keine Erholung gibt

Hannes Zipfel

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am

US-Wirtschaft ist angewiesen auf Arbeiter bei den KMUs

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind für die US-Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze, stehen aber vor enormen Herausforderungen und viele sogar vor dem Aus. Ohne die KMUs wird es keine nachhaltige Erholung und erst recht keinen Wirtschaftsboom in den USA geben.

US-Wirtschaft braucht dringend neue Finanzhilfen

Als Steven Terner Mnuchin (Rep.), seit Februar 2017 US Finanzminister, am Dienstagnachmittag vor dem US-Repräsentantenhaus vom kommenden Boom der US-Wirtschaft im vierten Quartal schwärmte, muss dem ehemaligen Chef der Investmentbank Goldman Sachs die zuvor veröffentlichte Umfrage zum Paycheck Protection Program (PPP) seines früheren Arbeitgebers entgangen sein. Das Ergebnis der Umfrage kontrastiert die Jubelstimmung, die auch von seinem Amtskollegen Olaf Scholz (SPD) in Deutschland immer häufiger zu vernehmen ist.

Nüchterner war da schon die dringende Empfehlung des US-Notenbankchefs Jerome Powell an die Abgeordneten im US-Kongress, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) des Landes mit zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen zu unterstützen, da ansonsten eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft nicht möglich sei.

Gemäß der jüngsten verfügbaren Daten gab es in den USA im Jahr 2019 gut 31 Millionen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Diese sogenannten „Small Businesses“ repräsentieren 99,9 Prozent aller Unternehmen und sind größter Arbeitgeber im privaten Sektor der US-Wirtschaft. Die amerikanischen KMUs schufen im letzten Jahr mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Daher ist das Schicksal der kleinen und mittleren Unternehmen bei der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Erholung von so großer Relevanz.

Weil das so ist, hat die Trump-Administration Ende April im Rahmen des CARES Act (Coronavirus Aid, Relief and Economic Security Act) das Paycheck Protection Program (PPP) über 659 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Das ermöglichte es vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen, zinsgünstige Privatkredite zu beantragen, um ihren Gehaltsverpflichtungen trotz Coronakrise weiter nachzukommen.

Die Höhe eines PPP-Darlehens entsprach dabei ca. dem Zweieinhalbfachen der durchschnittlichen monatlichen Lohnkosten des Unternehmens. Die Darlehen können neben der Zahlung von Löhnen (Paychecks) auch für Mieten, Zinsen und Nebenkosten verwendet werden. Das Darlehen wurde aber nur dann gewährt, wenn das Unternehmen versprach, die Anzahl seiner Mitarbeiter und die Löhne stabil zu halten. Die ursprüngliche Frist für die Beantragung eines PPP-Darlehens war zunächst der 30. Juni dieses Jahres und wurde später bis zum 8. August 2020 verlängert.

Der PPP-Stimulus läuft aus

Nachdem das Gesetz seit fünf Monaten in Kraft ist, läuft die Hilfe nun aus und kann wegen der Blockade im US-Kongress für ein fünftes Konjunkturpaket nicht aufgestockt und verlängert werden. Das bringt viele KMUs an den Rand des Ruins – ein enormes Problem für die US-Wirtschaft!. Gemäß einer aktuellen Umfrage von Goldman Sachs unter US-KMUs haben 88 Prozent ihre PPP-Kredite bereits vollständig ausgeschöpft. Ein Drittel der befragten Unternehmen sah sich bereits gezwungen, die Löhne zu kürzen oder Entlassungen vorzunehmen. Weitere ca. 30 Prozent gaben an, dass ihnen ohne weitere Finanzhilfen bis zum Ende des Jahres das Geld ausgeht.

Anders als Großkonzerne können sich kleine Unternehmen nicht direkt über den Kapitalmarkt refinanzieren und kommen somit auch nicht in den Genuss der Unternehmensanleihekäufe durch die US-Notenbank (Fed), die in diesem Jahr ein neues Rekordvolumen erreicht haben.

Die auf Banken zur Refinanzierung angewiesenen KMUs haben ein weiteres, sich verschärfendes Problem: Wegen der anhaltend schlechten geschäftlichen Situation, aufgebrauchter Rücklagen und ausgeschöpfter Kreditlinien sind die Perspektiven für viele potenzielle Kreditnehmer so schlecht, dass die Banken sie als zu risikoreich einstufen und weitere Kredite verweigern. Schattenbanken, v. a. Hedgefonds, die in diese Lücke springen, verlangen dem Risiko angemessene hohe Zinsen, die für die in Not geratenen KMUs nicht zu stemmen sind.

Da gleichzeitig die im Sommer vom US-Finanzministerium an US-Bürger mit geringen und mittleren Einkommen verteilten Schecks in Höhe von 1.200 US-Dollar pro Person zunehmend eingelöst und aufgebraucht sind, haben viele Kleinunternehmer, Soloselbstständige und Freiberufler auch immer stärker eingeschränkte private Finanzspielräume.

US-Wirtschaft mit Entlassungswelle ab 1. Oktober

Ohne neue Fiskalstimuli droht der US-Wirtschaft im Abschlussquartal eine sich wieder verstärkende Entlassungswelle. Zumal ab 1. Oktober auch die US-Fluggesellschaften trotz vorheriger finanzieller Unterstützung aus dem PPP wieder Massenentlassungen vornehmen dürfen und dies auch bereits für Anfang Oktober angekündigt haben. Allein die größte US-Fluggesellschaft American Airlines will ab diesem Stichtag 20 Prozent ihrer Belegschaft abbauen – also jeden fünften Mitarbeiter. Ähnliche Ankündigungen gibt es von der zweitgrößten US-Fluggesellschaft Delta Airlines und kleineren Fluggesellschaften. Damit wird in den USA das nachgeholt, was bei deutschen und europäischen Airlines wie Lufthansa oder Ryanair bereits Realität ist.

Besonders betroffen von dem Auslaufen des PPP sind neben den Branchen Verkehr und Touristik vor allem Gastronomen, Konzert-Veranstalter, Kreuzfahrt Reedereien, stationäre Einzelhändler, Unterhaltungskünstler, Wedding Planner und andere Event-Manager. Besonders in der US-Gastronomie sind viele KMUs tätig. Generell wird der Dienstleistungssektor von KMUs dominiert. Für die US-Wirtschaft hat dieser Sektor eine besondere Bedeutung: 79,4 Prozent aller Erwerbstätigen ist hier angestellt, davon über 90 Prozent bei KMUs (Daten von 2019, Quelle: Statista).

Fazit

Die Indizien verdichten sich, dass es im vierten Quartal entgegen der Beschwichtigungsrhetorik mancher Politiker statt eines Booms einen Pleite-Tsunami und Massenentlassungen in der US-Wirtschaft geben könnte. Das Erschreckende dabei ist, dass diese Entwicklung noch keine zweite Pandemie-Welle berücksichtigt, die den Schaden in der US-Wirtschaft nochmals maximieren würde. Es bleibt für die KMUs Amerikas zu hoffen, wenn aus heutiger Sicht auch unwahrscheinlich, dass sich der US-Kongress nach dem Wahltermin Anfang November schnell auf ein neues, billionenschweres Hilfspaket einigen kann.

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