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Provisionsverbot in Niederlanden und UK erfolgreich – ein Horror fĂŒr die deutsche Finanzindustrie

Viele Verbraucher ahnen es, aber der aktuelle Zustand fĂŒhlt sich dennoch gut und bequem an. Ein Kunde geht zu einer Bank und bekommt dort irgendein Finanzprodukt verkauft (Beratung). Seien es Fonds, Riester-Rente, Versicherungen etc. Die GebĂŒhren sind in der…

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FMW-Redaktion

Viele Verbraucher ahnen es, aber der aktuelle Zustand fĂŒhlt sich dennoch gut und bequem an. Ein Kunde geht zu einer Bank und bekommt dort irgendein Finanzprodukt verkauft (Beratung). Seien es Fonds, Riester-Rente, Versicherungen etc. Die GebĂŒhren sind in der Regel in die Produkte inkludiert, also nicht oder nur sehr schwer fĂŒr den Kunden erkennbar. Die Kunden ahnen es irgendwie, dass sie viel Geld zahlen, können es aber wunderbar verdrĂ€ngen. Was ich nicht sehe, schmerzt auch nicht!

Großbritannien hat die in Produkte inkludierte Provisionen schon abgeschafft, die Niederlande ebenfalls. Eine jetzt veröffentlichte Information vom deutschen „Verbraucherzentrale-Bundesverband“ (vzbv) legt nahe, dass das Verbot von Provisionen neben UK auch in den Niederlanden ein Erfolgsmodell ist. Kunden zahlen fĂŒr die Beratung ein gesondertes Honorar fĂŒr die Beratung. DafĂŒr wissen sie, dass in den Produkten keine versteckten Kosten mehr eingebaut sind, die in der Regel viel höher gewesen wĂ€ren als das offen gelegte und separat gezahlte Honorar.

Aber gerade fĂŒr den deutschen Michel ist es bequem möglichst nicht offen auf all die GebĂŒhren hingewiesen zu werden, die man derzeit zahlt. Deswegen gibt es auch keine „Anleger-Revolte“, um die Idee der Briten und HollĂ€nder zu kopieren. Eine Abschaffung von Provisionen wĂ€ren der Horror fĂŒr die deutsche Finanzindustrie. Denn man verdient mehr als gut mit „nicht so wirklich offen sichtbaren GebĂŒhren“. Wir machen uns da aber keine Illusionen: Die Finanz-Lobby in Deutschland ist verdammt stark (ganz ohne Verschwörungstheorie).

Bei SPD und vor allem CDU/CSU (oben drauf noch FDP) gibt es genug Parlamentarier, die im Sinne von Banken, Versicherungen und Riester-Vertrieben so ein Provisionsverbot verhindern wĂŒrden. Hier laut vzbv die die Resultate in den Niederlanden durch das dortige Provisionsverbot nach vier Jahren Inkrafttreten der VerĂ€nderungen:

Anfang dieses Jahres wurden zwei Studien im Auftrag des niederlĂ€ndischen Finanzministeriums zum Thema veröffentlicht. Kernergebnis: NiederlĂ€ndische Verbraucher profitieren von höherer BeratungsqualitĂ€t und besseren Produkten. Die Ergebnisse spiegeln die in Großbritannien gemachten Erfahrungen und untermauern
die Forderung des vzbv, den Provisionsvertrieb von Finanzanlagen auch in Deutschland zu verbieten.

ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNGEN

Die BeratungsqualitĂ€t ist in Folge der Reform gestiegen. In den Berichten heißt es
sinngemĂ€ĂŸ:

– Wer sich heute in den Niederlanden beraten lĂ€sst, erhĂ€lt kompetentere und neutrale Expertise gegenĂŒber der Zeit vor der Reform.
– Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, sind vom Markt verschwunden. Die vorher fĂŒr den Vertrieb verwendeten Provisionen können nun Verbrauchern zugutekommen.
– Die Finanzindustrie in den Niederlanden bestĂ€tigt, dass im Zuge der Reform die BeratungsqualitĂ€t gestiegen ist.
– Die Mehrheit der Finanzberater spricht sich gegen eine RĂŒckkehr zum Provisionssystem aus.
– Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass neue Zahlungsmodelle nötig sind, um Verbrauchern die Finanzierung der vorab zu zahlenden Beratungskosten zu erleichtern.
– 90 Prozent der Verbraucher ist nicht klar, dass sich die Beratungsleistung durch das Provisionsverbot verĂ€ndert hat. Vertrauen, dass durch den Provisionsvertrieb verspielt wurde, ist daher nur langsam wieder aufzubauen.
– Nur zwei Prozent aller Verbraucher sehen in der direkten Bezahlung von Finanzberatung eine HĂŒrde, diese in Anspruch zu nehmen.

FAZIT

Um Fehlanreize in der Finanzberatung zu verringern, wurde in den Niederlanden der Provisionsvertrieb von Finanzanlage- und anderen Finanzprodukten seit 2013 verboten. Nach den ersten Ergebnissen zur Wirkung des Provisionsverbots lÀsst sich eine positive Bilanz ziehen:

– NiederlĂ€ndische Verbraucher profitieren von höherer BeratungsqualitĂ€t und von besseren Produkten, da Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, vom Markt verschwunden sind.
– Die Höhe der Honorare von Finanzberatern ist fĂŒr Verbraucher kaum eineHĂŒrde, diese in Anspruch zu nehmen.
– Gleichzeitig geht aus den Berichten hervor, dass es sinnvoll ist flexible Bezahlformen, wie Ratenzahlungen, einzufĂŒhren.
– Dass die Finanzberatung durch das Provisionsverbot vertrauenswĂŒrdiger wird, sollte besser kommuniziert werden.

Und dazu noch die Meinung des vzbv, was in Deutschland getan werden sollte:

Guten Beispielen folgen

Laut niederlĂ€ndischen Behörden profitieren Verbraucher seit dem Provisionsverbot von höherer BeratungsqualitĂ€t und besseren Produkten. Produkte, die auf Provisionsmaximierung ausgelegt waren, seien vom Markt verschwunden. Finanzberatern wĂŒrde seither auch wieder ein grĂ¶ĂŸeres Vertrauen entgegengebracht werden.

„Die Niederlande und Großbritannien haben das Problem schon vor Jahren erkannt und deshalb Provisionen bei der Anlageberatung verboten. Die Politik in Deutschland muss diesen guten Beispielen endlich folgen und Provisionen ebenfalls verbieten“, so Mohn.

Kostenlos kann teuer werden

In Deutschland finanzieren sich die meisten Berater ĂŒber Provisionen. FĂŒr Kunden sind diese Beratungen nur vordergrĂŒndig kostenlos. TatsĂ€chlich zahlen sie die Beratung dabei indirekt ĂŒber höhere Produktkosten. Bei unabhĂ€ngiger Beratung zahlen Kunden hingegen ein Honorar an ihre Berater. DafĂŒr fallen ĂŒblicherweise die Produktkosten im Falle eines Abschlusses geringer aus. „Wenn Provisionen wegfallen, sind die Fehlanreize deutlich geringer. Das stellt die UnabhĂ€ngigkeit der Berater sicher und steigert automatisch die BeratungsqualitĂ€t“, so Mohn.


Beispielfoto einer „Bankberatung“. Foto: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

7 Kommentare

7 Comments

  1. TomB

    5. Februar 2018 14:43 at 14:43

    Das wĂ€re doch mal eine Reglung fĂŒr die EU die regeln ja sonst auch alles.

  2. Fibo813

    5. Februar 2018 16:37 at 16:37

    Das klingt vernĂŒnftig und „seriöser“. Und genauso mĂŒsste die Immo Makler-GebĂŒhr dem Ver-kĂ€ufer aufgedrĂŒckt werden. Dann wĂ€ren vielen geholfen und der Abzock-Irrsinn hĂ€tte ein Ende.

    • Marian Montag

      6. Februar 2018 14:03 at 14:03

      Nicht immer gleich herumtrampeln und aufschreien, sondern erst einmal nachdenken. Zur Abzocke gehören immer mindestens zwei Parteien. Eine welche abzockt und eine welche sich abzocken lÀsst. Etwas mehr Bildung und Informationen in unseren System wÀren da wohl hilfreicher.

    • Michael

      6. Februar 2018 14:57 at 14:57

      Das fairste wÀre das Bestellerprinzip, wer den Makler beauftragt, bezahlt ihn auch. So ist das in allen anderen GeschÀftsbereichen auch, die Diskussion verstehe ich nicht wirklich.

  3. Feedback

    5. Februar 2018 20:35 at 20:35

    Hört sich immer super an, aber auf dem deutschen Markt durchfĂŒhrbar?

    Kritik am Artikel:
    Den Leuten sind die Kosten nicht bekannt?
    Mit MiFID II wurde die Kostentransparenz erhöht. Stichwort ex-ante-Simulation. Dem Kunden mĂŒssen in € und % die Kosten aufgezeigt werden. Sogar akkumuliert fĂŒr z.B. 5 Jahre Haltedauer.

    1. Wird es bei Honorarberatung gĂŒnstiger fĂŒr die Kunden?
    Jein. FĂŒr Wohlhabende ja, fĂŒr „Kleinanleger“ m.M. nicht.
    ZusÀtzlich nimmt der Wettbewerb ab. Warum?

    Aktuelle Situation: Als Kleinanleger gehe ich wenn ich das will zur Bank B, Sparkasse S oder zu den Genossen G. Jede Beratung ist kostenlos und erst beim Kauf des Produkts zahle ich den Ausgabeaufschlag, Provision etc. Zuwendung wie es so schön heißt (frĂŒherer §31d-WpHG sieht bereits ein Zuwendungsverbot vor mit den Ausnahmen: Offenlegung der Kosten und Verwendung der Zuwendung fĂŒr die Beratungsverbesserung, m.W. jetzt §70-Wphg neu)

    Gehen wir von 2500€ aus, mit Zuwendung 5% = 125€ fĂŒr die Bank. Hat der Kunde nur eine Beratung mit 1 Stunde ist dies ein ordentlicher Stundenlohn. Hat der Kunde 3 Banken befragt schaut es anders aus.
    Reicherer Kunde mit 25000€ und 5% = 1250€ (super Stundenlohn)

    gleiche Situation mit Honorarberatung:
    lt. Internet so zwischen 90 und 250€ also gehen wir mal von 100€ aus.
    Somit Kosten fĂŒr den Kleinanleger von 300€
    Der „reichere“ Kunde zahlt ebenfalls 300€
    Sogar wenn ich die doppelte Zeit beim „Reicheren“ ansetze fallen „nur“ 600€ an.

    Wer kommt jetzt wohl besser weg?
    Mich wundert es nicht, warum man diesen Weg vorantreiben will. Die reicheren sollen einfach reicher werden und die Kleinanleger, die evtl. grad mal freie Mittel von 50€ fĂŒr einen Sparplan haben, sollen sich doch gefĂ€lligst von Wertpapieren fern halten und mit 0,05% aufs Sparbuch (wenns die ĂŒberhaupt noch gibt) zufrieden geben. Inflationsausgleich brauchen ja auch nur die die sich KonsumgĂŒter auch leisten können oder?

    ErgÀnzung:
    ruhig mal auf Seiten der Honorarberater gehen und schauen bei wievielen man denn ĂŒberhaupt den Stundensatz sieht.

    Bei einem Fonds egal welcher Gesellschaft sind die AusgabeaufschlÀge jederzeit abrufbar.

    Ich hĂ€tte persönlich jetzt kein Problem mit der Honorarberatung 😉

    Nur ist es fĂŒr den Großteil der Deutschen der richtige Weg?

    Vieleicht habe ich etwas ĂŒbersehen aber aktuell seh ich keinen Vorteil fĂŒr viele Anleger.

  4. Pfennigfuchser

    6. Februar 2018 14:57 at 14:57

    Hört mir nur mit diesen WunschtrĂ€umen der VerbraucherschĂŒtzer auf.
    Wenn ich frĂŒher einen VL-Fondssparplan gemacht habe, dann habe ich mein Angebot mit dem Berater besprochen, musste ich 2-3 Unterschriften leisten und alles war erledigt.
    Letztens bin ich erst nach 2 Stunden wieder herausgekommen, weil eine endlose Flut von Papieren erstellt, besprochen und unterschrieben werden mussten – die alle gesetzlich gefordert sind und vor unverstĂ€ndlichem Beamtendeutsch nur so strotzen.
    Der Bankberater konnte dann auch nicht mehr alle Formulare erlĂ€utern sondern hat nur noch gezeigt, wo unterschrieben werden muss. Wenn ich dann noch fĂŒr diese 2 Stunden ein Honorar ĂŒber 200 € (vermutlich noch zuzĂŒglich Mehrwertsteuer) zahlen soll, dann lass‘ ich es lieber gleich sein.
    Die Honorarberatung ist doch nur fĂŒr reiche Kunden und vermutlich den Mehrwertsteuertopf sinnvoll und geeignet. Da frage ich mich, was die VerbraucherschĂŒtzer damit bezwecken.

  5. Gixxer

    7. Februar 2018 20:17 at 20:17

    Zuerst mal vorneweg:
    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das Provisionsverbot in Deutschland kommt. Dazu sind die etablierten Parteien zu sehr „geschmiert“ von der Finanzlobby. Etliche, wenn nicht sogar alle dieser Betriebe, sei es die Deutsche Vermögensberatung, MLP, AWD oder was auch immer, spenden den Parteien Unsummen (ganz groß vorne dabei vor allem die CDU und FDP). Von den Bereichen, die von diesen Betrieben gesponsert werden ganz zu schweigen. Ich kann mich zB noch an die Kappe von Schumi damals erinnern mit der DVAG-Aufschrift drauf.

    Des Weiteren möchte ich hinzufĂŒgen, dass ich es auch so sehe, dass in aller erster Linie mehr fĂŒr die Bildung der Leute auf diesem Gebiet getan werden sollte, dann brĂ€uchte man in den wenigsten FĂ€llen ĂŒberhaupt einen Berater. Aktien oder Fonds kann man dann alleine ordern, auch ohne einen Honorarberater, der einem sagt, wo und wie man das machen kann. Es geht mir hier nicht darum welche Aktien oder Fonds man kaufen soll, nur das Wissen um die Bedingungen, wie so was ĂŒberhaupt geht. Das man zB ein Depot brauch, etc.
    Aber auch dies wird nicht passieren, denn wenn die Leute Bescheid wĂŒssten, wĂŒrden gewisse Anbieter ja nichts mehr verdienen und könnten dann auch nicht so viel spenden (s.o.).

    @Feedback: Zu ihren AusfĂŒhrungen möchte ich eigentlich nur so viel sagen, dass die Problematik der Provisionsberatung doch in einer evtl. Falschberatung aufgrund der Provision liegt. Ich denke, hier geht es nicht darum, wie spare ich den Ausgabeaufschlag oder wie spare ich ein paar GebĂŒhren. Das schlimme ist doch eher, wenn man zB monatlich etwas ansparen will und bekommt dann anstatt zB einer Fondsanlage eine Rentenversicherung verkauft, weil hiermit mehr Provision zu verdienen ist oder aber wenn einer 80-jĂ€hrigen Frau ein geschlossener Schiffsfond mit mehreren Jahren Laufzeit aufgeschwatzt wird.
    Um diese Dinge geht es meines Erachtens in erster Linie und diese Falschberatung wĂŒrde bei einer Honorarberatung deutlich gemindert.

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Achtung, zwei Buden ohne Banklizenz sind unterwegs

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Der BaFin zwei „Unternehmen“ oder auch „Buden“ aufgefallen, die behaupten Standorte in Deutschland zu haben, und BankgeschĂ€fte zu betreiben. Die BaFin weist aktuell darauf hin, dass diese Anbieter keine Banklizenz in Deutschland haben, noch unter der Aufsicht der BaFin stehen. Sollte man als Anleger als per Telefon, Email oder sonst wie in Kontakt mit diesen Anbieternamen kommen, ist höchste Vorsicht geboten. Hier die BaFin im Wortlaut.

Zurich Private Capital Group

Die „Zurich Private Capital Group“ mit angeblichen GeschĂ€ftssitzen in Frankfurt am Main und Hong Kong sowie Kontaktadressen in London, Dubai, Singapur, Mauritius, Mahe (Seychellen) und Mumbai wirbt im Internet unter zurichprivatecapital.com fĂŒr Spareinlagen, Geldanlagen und Vermögensverwaltung („Savings, Investments, Capital Management“). Die BaFin stellt vorsorglich klar, dass sie der „Zurich Private Capital Group“ keine Erlaubnis gemĂ€ĂŸ § 32 des Kreditwesengesetzes (KWG) zum Betreiben von Bank- und FinanzdienstleistungsgeschĂ€ften erteilt hat. Ein Unternehmen dieses Namens steht nicht unter ihrer Aufsicht.

Helmuth Newin Group

Die „Helmuth Newin Group“ mit angeblichen GeschĂ€ftssitzen in Regensburg und ZĂŒrich bietet im Internet unter www.helmuth-newin.com und per Telefon BankgeschĂ€fte und Finanzdienstleistungen an. Die BaFin stellt vorsorglich klar, dass sie der „Helmuth Newin Group“ keine Erlaubnis gemĂ€ĂŸ § 32 des Kreditwesengesetzes (KWG) zum Betreiben von Bank- und FinanzdienstleistungsgeschĂ€ften erteilt hat. Ein Unternehmen dieses Namens steht nicht unter ihrer Aufsicht.

Klickt man sich auf der Homepage dieses Anbieters durch, fĂ€llt zum Beispiel auf: Es ist gar kein Impressum vorhanden. Und außer ein wenig Bla Bla und ein paar Fotos ist kein richtiger Inhalt erkennbar. Es wirkt so, als solle hier lediglich eine oberflĂ€chliche Webseiten-PrĂ€senz dargestellt werden.


Banken-Skyline in Frankfurt. Foto: Christian Wolf, www.c-w-design.de (CC BY-SA 3.0 de)

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EU folgt USA mit 25% Stahlzoll gegen den Rest der Welt – warum das sinnvoll und notwendig ist

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Die USA haben es vorgemacht. Man verhĂ€ngte unlĂ€ngst Importzölle auf Stahl in Höhe von 25% quasi gegen den Rest der Welt. Nun folgt die EU heute, und verhĂ€ngt ebenfalls gegen den Rest der Welt Stahlzölle in Höhe von 25%. Da könnte man auf den ersten Blick sagen: Wenn die EuropĂ€er wie die Amerikaner per Gießkanne auch alle LĂ€nder mit Stahlproduktion bestrafen, sind sie ja auch nicht besser als die USA in Sachen Protektionismus.

Aber dieser Eindruck tĂ€uscht. Denn egal wie man es dreht und wendet. Der Schuldige in diesem Fall sind eindeutig die USA. Sie haben einen Lawineneffekt in Gang getreten, der nun bei der EU angekommen ist. Denn es ist nur folgerichtig. Die Amerikaner beschwerten sich ĂŒber zu viele Stahlimporte vor allem aus China. Da diese Verschiffungen Richtung USA fĂŒr die Importeure dank der US-Zölle nun nicht mehr rentabel sind, werden die Produzenten andere AbsatzmĂ€rkte fĂŒr ihren Stahl suchen, den sie bislang in den USA verkauft hatten.

Da bleibt als zweiter großer Absatzmarkt die EU, die nun droht mit Stahl vom Weltmarkt ĂŒberschwemmt zu werden, der in den USA zu teuer ist, und nun woanders abgesetzt werden muss. Jetzt könnte man auch sagen, dass die EU ein freier Markt ist, und dass eben diese freien MarktkrĂ€fte doch machen sollen, was sie wollen. Aber so eine kĂŒnstlich herbeigefĂŒhrte Überschwemmung wĂŒrde den europĂ€ischen Stahlmarkt noch schneller und stĂ€rker kaputt machen, als er es ohnehin schon ist.

Von daher ist es nur mehr als sinnvoll und nachvollziehbar, dass die EU heute mit einem vorlĂ€ufigen Zoll von ebenfalls 25% nachzieht, der erstmal 200 Tage lang gelten soll. Und wichtig: Anders als die USA erhebt die EU ab morgen nur Strafzölle auf Einfuhrmengen, wenn die bisher ĂŒblichen Einfuhrmengen ĂŒberschritten werden. Zitat EU-Kommission:

„Die US-Zölle auf Stahlerzeugnisse fĂŒhren zu Handelsumlenkungen, die den Stahlerzeugern und Arbeitnehmern in der EU schweren Schaden zufĂŒgen können. Wir haben keine andere Wahl, als vorlĂ€ufige Schutzmaßnahmen einzufĂŒhren, um unsere heimische Industrie vor einem Anstieg der Einfuhren zu schĂŒtzen“, sagte Handelskommissarin Cecilia Malmström dazu.

„Diese Maßnahmen stellen jedoch sicher, dass der EU-Markt offen bleibt und die traditionellen Handelsströme erhalten bleiben. Ich bin ĂŒberzeugt, dass die Interessen der EU-Erzeuger und der Stahlverbraucher, wie der Automobilindustrie und des Bausektors, die auf Einfuhren angewiesen sind, in einem ausgewogenen VerhĂ€ltnis zueinander stehen. Wir werden die Stahlimporte weiter beobachten, um spĂ€testens Anfang nĂ€chsten Jahres eine endgĂŒltige Entscheidung zu treffen“, betonte Malmström weiter.

Die vorlĂ€ufigen Maßnahmen betreffen 23 Kategorien von Stahlerzeugnissen und werden in Form eines Zollkontingents (TRQ) durchgefĂŒhrt. FĂŒr jede der 23 Kategorien werden Zölle in Höhe von 25 Prozent erst dann erhoben, wenn die Einfuhren den Durchschnitt der Einfuhren der letzten drei Jahre ĂŒbersteigen. Die Quote wird nach dem Windhundverfahren zugeteilt, d.h. zum jetzigen Zeitpunkt nicht von den einzelnen AusfuhrlĂ€ndern. Diese Maßnahmen gelten fĂŒr alle LĂ€nder, mit Ausnahme einiger EntwicklungslĂ€nder mit begrenzten Ausfuhren in die EU. Aufgrund der engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und den LĂ€ndern des EuropĂ€ischen Wirtschaftsraums (EWR) (Norwegen, Island und Liechtenstein) wurden sie ebenfalls von den Maßnahmen ausgenommen. Diese Ausnahmen sind sowohl mit den bilateralen als auch mit den multilateralen Verpflichtungen der EU im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar.


© European Union, 2015 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Christophe Maout

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Aktuell: Fed-Chef Powell vor dem US-Abgeordnetenhaus

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Gestern sorgte Fed-Chef Powell mit seinen „seid-rundum-sorglos-weil-alles-wunderbar-ist-und noch wunderbarer-wird“-Aussagen fĂŒr große Freude bei denjenigen, die gute Nachrichten fĂŒr gute Nachrichten halten (was eigentlich in den letzten Jahren nicht die vorherrschende Auffassung des Marktes war..). Faktisch aber hat Powell eben gestern vor dem Banken-Ausschuß des US-Senatsdauch klar gemacht, dass es wohl noch zwei Zinsanhebungen in 2018 geben werde.

Heute Powells Autritt vor dem US-Abgeordnetenhaus.

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