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QE auf chinesisch: So stützt Peking Schrottunternehmen mit 63 Milliarden Euro

Wie läuft das „Quantitative Easing“ (QE/Gelddrucken und Anleihen kaufen) in Europa, USA und Japan? Die Notenbank druckt virtuell Geld und kauft damit Staatsanleihen und Unternehmensanleihen. In China läuft das etwas anders, und wird deswegen auch nicht als QE bezeichnet oder als solches wahrgenommen.

Aktuell verleiht die chinesische Zentralbank „People´s Bank of China“ 502 Milliarden Yuan oder umgerechnet 63 Milliarden Euro an Geschäftsbanken in China, zu einem Zinssatz von 3,3%. Die Banken dürfen dieses Geld nur dann von der Zentralbank abfordern, wenn sie damit Kredite an Unternehmen vergeben, oder deren Anleihen kaufen. Wenn eine Bank vorhat mit dem Zentralbankgeld Unternehmensanleihen zu kaufen mit einem Rating schlechter als AA+, erhält sie deutlich mehr Kredit von der Zentralbank als für den Kauf höherwertiger Anleihen.

Mit diesem „dezenten“ Hinweis der Zentralbank wird dieses Geld quasi direkt in die Schrottanleihen geleitet. Somit kauft nicht die Zentralbank die Anleihen und trifft auch keine spezifische Kaufentscheidung. Aber sie gibt die Richtung vor. Die Entscheidung welche Anleihe man kauft sowie das Risiko hierfür liegt somit bei der Geschäftsbank, welche den Kredit bei der Zentralbank aufnimmt.

Das ist eine viel dezentere Methode den Markt zu fluten und zu stützen, als es EZB und Fed jahrelang getan haben. Aber warum diese Maßnahme? Nun, zunächst einmal sind in China im ersten Halbjahr bereits 20 Anleihen von 13 Unternehmen nicht mehr bedient worden. Die Schuldner konnten also nicht zurückzahlen, und sind pleite.

Jetzt, da Donald Trump dabei ist mit voller Wucht um sich zu schlagen, dürften deutlich mehr chinesische Unternehmen vor allem aus der Exportbranche Probleme bekommen. Die Ausfallraten dürften zunehmen. Da ist es gerade in diesem Augenblick logisch, dass der chinesische Staat den Sektor für besonders gefährdete Unternehmensschulden künstlich stützen will. Ähnlich war es ja beispielsweise in den letzten Jahren bei Italien. Ohne die Käufe italienischer Staatsschulden durch die EZB wäre das Land sicher in großen Schwierigkeiten.

Es ist nachvollziehbar, dass Peking gerade jetzt versucht den eh schon großen Markt mit kaputten Unternehmensschulden zu stützen. Man will sich nicht die Blöße geben, dass möglicherweise dank der aktuellen und anstehenden Strafzölle der USA in China reihenweise Zombie-Firmen endgültig pleite gehen. Man darf vermuten, dass weitere Injektionen solcher Art in China anstehen, wenn die USA wie von Donald Trump angekündigt ihre Importzölle ausweiten.



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1 Kommentar

  1. Und schaut euch mal das Geldmengenwachstum in China an: Das M2-Wachstum ist nun auf den historischen Tiefstwert von 8% (in Worten acht Prozent) gefallen. Im Schnitt bis 2011 lag es sogar bei über 18% p.a., von 2012 bis Mitte 2016 waren es noch 13% p.a. und seitdem fällt das Wachstum stetig. Solche Werte wurden in den USA oder Deutschland historisch kaum erreicht, allenfalls zeitweise in den 1970ern.

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