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Puerto Rico verpfändet sein letztes Hab und Gut

Von Claudio Kummerfeld

Die „Puerto Rico Aqueduct and Sewer Authority“, also die Wasserwerke der Insel Puerto Rico, sind gerade dabei eine neue Anleihe über 750 Mio US-Dollar zu begeben. Klingt doch gut, oder? Der Eigentümer der Wasserwerke, die Regierung von Puerto Rico, hat sich selbst bereits für offiziell zahlungsunfähig erklärt (72 Milliarden US-Dollar Staatsschulden). Wer wäre so wahnsinnig einem Unternehmen, das einem Pleitestaat gehört, Geld zu leihen? Die Käufer der Anleihen stehen jedenfalls schon Schlange…

Zinsen

Die Wasserwerke des US-Außengebiets Puerto Rico möchten über neue Anleihen 750 Mio US-Dollar einnehmen. Die Laufzeit wird 30 Jahre betragen, Zinsen 8%! Man munkelt, dass die Rendite deutlich höher liegen wird, da man anscheinend derzeit dabei ist die Anleihen im Primärmarkt (Erstverkauf direkt an Käufer) unter 100% Nennwert zu verkaufen – so erhöht man natürlich die Attraktivität für die Käufer noch mehr. Man erhält 8% Zinsen für etwas, das z.B. 100 Dollar wert ist, muss aber z.B. nur 95 Dollar bezahlen. Die Zinsen erhält man aber bezogen auf die 100 Dollar. Gutes Geschäft für den Käufer – schlecht für die Wasserwerke, denn ihnen fehlt von Anfang an ein Teil des Geldes – sie müssen nach 30 Jahren aber die 100 Dollar zurückzahlen. Da werden Hedgefonds und Nullzins-geplagte Pensionskassen aus den USA doch schnell hellhörig. Es hat sich schon eine virtuelle Schlange gebildet, die darauf brennt diese Anleihen zu kaufen. Mit diesem Volumen wird die größte jemals als Junk Bond (Schrottanleihe) eingestufte Emission bei US-Kommunen durchgeführt. Wenn das wirklich klappt, Hut ab – da kann sich später kein Anleihekäufer beschweren, wenn es doch schief geht.

Sicherheiten

Aber wie kann man so verrückt sein diese Anleihen kaufen zu wollen? Die Höhe der Zinsen + die schon entstandene Staatspleite der Mutter (der Staat Puerto Rico) sollte doch für jeden halbwegs seriösen Investor Warnung genug sein, dass das Ausfallrisiko enorm hoch ist. Hier hat man sich was einfallen lassen. Um die Anleihe potenziellen Käufern schmackhaft zu machen, hat man versichert, die Rückzahlung der Anleihe durch die Wassergebühren der Bürger zu garantieren – also de facto die Verpfändung der laufenden Einnahmen an die Anleiheinhaber. Der Versorger arbeitet (noch) kostendeckend, kann also im Augenblick seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen, aber bei der Lage der Insel, ob da weiterhin der Großteil der Menschen seine Wasserrechnung zahlen kann? Und wie wird sich der Wasserpreis für den einzelnen Bürger entwickeln, wenn man derart hohe Zinsen an seine Gläubiger zahlen muss? Raten Sie mal!

Mittelverwendung sicherlich nur für das Wasser auf Puerto Rico?

Natürlich ist es eine reine Vermutung, aber liegt die Versuchung der Regierung von Puerto Rico nicht nahe, dass man sich von seiner Tochter, den Wasserwerken, demnächst einen „kleinen“ Kredit besorgt, um zumindest die Gehälter des Regierungsapparats zahlen zu können? Wenn so was öffentlich bekannt wird, ist es i.d.R. zu spät und die Gelder sind verbrannt – so lange bleibt so was natürlich eine reine Vermutung. Bis dahin muss man selbstverständlich davon ausgehen, dass die 750 Mio Dollar bei den Wasserwerken verbleiben.



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