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Rasanter Corona-Anstieg – warum ignoriert der Dax die Risiken?

In Deutschland steigen die Corona-Infektionen seit ein paar Tagen rapide an, den Dax scheint das aber nicht zu beeindrucken. Der Herbst hat zwar gerade erst begonnen, dennoch nehmen die Infektionen schon sprunghaft zu. Gestern hat sich der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, zu Wort gemeldet, nach seiner Einschätzung könnten die täglichen Neuinfektionen in den nächsten Wochen und Monaten auf mehr als 10.000 Fälle ansteigen. Während die täglich neu gemeldete Fallzahl am Dienstag noch bei 2.400 lag, sind die Neuinfektionen am Mittwoch schon auf 4.000 angestiegen und am Donnerstag bereits auf mehr als 4.500. Hier ein Diagramm der Neuinfektionen von Statista.

Damit wurde wieder das Niveau vom April erreicht. Trotzdem zeigt sich der deutsche Leitindex total unbeeindruckt von der aktuellen Lage. In dem gleichen Zeitraum hat es der Dax sogar geschafft die 13.000 Punkte-Marke zu überwinden. Da fragt man sich schon, wie das möglich ist? Seit den März-Tiefs hat der Leitindex mal eben einen Anstieg von über 50 % hingelegt und dabei nahezu die gesamten Verluste wieder ausgebügelt.

Es ist ja nicht so, dass die Risiken dramatisch nachgelassen haben. Viele Städte, wie zum Beispiel Berlin und Frankfurt, haben Sperrstunden eingeführt. Darüber hinaus werden immer mehr Städte und Regionen als Risikogebiete erklärt, dazu gehören unter anderem Offenbach, Berlin und neuerdings auch Bremen. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit die Corona-Maßnahmen zu erhöhen und partielle Lockdowns einzuführen. Dies wiederum würde auf die konjunkturelle Erholung drücken und viele Unternehmen belasten.

Warum steigt der Dax-Kurs dennoch?

Zum einen kann das damit begründet werden, dass sich viele zyklische Werte im deutschen Leitindex befinden. Deutschland ist ein Exportland und profitiert folglich von der Erholung der Exportwirtschaft. Insbesondere China, die sich schneller als gedacht von der Pandemie erholt haben, ist als großer Nachfrager eine Stütze. Dadurch konnte sich der Dax zuletzt stabil halten, da die Anleger bei zyklischen Werten aufgrund der verbesserten Aussichten vermehrt zugegriffen haben. Insbesondere die Unternehmen die international tätig und nicht so stark von der heimischen Wirtschaft abhängig sind, leiden weniger unter den Folgen der Corona-Pandemie.

Geldflutungen lassen den Dax ansteigen

Ein wahrscheinlich ganz entscheidender Punkt ist, dass einfach Unmengen von Liquidität im Markt vorhanden sind. Die Geldflutungen von Notenbanken und Regierungen stützen dementsprechend die Börsen. Die Liquidität sucht nach Anlagemöglichkeiten und in dem derzeitigen Niedrigzins-Umfeld sind Aktien nun einmal das einzige Asset, wo man noch gute Renditen erzielen kann (TINA). Aufgrund dessen nutzen Investoren noch jeden Dip im Dax, um „günstig“ in die Rally einsteigen zu können. Zudem haben viele Institutionelle verpasst frühzeitig auf den Zug aufzuspringen, diese sind gezwungen auch auf dem hohen Niveau noch zu investieren.

Die Börse handelt die Zukunft

Ein weiterer Grund für den Anstieg ist, dass die Börse die Zukunft und nicht das Hier und Jetzt handelt. Zwar sehen die Konjunkturdaten nur zum Teil wieder besser aus, aber die Investoren blicken schon auf das, was nach der Pandemie kommt. Die Hoffnung an der Börse ist momentan riesig, man geht von einem Best-Case-Szenario aus, in dem alles relativ schnell wieder auf das Niveau vom Jahresanfang steigt und sogar in Segmenten wie Technologie weit darüber hinausgeht. Hier sehen Sie die aktuelle Entwicklung des Dax-KGV. Wenn man sich den Konsum anschaut, dann zeigt sich dieser sehr robust, trotz der vielen Einschränkungen, die zurzeit vorhanden sind. Nichtsdestotrotz muss man einschätzen, ob die relativ hoch bewerteten Dax-Unternehmen die künftig erwartenden Gewinne tatsächlich erzielen können. Am Ende des Tages zählt auf lange Sicht weiterhin das Gewinn- und Umsatzwachstum der Unternehmen.

Fazit

Es gibt zwar gute Gründe für die starke Erholung im Dax, aber sind die hohen Erwartungen auch zu erfüllen? Die Märkte preisen momentan eine umfassende Erholung der Wirtschaft weitgehend ein. Was ist, wenn sich die konjunkturelle Erholung durch eine Ausweitung der Corona-Maßnahmen verlangsamt? Die Risiken der Corona-Pandemie bestehen immer noch und können sich jederzeit durch einen Anstieg der Fälle erhöhen. Oft kann eine plötzliche Veränderung der Situation ein Auslöser für einen Abverkauf sein. Bisher ist es auch nicht abzusehen, wie lange wir noch mit der Situation leben müssen.

Ein Impfstoff wäre sicherlich ein großer Schritt, aber kurzfristig kein Allheilmittel, da die Wirksamkeit sich erst zeigen muss und die Produktion für die breite Masse noch lange andauern kann. Außerdem stehen die Kurse zahlreicher Unternehmen aktuell bereits höher als zu Jahresbeginn, trotz geringerer Gewinne und Wachstum. Die Entkopplung der Realwirtschaft von den Aktienmärkten kann sich nicht unendlich ausweiten. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sich die Kurse an die Realwirtschaft angleichen. Auch wenn das noch etwas andauern kann.

Die vermeintliche Stärke das Dax trotz Corona-Risiken



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5 Kommentare

  1. Was haben wir uns nicht über die auf uns zukommenden täglichen Coronainfektionszahlen
    von Frau Merkel gewundert (19.200 ist doch fast real)

    Es läuft doch Alles nach Plan ! (bis auf die Totenzahlen)

  2. Das mit den Höhenflügen der Börsenindizes ist schon sehr verwunderlich.

    Sie haben Recht Herr Jäger, alle relevanten Dinge sind verschachtelt, viele Leute und Firmen leben noch von Reserven, viele Auswirkungen von bestimmten Vorgängen sind überkomplex und das Eintreten der Folgen ist zeitlich sehr schwierig vorauszuschätzen.

    Die Wirtschaft hat mehrere saftige Wirkungstreffer erhalten. Und die Folgen werden sich über die Zeit branchenüberschreitend in die Breite fressen.

    Der Staat stemmt sich mit Macht gegen drohenden Niedergang. Das fuelt die Börse. Aber das Ausmaß der Rettungsaktion ist doch ein Hinweis darauf wie schlimm die Situation ist. Auch wenn der Bürger denkt daß noch alles so wie immer ist.

    Es ist nicht wie immer. Wie lange kann sich der Staat noch leisten ein Milliardenprogramm nach dem anderen rauszufeuern bei schlechteren Einnahmen? Bevor er Pleite ist oder radikale Maßnahmen anwendet? Wie lange kann er warten um sich die Milliarden zurückzuholen?

    Wer so denkt, so meine ich, denkt korrekt. Das muß aber einen trotzdem nicht abhalten, an geeigneten Tagen in die Börse reinzugehen mit einem knappen trailing stop loss.

    Die Tage der Schmerzen werden kommen, jede Wette. Aber wann? Gläubige Börsianer wissen daß nur ER das weiß … aber ER ist als Allwissender von allen Börsengeschäften ausgeschlossen und darf uns auch keine Tips geben.

  3. Ganz einfach, die US- Börse ist die Leitbörse und warum diese steigen muss oder mindestens nicht fallen darf bis zu den Wahlen wissen wir doch.Das PP- Team hat soeben die beste Woche seit langem hingezaubert.

  4. @Kunstbulle. Was für ein Kommentar aus der Kategorie – heimliche Mächte! Wer steckt denn hinter dem legendären Plunge Protection Team? Eine ehemalige Arbeitsgruppe, in der der US-Finanzminister, der Fed-Cef, die Börsenaufsicht SEC und Weitere stecken und die für absolute Notsituationen geschaffen wurde. Diese haben nichts Besseres zu tun, als hin und wieder ein paar Milliarden Dollar in die Aktienmärkte zur Kurspflege zu pumpen. Haha, wo die Politik derzeit nicht einmal in der Lage ist, ein Rettungspaket für die Arbeitslosen zu schnüren. Es würde auch gar nicht auffallen, wenn immer wieder ein paar Milliarden Dollar aus dem Haushalt abgezweigt werden. Wo doch der Präsident schon seit drei Jahren mit allen Tricks für seine Mauer kämpft, um das Geld von irgendwoher zu bekommen. Wir leben halt in einer Zeit, wo vieles geglaubt wird.

  5. Warum steigt der DAX trotz der vermeldeten, steigenden Fallzahlen von Covid19-positiv Getesteten. Weil der DAX vielleicht „weiß“, dass diese Fallzahlen nur durch eine Zunahme der Tests entstehen, um die Fakedemie am Kochen zu halten, und weil die Gefährlich dieser Erkrankung im Fallen ist, weil mit der Zunahme der Fallzahlen die Anzahl der schwer Erkrankten und Verstorbenen eben nicht am Steigen ist.
    Somit ist nicht Covid ein Marktrisiko, sondern die irrationalen Handlungen der Politiker, die man endlich einmal für ihr Tun in persönliche Haftung nehmen sollte.

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