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Preise steigen schneller als die Löhne Putin und Ukraine-Krieg: Russen spüren wirtschaftliche Folgen

Schulden steigen

Putin und Ukraine-Krieg: Russen spüren wirtschaftliche Folgen
Foto: Bloomberg

Der Krieg, den Präsident Wladimir Putin gegen die Ukraine führt und der nun in seinen vierten Winter geht, greift immer tiefer in den Alltag der Russen ein. Sie registrieren mehr und mehr die ökonomischen Folgen, wie Bloomberg berichtet.

Putin und Ukraine-Krieg: Russen spüren wirtschaftliche Folgen

Dutzende Regionen in Zentral- und Südrussland spüren inzwischen die Nähe des Krieges — Drohnen und mitunter auch Raketen treffen Energieanlagen und Wohnhäuser. Fast jede Nacht heulen Luftschutzsirenen und erinnern öffentlich und unüberhörbar daran, wie der Konflikt näher rückt.

Jenseits der Frontlinien erfasst die wirtschaftliche Belastung mittlerweile ganz Russland, auch Moskau. Haushalte reduzieren ihre Ausgaben für Lebensmittel, während Stahl-, Bergbau- und Energiekonzerne ins Straucheln geraten. Der wirtschaftliche Motor zeigt mehrere Bruchstellen, und die frühere Widerstandskraft dank massiver staatlicher Ausgaben und Rekordeinnahmen aus dem Energiesektor wird zunehmend auf die Probe gestellt.

Zwar ist das Ausmaß des Leidens mit dem der Ukraine nicht vergleichbar und ohnehin kein Grund für Putin, den Krieg zu beenden. Doch es macht deutlich, welchen immer höheren Preis seine Entscheidung vom Februar 2022 fordert.

Die USA versuchen unterdessen verstärkt, die Öl- und Gaseinnahmen Moskaus zu drosseln – ein Teil der Aktivitäten der Trump-Regierung, die auf einen Waffenstillstand zielt. Die Chancen für eine Einigung wachsen, wobei sich die Gespräche nach Moskau verlagern. US-russische Unterhändler arbeiten bereits im Hintergrund an einem Paket, das dem Kreml die gewünschten Sanktionslockerungen verschaffen soll.

“Auf Grundlage der gesamten Wirtschaftsindikatoren wäre es im besten Interesse Russlands, den Krieg jetzt zu beenden”, sagte Alexander Gabuev, Direktor des Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin. “Doch um den Krieg beenden zu wollen, muss man den Rand des Abgrunds sehen. Russland ist noch nicht dort.”

Solange diese Einsicht fehlt, wird sich die Lage für die russische Bevölkerung weiter verschlechtern.

“Die Preise steigen jetzt schneller als die Löhne”, sagte Elena, 27, Managerin eines Eventunternehmens aus der Region Moskau. Bloomberg nennt ihren Nachnamen nicht, um sie vor möglichen Repressalien zu schützen. Sie hat ihr Konsumverhalten geändert, kauft weniger Kleidung und verstärkt heimische Marken, weil Importe zu teuer geworden sind.

Das steht in deutlichem Kontrast zu der Situation früher im Krieg, als das Bruttoinlandsprodukt dank militärbezogener Investitionen wuchs und Löhne im Jahr 2024 um fast 20% zulegten. Folglich stieg die Konsumnachfrage — aber auch die Inflation zog an.

Die Zentralbank erhöhte im Oktober vergangenen Jahres die Zinsen auf den Rekordstand von 21%, um die Inflation zu bremsen und die überhitzte Wirtschaft abzukühlen. Obwohl die Kreditkosten inzwischen gesunken sind, zeigt die Wirtschaft immer klarer die verzögerten Wirkungen dieser Straffung. Außerdem treten tiefere Ungleichgewichte zutage in einem Land, das auf Kriegswirtschaft umgestellt hat und dennoch einen zivilen Sektor stützen muss.

Die Inflation sank Anfang November auf etwa 6,8%, doch laut dem jüngsten Bericht des Center for Macroeconomic Analysis and Short-Term Forecasting – geleitet vom Bruder des russischen Verteidigungsministers – liegt der Hauptgrund im sinkenden Konsum. Besonders deutlich werde das bei Lebensmitteln, wie die Datenplattform SberIndex zeigt.

“Der durchschnittliche Betrag für wöchentliche Lebensmitteleinkäufe hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt”, sagte Denis, 40, Manager aus Tambow in Zentralrussland. Seine Familie kauft deshalb weniger Obst und Gemüse.

Nach Analysen der Zeitung Kommersant gingen die Verkäufe von Milch, Schweinefleisch, Buchweizen und Reis im September und Oktober um 8–10% zurück. Russlands größte Lebensmittelkette X5 Group erzielte im dritten Quartal höhere Umsätze vor allem wegen der Inflation, doch ihr Nettogewinn sank um fast 20% – ein Signal für schwächere Nachfrage und gestiegene Kosten.

Russland Lebensmittel Putin Ukraine

Der Einzelhandel Russlands steckt in einem tiefgreifenden Umbruch. Laut lokalen Medienberichten entfielen im dritten Quartal 45% aller Ladenschließungen auf Modehändler, wobei fast jedes zweite Geschäft zumachte. Der staatlichen Zeitung Rossiyskaya Gazeta zufolge erlebt der Elektronikmarkt den stärksten Nachfragerückgang seit 30 Jahren, da Käufer größere Anschaffungen aufschieben.

Die Autoverkäufe schrumpften in den ersten neun Monaten des Jahres um fast ein Viertel – gebremst von hohen Kreditkosten und einer Erhöhung der staatlichen Recyclingabgabe, die vor allem Import- und Elektrofahrzeuge verteuert. Die Regierung versucht damit, die Staatseinnahmen zu steigern und heimische Hersteller zu unterstützen.

Dazu kommt die direkte Wirkung der ukrainischen Militäraktionen. Ukrainische Drohnen greifen inzwischen russische Ölraffinerien und Häfen vom Schwarzen Meer bis zur Ostseeküste nahezu ungehindert an und fliegen teils bis zu 3.200 Kilometer tief nach Sibirien.

Die Angriffe verschärften eine Krise auf dem heimischen Kraftstoffmarkt und sorgten ab Ende August für einen sprunghaften Preisanstieg. Zwar sanken die Benzinpreise im November leicht, doch bleiben sie hoch — in einigen Regionen sind Engpässe weiterhin spürbar.

Viele Analysten erwarten für dieses Jahr und das nächste weiterhin moderates Wachstum. Das Center for Strategic Research, ein Moskauer Thinktank, sieht jedoch kaum mehr Chancen, “eine Rezession zu vermeiden” — denn die Produktion ist in mehr als der Hälfte der russischen Branchen zurückgegangen.

Auch die Stahlindustrie leidet: Laut dem führenden Stahlproduzenten Severstal PJSC fiel der Gesamtverbrauch in diesem Jahr um 14%. Die Nachfrage im Bauwesen sank um 10%, im Maschinenbau sogar um 32%. Im Kohlebergbau erleben große Unternehmen ihre schwierigste Lage seit einem Jahrzehnt und reduzieren ihre Förderung.

Auch der Bankensektor schlägt sich kaum besser: Der Anteil fauler Unternehmenskredite stieg im zweiten Quartal auf 10,4% und damit auf 9,1 Billionen Rubel (100 Milliarden Euro), während er im Privatkundengeschäft auf 12% kletterte, wie die Bank of Russia im September berichtete.

Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich im dritten Quartal auf 0,6% und blieb damit hinter den Schätzungen zurück. Das Haushaltsdefizit erreichte im Oktober 1,9% des BIP — bis Jahresende erwartet das Finanzministerium sogar 2,6%.

Die wichtigen Öl- und Gaseinnahmen gingen von Januar bis Oktober gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als ein Fünftel auf 7,5 Billionen Rubel zurück, wie Bloomberg auf Basis von Daten des Finanzministeriums berechnete. Niedrigere Rohölpreise, Sanktionen und eine stärkere Währung sorgten dafür, dass die Produzenten für jedes exportierte Barrel weniger Rubel erhielten.

Das war bereits bevor die USA – frustriert über Putins Weigerung, sich an Friedensbemühungen zu beteiligen – im Oktober überraschend Russlands führende Ölproduzenten Rosneft PJSC und Lukoil PJSC sanktionierten.

Obwohl diese Belastungen Putins Kriegsziele kaum ändern dürften, versucht er aktiv zu verhindern, dass die USA den wirtschaftlichen Druck weiter erhöhen. Als Präsident Donald Trump im Oktober erwog, Tomahawk-Raketen mit größerer Reichweite nach Kiew zu schicken und öffentlich seinen Ärger über Putin äußerte, meldete dieser sich und deutete weitere Friedensgespräche an. Dabei wurde er in diesem Telefonat von Trumps Gesandtem Steve Witkoff ermutigt und beraten.

Zu einem Deal kam es bislang nicht. Russlands Kraftstoffexporte sind in der ersten Novemberhälfte auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Invasion gefallen. Gleichzeitig ist selbst der russisch-chinesische Handel ins Stocken geraten.

“Die Immunität der russischen Wirtschaft ist stark geschwächt”, sagte Oleg Buklemishev, Leiter des Center for Economic Policy Research der Lomonossow-Universität Moskau. “Eine systemische Krise muss 2026 vielleicht nicht eintreten, aber eine stetige Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen wird weitergehen.”

Russland unter Putin: Schulden steigen

Mit wachsendem Defizit erhöht die Regierung nun die Verschuldung durch teure Inlandsanleihen. Die Mehrwertsteuer soll im kommenden Jahr steigen und auf eine breitere Basis angewendet werden, was kleinere Unternehmen und letztlich Verbraucher trifft. So sollen 1,2 Billionen Rubel zusätzlich in die Staatskasse fließen. Hinzukommt eine Steuer auf elektronische Bauteile und Geräte, ebenso eine Erhöhung der beim Autokauf fälligen Steuer.

Nachdem Putin den Russen im Jahr 2023 das Versprechen zu keinen weiteren Steuererhöhungen gab, hat der Kreml staatliche Medien nun angewiesen, seinen Namen in Berichten über die neuen Abgaben nicht zu erwähnen. Das meldete das verbotene Oppositionsmedium Meduza.

“Wenn die russischen Behörden wollen, dass die Wirtschaft normal weiterarbeitet, müssen die militärischen Spezialoperationen heruntergefahren werden”, sagte Buklemishev und benutzte Putins Bezeichnung für den Krieg. “Die Einsicht, dass sie diese Entscheidung treffen müssen, ist noch nicht vollständig da, aber die Alarmglocken läuten bereits.”

FMW/Bloomberg



Markus Fugmann
Über den RedakteurMarkus Fugmann
Historische Analyse und gesellschaftspolitische Expertise mit Blick auf die Finanzmärkte in Wort (Artikel) und Videos – immer mit dem Fokus auf die Frage: „Warum geht uns das etwas an!“
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10 Kommentare

  1. Wer um alles in der Welt soll diese ewig langen Artikel aus dem gemieteten Terminal von Bloomberg auf FMW lesen? Außer Rentner und Arbeitslose. Sobald man mal 4 Stunden nicht online ist, hat man einen kaum aufzuholenden Stau. Und wer weiß vor dem Lesen, ob der Artikel nicht nur Noise ist, wie unabhängige Wissenschaftler schon lange in diesem Zusammenhang festgestellt haben. Deshalb gilt: desto mehr Informationen, umso schlechter die Anlageentscheidungen.
    Auch wenn jetzt heftiger Podest folgen sollte, das ist bewiesen.

  2. Da muss ich was verpasst haben.
    Nach den Aussagen der deutschen Spitzenpolitiker müsste Russland doch schon lange wirtschaftlich ruiniert sein. Vor etwa 3 Jahren waren doch schon die Waffenlager leer und die Soldaten bekamen einen Klappspaten als Waffe.
    Schwerbehinderte Soldaten mussten mit Krücken und Rollstühlen zu Front.
    Alle von Russland anektierten Gebiete würden mit Hilfe der geballten Waffenlieferungen der Nato wieder zurückerobert.

    Das meint der EU-Abgeordnete Sonneborn dazu:

    https://youtu.be/_SDlddKyziQ?si=86ewMprWIpHkTomy

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. @Helmut
      Das ist sicherlich längst nicht das Einzige, was Sie an faktischen Entwicklungen in den letzten paar Jahren verpasst haben.

      Wer ständig seinen verklärten Blick nur gen Osten wendet, muss letztendlich Kremlpropaganda und Ansichten eines Satire-Clowns im EU-Parlament mit besten Verbindungen zu Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer verbreiten.
      Sie müssen das Video nicht mehrmals täglich verlinken, den Stuss schaut so oder so keiner 😊

      1. Nein @ Emma Pénéliau
        Ich wende nicht ständig meinen Blick nach Osten.
        Dort wird die Ukraine nur noch weiter zusammengeschossen.
        Ich kümmere mich hauptsächlich im Moment darum, dass unser Penthouse in Malaga optimal geplant wird, und die GmbH für die Vermietung der Ferienwohnung auch optimal gestaltet wird.
        Meine Edelmetall- Investitionen laufen ohne mein Zutun weiter.
        Und eben die alltäglichen Dinge.
        Ich beobachte aber das Kino und den Zirkus in Deutschland.
        Schon erstaunlich, wie Deutschland bewusst und absichtlich gegen die Wand gefahren wird, aber der Blick der Bevölkerung darauf gerichtet wird, dass Russland nach fast 4 Jahren Krieg auch ökonomische Schwierigkeiten hat.
        Es wird wohl bis zum letzten Ukrainer, der noch eine Waffe halten kann, weitergehen.

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    2. Arbeitsloses Model in Moskau

      @Helmut
      irgenwie haben wir was verpasst. Erzählst Du nicht immer, wie wunderbar die russische Wirtschaft wächst? Warum sparen dann die Menschen bei den Lebensmitteln? Warum schliessen dann immer mehr Modelshops? Warum werden dann weniger Häuser gebaut?
      Soviele Fragen! Vielleicht kann das russische Propaganda-Outlet in Spanien was dazu sagen?

  3. Oje, @Markus, mit dem Artikel dürftest du dir keine Freunde in der Kreml-Community dieses Forums gemacht haben.

    Pleitewellen, Rezession, Deindustrialisierung und Krise in der Stahl-, Bau- und Maschinenbaubranche nun auch in Russland. Nur die Automobilindustrie ist nicht betroffen, die gab es in dem Sinne nämlich noch nie 😄
    Und bald dann auch noch Steuererhöhungen und vielleicht ein paar Sondervermögen? 😉

    1. Absolut! Solch linksgrün-versiffte, russophobe NATO-Kriegstreiber-Propaganda kennen wir sonst nur vom China-Bösewicht @Doi Ennoson 😂
      Zudem fällt Markus Fugmann in letzter Zeit sehr unangenehm mit kritischen Trump-Bemerkungen auf. Das dürfte demnächst @Felix mit platzendem Kragen auf den Plan rufen. Der muss dann wiederum Bericht in Richtung Oval Office oder eines Golfplatzes bei Mar-a-Lago erstatten, mit der Bitte um Entsendung von ICE und Nationalgarde ins Hamburger Stadtgebiet.

  4. Heute palaverte der Ork-König im Fieberwahn auf einer Pressekonferenz:
    „Es ist eine Lüge und völliger Blödsinn zu behaupten, dass Russland vorhat, Europa zu überfallen. Für uns klingt das lächerlich. Die Wahrheit ist, dass wir das nie vorhatten, aber wenn sie es von uns hören wollen, na gut, dann fixieren wir das. Keine Frage.“

    Unter der Voraussetzung, dass Putlers Geografiekenntnisse nicht auf dem Niveau des dementen Kaisers von Amerika dahindümpeln, passt das Geschwafel nicht zu den Fakten von einem mehrfach überfallenen Land in Europa.

  5. Der Ukraine Krieg wird so lang anhalten bis die existenzielle Bedrohung für die Ukraine oder die existenzielle Bedrohung für Russland beseitigt ist. Was ist die Rus existenzielle Bedrohung. Sie ist für uns nicht greifbar. Wir können sie nicht verstehen. Und das ist die Europäische Existenzielle Bedrohung. Nun wenn China in Mexico Chinesische Raketen aufstellen, würden die USA sofort mit Mexico Krieg führen.
    Ohne Kriegserklärung, versteht sich, ist schon lange modern. Wir befinden uns im Krieg. Unsere Nato Führungskräfte sind direkt beteiligt.
    Fugman Diagnose ist richtig, ändert aber nichts an der kommenden Europäischen Tragödie.
    Das beste man Irrt sich und es kommt ein Patt oder wir gewinnen. Wenn nicht, fliegt hier einiges durcheinande oder wir gehen wie immer Paralysiert zur Tagesordnung über.
    ah, ein neues Kuchenrezept, spielt heute Werder? Unser Kanzler heute wieder eine sehr spitze Nase.

  6. Es ist wichtig, daß das OPEC+-Mitgliedsland Russische Föderation wieder entsprechend zur globalen Ölversorgung beitragen kann. Da die US-Texas-Ölindustrie und die Öl-Allianz OPEC+ ein Gleichgewicht im Ölgeschäft bilden, wäre es konstruktiv/zielführend, wenn es wieder zu einem Zusammenspiel zwischen ExxonMobil und Rosneft käme. Die Krim, Lugansk und Donezk Russland zuzugestehen, und ein Nein zu einer NATO-Mitgliedschaft der Ukraine könnten Grundlagen für eine Einigung im Zusammenhang mit dem US-Friedensplan in Sachen Russland-Ukraine-Konflikt darstellen. In diesem Zusammenhang würde dann ja auch das russische Öl-Embargo beendet. MdB Dr. Alice Weidel sprach sich im Rahmen der aktuellen Generaldebatte zum Bundeshaushalt 2026 zu recht für den Bezug von russischem Erdöl und Erdgas aus. Letzteres am besten im Rahmen einer Premiumpartnerschaft.

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