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Putin, Rosneft, Katar und ein angeblicher Notkredit

FMW-Redaktion

Glaubt man US-Medien wie CNN, hat Wladimir Putin mit seinen Geheimdiensten versucht in den USA so ziemlich alles zu beinflussen (leicht übertrieben formuliert), wie zum Beispiel die letzten Wahlen. Ob das nun stimmt oder nicht, lässt sich wohl niemals hundertprozentig belegen oder entkräften. Aber merkwürdig ist doch eine heutige Veröffentlichung des „Wall Street Journal“ (WSJ). Gerade jetzt, wo Russland so massiv in den US-Medien in der Kritik steht (nach dem jüngsten Putin-Interview). Und gerade jetzt, wo vor gerade erst zwei Tagen mehrere Golfstaaten ein Komplett-Embargo gegen Katar verhängt haben, da kommt so eine Veröffentlichung auf den Tisch, wo Putin und Katar zusammen vorkommen.

So habe man beim WSJ von Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sein sollen, folgende Info erhalten. Letztes Jahr hat Russland 19,5% Anteil am Öl-Giganten Rosneft an ein Konsortium aus dem Unternehmen Glencore und dem Staat Katar verkauft für 10,2 Milliarden Euro – das ist soweit ja allgemein bekannt. Dieser Verkauf, der laut Wladimir Putin das Vertrauen der internationalen Investoren in Russland zeigte, soll in Wirklichkeit eher ein gut verpackter Notkredit für den russischen Staatshaushalt gewesen sein. Denn letztes Jahr, wo der Ölpreis brutal auf 30 Dollar gefallen war, gab es im russischen Staatshaushalt massive Probleme.

Putin soll also folgerichtig mit diesem Verkauf kurzfristig Devisen für Russland beschafft haben um die Lücke zu decken. Laut WSJ soll im Rahmen dieses Deals vereinbart worden sein, dass Russland einen Teil des Pakets in den nächsten zehn Jahren wieder zurückkaufen werde. Russland widerspricht dieser Art der Darstellung des Deals. Ebenso betonen Katar und Glencore, dass die Kaufverträge keine Option für Russland vorsehen Anteile zurückkaufen zu können.

Laut WSJ verspreche sich Katar von einem vermeintlichen Verkauf in der Zukunft einen höheren Verkaufspreis der Anteile, weil man auf deutlich höhere Ölpreise in der Zukunft spekuliere, wodurch die Rosneft-Anteile natürlich im Wert zulegen würden. Katar habe grundsätzlich Interesse daran seinen Rosneft-Anteil nur „vorübergehend“ zu halten, womit auch mehrere Jahre gemeint sein können.

Unsere Meinung zu dem Thema: Die Story mit dem „Notkredit-Charakter“ dieses Rosneft-Verkaufs mag stimmen, oder auch nicht. Wir wissen es nicht. Dass Russland gerade letztes Jahr klamm war durch den niedrigen Ölpreis, ist kein wirkliches Geheimnis. Merkwürdig ist aber, dass so eine Story gerade jetzt lanciert wird, wo Putin und Katar so sehr im Blickfeld der Weltöffentlichkeit stehen. Verschwörungstheorie? Nein, uns fällt nur der Zeitpunkt so komisch ins Auge. Was irgendjemand mit so einer Nachricht bezwecken könnte? Putin und Katar diskreditieren?


Wladimir Putin. Foto: kremlin.ru / Wikipedia (CC-BY 4.0)



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1 Kommentar

  1. Da passt es doch, dass der neue FBI-Chef in den USA der Rosneft-Anwalt Wray wird….

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