Devisen

Psychologie Note 6, setzen: Erdogan verzweifelt – verkauft Euros unterm Kopfkissen, kauft die Türkische Lira

Das ist genau die richtige Ausdrucksweise, so meinen wir! Psychologie Note 6! Wer als Staatsoberhaupt seine kollabierende Währung (türkische Lira) stabilisieren will, sollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass er bettelt, dass er hilflos ist, dass er nicht mehr weiter weiß. Aber Präsident Erdogan hat am Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung doch tatsächlich folgendes gesagt:

„Meine Brüder, die Dollars oder Euros unter ihren Kissen haben, geht und tauscht euer Geld in türkische Lira um.“

Präsident Erdogan redet die türkische Lira mit so einer Aussage eher schwach

Mehr Verzweiflung geht nicht. Denn wenn ein Staatsoberhaupt schon erwähnt, dass die Leute Fremdwährungen unter ihren Kopfkissen bunkern, dann gibt er zu, dass seine Währung mehr als angegriffen ist. Und auch zeigt er mit dieser Aussage, dass er die Dimensionen nicht kennt. Vielleicht bunkern die Türken mehrere hundert Millionen Euro in bar unterm Kopfkissen? Vielleicht 1 oder 2 Milliarden Euro? Aber auf dem Devisenmarkt werden viel gigantischere Summen ständig hin und her geschoben. So eine Aktion würde verpuffen, selbst wenn seine Anhänger sie umsetzen würden.

Weitere Schwächung für die türkische Lira?

Nationalstolz hin, Nationalstolz her – wenn es ums Geld geht, sieht es doch ganz anders aus mit der Treue zu Erdogan. Denn da werden die Menschen sich sagen: Wenn Erdogan schon so verzweifelte Aussagen tätigt, hat die türkische Lira ein echtes Problem. Komm, lasst uns auch noch die letzten Lira in Euro und Dollar tauschen, bevor sie noch weiter einbricht – so werden wohl viele Menschen jetzt denken, weil man die Ratlosigkeit aus Erdogans Worten einfach heraushören kann.

Schon die Zinsanhebung der Notenbank letzte Woche war in der Lira verpufft. Erdogan scheint nicht zu verstehen, dass er selbst das Hauptproblem für die einbrechende türkische Lira ist. Denn er hatte jüngst eindeutig klargestellt, dass er nach seiner Wiederwahl ab dem 24. Juni massiven Einfluss auf die Notenbank nehmen wird. Diesen Vertrauensverlust in die gesamte Volkswirtschaft und Währung kann Erdogan mit solche Matratzen-Worten nicht ausgeleichen – nein, damit macht er alles nur noch schlimmer, weil damit die Hilflosigkeit offenbar wird.

Die Türkei weist für 2017 ein Handelsbilanzdefizit von 76 Milliarden US-Dollar aus. Dieses Übergewicht an Einfuhren muss mit Krediten bezahlt werden, die vorwiegend in Fremdwährungen laufen. Und die Begleichung dieser Kredite wird somit immer teurer. Deswegen sah sich die Notenbank in Ankara nach der Zinsanhebung letzte Woche schon dazu genötigt der türkischen Wirtschaft bis Ende Juli einen günstigeren Wechselkurs zu garantieren – das wird das Problem nur minimal lindern, aber nichts Strukturelles ändern.

Euro vs Türkische Lira

Euro vs Türkische Lira seit 18. Mai. Seit der Zinsanhebung letzte Woche (EURTRY 5,67) ist der Wechselkurs nur minimal gefallen auf jetzt 5,42. Dass EURTRY von Freitag Abend bis heute von 5,48 auf 5,42 gefallen ist (Lira-Aufwertung), sollte man nicht Präsident Erdogan anrechnen. In Großbritannien ist heute Feiertag, und somit ist der Devisen-Handelsplatz Nummer 1 heute nicht aktiv. Auch die Amerikaner sind heute dank ihres Feiertags nicht an Bord. Somit werden viele andere Devisenhändler heute auch pausieren. Erst morgen sollten wir so richtig sehen, wohin die Reise in der Lira geht. Aber all zu große Hoffnungen auf eine Lira-Aufwertung dank Erdogans Worten sollte man nicht haben.



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