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Aktienmärkte in guter Laune Quartalszahlen: Mega-Gewinnwachstum überschattet Iran-Krise

Die Quartalszahlen zeigen beidseits des Atlantiks ein richtig tolles Gewinnwachstum. Aktienmärkte steigen, der Iran-Krieg wird ignoriert.

Kurstafel auf dem Parkett der Frankfurter Börse. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

In Sachen Iran-Krise ist keine Entspannung in Sicht. Gerade erst hat der Iran einen neuen Hardliner zum Chef des Obersten Sicherheitsrats ernannt. Eigentlich wäre das für die Aktienmärkte ein Schock. Aber die Kursverläufe der letzten Wochen und vor allem der letzten Tage zeigen: Die Quartalszahlen fegen den Iran-Krieg als Negativ-Argument beiseite. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist richtig gut, was die Anleger honorieren in Form steigender Aktienkurse!


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Quartalszahlen glänzen – und Aktienmärkte fokussieren sich darauf

Nicht nur in den USA, auch in Europa übertrifft das Gewinnwachstum der Unternehmen die Erwartungen derzeit deutlich. Dabei ist kurioserweise gerade der Iran-Krieg ein positiver Einflussfaktor. Denn die Energiekonzerne konnten durch die höheren Ölpreise im zweiten Quartal ihre Gewinnmargen ausweiten, und haben prächtig verdient. Auch Tech-Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks verdienen gut. Und auch andere Bereiche der Volkswirtschaften in USA und Europa zeigen keinen Absturz aufgrund des Iran-Kriegs.

Im Chart sehen wir den Verlauf der letzten drei Monate: Der Dax steigt um 8,49 %, der Stoxx Europe 600 um 7,98 % und der S&P 500 um 4,85 %. Vor allem in den letzten drei Wochen geht es deutlich bergauf. Es scheint (nach jetzigem Stand) eine Wiederholung der Entwicklung stattzufinden, die man vor genau drei Monaten sah: Nach dem Großteil der gemeldeten Quartalszahlen für das erste Quartal stiegen die Aktienmärkte massiv an, weil die Zahlen der Chiphersteller richtig gut waren, und sich KI-Bedenken am Markt in Luft auflösten. Diesmal könnten gute Zahlen in der Breite der Unternehmen und die Resilienz der Realwirtschaft in USA und Europa gegen negative Einflüsse des Iran-Kriegs die Aktienmärkte anfachen.

Aktienmärkte steigen deutlich an

„Gewinngetriebene Rallye“


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Märkte auf Rekordhöhen werfen unweigerlich dieselbe Frage auf: Wie weit können sie noch steigen? Nachdem US-Aktien im vergangenen Jahr um mehr als 20 % zugelegt haben, fragen sich Anleger verständlicherweise, ob die Rallye überzogen ist, so formuliert es aktuell Tim Murray, Kapitalmarktstrategist bei T. Rowe Price. Doch der heutige Markt unterscheidet sich seiner Aussage nach deutlich von den späten Konjunkturzyklus-Anstiegen, die in der Vergangenheit einer Korrektur vorausgingen.

Der entscheidende Unterschied bestehe nämlich darin, dass es sich hierbei um eine gewinngetriebene Rallye handelt. Während die Aktienkurse weiter gestiegen sind, ist das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 im vergangenen Jahr gesunken. Mit anderen Worten: Die Bewertungen sind weniger anspruchsvoll geworden, obwohl die Märkte neue Höchststände erreicht haben, so Tim Murray. Dies sei ein deutlich anderes Umfeld als in früheren Phasen, in denen steigende Bewertungskennzahlen – und nicht verbesserte Fundamentaldaten – die Renditen antrieben.

Die jüngste Saison der Quartalszahlen hat dieses Bild bestätigt. Die Unternehmen haben die Erwartungen weiterhin übertroffen, obwohl die Analysten ihre Prognosen stetig nach oben korrigiert haben. Mehr als 80 % haben die Gewinnschätzungen übertroffen, was darauf hindeutet, dass die Unternehmensstärke weit über die größten AI-bezogenen Titel hinausreicht, so Tim Murray. Während sich der Immobilienmarkt weiterhin verhalten zeigt, beweisen die meisten anderen Bereiche der US-Wirtschaft seiner Aussage nach weiterhin Widerstandsfähigkeit. Frühere Befürchtungen, dass geopolitische Spannungen – einschließlich möglicher Störungen in der Straße von Hormus – die Konjunktur erheblich bremsen würden, hätten sich bislang noch nicht in den Unternehmensgewinnen niedergeschlagen.

Ipek Ozkardeskaya über tolles Gewinnwachstum in USA und Europa

In den USA haben 88 % der S&P-500-Unternehmen ihre Quartalszahlen für das zweite Quartal bereits veröffentlicht, deuten die Zahlen auf eine Gewinnwachstumsrate von 50,4 % hin, so sagt es heute früh Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst beim Broker Swissquote. Sollte sich 50,4 % als tatsächliche Wachstumsrate bestätigen, wäre dies laut FactSet das höchste vom Index gemeldete Gewinnwachstum seit dem 2. Quartal 2021 (91,6 %). Auch das Umsatzwachstum sei mit 15 % sehr stark – der höchste Wert seit dem 4. Quartal 2021. Der Energiesektor ist laut Ipek Ozkardeskaya dank der aufgrund des Nahostkonflikts in die Höhe schießenden Energiepreise der größte Gewinner des zweiten Quartals mit einem Umsatzwachstum von 42,5 %, gefolgt von Technologieunternehmen mit einem Umsatzwachstum von fast 36 % – wobei die Chiphersteller mit einem Wachstum von 77 % besonders gut abschnitten.

Interessanterweise konnten die überragenden Quartalszahlen der Chiphersteller ihrer Aussage nach weltweit die Anleger jedoch größtenteils nicht beeindrucken. Wir beobachteten das gleiche Muster, bei dem besser als erwartete Gewinne zu deutlichen Kursverlusten bei koreanischen und US-amerikanischen Chipherstellern führten. Das jüngste Beispiel ist der Kursrückgang von AMD um rund 7 % nach der Gewinnveröffentlichung.

Anleger gewöhnen sich laut Ipek Ozkardeskaya allmählich an den Gedanken, dass die zusätzlichen KI-Investitionen zunehmend über Fremdkapital finanziert werden und dass sie bereit sind, es zu versuchen, sofern die Cloud-Umsätze die hohen Ausgaben rechtfertigen können. Darauf deutete der riesige Anleiheverkauf von Alphabet in der vergangenen Woche hin. Die Nachfrage war stark – die Emission war rund viermal überzeichnet. Ein Zeichen dafür, dass die Berichtssaison doch nicht so schlecht verlaufen ist.

Auch Gewinnwachstum in Europa glänzt

In Europa verlief die Berichtssaison für das zweite Quartal bislang ebenfalls überraschend stark. Für die Stoxx-600-Unternehmen wird nun ein Gewinnwachstum von rund 22 % erwartet – das stärkste Wachstum seit 2022 und deutlich über den zu Beginn der Saison prognostizierten rund 14,5 %. Auch hier leistet der Energiesektor dank des Anstiegs der Öl- und Gaspreise infolge des Krieges im Nahen Osten einen Großteil der Arbeit, doch die Verbesserung hat sich trotz der Energiekrise über den Sektor hinaus ausgeweitet. Das Gewinnwachstum in den Quartalszahlen ohne den Energiesektor wird nun bei rund 12 % erwartet, was etwa dem Doppelten der vor Beginn der Saison prognostizierten 5,5 % entspricht, so Ipek Ozkardeskaya. Europa hinkt daher zwar weiterhin dem spektakulären Gewinnwachstum von 50 % in den USA hinterher, doch die Entwicklung ist eindeutig positiv, da die Unternehmen die relativ vorsichtigen Erwartungen, mit denen sie in die Berichtssaison gestartet waren, deutlich übertreffen. Natürlich spüren einige spezifische Sektoren, wie beispielsweise die Fluggesellschaften, die Auswirkungen.

Meine Meinung zum Schluss

Die starken Quartalszahlen beidseits des Atlantiks sorgen dafür, dass die Aktienmärkte weiter steigen können, ohne dass sich KGV-Bewertungen merklich verteuern. Ein Idealzustand für die Anleger. Es ist durchaus beachtlich, dass die westlichen Volkswirtschaften nicht deutlicher von der Iran-Krise runtergezogen wurden. Langfristig dürfte die Sperrung der Straße von Hormus dazu führen, dass sich die Verbraucherländer anpassen und ihre Lieferantenbasis diversifizieren, was sie resilienter macht beim nächsten Krieg in der Region. Aber ich schweife ab. Die Aktienmärkte in Europa und den USA haben auf Sicht von Monaten und mehreren Quartalen das große Risiko vor sich, dass nicht genug Wachstum bei KI-Nutzerzahlen nachkommt, um die dramatisch hohen Kosten, Schuldenaufnahmen und Zinslasten der Betreiber und der Chiphersteller im Hintergrund zu refinanzieren. Aber für den Augenblick feiern die Märkte offenbar, dass das Gewinnwachstum bei der breiten Masse der Unternehmen Platz schafft für höhere Kurse.



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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