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Rabatt für Amazon-Premiumangebote für verarmte Amerikaner: Damit wird wohl alles nur noch schlimmer

FMW-Redaktion

In Deutschland ist es beim Beziehen von Extraleistungen beispielsweise so: Wer sich bei einer privat veranstalteten „Tafel“ Essen abholen will, muss nachweisen, dass er Hartz 4-Empfänger ist. In den USA gibt es kein Hartz 4, aber es gibt staatliche Sonderprogramme wie zum Beispiel Lebensmittelmarken, mit denen man im Supermarkt einkaufen kann. Viele Amerikaner, die auf solche Marken angewiesen sind, gehen aber Vollzeit arbeiten. Sie verdienen aber so wenig, dass sie diese Marken trotzdem benötigen.

Nun ist diese Woche etwas sehr Interessantes passiert. Die allumfassende „Krake“ Amazon, die in den USA mehr als 50% des Onlineshoppings ausmacht und immer mehr Kaufhäuser und Ladenketten verdrängt, hat auf den ersten Blick sagen wir mal „sein Herz für die Bezieher von staatlichen Leistungen entdeckt“ – also die armen Leute. Wer in den USA in staatlichen Unterstützungsprogrammen als Empfänger registriert sei, könne das „Amazon Prime“-Angebot statt eigentlich für 10,99 für nur 5,99 Dollar im Monat nutzen.

Darin enthalten ist zum Beispiel die freie Nutzung von Amazon Prime Video, Music uvm. Entscheidend aber ist: Damit erhält der Kunde seine Lieferungen von Amazon ohne Versandkosten! Das wird für viele Konsumenten tatsächlich interessant sein. Damit werden sich viele Kunden, die jeden Dollar drei Mal umdrehen müssen, noch mehr als ohnehin schon sagen „lass uns dies und jenes doch über Amazon kaufen, wenn der Versand gratis ist“.

Also, was soll daran schlimm sein? Auf den ersten Blick wirkt das wie eine kleine nette Geste von Amazon, dass man kostenpflichtige Extra-Dienstleistungen jetzt auch Geringverdienern und Empfängern staatlicher Leistungen (also armen Leuten) zugänglich machen will. Eigentlich doch eine gute Sache, oder? Langfristig und volkswirtschaftlich gesehen wird so eine Maßnahme (so meinen wir) die Lage der unteren Schichten in den USA nur noch verschlimmern. Denn der Dienstleistungssektor in den USA ist der Wirtschaftsfaktor Nummer 1. Die große Masse der Geringverdiener arbeitet in einfachen Jobs im Einzelhandel oder in der Gastronomie.

Wenn von den eh schon armen Leuten noch mehr ihrer normalen Einkäufe über Amazon gemacht werden, verlieren noch mehr arme Leute Jobs in Käufhäusern und Ladenketten, weil sich der Umsatz hin zu Amazon verlagert. Wo vielleicht 10 Jobs verloren gehen, schafft Amazon als Ersatz vielleicht einen neuen Job in einem Logistikzentrum? Denn durch die viel höhere Effizienz beim Onlineshopping wird all das Personal in den Ladenlokalen nicht mehr benötigt. So werden durch die Verlagerung vom stationärem Einzelhandel hin zum Onlinehandel immer mehr Jobs vernichtet.

Zitat Amazon:

“We know when people try Prime they love it, because they save time and money with low prices on millions of items, unlimited access to premium videos and music, and fast, convenient delivery,” said Greg Greeley, Vice President of Amazon Prime. “We designed this membership option for customers receiving government assistance to make our everyday selection and savings more accessible, including the many conveniences and entertainment benefits of Prime.”

Genau da ist das Problem. Schneller, einfacher und komfortabler Zugriff auf viele günstige Produkte. Mit der Konsumverlagerung hin zu Amazon sägt der Bezieher von Essensmarken, der von seinem Job beispielsweise bei einer Bekleidungskette nicht leben kann, an dem schmalen Ast, auf dem er selbst sitzt.



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2 Kommentare

  1. Die „schöne“ neue Welt und das mit allen damit verbundenen Konsequenzen.

  2. Es wird Zeit für einen Systemwechsel!!!

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