Gas

Aktuell Putin droht der EU mit Gas-Lieferstopp

Im Zuge des Iran-Kriegs und steigenden Preisen für Gas droht nun Russland-Präsident Putin der EU mit einem Lieferstopp.

Kreml in Moskau
Kreml in Moskau. Foto: sergunt-Freepik.com

Der russische Präsident Wladimir Putin erwägt, der EU zuvorzukommen und das Gas früher abzustellen als es deren Importverbot vorsieht. Damit will er offenbar die Preisrally durch den Stau an der Straße von Hormus befeuern und Ausfälle in Europa in Asien wettmachen.


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Putin auf Profit aus

Längst biegen LNG-Tanker für Europa nach Asien ab, weil dort die Preisrally durch ausbleibende Lieferungen aus der Golfregion besonders stark durchschlägt. Auf dieses Trittbrett will Präsident offenbar aufspringen und den Europäern das Gas vorfristig abstellen, um den noch mehr Preisauftrieb noch mehr zu befeuern.

„Da sich nun andere Märkte öffnen, ist es für uns vielleicht profitabler, jetzt die Lieferungen an den europäischen Markt einzustellen“, sagte Putin in einem vom Kreml veröffentlichten Medieninterview am 4. März und betonte: „Wir sollten uns auf die sich öffnenden Märkte konzentrieren und dort Fuß fassen.“


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Europa selbst habe keine Liefereinschränkungen, weil Algerien, die USA, Norwegen und in gewissem Maße Russland die Hauptlieferanten seien. „Niemand hat die Lieferungen gekürzt, dennoch sind die Preise bereits auf 700 US-Dollar pro Gallone gestiegen. Warum? Durch die Schließung der Straße von Hormus seien „Kunden aufgetaucht, die bereit sind, dasselbe Erdgas zu höheren Preisen zu kaufen.“

Alles reines Geschäft

In solch einem Fall würden einige traditionelle Lieferanten, wie beispielsweise amerikanische Unternehmen, den europäischen Markt verlassen und sich lukrativeren Märkten zuwenden. „Das ist ein natürlicher Prozess. Dahinter steckt keine politische Agenda, sondern einfach nur Geschäft“, so Putin. Die Preise bestimmen seiner Ansicht nach den Kurs.

Das war schon 2022 so, als der russische Gaskonzern Gazprom durch Lieferkürzungen an der Nord Stream Gasleitung für noch mehr Preisauftrieb sorgte. Für Putin ist der Nahost-Konflikt ein Fenster der Gelegenheit, um russische Öl- und Gasvorräte ins Spiel zu bringen und Druck auszuüben. Bevor die EU die Reißleine zieht, will er die Regeln bestimmen.

Wenn die EU ohnehin in ein oder zwei Monaten russische LNG-Bezüge verbieten wolle, „wäre es dann nicht besser, sie jetzt zu stoppen und sich auf die Länder zu konzentrieren, die verlässliche Partner zu konzentrieren, und dort Fuß zu fassen?“, schlussfolgerte Putin. Noch sei dies Spekulation. Ein Beschluss hierzu liege nicht vor, aber er will die Regierung auf jeden Fall anweisen, zusammen mit Unternehmen an dieser Frage zu arbeiten.

Zuverlässige Wurzeln in Europa

Zugleich hob Präsident Putin die Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant für Partner, darunter europäischen Slowakei und Ungarn. „Wir beliefern sie mit unseren Energieressourcen: Öl und Gas. Und wir wollen das auch in Zukunft tun, vorausgesetzt natürlich, die Führung dieser Länder verfolgt weiterhin dieselbe Politik wie heute und bleibt uns ein verlässlicher Partner.“

Beide Länder stemmen sich gegen den Beschluss der EU, aus dem russischen Gasimport bis zum Herbst 2027 auszusteigen. Aktuell werfen die Staatschefs Viktor Orban und Robert Fico der Ukraine vor, den Öltransit über die Druschba-Pipeline, die am 27. Januar durch einen russischen Drohnenangriff beschädigt wurde, nicht wieder aufnehmen zu wollen. Aus diesem Grund reiste der ungarische Außenminister Péter Szijjártó nach Moskau, um mit Putin die Lage zu besprechen.

Europa spürt Hormus am stärksten

„Der negative Effekt von der Schließung der Straße von Hormus ist für alle energieimportierenden Länder spürbar“, schrieb Igor Juschkow von der Finanzuniversität und vom Fonds für Energiesicherheit in einem aktuellen Beitrag für die russische Nachrichtenagentur Tass.

Es sei bezeichnend, dass China Teheran gebeten habe, Tanker und LNG-Tanker seinen Markt passieren zu lassen. Hätte der Iran zugestimmt, hätte die gesamte Blockade keinen Sinn. Chinesische Unternehmen hätten Öl und LNG unter eigenem Namen exportieren können, sowohl für den Eigenbedarf als auch für andere Abnehmer, und die Preise wären gesunken, erklärte Juschkow.

Obwohl der Großteil des Öls und LNGs aus dem Persischen Golf für Asien bestimmt war, könnten ihm zufolge die größten Probleme im Gassektor in Europa auftreten. Katar habe seine LNG-Lieferungen eingestellt und belege in der EU unter den LNG-Lieferanten nach den USA und Russland den dritten Platz. Dazu verschärften niedrige Speicherstände in Europa die Versorgungslage.

Putin will China einhegen

Wirtschaftlich bewertet Juschkow die aktuelle Situation für Russland als vorteilhaft. Öl verteuere sich, und der Preisabschlag, die Preisdifferenz zwischen Nordsee-Brent und russischem Ural, verringere sich. Seit Ende 2025 habe sich dieser Abschlag aufgrund von Sanktionen, Angriffen auf Tanker und der Befürchtung, Indien könnte unter US-Druck seine Käufe reduzieren, vergrößert. „Nun konkurrieren Neu-Delhi und Peking aktiv um russisches Öl, nachdem sie ihre Lieferungen aus dem Nahen Osten verloren haben. Dies führt zu einer Verringerung des Preisabschlags“, schilderte der Experte.

Zu den Vorteilen zählt Juschkow zufolge, dass der Nahost-Konflikt China die Gefahren von Energielieferungen aus dem Süden vor Augen hält und den Blick auf zuverlässige Lieferungen aus dem Norden lenkt. „Es wäre daher für Peking etwa ratsam, so schnell wie möglich einen Vertrag zum Gasbezug über die Pipeline Kraft Sibiriens 2 abzuschließen, um den Bau der Pipeline zu ermöglichen und die technische Zusammenarbeit beim Bau neuer LNG-Anlagen in der Arktis wieder aufzunehmen“, so Juschkow.

In solch einem Szenario sind LNG-Lieferungen nach Europa für Russland verzichtbar. Sollte sich im Iran eine prowestliche Regierung etablieren, hält das für Russland Risiken bereit. „In diesem Fall könnte die Aufhebung der US-Sanktionen gegen das Land zu einer Steigerung der Öl- und Gasproduktion führen“, erläuterte Juschkow. Doch das hält er für hypothetisch. Für Putin zählt alles, was die Preise hochtreibt und oben hält. Ein schneller Lieferstopp nach Europa passt dabei ins Kalkül, und der rote Drache lässt sich zügeln. Den Angriff auf den LNG-Tanker Arctic Metagaz im Mittelmeer nennt Putin einen Terrorakt. Immerhin kann auch dieser den Preisauftrieb befeuern.



Über den RedakteurJosephine Bollinger-Kanne
Dr. Josephine Bollinger-Kanne ist Expertin für Energiewirtschaft, Energiepolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Sie ist als freie Journalistin tätig.
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2 Kommentare

  1. Petrodollar adieu

    Das sind eben die Experten, noch vor kurzer Zeit haben sie erzählt Russland müsse sein Öl verschenken und jetzt buhlen China und Indien um russisches Öl. Ich, als Laie habe schon immer gesagt,dass Putin einen grossen Einfluss auf dieEnergiepreise haben kann, wenn er denn will. Würde mich nicht erstaunen wenn das Rezept der Iraner, die Golfproduktion und Infrastruktur zu stören aus seinem Munde kommt.
    Es ist ein unfairer Kampf, ein Geheimdienstler gegen einen US- Polterer. Man hätte auf den Professor hören sollen, der das entfachte Desaster voraussagte. Somit hat der beste Geheimdienst der Welt in Kürze ( nach dem Palästina Überfall ) eine Niederlage erlitten.

  2. So ist es.
    Die USA wollten (was verständlich ist als Stratege und Kaufmann) mit Russland Billionen- Geschäfte machen.
    Nur dumm, dass Europa immer noch weiter die Ukraine unterstützt.
    Gerade so viel, dass eine Kapitulation verhindert wird , wenn die Korruption einen Teil der Gelder schon abgegriffen hat.
    Aber sollen die Politiker in Europa nun zugeben, dass der Krieg von Anfang an verloren war?
    Nein, dann lieber noch weitere100 Milliarde an die Ukraine. Usw., usw.
    Jetzt bekommt die Kriegskasse von Putin einen Schub.
    Aber er kann sein Gas nur einmal verkaufen.
    Wohin verkauft dann der Kaufmann?
    An Abnehmer, bei denen er lange Zeit mit einer kontinuierlichen Abnahme rechnet und nicht mit Sanktionen und Behinderungen des Zahlungsverkehr.
    Und da steht China ganz oben auf der Liste.
    Die EU ist natürlich weiter (ganz vorne Deutschland) auf den Weg gegen die Wand.
    So hat doch jeder was er möchte.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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