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Globale Angst um Getreideknappheit Nervosität bei Weizen: Raketenangriff auf Odessa – Weizenpreis steigt

Die Nervosität bei Weizen bleibt weiterhin groß. Der Raketenangriff auf Odessa hat den Weizenpreis wieder ansteigen lassen.

Ernte von Weizen

Ist das in Istanbul geschlossene Abkommen zwischen Russland, der Ukraine und der Türkei bereits wieder hinfällig? Samstag auf Sonntagnacht traf eine russische Rakete die ukrainische Hafenstadt Odessa an der Schwarzmeerküste, dem wichtigsten Exporthafen für Getreide. Ist das am letzten Freitag in Istanbul geschlossene Abkommen bereits nach wenigen Tagen gescheitert? Nachdem man sich in Istanbul über den Export von ukrainischem Weizen über das Schwarze Meer geeinigt hatte, um eine weltweite Hungerkrise zu verhindern, war der Kurs an der CBOT (Chicago Board of Trade, wichtigste Rohstoff-Börse der USA) um über sechs Prozent gefallen. Der Raketenangriff nährt nun Zweifel, ob das Abkommen tatsächlich umgesetzt wird. Der Weizenpreis reagiert heute, Montag den 25. Juli, mit erneuten Kursaufschlägen und ist somit seit Kriegsausbruch immer wieder heftigen Schwankungen ausgesetzt.

Weizen für den Weltmarkt – was wurde in Istanbul genau beschlossen?

Unter der Vermittlung von UN-Generalsekretär António Guterres ist es am Freitag zum Abschluss des sogenannten Getreide-Abkommens zwischen Russland, der Ukraine und der Türkei gekommen. Das Abkommen soll den Export von Weizen aus der Ukraine über die Häfen am Schwarzen Meer ermöglichen. Für Russland unterzeichnete der Verteidigungsminister Sergej Schoigu, auf ukrainischer Seite Infrastrukturminister Olexander Kubrakow, und auf türkischer Seite der Verteidigungsminister Hulusi Akar. Das Abkommen gilt 120 Tage, kann aber verlängert werden. Die Häfen Odessa, Tschornomorsk, und Juschni wurden als Export-Häfen vereinbart. Minen werden vorerst nicht geräumt, sondern ukrainische Lotsen sollen die Schiffe an den hochexplosiven Sprengkörpern vorbei navigieren. Zudem werden die Schiffe in Istanbul bei An- und Abfahrt von Behörden auf Waffen untersucht. Das Kontrollzentrum in Istanbul soll von den Vereinten Nationen geleitet und von Vertreter aus Russland, der Ukraine und der Türkei besetzt werden. Das unterzeichnete Abkommen wurde auf der Facebookseite von Andriy Sybiha, dem stellvertretenden Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, gepostet und kann dort eingesehen werden:

https://www.facebook.com/andrij.sybiha.7

Weizenpreis seit Kriegsbeginn

Am 24. Februar 2022, dem Beginn der russischen „Spezial-Operation“ (Angriffskrieg) in der Ukraine, eröffnete Weizen an der CBOT bei 808,2 US-Dollarcents pro Bushel (1 Kontrakt = 5.000 Bushel, ca. 136 Tonnen). Ab dem Zeitpunkt, wo russische Panzer durch die Ukraine rollten, kannte Weizen nur noch eine Richtung, nach oben. Am 17. Mai erreichte der Kurs seinen Höchststand bei 1.285 US-Dollarcents je Bushel. Seitdem ging es scharf bergab. Aktuell steht der Kurs bei ca. 797,4 US-Dollarcents, also unter dem Preis vor Kriegsausbruch. 20 Millionen Tonnen Getreide warten mittlerweile in der Ukraine auf den Export nach Afrika und Asien, denn die Ukraine ist einer der wichtigsten Weizen-Exporteure der Welt. Bisher konnte nur ein kleiner Teil über Straßen, Binnenflüsse und Schienen abtransportiert werden. Dies hatte bisweilen große Abnehmer gezwungen, nach anderen Bezugsquellen zu suchen und die Preise nach oben getrieben.

Weizenpreis im Kursverlauf

Zentralbank wertet Landeswährung Hrywnja um 25 Prozent ab

Der Export des Getreides würde nicht nur den Ländern, die auf Importe angewiesen sind, zukommen, sondern auch die vollen Lagerflächen leeren, die für die neue Ernte benötigt werden. Die Lage ist also weiterhin sehr angespannt. Außerdem ist für die ukrainische Regierung der Export von Weizen überlebenswichtig, denn die fehlenden Devisen aus dem Export haben bereits die Zentralbank am Donnerstag dazu veranlasst, die Landeswährung Hrywnja um 25 Prozent abzuwerten. Gleichzeitig wurden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, von heimischen Konten aus darf nur noch maximal 800 Euro pro Monat ins Ausland überwiesen werden.

Raketenangriff auf Odessa „galt militärischen Zielen“

Der Raketenangriff auf Odessa nährt nun wieder Zweifel, ob Russland sich an das Abkommen halten wird. Auf ukrainischer Seite wurde berichtet, dass keine Getreidesilos getroffen wurden. Ein Sprecher des russischen Auswärtigen Amtes bestätigte, die Rakete habe „militärische Infrastruktur-Einrichtungen“ zerstört. Die Lage an den weltweiten Agrar-Rohstoffmärkten bleibt weiterhin nervös. Erst wenn die ersten Schiffskonvois, vollbeladen mit Weizen, Kurs auf Istanbul nehmen, könnte sich die Lage an den Agrarmärkten deutlich entspannen. Der Landeswährung Hrywnja würde es auch sicher wieder Auftrieb verleihen.



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1 Kommentar

  1. Hört ,hört Minen also doch von der Ukraine.Das klang aber vor Tagen noch ganz anders,da war es spekulation von besser Informierten.
    Warum sollte Russland den Weizenexport verhindern und sich so negative PR aus den ihnen wohlgesonnen „nicht Weststaaten “ einhandeln. Wieder völlig unlogisch und an den Wahrscheinlichkeiten vorbei.

    Es geht in einer Tour mit den Informationschaos weiter,wie in den letzten 2 Jahren. Bis auf das Putin in der Tat einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt (meiner Meinung nach ziemlich zurückhaltend,da ginge sicherlich noch mehr „Wumms“) ,ist fast alles was an offiz. Informationen kommt ,immer mit ????? zu händeln und bleibt irgendwie auch nicht wirklich kleben.

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