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Puerto Rico könnte über Schadenersatzforderungen zum Milliarden-Desaster für die UBS werden

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Puerto Rico ist pleite. Immer mehr Geldanlagen, die auf Anleihen von Puerto Rico basieren und u.a. von der Schweizer Großbank UBS verkauft wurden, werden damit zum Debakel für anscheinend ahnungslose Anleger. Eine Welle von Schlichtungen beginnt gerade erst so richtig, von denen viele schon erfolgreich für die Anleger ausgingen…

Puerto Rico Flagge 1
Die Flagge von Puerto Rico. Kein eigener Staat, auch kein US-Bundesstaat. Man kann seine Schulden bisher nicht loswerden. Foto: Madden / Wikipedia / Gemeinfrei

Sichere Geldanlage Puerto Rico?

Nachdem der Gouverneur von Puerto Rico vor Kurzem seine Insel (US-Außgengebiet) für zahlungsunfähig erklärt hatte, weiß er nicht mehr so recht weiter. Er kann seine Insel, die weder eigenes Land, noch US-Bundesstaat, noch sonst etwas genau Definierbares darstellt, nicht in die US-Insolvenz für Kommunen schicken, wie es Detroit schon gemacht hat. So fielen die Anleihekurse für Puerto Rico´s Schulden immer weiter, und damit wurden auch viele Geldanlange-„Produkte“, in denen solche Anleihen enthalten sind, zu guten Teilen wertlos. So weit so gut, mag man da sagen. Wenn Anleger so risikoreich investieren, müssen sie jetzt mit dem Verlust leben.

Aber das konnte man auf den ersten Blick auch über Lehman-Zertifikate sagen, bis einem klar wurde, dass die meisten Inhaber von Lehman-Zertifikaten nicht mal wussten, dass sie diese besaßen. Sie wussten nur von Zertifikaten, die ihre Hausbank ihnen verkauft hatte, die angeblich genau so sicher sein sollten wie ein Sparbuch. Ähnlich scheint der Fall jetzt gelagert zu sein im Fall Puerto Rico und der Schweizer Großbank UBS, die sich nach übereinstimmenden Medienberichten der letzten Wochen immer mehr Anlegerklagen ausgesetzt sieht. Sie war DER Player, wenn es darum ging Schulden von Puerto Rico schön verpackt als tolle Geldanlage an den Mann und die Frau zu bringen. Das Problem bei vielen Anlegern war schlicht und einfach, dass sie wohl nicht so über das Risiko informiert wurden, wie es sein sollte.

„UBS und Puerto Rico“ wird zur großen Schlichtungsnummer

Die UBS wird in den USA u.a. von der Aufsichtsbehörde FINRA überwacht, an die sich US-Anleger für eine Schlichtung wenden müssen. Erstaunlicherweise, das zeigen mehrere abgeschlossene Fälle, entschieden die Schlichter, die als ziemlich bankenfreundlich bekannt sind, im Sinne der Anleger und sprachen ihnen umfassende Entschädigungen durch die UBS zu. So haben sogar schon Anwaltskanzleien, die auf derartige Schlichtungen spezialisiert sind, extra Unterseiten auf ihrer Internetseite für den Fall UBS und Puerto Rico eingerichtet. Auch die Regulierungsorganisation FINRA sieht sich aufgrund der enormen Anzahl von hunderten Fällen und noch zu erwartenden Anfragen dazu genötigt eine Extra-Hinweisseite einzurichten, um Anlegern den Ablauf zu erklären, bei dem es natürlich nicht nur um die UBS geht.

Aktuell fordern mehrere hundert Anleger über die FINRA-Schlichtung Schadenersatz. Es habe keine ehrliche bzw. transparente Beratung oder Aufklärung stattgefunden. Das hat man doch woanders auch schon mal gehört, oder? Auch hätte es für spanisch sprechende Kunden auf Puerto Rico selbst nur englischsprachige Infobroschüren gegeben.

Interessenkonflikt? Nicht bei der UBS…

Hierzu lässt „Die Zeit“ die Anwälte von klagenden Kunden zu Wort kommen: „Es gab massive Interessenskonflikte innerhalb der UBS“, schreibt Torres‘ Anwalt Mougey in seiner Beschwerde: Die UBS beriet sowohl die Herausgeber der Anleihen, also die Gemeinden und Institutionen, bei der Emission der Papiere als auch deren Käufer, die Anleger. Für sie verwaltete sie die Papiere und erhielt zugleich Geld von den Emittenten für den Verkauf der Anleihen. „Die UBS war DER Player schlechthin auf dem puertoricanischen Markt für diese Bonds, es gab sonst niemanden“, sagt der Anwalt Craig McCann, der ebenfalls Geschädigte vertritt.“

Entschädigungen

Erst letzte Woche berichtete das „Wall Street Journal“ von zwei abgeschlossenen Schlichtungen, für die die UBS 2,9 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen musste. Die Anleger forderten 10 Millionen. Die UBS zeigte sich unzufrieden, dass sie überhaupt zahlen musste – auch sei der Ausgang dieses Falls kein Hinweis darauf, wie ähnliche Fälle ausgehen könnten. In diesem Fall war die genaue Begründung für diese Teilerstattung nicht zu erfahren. Vor einigen Wochen wurde ein Fall bekannt, wo die UBS für eine 6 Millionen-Forderung zu 2,5 Millionen Dollar Schadenersatz verdonnert wurde.

Die „Zeit“ berichtete erst gestern von dem Fall einer Frau aus Puerto Rico selbst, die einen Großteil ihres Vermögens iHv 525.000 Dollar, das ihren Lebensabend absichern sollte, auf Anraten der UBS in einen geschlossenen Fonds der UBS investiert wurde, der Anleihen von Puerto Rico enthielt. Rund 400.000 Dollar seien inzwischen verloren. Laut der „Zeit“ habe der UBS-Broker ihr „eine „sichere Anlage, die ihr ihren Lebensunterhalt bis an ihr Lebensende finanzieren kann“, versprochen. Laut dem Anwalt der Kundin war sie dem UBS-Broker „ausgeliefert“, weil sie selbst über keinerlei Wissen im Finanzbereich verfügte und ihm vertraute. Dieser Fall soll erst noch verhandelt werden, liegt aber bereits bei der FINRA.

Ein anderer Anleger hatte ebenfalls die UBS aufgefordert ihn zu entschädigen. Für seine buchhalterisch noch vorhandenen 450.000 Dollar wollte die UBS ihm beim Rückkauf noch 90.000 Dollar bezahlen. In diesem Fall urteilte die FINRA vernichtend die UBS habe dem Kunden eine gänzlich ungeeignete Anlage verkauft, so ihre Einschätzung. Die Bank habe sogar wissentlich eigenes Risiko auf ahnungslose Kunden wie ihn abgeschoben.

Da Anleger noch sechs Jahre lang Zeit haben weitere Klagen einzureichen, kann man mit Milliardenforderungen gegen die UBS rechnen. Im aktuellsten Quartalsbericht hat die UBS die Summe schon mit über einer Milliarde Dollar beziffert.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    joah

    10. September 2015 16:56 at 16:56

    Mal sehen, wie es mit dem festlandumkreisten Kolonieinselchen namens BRD weitergeht: sind wir nicht alle ein bisschen Bluna… äh… pleite?
    https://www.youtube.com/watch?v=sbVl_Lk-cdQ
    (ein wenig Spass muss sein) :-)

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

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Konsumklima und Kaufverhalten im Oktober – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

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Einkaufswagen

Die Coronakrise nimmt wieder mehr Fahrt auf. Deutschland hat mehr täglich Neuinfizierte als noch im Frühjahr, und die Restriktionen im Alltag nehmen wieder zu. Der selbe Reflex wie im Frühjahr zeigt sich aktuell bei den Verbrauchern – aber offenbar noch nicht im selben Ausmaß. Das kann man gut ablesen im Konsumklima und im Kaufverhalten der Deutschen. Heute früh wurden Daten zu Konsumklima und Kaufverhalten für Oktober veröffentlicht.

Konsumklima

Das einmal im Monat veröffentlichte GfK-Konsumklima zeigt heute früh, dass der Optimismus der deutschen Verbraucher im Oktober spürbar schwindet. Rund drei Viertel der Verbraucher gehen demnach aktuell davon aus, dass COVID-19 eine große bziehungsweise sehr große Bedrohung darstellt, und etwa die Hälfte macht sich große beziehungsweise sehr große Sorgen, wenn es um die persönliche Zukunft geht. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen wie auch die Anschaffungsneigung müssen Einbußen hinnehmen. Folglich prognostiziert GfK für das Konsumklima für November 2020 einen Wert von -3,1 Punkten, und damit 1,4 Punkte weniger als im Oktober dieses Jahres. Gut sichtbar ist der Abwärtstrend im Konsumklima im folgenden Chart. Ein Balken steht für einen Monat.


source: tradingeconomics.com

Kaufverhalten

Das Statistische Bundesamt hat heute früh Daten zum Kaufverhalten in Deutschland veröffentlicht. Man hat sich die Woche vom 12. bis 17. Oktober 2020 angeschaut, und mit früheren Zeiträumen verglichen. Wegen der steigenden Infektionszahlen ist die Nachfrage nach ausgewählten Hygieneartikeln und Lebensmitteln teils deutlich gestiegen. Die Verkaufszahlen von Toilettenpapier waren vom 12. bis 17. Oktober 2020 fast doppelt so hoch (+89,9 %) wie im Durchschnitt der Vorkrisen-Monate August 2019 bis Januar 2020. Der Absatz von Desinfektionsmitteln lag knapp drei Viertel (+72,5 %) und der von Seife knapp zwei Drittel (+62,3 %) über dem Vorkrisen-Durchschnitt. Die Grafik, die bis ins letzte Jahr zurückreicht, zeigt: Die Panikkäufe im Frühjahr waren deutlich heftiger als heute, aber der Trend zum Kauf bestimmter Waren geht aktuell bergauf.

Chart zeigt Kaufverhalten vor und während der Coronakrise

Hier weitere Detailaussagen der Statistiker:

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Seife blieb auch während des Sommers, als sich der Absatz von Lebensmitteln weitgehend normalisiert hatte, leicht überdurchschnittlich. In der 42. Kalenderwoche zog nun auch die Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln an. So stieg der Absatz von Mehl verglichen mit dem Vorkrisen-Durchschnitt um mehr als ein Viertel (+28,4 %) und der Absatz von Hefe um mehr als ein Drittel (+34,8 %). Die Verkaufszahlen von Teigwaren wie Nudeln waren hingegen leicht unterdurchschnittlich (-0,2 %).

Statistik zeigt Kaufverhalten für einzelne Produkte

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