Märkte

Putin in der Klemme? Russisches Öl ist mit 28 Dollar Rabatt zu haben

Zapfsäule an einer Tankstelle

Die Experten der Saxo Bank sprachen in den letzten Wochen von einer „Selbstsanktionierung“ des Westens. Obwohl es für europäische Käufer kein Verbot gibt russisches Öl zu kaufen, wird es doch in der Realität bereits in einem gewissen Umfang gemieden. Reedereien haben ihren Verkehr mit Russland eingestellt usw. Natürlich kann Russland versuchen sein Öl anderweitig auf dem Weltmarkt zu verkaufen, vor allem in Asien.

Indien kauft russisches Öl mit Rabatt

Laut Berichten aus Indien vom letzten Freitag bestätigte ein Regierungssprecher, dass Indien mehr russisches Öl kaufen wird, und zwar zu Rabatten – zuletzt habe man 3 Millionen Barrels dazu gekauft. So schnell dürfte Wladimir Putin also nicht die Puste ausgehen. Aber auf lange Sicht hat er womöglich ein Problem. Das offizielle Embargo der USA und die bereits eingeführten „Selbstsanktionierungen“ anderer Käufer – dazu noch ein drohender offizieller Importstopp der EU. Dies könnte asiatische Käufer wie eben Indien in eine komfortable Verhandlungsposition bringen, was die Preise angeht. Es würde für Wladimir Putin und seine Haushaltskassen dauerhaft zu Einnahmeverlusten führen – wenn Russland erstens nicht all sein Öl los wird – und wenn man zweitens das Öl, was man los wird, zu saftigen Rabatten verkaufen muss.

Urals-Öl mit kräftigem Preisabschlag gegenüber Brent

Dass es hier bereits eine gute Ausgangsbasis für die Käuferseite gibt, zeigt der Urals-Brent-Spread. Im folgenden TradingView Chart sehen wir einen Wert von -28,51 Dollar Stand gestern. Diese bedeutet, dass man russisches Öl der Sorte Urals 28,51 Dollar günstiger kaufen kann als das europäische Brent-Öl, das zusammen mit dem amerikanischen WTI-Öl am weltweiten Terminmarkt für Öl quasi die Vorreiterrolle bei den Preisen einnimmt. Und der Rabatt hat sich die letzten Tage stetig vergrößert – Anfang März waren es nur 13 Dollar. Russisches Öl ist also bereits mit einem deftigen Preisabschlag zu haben – was Indien derzeit wohl bereits ausnutzen dürfte.

Expertenaussage

Der Rohstoff-Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank hat sich heute zu diesem deftigen Preisabschlag für russisches Öl geäußert. Russland habe Schwierigkeiten Käufer für sein Öl zu finden. Er erwähnt Aussagen des Chefs des Rohstoffhandelsunternehmens Trafigura, wonach bereits 2-2,5 Millionen Barrel pro Tag an Öl aus Russland aus dem Markt verdrängt worden seien – davon jeweils mindestens 1 Million Barrel täglich an Rohöl und Ölprodukten. Er sieht dabei insbesondere den Dieselmarkt stark angespannt.

Dazu passt laut Carsten Fritsch, dass unlängst zwei Öl-Tanker mit mehr als 700.000 Barrel Dieselkraftstoff beladen den Hafen von New York Richtung Europa verlassen haben. Normalerweise würde New York Diesellieferungen aus Europa beziehen. Seit Beginn des Jahres waren es bislang mindestens 4,5 Millionen Barrel. Der von Russland geführte Krieg in der Ukraine habe nun aber zu einer Umkehr der Handelsströme geführt. FMW: Man sieht also, dass als Ersatz für russisches Öl nun auch Diesel aus den USA Richtung Europa verschifft wird.

Der Druck auf Saudi-Arabien und andere Ölproduzenten der OPEC+ mit freien Förderkapazitäten dürfte laut Carsten Fritsch zunehmen, die Produktion stärker zu erhöhen. Noch scheint Saudi-Arabien dazu allerdings nicht bereit zu sein. So sehe sich das Königreich für etwaige Angebotsknappheiten nicht verantwortlich, nachdem es vor wenigen Tagen erneut Huthi-Angriffen auf seine Öleinrichtungen gab. Saudi-Arabien mache den Iran indirekt dafür verantwortlich, was als Kritik an einer möglichen Aufhebung der US-Sanktionen verstanden werden könne. Zudem habe das saudi-arabische Kabinett gestern die herausragende Bedeutung des OPEC+-Abkommens bei der Stabilisierung des Ölmarktes betont.

Chart zeigt Rabatt für russisches Öl gegenüber dem Brent-Ölpreis seit März 2021



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. Die OPEC wird die Produktion erhöhen müssen, denn wie ich bereits am Montag schrieb, liegt das in ihrem eignen wirtschaftlichen Interesse. Außerdem sind die Kapazitäten da, denn laut neuestem Bericht wurden die 400.000 Barrel im Februar sogar deutlich übererfüllt.
    Zudem ergeben sich dadurch Möglichkeiten Russland Marktanteile abzunehmen, und zu verhindern das die Frackingindustrie zu einer großen Konkurrenz für das Kartell wird. Denn die US-Schieferölbranche wird sich diese Gelegenheit ganz sicher nicht entgehen lassen!

    1. Da vergessen Sie wohl, dass die Saudis sicherlich darauf bedacht sind, den Russen nicht auf die Füße zu treten. Denn das könnte zu Gegenreaktionen führen.
      Unsere Politiker haben leider verlernt soweit im voraus zu denken

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage